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Hauptseminararbeit, 2005, 29 Seiten
Autor: M.A. Manuela Feldkamp
Fach: Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Details
Tags: Pierre, Bourdieu, Soziale, Ungleicheit, Einfluss, Habitus, Kapitalverteilung
Jahr: 2005
Seiten: 29
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 26 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-43080-7
ISBN (Buch): 978-3-638-65822-5
Dateigröße: 343 KB
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Zusammenfassung / Abstract
"Pierre Bourdieu ist [...] nicht nur und nicht primär ein Homo academicus." (Bohn/Hahn 1999: 252) Wie ist diese Aussage zu bewerten? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Bourdieu hat Zeit seines Lebens und darüber hinaus dafür gesorgt, dass Kritiker und Befürworter seiner Theorien einen fortwährenden Diskurs über ben diese Frage und seine Rolle als Wissenschaftler führen. Aus den Reihen der Wissenschaft wurde er unter anderem oftmals mit dem Vorwurf konfrontiert, "seine Theorie sei deterministisch, lasse keine Veränderungen zu und führe daher zu politischem Fatalismus." (Steinrücke 1992:9) Seine Befürworter hingegen schätzen, dass bei ihm "Theorie und empirische Untersuchung nicht getrenn nebeneinander stehen, sondern eng aufeinander bezogen sind." (Krais/Gebauer 2002:14) Bourdieu plädierte immer wieder dafür, dass die Soziologie sich den Blick für das Alltägliche bewahren muss und die gegenwärtigen Probleme der Gesellschaft für sie von hoher Wichtigkeit sein sollten. Die Autorin hat ein besonderes Interesse für die Frage, inwieweit der Habitus und Kapitalformen, zwei zentrale Aspekte in Bourdieus Schriften, sich auf den Stand eines Individuums in unserer Gesellschaft und auf eine mögliche soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland auswirken können. Sie stellt diese Frage deshalb in den Mittelpunkt ihrer Beobachtung.
Textauszug (computergeneriert)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Soziologie
Seminar: Macht und Herrschaft in der
7. Fachsemester
Pierre Bourdieu - Soziale Ungleicheit in der BRD unter
dem Einfluss von Habitus und Kapitalverteilung
von: Manuela Feldkamp
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Soziale Ungleichheit - eine kurze Definition 3
2. Bourdieu – Habitus und Kapitalformen 3
2.1 Das Konzept des Habitus 3
2.1.1 Der Ursprung der Habitustheorie 3
2.1.2 Der Habitus als Dispositionssystem sozialer Akteure 6
2.2 Die Kapitalformen 7
2.2.1 Ökonomisches Kapital 8
2.2.2 Kulturelles Kapital 9
2.2.2.1 Objektiviertes kulturelles Kapital 9
2.2.2.2 Inkorporiertes kulturelles Kapital 10
2.2.2.3 Institutionalisiertes kulturelles Kapital 10
2.2.3 Soziales Kapital 10
3. Bourdieus Kritik – ein Problem der französischen Gesellschaft? 11
4. Resümee 13
Literaturverzeichnis 17
Einleitung
„Pierre Bourdieu ist […] nicht nur und nicht primär ein Homo academicus.“ (Bohn/Hahn 1999: 252) Wie ist diese Aussage zu bewerten? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Bourdieu hat Zeit seines Lebens und darüber hinaus1 dafür gesorgt, dass Kritiker und Befürworter seiner Theorien einen fortwährenden Diskurs über eben diese Frage und seine Rolle als Wissenschaftler führen.
