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Deutsche Gewerkschaften im Wandel der Zeit - Mitgliederentwicklung, Problemlage und Lösungsansätze

Autoren: Anke Seifert, Claudia Breisa
Fach: Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 29
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 30  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 479 KB
Archivnummer: V45126
ISBN (E-Book): 978-3-638-42584-1
ISBN (Buch): 978-3-638-84859-6

Zusammenfassung / Abstract

"Gewerkschaftliche Macht ist Organisationsmacht, die auf Mitgliederzahlen und Mobilisierungspotenzial beruht. Die Mitgliederzahlen fundieren einen Anspruch auf legitime Repräsentation bedeutsamer Teile der arbeitenden Bevölkerung; Mobilisierungspotenzial verweist auf die Reichweite gewerkschaftlicher Störungsmacht. Erhalt und Ausweitung dieser Machtbasis liegen in den bestands- und zielorientierten Interessen jeder Gewerkschaft." Die Gewerkschaften in Deutschland verzeichnen seit geraumer Zeit sinkende Mitgliederzahlen. Obwohl sie die "bedeutendste Form organisierter Interessen auf dem Arbeitsmarkt" darstellen, gefährden der Mitgliederschwund und die Rekrutierungsdefizite immer mehr ihre gesellschaftspolitische Stellung. Einige Experten glauben sogar, dass es in naher Zukunft keine Gewerkschaften mehr geben wird. Was aber führt zu diesem Abwärtstrend ? Werden die Gewerkschaften von inneren Problemen gelähmt, sind sie dem sozialen und ökonomischen Wandel hilflos ausgesetzt oder haben sie sich vielleicht von Beginn an den falschen Aufgaben zugewendet ?

Textauszug (computergeneriert)

Ruhr-Universität-Bochum
Fakultät für Sozialwissenschaft
Seminar: Einführung in die Arbeits-,
Wirtschafts- und Industriesoziologie

Deutsche Gewerkschaften im Wandel der Zeit –
Mitgliederentwicklung, Problemlage und Lösungsansätze

von: Anke Seifert

6. Semester/6. Semester

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 3

II. (Claudia Breisa) Vorwort 4

1. Die Entstehung der Gewerkschaften und ihre Arbeit bis 1933 4
2. Die Gewerkschaften nach dem Zweiten Weltkrieg 7

III. (Anke Seifert) Vorwort 13

1. Problemlage der Gewerkschaften 13

1.1. Innergewerkschaftliche Strukturen 13
1.2. Ökonomischer Wandel 14
1.3. Sozio-kultureller Wandel 16

2. Internationaler Vergleich 17
3. Lösungsansätze 21

3.1. Verschmelzung von Einzelgewerkschaften 21
3.2. Autorenmeinungen 22
3.3. Gewerkschaften als „soziale Unternehmensberater“ 23

IV. Fazit 25

V. Literaturverzeichnis 27



 

I. Einleitung

„Gewerkschaftliche Macht ist Organisationsmacht, die auf Mitgliederzahlen und Mobilisierungspotential beruht. Die Mitgliederzahlen fundieren einen Anspruch auf die legitime Repräsentation bedeutsamer Teile der arbeitenden Bevölkerung; Mobilisierungspotential verweist auf die Reichweite gewerkschaftlicher Störungsmacht. Erhalt und Ausweitung dieser Machtbasis liegen in den bestands- und zielorientierten Interessen jeder Gewerkschaft.“ (Müller-Jentsch 1997: 119) Die Gewerkschaften in Deutschland verzeichnen seit geraumer Zeit sinkende Mitgliederzahlen. Obwohl sie die „bedeutendste Form organisierter Interessen auf dem Arbeitsmarkt“ (Hassel 1997: 10) darstellen, gefährden der Mitgliederschwund und die Rekrutierungsdefizite immer mehr ihre gesellschafts- politische Stellung. Einige Experten glauben sogar, dass es in naher Zukunft keine Gewerkschaften mehr geben wird. Was aber führt zu diesem Abwärtstrend? Werden die Gewerkschaften von inneren Problemen gelähmt, sind sie dem sozialen und ökonomischen Wandel hilflos ausgesetzt oder haben sie sich vielleicht von Beginn an den falschen Aufgaben zugewendet?

Wir wollen versuchen, die Ursachen zu finden, die für die heutige aktuelle Situation der deutschen Gewerkschaften (mit-) verantwortlich sein könnten. Schrieb sich die Geschichte wirklich schneller, als die deutschen Gewerkschaften sich verändern und anpassen konnten? Im ersten, von Claudia Breisa geschriebenen Teil dieser Arbeit wird die Entwicklung der Gewerkschaften von der Mitte des 19. Jahrhunderts aus bis heute komprimiert dargestellt. Dieser Teil soll eine Einordnung der gewerkschaftlichen Entwicklung anhand ihrer Aufgabenbereiche, ihrer Mitgliederzahlen und Probleme in den historischen Kontext ermöglichen. Der zweite, von Anke Seifert verfasste Teil dieser Arbeit baut auf den Erkenntnissen der historischen Entwicklung auf und geht auf die heutigen Probleme der Gewerkschaften ein. Ein internationaler Vergleich, der die gewerkschaftliche Situation in anderen Ländern vorstellt, soll klären, ob es sich bei dem Mitgliederschwund nicht vielleicht um ein spezielles „deut- sches Problem“ handelt, und im Anschluss werden einige Lösungsansätze vorgestellt. Im abschließenden Fazit werden wir unsere Erkenntnisse auswerten.

