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Die Bedeutung von Frauengestalten für Stephen in A Portrait of the Artist as a Young Man von James Joyce

Termpaper, 2005, 18 Pages
Author: Sabine Teichrieb
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 18
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 3  Entries
Language: German
Archive No.: V45692
ISBN (E-book): 978-3-638-43049-4

File size: 234 KB


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Proseminar: “ Studien zur Geschichte des Englischen Entwicklungsromans“

Die Bedeutung von Frauengestalten für Stephen in
A Portrait of the Artist as a Young Man von James Joyce

von: Sabine Teichrieb

 


Inhalt

Vorwort

1. Hintergrund

2. Die Frauenfiguren

2.1 Stephens Mutter (Mary Dedalus)
2.2 Dante Riordan
2.3 Eileen Vance
2.4 Mercedes
2.5 Die Prostituierte
2.6 Emma Clery (E-C-)
2.7 Die Frau am Strand

3. Schluss

4. Literatur



 

Vorwort

James Joyce schrieb den Roman „A Portrait of the Artist as a Young Man“ in der Epoche der Moderne. Die Moderne stand für die Zeit des Umbruchs: die Menschen wandten sich ab von der Prüderie und Doppelmoral der viktorianischen Zeit und verlangten anstatt nach sexueller Verdrängung und dem Wahren des „schönen Scheins“ nach Aufklärung und Toleranz. Freuds Entwicklung der Psychoanalyse, von der auch James Joyce nicht unbeeindruckt gewesen sein soll, stellte nun die Entwicklung des Individuums und des menschlichen Bewusstseins in den Mittelpunkt. In der Moderne wurde das althergebrachte Bild der Ehe hinterfragt. Des Weiteren veränderte sich die Stellung der Frau in der Gesellschaft im Sinne der Emanzipation und auch die Frage der Sexualität erfuhr eine neue Bedeutung, nachdem Sigmund Freud den Sexualtrieb als wesentlich für die Menschheit herausstellte. James Joyce war, neben D.H. Lawrence, der herausragenden Schriftsteller dieser Epoche:

„I have opened the new way, and you will find that it will be followed more and more. In fact from it you may date a new orientation in literature- the new realism.” (Zitat J. Joyce)

Dieser „neue Realismus“, den Joyce hier nennt, kommt vor allem durch den Bruch mit konventionellen Erzählstrukturen zum Ausdruck: James Joyce war neben Virginia Woolf einer der ersten, der sich der Technik des „stream of consciousness“ bediente: hier existiert kein auktorialer Erzähler, der das Geschehen kommentiert. Das Erzählte erfahren die Leser aus der Sicht des Protagonisten selbst, durch seine Gedanken und inneren Vorgänge, die sehr konfus wirken können. Joyce begründet die Verwendung dieser Technik dadurch, dass eine Welt, die so fremd, rätselhaft und komplex ist, nicht durch die althergebrachte Erzählstruktur der reinen Abbildung erfasst werden kann. Im Mittelpunkt des Portraits steht die individuelle Entwicklung eines jungen Mannes und Künstlers, sein Kampf gegen die Bevormundung durch Bezugspersonen, Religion und Moral, der nur durch einen Bruch mit der Familie, der Religion und der Heimat gewonnen werden kann. All diese Punkte stellen eindeutig autobiografische Elemente dar, da sie auch in James Joyces eigenem Leben von immenser Bedeutung waren. Dennoch sollte das Portrait nicht als autobiografischer Roman verstanden werden. Joyces Bruder erklärte zu diesem Thema: „A Portrait of the Artist as a Young Man is not an autobiography, it is an artistic creation.”1 Trotz seines teilweise autobiografischen Charakters enthält der Roman auch fiktionale Elemente, die diese Sichtweise rechtfertigen. James Joyce sieht einerseits die Probleme eines Mannes, sich zu einem eigenständigen und unabhängigen Individuum zu entwickeln in Frauen verkörpert (Hinweise darauf finden sich z.B. in der Darstellung von Stephens überfürsorglicher und einengenden Mutter), andererseits wird seine Entwicklung jedoch auch von Frauen gefördert und bestimmt. Er empfindet es so, dass jede der Frauen ihrem Schicksal, das ihr von ihrem Land auferlegt wurde, ausgeliefert ist. So vergleicht er die irischen Frauen mit Fledermäusen: sie sind für ihn blind – erzogen in devotem Gehorsam dem Katholizismus und ihrem Land gegenüber. „a type of her race and his own, a batlike soul waking to the consciousness of itself in darkness and secrecy and loneliness” 2

1. Hintergrund

Die Entstehung des Romans „A Portrait of the Artist as a Young Man“ vollzog sich in einem mehr als zehn Jahre andauernden Prozess. 1904 schrieb James Joyce einen Essay, der jedoch von den Verlegern abgelehnt wurde. Er entschloss sich dazu, diesen Essay in einen Roman zu überarbeiten. Dieser erhielt den Titel „Stephen Hero“ und wurde im „auktorial-kommentierenden“3 Erzählstil verfasst. 1907 jedoch beschloss Joyce den Roman noch einmal neu zu schreiben und fasste ihn in fünf Bilder, die die jeweiligen Entwicklungsstufen des Protagonisten repräsentieren sollten, zusammen, woraus schließlich die endgültige Fassung entstand.

Inhaltlich geht es im Portrait um die Entwicklung des Stephen Dedalus von einem devoten, von Zwängen geängstigten, kleinen Jungen, zu einem Künstler: Im ersten Kapitel wird seine behütete, katholisch orientierte Kindheit dargestellt; der Gegenstand des zweiten Kapitels ist Stephens Pubertät, in der er zum ersten Mal gegen die Zwänge, die ihm von Religion und Moral auferlegt wurden, rebelliert, indem er ein Bordell besucht; im dritten Kapitel kehrt er reuevoll zur Kirche zurück und ergibt sich seinem Glauben völlig; Im vierten Kapitel lehnt er es ab, zum Priester zu werden und entdeckt seine Berufung zum Künstler; im fünften Kapitel schließlich führt Stephen den endgültigen Bruch mit der Religion und seiner Familie herbei und beschließt, seine Heimat Irland zu verlassen, um sich voll und ganz der Kunst zu widmen.

[...]


1 Bleisteiner, Angela. Variationen des Themas Liebe und die Rolle der Frau in James Joyces “A Portrait of the Artist as a Young Man” und D.H. Lawrences “Sons and Lovers”. Heuchling: 1987. S.9

2 Joyce, James. A Portrait of the Artist as a Young Man. Berkshire: Penguin Popular Classics, 1916. S.251

3 Bleisteiner.Variationen des Themas Liebe und die Rolle der Frau in James Joyces “A Portrait of the Artist as a Young Man” und D.H. Lawrences “Sons and Lovers”, S.8


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