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Kinder als Leser - Allgemeines, Medien in Kinder- und Jugendbüchern, Harry Potter

Scholary Paper (Seminar), 2005, 21 Pages
Author: Sonja Loidl
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Event: Proseminar Sozialgeschichte der Literaturen: Lese(r)forschung
Institution/College: University of Vienna (Germanistik)
Tags: Kinder, Leser, Allgemeines, Medien, Kinder-, Jugendbüchern, Harry, Potter, Proseminar, Sozialgeschichte, Literaturen, Lese(r)forschung
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 21
Grade: 1
Bibliography: ~ 36  Entries
Language: German
Archive No.: V44859
ISBN (E-book): 978-3-638-42373-1
ISBN (Book): 978-3-638-93636-1
File size: 154 KB
Notes :
Eine Arbeit unter reichhaltigem Einbeziehen von Fachliteratur zum Thema Kinder als Leser. Was bedeutet Lesen für Kinder? Wie aussagekräftig sind Erinnerungen von Erwachsenen an ihr Leseverhalten als Kind? Wie beeinflusst Kinder das Lesen? Welchen Einfluss haben Lesen und Fernsehen auf die kindliche Entwicklung?Wie groß ist die Konkurrenz, die das Fernsehen dem Lesen macht?...


Abstract

Diese Arbeit beschäftigt sich mit kindlichem Leseverhalten. Es werden kurze Bemerkungen zur historischen Betrachtung dieses Themas gemacht und behandelt wie Kinder Texte rezipieren und in welcher Weise sich das von jugendlicher oder erwachsener Rezeption unterscheidet. Außerdem wird das viel diskutierte Konkurrenzverhältnis zwischen Fernsehen und Buch angesprochen. In diesem Zusammenhang steht die Kernaussage, dass die Erlangung der Kulturtechnik Lesen für den Umgang mit dem Medium Fernsehen wichtiger ist als es den Anschein haben mag. Im abschließenden Kapitel der Arbeit wird über die Breitenwirkung der Harry-Potter-Serie (Band I – V) gesprochen, die für das Medium Buch eher ungewöhnlich ist.


Excerpt (computer-generated)

Kinder als Leser
Allgemeines. Medien in Kinder- und Jugendbüchern. Harry Potter

von

Sonja Loidl

im PS Sozialgeschichte der Literaturen: Lese(r)forschung
(SS 2005)
(kein inhaltlich übereinstimmendes Referat)

 

 

Inhalt

1. Kinder als Leser
1.1. Besonderheiten der Kinder – und Jugendliteratur
1.2. Kinder als Leser

2. Medien in der Kinder- und Jugendliteratur
2.1. Medien: Eine Definition
2.2. Lesen und Fernsehen in Konkurrenz zueinander
2.3. Medienästhetik in der Kinder – und Jugendliteratur anhand einiger Beispiele
a) Buch und Bibliothek
b) andere Medien

3. Harry Potter
3.1. Das Phänomen
a) Marketing und Merchandising
b) Breitenwirkung
3.2. Fans

4. Literaturverzeichnis
4.1. Primärliteratur
4.2. Sekundärliteratur
4.3. Homepages

 

 

1. Kinder als Leser

1.1. Besonderheiten der Kinder – und Jugendliteratur

„Die intentionale Kinder – und Jugendkultur war seit ihren Anfängen für pädagogische Zwecke funktionalisiert. Das erzieherische Anliegen war wichtig, nicht künstlerische Qualität oder Unterhaltsamkeit.“1 Allerdings hat sich in Bezug auf diese Funktion der Kinder – und Jugendliteratur seit ihren Anfängen Ende des 18. Jahrhunderts einiges verändert. Sie ist zwar immer noch aktuell, wird aber in die meisten Werke im Sinne einer Nebenabsicht integriert. Außerdem zeichnet sich Kinder- und Jugendliteratur durch ihre „[…] Einstiegsfunktion aus. Also dadurch, dass sie gestaffelte Schwierigkeitsstufen hin zu komplexeren und abstrakteren textuellen Mustern sukzessive zur Verfügung stellt.“2

Jugendliteratur hat häufig bereits die Komplexität von Erwachsenenliteratur. Und im Falle von Kinderliteratur sollte Einfachheit (in Stil und Handlungssträngen) nicht mit Simplizität verwechselt werden. Denn Kinderliteratur ist oft auf mehreren Ebenen rezipierbar, wofür das Bilderbuch „Aufstand der Tiere“ von Jörg Müller und Jörg Steiner ein gutes Beispiel abgibt: Viele Kleinigkeiten würden einem kindlichen Leser entgehen.