Aus den Reihen der Wissenschaft wurde er unter anderem oftmals mit dem Vorwurf konfrontiert, „seine Theorie sei deterministisch, lasse keine Veränderungen zu und führe daher zu politischem Fatalismus“ (Steinrücke 1992:9) Seine Befürworter hingegen schätzen es, dass bei ihm „Theorie und empirische Untersuchung nicht getrennt nebeneinander stehen, sondern eng aufeinander bezogen sind […] [und, dass er das], was andernorts Theorie genannt wird, als ´Erkenntniswerkzeuge´, als Instrumente zum Begreifen der gesellschaftlichen Wirklichkeit, die sich daran messen lassen müssen, was sie für die Analyse dieser Wirklichkeit taugen [bezeichnet].“ (Krais/Gebauer 2002: 14) Wie wichtig ihm gerade der praktische Nutzen seiner Theorien war, wird besonders in dem Vorwort zu seinem Werk Das Elend der Welt deutlich. Hier bemerkt er „´Nicht bemitleiden, nicht auslachen, nicht verabscheuen, sondern verstehen´: Diese Anweisung Spinozas sich zu eigen zu machen wäre für den Soziologen nutzlos, könnte er nicht auch die Mittel an die Hand geben, um sie zu befolgen. Wie aber lassen sich die Mittel des Verstehens, die es ermöglichen, die Menschen so zu nehmen, wie sie sind, anders weitergeben als dadurch, dass er die Instrumente anbietet, die notwendig sind, um sie als notwendig zu erfassen, um sie notwendig zu machen, indem er sie methodisch auf die Ursachen und Gründe zurückführt, derentwegen sie sind, was sie sind?“ (Bourdieu 1997: 13) Bourdieu plädierte immer wieder dafür, dass die Soziologie sich den Blick für das Alltägliche bewahren muss und die gegenwärtigen Probleme der Gesellschaft für sie von hoher Wichtigkeit sein sollten. „ ´Das öffentliche Leben in Paris funktioniert ja nur nach dem Kriterium ,chic oder nicht chic´, sagte er zornig gegen die traditionellen Pariser Eliten und meinte jene "liberalen Denker", die "mit flotten Sprüchen über die soziale Misere in unseren Gesellschaften" hinweggingen.“ (van Thadden 2002) Gleichzeitig wusste er um die Beeinflussung der Arbeit durch die Alltagserfahrungen des Forschers. Er selber hat aus diesem Grund immer wieder den Bezug zur Philosophie gesucht, um so eine „reflexive Distanz zu seiner Disziplin“ zu gewinnen (vgl. Krais 2002: 14). Daraus resultierend hat er unter dem Aspekt der Beobachtung des Alltäglichen ein Klassenmodell entwickelt, welches zum einen die Arbeit anderer Soziologen und damit bereits bestehende Modelle einbezieht, zum anderen aber durch die Integration von Lebensstilen eine bedeutende Erweiterung findet (vgl. Burzan 2004: 138). Bei dem von Bourdieu aufgestellten Klassenmodell werden die sozialen Positionen der Menschen der Strukturebene zugeordnet und mit der Praxisebene, also den Lebensstilen verbunden. Erst durch diese Verknüpfung wird der soziale Raum vollständig sichtbar. Bindeglied zwischen den sozialen Positionen und Lebensstilen ist der Habitus (vgl. Burzan 2004: 138f). Eine weiterer zentraler Rolle in Bourdieus Klassenmodell spielen die Kapitalsorten.
Während der Recherche zu Bourdieus Schriften entwickelte sich ein besonderes Interesse für die Frage, inwieweit der Habitus und die Kapitalformen sich auf den Stand eines Individuums in unserer Gesellschaft und auf eine mögliche soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland auswirken können. Dazu soll unter Kapitel 1 zunächst eine kurze Definition des Begriffes ´soziale Ungleichheit´ erfolgen. Kapitel 2 beschäftigt sich mit den Hauptaspekten des Habitus-Konzeptes und denen der verschiedenen Kapitalsorten. Im Anschluss daran soll in Kapitel 3 untersucht werden, ob und inwieweit sich Bourdieus Erkenntnisse auch auf die Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland beziehen lassen.
1. Soziale Ungleichheit – eine kurze Definition
Um einordnen zu können, wie der Habitus und der Besitz verschiedener Kapitalsorten sich auf eine mögliche soziale Ungleichheit auswirken, muss zunächst geklärt werden, was dieser Begriff beinhaltet. Soziale Ungleichheit resultiert auf der einen Seite aus dem Besitz oder Nichtbesitz von Gütern, denen von der Gesellschaft ein bestimmter Wert zugesprochen wird. Je mehr wertvolle Güter das Individuum besitzt, desto besser sind seine Lebensbedingungen und seine Position in der Gesellschaft. Ebenso wie die Gesellschaft an sich, unterliegen auch diese zugesprochenen Werteinschätzungen der Güter einem stetigen Wandel.
[...]
1 Bourdieu verstarb im Januar 2002 (vgl. Steinrücke 2004: 7)
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