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Die Frau um die Jahrhundertwende - gesehen mit den Augen Peter Altenbergs

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 25 Pages
Author: Jana Dietsch
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Hauptseminar: Zwischen Kabaret und Kaffeehaus
Institution/College: University of Education Freiburg im Breisgau
Tags: Frau, Jahrhundertwende, Augen, Peter, Altenbergs, Hauptseminar, Zwischen, Kabaret, Kaffeehaus
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 25
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V44642
ISBN (E-book): 978-3-638-42201-7
ISBN (Book): 978-3-638-68006-6
File size: 242 KB

Abstract

"So träume ich es mir, wie es wäre, was nie sein kann und nie sein wird." (Peter Altenberg) Das Gefühl, dass die Männer im Wien des 19. Jahrhunderts in den Mädchen und Frauen nur Objekte sehen, statt deren inneres Wesen zu erkennen, wird zur Quelle der Inspiration des Neuromantikers Peter Altenberg. So widmet der kranke, bettelarme, hoffnungslos schwärmerische Dichter sein Lebenswerk den Mädchenträumen, Träume für und über junge Frauen, hin- und hergerissen zwischen Verehrung und Abscheu gegenüber den weiblichen naiven und doch berechnenden, primitiven und doch zu komplizierten Subjekten, mit dem Ziel, diese und sich selbst aus einem gefangenen Leben zu befreien.


Excerpt (computer-generated)

Pädagogische Hochschule Freiburg
Institut für deutsche Sprache und Literatur
Hauptseminar: Zwischen Kabaret und Kaffeehaus
5. Semester

Die Frau um die Jahrhundertwende –
gesehen mit den Augen Peter Altenbergs

von: Jana Wingels

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Kurzporträt Peter Altenbergs 1

3 Altenbergs Werk im Kontext der Zeit 4

3.1 Jahrhundertwende in Wien 4
3.2 Stellung der Frau in der neuen Wiener Gesellschaft 6
3.3 Literarische Produktion über und für die Frau 6

3.3.1 Das Mädchen 7
3.3.2 Die Frau 8

4 Exemplarische Textanalyse: Der Abend und Paradies 10

4.1 Der Abend 10

4.1.1 Text 10
4.1.2 Titel des Werks 11
4.1.3 Aufbau und Struktur 11
4.1.4 Thema 14

4.2 Paradies 16

4.2.1 Text 16
4.2.2 Titel des Werks 17
4.2.3 Aufbau und Struktur 17
4.2.4 Thema 19

4.3 Zusammenfassende Aussage 20
4.4 Aktualitätsbezug 22

5 Literaturverzeichnis 23



 

1 Einleitung

Mit dem Ziel, sich ein Bild von der Frau in der Wiener Gesellschaft um die Jahrhundertwende vom neunzehnten ins zwanzigste Jahrhundert machen zu können, wird im folgenden das Verhältnis Peter Altenbergs zu den Frauen seiner Zeit untersucht. Um seine, sich auf das gesamte literarische Werk des Dichters auswirkende, Einstellung zu den Frauen und zum Leben verstehen zu können, wird als erstes ein kurzes Porträt des Lebens dieses Autors gegeben, wovon ausgehend eben dieses in die charakteristischen Ereignisse um die Jahrhundertwende eingeordnet werden soll. Anschließend wird dem Leben Peter Altenbergs als Mann, das der Frau zu dieser Zeit entgegengesetzt. Erst objektiv, dann subjektiv, betrachtet mit den Augen jenes Künstlers, wobei hier eine Unterscheidung vorgenommen wird zwischen seiner Einstellung zu Mädchen und der zu Frauen. Um alle bis dahin genannten groben Charakteristika seines Gesamtwerks an einem konkreten Textbeispiel belegen zu können, werden anschließend die beiden Altenberg-Skizzen Der Abend und Paradies im Detail untersucht. Hierbei werden sowohl die vom Titel jener Texte ausgehenden Erwartungen des Lesers überprüft, sowie der Zusammenhang von der formalen Gestalt der Skizzen zu ihrem Inhalt und der sich daraus ergebenden Interpretationsmöglichkeit. Eine Übertragung dieser dem gesamten Werk anhaftenden Aussage auf die heutige Zeit des einundzwanzigsten Jahrhunderts soll diese Arbeit abrunden und zunächst schließen.