Ein anderes Wesensmerkmal der Kinder – und Jugendliteratur sollte ebenfalls erwähnt werden: Es handelt sich durchwegs um Werke, die der Zielgruppe zugeschrieben werden.3 Instanzen, die eine solche Zuschreibung vornehmen, wären AutorInnen, KritikerInnen und Verlage. Folglich wurde nicht jedes Werk der Kinder– und Jugendliteratur als ein solches geschrieben.

Außerdem sollte in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass sich solche Zuschreibungen je nach gesellschaftlichen Werten und historischen Bedingungen verändern. 
Was die Psychologen und Erziehungsorgane zu einem jeweiligen Zeitpunkt der Geschichte als adäquaten Lesestoff für Kinder und Jugendliche sehen, muss sich nicht zwangsläufig mit dem decken, was diese tatsächlich bzw. tatsächlich bevorzugt lesen oder gelesen haben. Die Leseerfahrungen jeder Generation prägen, was sie der nachfolgenden an Lesestoff nahe legt. Unter anderem dieser Faktor spielt eine große Rolle bei der Herausbildung von Klassikern.

Einer unter wenigen Gradmessern für die zeitgenössischen Unterschiede zwischen dem, was Kinder lesen wollen, und dem, was Erwachsene ihnen ans Herz legen, sind Kinderliteraturpreise, die von Kindern vergeben werden. Im britischen Raum bietet sich das Beispiel des „Children’s Book Award“ an. Zahlreiche solche wurden z.B. Roald Dahl verliehen, bevor die Literaturkritik auf ihn aufmerksam wurde.4

Wenn von Kinderliteratur die Rede ist, sollte immer mitbedacht werden, dass „Kinder“ keine homogene Zielgruppe sind: Sie unterscheiden sich - wie Erwachsene – in Hinblick auf Alter, Geschlecht, Kulturkreiszugehörigkeit und Interessen.5 Dennoch ist diese Zielgruppe leichter „unter einen Hut zu bringen“ als Erwachsenenliteratur, denn Kinder haben gemeinsam, dass sie am Anfang ihrer psychischen und physischen Entwicklung stehen und mit der Kultur- technik Lesen erst vertraut werden müssen.

Deshalb: „Children’s literature will often have less complexity of plot, less profundity of psychological analysis, and more simple pleasures and pains than are found in adult writing; […] yet in its creation of new worlds, its explorations of alien points of view, its subtle investigation of language and metaphysics, and its continual spiritual penetration, it gives us a creative country as ‘mature’ as adult’s.”6

In der akademischen Welt kämpft die Kinder- und Jugendliteratur nach wie vor – besonders in Österreich – um einen gesicherten Platz. Gut sichtbar ist das etwa an der Universität Wien, wo heuer seit den 1980er Jahren zum ersten Mal wieder eine Vorlesung zu diesem Thema gehalten wird.

Dazu möchte ich am Ende dieses Abschnitts Hans-Heino Ewers, einen der führenden Literaturwissenschaftler auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur, zitieren: „Titel, die weitgehend den für die jeweilige ‚Hochliteratur’ maßgeblichen poetischen bzw. literarischen Gesetzmäßigkeiten verpflichtet sind, sind prädestiniert, einen lebenden Beweis dafür abzugeben, dass es sich bei Kinder- und Jugendliteratur nicht um eine triviale oder bloß didaktische, sondern um vollwertige Ausprägung von Literatur handelt […]“7

[....]


1 Horst Heidtmann: Kinder-und Jugendliteratur im Medienverbund. Veränderungen von Lesekultur, Lesesozialisation und Leseverhalten in der Mediengesellschaft. – In: Karin Richter und Sabine Riemann [Hrsg.]: Kinder - Literatur - "neue" Medien. - Baltmannsweiler: Schneider 2000. S. 23.

2 Cornelia Rosebrock: Literarische Sozialisation im Medienzeitalter. – In: Cornelia Rosebrock [Hrsg.]: Lesen im Medienzeitalter. - Weinheim [u.a.]: Juventa 1995. S. 22.

3 Angelika Mühlbauer: Generic hybridity in the Harry Potter novels. - Wien, Univ., Dipl.-Arb. 2004. S 65.

4 Julia Eccleshare: A guide to the Harry Potter novels . - London [u.a.]: Continuum 2002. S. 11ff, S. 33f.

5 Angelika Mühlbauer: Generic hybridity in the Harry Potter novels. S. 66.

6 Manlove zitiert nach Angelika Mühlbauer: Generic hybridity in the Harry Potter novels. S. 66.

7 Hans-Heino Ewers: Die universitäre Perspektive auf die Kinder- und Jugendliteratur im Wandel. – In: Karin Richter und Sabine Riemann [Hrsg.]: Kinder - Literatur - "neue" Medien. - Baltmannsweiler: Schneider 2000. S. 78.


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