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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 28 Pages
Author: Jörg Hartmann
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: University Karlsruhe (TH) (Institut für Literaturwissenschaft)
Tags: Liebe, Liebeskonzeptionen, Mittelalter, Neuzeit, Beispiel, Andreas, Capellanus, Amore, Niklas, Luhmanns, Liebe, Passion, Gegenwart, Mittelalters
Year: 2005
Pages: 28
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 32 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-41478-4
File size: 258 KB
Die vorliegende Arbeit vergleicht die mittelalterliche Liebeskonzeption des Andreas Capellanus mit der modernen Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann. Beide Konzepte werden ausführlich und verständlich (!) vorgestellt. Den Schluss bildet die Feststellung, dass die Ideen des Andreas Cappelanus auch heute noch gesellschaftliche Aktualität besitzen.
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Excerpt (computer-generated)
Universität Karlsruhe
Institut für Literaturwissenschaft
Hauptseminar Gegenwart des Mittelalters
(SS 2005)
Liebe ist…
Liebeskonzeptionen in Mittelalter und Neuzeit am Beispiel
von Andreas Capellanus’ „De Amore“ und
Niklas Luhmanns „Liebe als Passion“
von
Jörg Hartmann
Literaturwissenschaft (HF)/ JoTe (NF); Bachelor
10. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... S. 1
2. Hauptteil ... S. 2
2.1 Systemtheorie nach Niklas Luhmann ... S. 2
2.2 Die Evolution von Gesellschaften ... S. 3
2.2.1 Segmentäre Gesellschaften ... S. 3
2.2.2 Stratifikatorisch differenzierte Gesellschaften ... S. 3
2.2.3 Funktional differenzierte Gesellschaften ... S. 4
2.2.3.1 Die Folgen der Differenzierung ... S. 4
2.3 Liebe als Passion ... S. 5
2.3.1 Liebe: ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium ... S. 5
2.3.2 Die historische Semantik des Liebesbegriffs ... S. 5
2.3.2.1 Der Liebesbegriff in den Epochen von 1600-2000 ... S. 6
2.3 Die Rolle der Literatur ... S. 7
2.4 Die Entstehung der höfischen Liebe ... S. 8
2.4.1 Gesellschaftliche Grundlagen ... S. 8
2.4.2 Wesen und Ziele der höfischen Liebe ... S. 9
2.5 „De Amore“ ... S. 10
2.5.1 Autor ... S. 10
2.5.2 Inhalt ... S. 10
2.5.3 Stilistische Eigenschaften ... S. 12
2.5.4 Rezeption ... S. 12
2.5.5 Forschungsgeschichte ... S. 13
2.6 „De Amore“ und Systemtheorie ... S. 14
2.6.1 „Hof“ als System ... S. 15
2.6.2 „De Amore“ als Zeugnis sich ausdifferenzierender Systeme ... S. 16
2.6.3 Provokation als Potential ... S. 16
2.6.4 Moderne Erzähltechniken in einem mittelalterlichen Werk ... S. 17
2.6.5 Fazit ... S. 18
3. Schluss ... S. 19
3.1 Die Gegenwart des Mittelalters ... S. 19
Verwendete Literatur
Anhang: „De Amore“, Aufbau und Inhalt
1. Einleitung
Sicher ist das Gefühl „Liebe“ keine Erfindung des Mittelalters oder gar der Neuzeit, vie lleicht gibt es sie schon seit dem Entstehen der Menschheit selbst, vielleicht ist sie ein, wenn nicht das konstituierende Merkmal von Menschlichkeit1. Frühe literarische Zeugnisse der Liebe stellen die Strophen der griechischen Lyrikerin Sappho dar, die bereits vor 2600 Jahren die Liebe besang. Auch der römische Dichter Ovid versuchte das Wesen der Liebe in einigen seiner Werke zu ergründen. Eine spezielle Ausprägung der Liebe entstand jedoch an Adelshöfen des südlichen Frankreich ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und strahlte in den folgenden Jahrhunderten auf ganz Europa aus: die so genannte „höfische Liebe“2.