2 Kurzporträt Peter Altenbergs

Geboren am 9. März 1859 in Wien, als Sohn eines jüdischen Kaufmanns namens Moriz Engländer, beginnt der spätere Dichter Peter Altenberg sein Leben als Richard Engländer1. Als der Erstgeborene von drei weiteren Geschwistern wird der junge Altenberg beim Schreiben erster Texte von seinem Vater, selbst ein Victor Hugo-Fan, nie ernstgenommen. Obwohl er laut Altenberg selbst ein sehr gütiger Mann sein muss, gibt er sowohl die Anerkennung der künstlerischen Werke seines Sohnes, wie auch dessen komplette Erziehung ab 1868 an eine Gouvernante und einen Hofmeister ab2. Die Eltern selbst schreiten hier bis auf weiteres nur in besonderen Fällen ein, wie bei der schweren Krankheit ihres Sohnes, einer Fußbeinentzündung um 1869. Hier schläft Pauline Engländer, nach Altenbergs eigenen Angaben, ein Jahr lang am Bett ihres Erstgeborenen um diesem sein Leid zu verringern3. Im Alter von achtzehn Jahren erlangt Altenberg endlich die Matura im zweiten Anlauf und nimmt sein Studium in Jura auf. Dieses bricht er nach Kosler4 bereits nach dem ersten Semester ab, nach Von Wysocki aber absolviert Altenberg 1879 erfolgreich sein Erstes Juristisches Staatsexamen5. Hierauf folgen ein gescheitertes Medizin- sowie Pflanzenstudium und eine Buchhändlerlehre in Stuttgart, während der sich der angehende neunzehnjährige Dichter in die dreizehnjährige Bertha Lecher verliebt, die ihm als Inspiration für seine spätere Namensänderung dienen soll6. Da die kleine Bertha, zu Altenbergs Entsetzen, von ihren älteren Brüdern gedemütigt wird, indem sie sie wie ihr eigenes Dienstmädchen behandeln, wird in dem jungen Dichter ein Gefühl ausgelöst, das ihn bis zu seinem Lebensende nicht mehr loslassen soll, und sich aus seinem gesamten Werk herausfiltern lässt: das Gefühl, dass die Männer des neunzehnten Jahrhunderts in den Mädchen und Frauen nicht deren eigentliches Wesen erkennen, sondern sie wie Objekte behandeln. Mit dieser Erkenntnis, die ihm als Inspiration für sein Lebenswerk dient, nimmt Altenberg noch im selben Jahr seine Namensänderung vor: Aus Richard Engländer wird Peter Altenberg. „Peter“ deshalb, weil es sich nach Ansicht der Lecher-Jungen nicht schickt, eine Dienstmagd zu haben. Man bevorzugt stattdessen einen Hofknaben, und nennt die Schwester daher Peter; „Altenberg“ aus dem Grund, weil die Familie Lecher in einem Donaustädtchen namens Altenberg lebt7. Damit ist der neue Anwalt der Frauen um die Jahrhundertwende geboren, der sich dreißig Jahre später selber fragt: „Heißt er [der Ort Altenberg] so nach mir, heiße ich so nach ihm, gleichviel!“8.

Im Alter von zweiundzwanzig Jahren, nachdem Altenberg sich genau drei Jahre an der Arbeit als Buchhändler versucht hat, wird er von seinem Arzt als arbeitsungeeignet wegen einer Überempfindlichkeit des Nervensystems bezeichnet. Dies hat weitreichende Folgen: Seine Mutter ist enttäuscht von ihrem Sohn und die Familie wendet sich von Peter Altenberg ab. Dieser zieht in die Dachkammer eines Hotels und beginnt sein Leben als Dichter mit geborgtem Geld9.

Erst 1894, also im Alter von vierunddreißig Jahren, schreibt Altenberg seinen ersten Text, der im Jahr darauf zur Veröffentlichung kommt: Neun und elf. Wie der Dichter sich bereits bei seiner Namenserfindung von einem jungen Mädchen hat inspirieren lassen, so liegt auch diesem ersten Text die Bekanntschaft mit zwei jungen Mädchen zugrunde: zwei neun- und elfjährigen Schwestern. Hiermit beginnt Altenbergs Karriere als stadtbekannter Dichter, der dafür berühmt ist, in seinen Werken sowohl junge Mädchen und Frauen zu verehren, als auch die in diversen Kaffeehäusern gewonnenen Eindrücke, wie aus dem Griensteidl und dem Café Central, in seinen Texten zu verarbeiten, so auch in seinen von 1895 an veröffentlichten Werken Wie ich es sehe (Fischer 1896) und Ashantee (Fischer 1897)10, aus welchem die in dieser Hausarbeit näher zu untersuchenden Texte Der Abend und Paradies stammen.

[...]


1 Wysocki, Gisela von: Peter Altenberg. Bilder und Geschichten des befreiten Lebens. München, Wien: Hanser 1979, S.52

2 Kosler, Hans Christian (Hrsg.): Peter Altenberg. Leben und Werk in Texten und Bildern. München: Fischer 1981, S.238

3 Kosler, Hans Christian (Hrsg.): Peter Altenberg. Leben und Werk in Texten und Bildern. München: Fischer 1981, S.239

4 ebenda

5 Wysocki, Gisela von: Peter Altenberg. Bilder und Geschichten des befreiten Lebens. München, Wien: Hanser 1979, S.52

6 Kosler, Hans Christian (Hrsg.): Peter Altenberg. Leben und Werk in Texten und Bildern. München: Fischer 1981, S.239

7 Barker, Andrew/Lensing, Leo A.: Peter Altenberg: Rezept die Welt zu sehen. Wien 1995, S.30

8 Schweiger, Werner J. (Hrsg): Das grosse Peter Altenberg Buch. Wien/Hamburg 1977, S.81

9 Kosler, Hans Christian (Hrsg.): Peter Altenberg. Leben und Werk in Texten und Bildern. München: Fischer 1981, S.240

10 ebenda, S.241 ff.


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