Scholary Paper (Seminar), 2000, 30 Pages
Author: Marcel Haldenwang
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Tags: Liudger, Missionar
Year: 2000
Pages: 30
Grade: besser als 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-12889-6
ISBN (Book): 978-3-638-63870-8
File size: 311 KB
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Abstract
„Ein gewisser mazedonischer Mann stand da und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! ... Wir fuhren aber von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothraze und am folgenden Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das die erste Stadt jenes Teils von Mazedonien ist, eine Kolonie“ (Apg 16, 9.11 f. ). Diese Begebenheit ist zurecht oft als Sternstunde für Europa bezeichnet worden : Paulus bringt das Evangelium in unseren Erdteil, nach Europa. Bis es allerdings wirklich die heimische Gegend erreichen würde, hatte es noch eine weite Strecke zurückzulegen. Einen Boten dieses – inzwischen schon merklich modifizierten – Evangeliums, einen kleinen Zeitraum seiner Verbreitung zu beleuchten, das soll Gegenstand dieser Arbeit, „Liudger als Missionar“, sein. Zur Ausgangsquelle ist die „Vita secunda sancti Liudgeri“ gewählt worden.
Excerpt (computer-generated)
Liudger als Missionar
Inhaltsübersicht
0. Einleitung
1. Motive der Mission
1.1. Peregrinatio
1.2. Sendungsbewußtsein
1.3. Eigenes Heil
1.4. Vätertradition und geistliche Verwandtschaft
2. Methoden der Mission
2.1. Glaubensentscheid - persönlich oder kollektiv?
2.2. Glaubensentscheid - freiwillig oder erzwungen?
3. Der Missionar Liudger im historischen Kontext
3.1. Die frühe Friesenmission
3.2. Die frühe Sachsenmission
Literatur- und Quellenverzeichnis
0. Einleitung
"Ein gewisser mazedonischer Mann stand da und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! ... Wir fuhren aber von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothraze und am folgenden Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das die erste Stadt jenes Teils von Mazedonien ist, eine Kolonie" (Apg 16, 9.11 f. ).
Diese Begebenheit ist zurecht oft als Sternstunde für Europa bezeichnet worden : Paulus bringt das Evangelium in unseren Erdteil, nach Europa.
Bis es allerdings wirklich die heimische Gegend erreichen würde, hatte es noch eine weite Strecke zurückzulegen. Einen Boten dieses - inzwischen schon merklich modifizierten - Evangeliums, einen kleinen Zeitraum seiner Verbreitung zu beleuchten, das soll Gegenstand dieser Arbeit, "Liudger als Missionar", sein.
Zur Ausgangsquelle ist die "Vita secunda sancti Liudgeri" gewählt worden. Für diese Quelle entschied ich mich, obwohl die Vita, die nach 850 ein friesischer Mönch des Klosters Werden den Vorstellungen seines Konvents entsprechend verfaßte , wie die "Vita tertia" (875 verfaßt) und "Vita rhythmica" (12. Jh.) auf der "Vita sancti Liudgeri auctore Altfrido" (zwischen 840 und 849 entstanden) fußt und obwohl sie, wenn auch räumlich den Ereignissen sehr nahe steht, zeitlich eine größere Distanz als ihre Vorlage zu Liudger aufweist, der 809 starb. Diese zeitliche Distanz schuf zwar Freiräume, die mit vertrauten Motiven biblischen und hagiographischen Ursprungs gefüllt wurden, aber auch Altfrid, der Neffe und zweite Nachfolger Liudgers als Bischof von Münster und Nachfolger als Abt von Werden, kannte Liudger nicht persönlich und lehnte sich inhaltlich an sog. Gewährsmänner, Gefährten Liudgers, an. Formal ist seine Anlehnung an Alkuins "Vita Willibrordi" und Liudgers "Vita Gregrorii" nicht zu übersehen.
Wie uns die Lebensbeschreibung Liudgers zu Anfang selbst mitteilt, ist sie - wie Viten typischerweise - zweigeteilt: Im ersten Teil, der eigentlichen Vita, wird von Liudgers Herkunft, seiner Kindheit, seiner Ausbildung, seinem Wirken, seiner Frömmigkeit und von Wundern, die sich schon während seines Lebens ereignet haben sollen, schließlich von seinem Tod berichtet.
Der zweite Teil besteht aus Wunderberichten, sog. Miracula, über solche Wunder, die sich nach Liudgers Tod aufgrund seines Verdienstes ereignet haben sollen.
So berichtet der Werdener Mönch von Liudgers Großvater Wrising, der, von Radbord aus Friesland zu den Franken vertrieben, dort Christ geworden und schließlich als Bote des christlichen Glaubens in seine Heimat zurückgekehrt sei. Wrising sei mit den Liudger vorausgegangenen angelsächsischen Missionaren Willibrord-Clemens und Wynfrid-Bonifatius befreundet gewesen.
Liudger, dessen Geburt zwei Wunder erst ermöglicht hätten, habe schon früh eine Leidenschaft für Bücher gezeigt und sei schon bald in die Utrechter Klosterschule Gregors gebracht worden. Seine Ausbildung fortgesetzt bis zur Diakonsweihe und drei Jahre lang darüber hinaus habe Liudger bei Alkuin in York.
Zu seinem ersten Missionseinsatz sei Liudger von Gregors Nachfolger, Albricus, nach Deventer gesandt worden, um dort die von Liawburg und Marchelm begonnene Arbeit nach der Zerstörung durch Sachsen wieder aufzunehmen, überdies Liawins Grab aufzufinden und mit einer Kirche zu überbauen.
Nach einem weiteren Einsatz in Friesland und nachdem er zum Priester geweiht worden sei, sei Liudger nach Dokkum, wo Bonifatius getötet worden sei, gesandt worden. Darüber hinaus habe Liudger im Herbst in Utrecht gelehrt. Sieben Jahre habe er erfolgreich in Westfriesland gewirkt, bis er vor dem nach Friesland eindringenden Widukind gewichen und zusammen mit seinem Bruder Hildigrim nach Rom gereist sei. Dort vom Papst persönlich mit Reliquien ausgestattet und nach einem zweijährigen Aufenthalt in Monte Cassino mit der Benediktinerregel vertraut geworden, sei er erst auf Bitten Karls des Großen zurückgekehrt. Dieser habe Liudger ein Kloster in der Region Brabant überlassen und ihm fünf unterworfene friesische Gebiete anvertraut.
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