Eines der ersten wissenschaftlichen Werke, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, ist das Traktat „De Amore“ von Andreas Capellanus, das im späten 12. Jahrhundert entstand. Sein Titel ist Programm: Der Autor gibt dem Leser einen detaillierten Überblick über Wesen und Regeln der höfischen Liebe. „De Amore“ erfuhr im Mittelalter eine große Rezeption und wurde schon früh in mehrere Sprachen übersetzt. Die Intention des Werkes aber war und ist bis heute umstritten, ein Umstand auf den in dieser Arbeit noch näher einzugehen sein wird. Ein modernes Werk über die Liebe entstammt der Feder des Soziologen Niklas Luhmann. In „Liebe als Passion“3 untersucht er den historischen Wandel der Liebessemantik nach systemtheoretischen Gesichtspunkten. Er sieht in Liebe weniger ein Gefühl als vielmehr ein Kommunikationsmedium, das sich im Zuge einer gesellschaftlichen Evolution von stratifikatorisch zu funktional differenzierten Gesellschaften herausgebildet hat und dessen Funktion es ist, das Problem der Individualität sozial zu integrieren. Im Folgenden wird das mittelalterliche Traktat „De Amore“ mit Luhmanns „Liebe als Passion“ kontrastiert um so zu einem vertieften wechselseitigen Verständnis beider Bücher zu gelangen. Die Arbeit stellt den Versuch dar, literarische Hermeneutik mit luhmannscher Systemtheorie zusammenzubringen. Hierfür wird im ersten Teil das Vorgehen der Systemtheorie dargestellt um die Grundlage für das Verständnis von „Liebe als Passion“ zu schaffen. Mit dem Wissen über die Grundthesen dieses Buchs wird im zweiten Teil der Arbeit das mittelalterliche Traktat „De Amore“ vorgestellt und nach systemtheoretischen Gesichtspunkten untersucht. Ziel ist es, deutlich zu machen, dass das Mittelalter zwar zeitlich weit entfernt ist, es aber auch heute noch durchaus gegenwärtig ist.
2. Hauptteil
2.1 Systemtheorie nach Niklas Luhmann
Anknüpfend an Talcot Parsons geht Luhmann von der theoretischen Grundannahme aus, dass es verschiedene, voneinander zu unterscheidende Systeme gibt. Während es Parsons um die Struktur von Systemen ging, betrachtet Luhmann dagegen deren Funktion. Als ein System gilt nach Luhmann „alles das, worauf die Unterscheidung von innen (System) und außen (Umwelt) anwendbar ist; Systeme bestehen nicht an sich, sondern sind Resultat von wirklichen Beobachtungen als Unterscheidungen und Bezeichnungen des Unterschiedenen eines Beobachters.“ 4 Ein "soziales System" bildet sich immer dann, wenn "ein autopoietischer Kommunikationszusammenhang entsteht und sich durch Einschränkung der geeigneten Kommunikationen gegen eine Umwelt abgrenzt."5 Die Elemente der sozialen Systeme sind für Luhmann weder Handlungen, noch Menschen. Soziale Systeme bestehen in seiner Universaltheorie aus Kommunikationen.6
Die Gesellschaft im luhmannschen Sinne ist ein autopoietisches System, ihre Elemente sind Kommunikationen. Alles, was nicht auf der Grundlage von Kommunikationen arbeitet, gehört demnach nicht zur Gesellschaft. Das heißt, alles, was Gesellschaft ist und was in ihr geschieht, reduziert Luhmann auf einen abstrakten Begriff von Kommunikation. Die sozialen Systeme finden sich in der internen Umwelt der Gesellschaft, der "Mensch" wird in Luhmanns Systemtheorie in deren externe Umwelt verbannt
Das Gesamtsystem Gesellschaft gliedert sich im Innern in verschiedene Systeme wie sie etwa Politik, Religion, Kunst etc., darstellen. Die jeweils anderen Systeme bilden die Umwelt. Die Aufgabe der einzelnen Systeme ist es, die ihnen zugehörigen Probleme zu bearbe iten. Dabei gibt es keine hierarchische Ordnung, alle sind gleichwertig und nicht gegeneinander austauschbar.
[....]
1 So schreibt z.B. Erich Fromm: „Der Glaube an die Möglichkeiten der Liebe als einem gesellschaftlichen Phänomen und nicht nur als einer individuellen Ausnahmeerscheinung ist ein rationaler Glaube, der sich auf die Einsicht in das wahre Wesen des Menschen gründet.“ In: Fromm, Erich: Die Kunst des Liebens. Sonderausgabe. Berlin 2004, S. 151.
2 Der Begriff der "höfischen Liebe" wurde geprägt von dem französischen Romanisten Gaston Paris, der 1883 in einem Aufsatz über "Lancelot" von Chrétien de Troyes Merkmale der höfischen Liebe herausgestellt hat. Vgl.: Bumke, Joachim: Höfische Kultur, Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 8. Aufl. München 1997, S. 504 f.
3 Luhmann, Niklas: Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Frankfurt 1994. Im Folgenden zitiert als Luhmann, 1994.
4 Krause, Detlef : Luhmann-Lexikon. Stuttgart 1996, S. 161.
5 Ebd., S. 162.
6 Luhmann, Niklas: Ökologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen? Opladen 1986, S. 269.
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