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Märchen als Schlüssel zu sich selbst und zur Welt: Eine Auseinandersetzung mit russischen Märchen

Autor: Olga Ehrlich
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit

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Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 125
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 62  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 3278 KB
Archivnummer: V43719
ISBN (E-Book): 978-3-638-41455-5

Textauszug (computergeneriert)

Fachhochschule Mannheim
Hochschule für Sozialwesen
Diplomarbeit

Märchen als Schlüssel zu sich selbst und zur Welt
Eine Auseinandersetzung mit russischen Märchen

eingereicht von:
Olga Ehrlich

Sommersemester 2005

 

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis ... 5

Vorwort ... 6

1. Einleitung ... 8

2. Märchenkatalog ... 10

3. Märchenforschung ... 28
3.1. Herkunft des Märchens ... 28
3.2. Wichtige Untersuchungsergebnisse der Märchenforschung ... 31
3.3. Allgemeines Schema der Analyse des Märchens ... 35

4. Das Wunderbare im Märchen ... 36
4.1. Das Zaubern und die menschliche Phantasie ... 36
4.2. Die Notwendigkeit des Zauberns für das Kind ... 37

5. Die Soziale Funktion des Märchens ... 40
5.1. Die moralische Erziehung ... 40
5.2. Die Weisheit der Alten ... 45
5.2.1. Der Vater ... 47
5.2.2. Die Mutter ... 48
5.3. Sozialkritik ... 49

6. Analyse des Kindermärchens ... 51
6.1. Hauptfigur ... 51
6.1.1. Der Name ... 51
6.1.2. Die Eltern und das soziale Milieu ... 52
6.1.3. Die Eigenschaften der Hauptfigur ... 53
6.2. Die Gegenspieler des Märchenhelden ... 57
6.3. Die Herausforderung ... 58

7. Symbole, Sinnbilder ... 63

8. Tiefenpsychologische Gesichtspunkte ... 67
8.1. Die Erlösung ... 68
8.2. Angst abbauende Funktion ... 69
8.3. Die Bausteine der Persönlichkeit ... 75
8.4. Der Inzest ... 77
8.5. Identitätssuche und Autonomiegewinnung ... 78
8.6. Liebesbedürfnis ... 81

9. Das Märchen und die Entwicklung der seelischen Kräfte ... 85

10. Märchen sind Lebenshilfe ... 88

11. Die Darstellung der Märchen in den Medien ... 93
11.1. Märchen in Film und Fernsehen ... 93
11.2. Märchen in Comics, Cartoons und Karikatur ... 97

12. Die Kunst des Märchenerzählens ... 101

13. Der Einsatz von Märchen in der Sozialen Arbeit ... 103

14. Der Einsatz von Märchen im Kindergarten ... 106

15. Zusammenfassung ... 109

Quellen

Anhang
Allgemeines Schema der Analyse des Märchens
Das Volksmärchen „Der Kloß“
Kriterien für Erzählerinnen und Erzähler im Rahmen EMG

 


„Märchen: das uns unmögliche Begebenheiten unter möglichen oder unmöglichen Bedingungen als möglich darstellt.“1
Johann Wolfgang von Goethe

Vorwort

Es war einmal ein russischer Zar. Er hatte drei Söhne. Er sagte ihnen, sie sollten einen silbernen Bogen und einen kupfernen Pfeil nehmen und damit so weit schießen wie sie konnten. Wo immer die Pfeile niedergingen, würden sie ihre Bräute finden. Der Pfeil des ältesten Sohnes bringt eine Zarentochter, der des zweiten Sohnes eine Herzogstochter, der Pfeil des jüngsten Sohnes Ivan fällt in einen Tümpel. Einen Frosch soll Ivan heiraten, der sich dann aber in eine wunderschöne Zarentochter verwandelt.

Dieses Märchen „Carevna Ljagu(?)ka“2 [=Zarentochter Frosch] wurde zu meinem Lieblingsmärchen und wird für immer in allen Einzelheiten in meinem Gedächtnis bleiben.