II. Vorwort

In meinem Teil dieser Hausarbeit möchte ich zuerst einen kurzen Überblick über die Geschichte der Gewerkschaften geben. Dabei unterscheide ich zwischen einem ersten Teil, der sich mit der Entwicklung der Gewerkschaften bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1933 beschäftigt, und einem zweiten Teil, der die veränderte Situation der Gewerkschaften im Deutschland der Nachkriegszeit bis heute skizziert. Ich möchte dem Leser mit meinem Teil dieser Hausarbeit den Einstieg in das Thema erleichtern und eine gute Wissensbasis bieten, auf der die Problemanalyse aufgebaut werden kann.

1. Die Entstehung der Gewerkschaften und ihre Arbeit bis 1933

Die Industrialisierung brachte nicht nur technischen Fortschritt, sondern auch neue Lebensumstände für viele Menschen mit sich. Aus diesem tief greifenden Wandel resultierte die „soziale Frage“ des 19. Jahrhunderts. Das ansteigende Bevölkerungswachstum und die zunehmende Urbanisierung führten dazu, dass viele Menschen in die Industriestädte zogen, um dort als ungelernte Arbeiter in den Fabriken ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Die Arbeiter und Arbeiterinnen „bedienten“ die Maschine, deren Arbeitstempo und „Fähigkeiten“ Ablauf und Länge des Arbeitsprozesses bestimmten. Arbeitsteilung und Zerstückelung der Produktion bis zu schematischer Eintönigkeit; Dreck, Krach, Gestank und gesundheitliche Gefahr; Trennung von Arbeitsplatz und Wohnung; Unterwerfung unter das Zeit- und Arbeitsdiktat des „Fabrikherren“ – diese Stichworte müssen genügen, den Prozess der „Entfremdung“ zu beschreiben, den die industrielle Produktionsweise für mehr und mehr Arbeiter und Arbeiterinnen mit sich brachte.“ (Schneider 2001: 22)

Es waren jedoch nicht die Arbeiter in der Industrie, sondern Handwerker, die die ersten Organisationen ins Leben riefen. Tagelöhner, Heimarbeiter und Fabrikarbeiter hatten keinerlei organisatorische Erfahrungen vorzuweisen. Zudem waren Handwerker in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Industriearbeitern in Deutschland zahlenmäßig noch überlegen. Durch ihre Wander- und Lehrjahre kamen die deutschen Handwerksgesellen auch in andere Länder und so mit den Organisationsideen ausländischer Handwerker in Kontakt. Gerade das Handwerk sah sich durch die fortschreitende Industrialisierung in die Enge getrieben. Es war nun nicht mehr so einfach möglich, den eigenen Arbeitsaufwand und den Lohn vergleichend einzuschätzen, da die Arbeit durch den Einsatz von Maschinen in kleine Schritte zerstückelt wurde. Die Handwerker, die sich seit dem Mittelalter organisierten, betrachteten den Einsatz von Maschinen als Entwertung ihrer handwerklichen Qualifikation, und so sahen sie sich in ihrem beruflichen Selbstbewusstsein und ihrem handwerklichen Stolz gekränkt (vgl. Schneider 2001: 25).

1840 forderten die deutschen Buchdrucker erstmals die kollektive Regelung ihrer Löhne durch einen Tarifvertrag. Die Revolution von 1848 schließlich schürte nicht nur die Hoffnungen auf politische Veränderungen in Deutschland. Jetzt begannen auch die Arbeiter, die zunehmende Wichtigkeit ihrer Organisation zu begreifen. Sie versuchten, soziale Reformbestrebungen durch das Parlament in der Frankfurter Paulskirche in die Verfassung mit einfließen zu lassen. Auch wenn ihre Hoffnungen weitgehend enttäuscht wurden, so gründeten sich in den Jahren von 1860 bis 1870 viele Arbeiterbildungsvereine, lokale Berufsorganisationen und gewerkschaftliche Zentralverbände, wie zum Beispiel der Zentralverband der Tabakarbeiter 1865.

Am 23.05.1863 wurde der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) unter seinem Vorsitzenden Ferdinand Lassalle ins Leben gerufen (vgl. Schroeder/Weßels 2003: 627). Lassalle glaubte an politische Veränderungen, wie das allgemeine und gleiche Wahlrecht an Stelle des vorherrschenden Dreiklassenwahlrechts, um die Arbeiter so durch zunehmende Partizipation am politischen Leben an den Staat zu binden. Er glaubte jedoch nicht, dass die Gewerkschaften oder die von ihnen ins Leben gerufenen Unterstützungs- und Sterbekassen tief greifende Veränderungen herbeiführen konnten (vgl. Rohlfes 1992).

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