Nicht nur für mich persönlich ist die Begegnung mit der zauberhaften Märchenwelt ein schönes Erlebnis. Jeder Mensch trägt schöne Erinnerungen an seine Lieblingsmärchen oder -melodien in sich, die er mehrmals gehört hat. Aufmerksam wurde ich auf das Thema dieser Diplomarbeit als ich mein pädagogisches Praktikum im Kindergarten gemacht habe und die Begeisterung der Kinder bei der Märchenstunde beobachtet habe.

Das Märchen besitzt meiner Meinung nach eine magische Kraft, die auf die menschliche Seele wie Balsam wirkt. Sie beruhigt, gibt Hoffnung und bringt auf optimistische Gedanken. Ich möchte die Wirkung und die Bedeutung dieser literarischen Form genau untersuchen und in der Arbeit „Märchen als Schlüssel zu sich selbst und zur Welt“ möchte ich meinen Berufsgenossen das Märchen unter verschiedenen psychologischen Aspekten präsentieren und diese seelische Schlüsselfunktion ergründen.

Es gibt eine unendlich große Zahl von allen möglichen Märchen. In meiner Arbeit möchte ich mich auf diejenigen Märchen konzentrieren, die sowohl bei mir als auch bei vielen anderen Menschen eine Faszination hervorgerufen haben. Da ich bis zu meinem 20. Lebensjahr in Russland aufgewachsen bin und somit eine besondere Vorliebe für russische Literatur habe, behandele ich das russische Märchen, obwohl ich damit in eine für den deutschen Leser wahrscheinlich unbekannte Welt eintauche.

 

1. Einleitung

Märchen sind im Volk überlieferte fantastische Erzählungen. Der Begriff leitet sich von dem mittelhochdeutschen Wort maere [= Kunde] ab.

Der Begriff Märchen hat sich seit den Arbeiten der Brüder Grimm im Rahmen verschiedenartiger Gattungen eingebürgert. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sammelten die bis dahin nur mündlich überlieferten Märchen.3 Diese Märchen sind seither beliebte Kinder- und Jugendliteratur. Die Brüder Grimm befassten sich neben dieser Sammeltätigkeit auch mit der Theorie des Märchens.4  Sie beschrieben das Märchen als eigenständige literarische Gattung und grenzten es von Sagen, Legenden, Heldengeschichten, Fabeln und ähnlichen Prosaformen ab.

Märchen sind an Ort und Zeit nicht gebunden. Die typische Eingangsformel lautet: „Es war einmal…“ Charakteristisch für diese unterhaltsame Erzählform ist die Wirksamkeit übernatürlicher Kräfte (Zauber, Verwünschung) und Gestalten (Hexen, Feen, Zwerge, Riesen). Typische Charaktere (der dümmliche Zarensohn, die böse Stiefmutter) kehren immer wieder. Märchen gibt es in den Literaturen aller Völker. In der russischen Literatur ist die Sammlung von Afanas´ev5 besonders bedeutungsvoll.6 Afanas´ev bemühte sich darum, ungedruckte oder verschlossene Texte aus dem 18. und 19. Jahrhundert und besonders solche, die durch die Zensur entstellt worden waren, der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.7

Aus der großen Anzahl von Märchen haben sich in dieser Zeit einige Märchen als besonders beliebt bei den Hörern oder Lesern herausgebildet. Diese wie in einer Hitparade beliebtesten Märchen werden in jüngster Zeit auch in den modernen Medien (Internet, Film und Fernsehen) weiter verbreitet oder in Comics ganz neu dargestellt. Dabei zeigt es sich, dass die beliebtesten russischen Märchen nun auch in dieser neuen medialen Form des Märchenfilms über die Grenzen Russlands hinaus in Übersetzung bekannt werden. Deshalb habe ich einen Märchenkatalog zusammengestellt, der sowohl erzählte als auch geschriebene und verfilmte Märchen enthält.

[...]


1 Goethe 1998: S. 498

2 Narodnye skazki 1979

3 Jacob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen. 3 Bände. 1812-1822

4 Jacob und Wilhelm Grimm: Circularbrief. 1815

5 A.N. Afanas´ev: Narodnye russkie skazki. 1855-1863

6 Zusammengestellt nach: Duden 1989, Brockhaus 1998, Wilpert 1989

7 Afanas´ev 1990: S. 439

Kommentare

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