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Termpaper, 2005, 26 Pages
Author: Michael Steinmetz
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Details
Institution/College: http://www.uni-jena.de/
Tags: Zwischen, Kausalität, Intention, Bedeutungskonzeptionen, Charles, Stevenson, Paul, Grice, Paul, Grice
Year: 2005
Pages: 26
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-44274-9
ISBN (Book): 978-3-638-65930-7
File size: 235 KB
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Abstract
Charles L. Stevenson - vornehmlich bekannt durch seine metaethische These, sittliche Wert-Urteile haben keinerlei deskriptiven Charakter, sondern dienen einzig und allein dem Zweck, Emotionen hervorzurufen, um damit andere zu beeinflussen oder zu überzeugen - entfaltet im dritten Kapitel seines eindringlich rezipierten Buches „Ethics and Language“ eine kausale Bedeutungstheorie für Lexeme bzw. Lexemkombinationen, welche unter anderem die seinerzeit revolutionäre Möglichkeit bietet, das Phänomen der Bedeutungsambiguität zu erklären. Paul Grice – vornehmlich bekannt durch seine im Aufsatz „Logic and Conversation“ erarbeitete ‚Implikaturentheorie’ – greift Stevensons Ansatz auf, diskutiert ihn flüchtig, verreißt ihn und entwickelt eine eigene Bedeutungstheorie, welche besonders den Begriff der ‚Intention’ akzentuiert. Grice distanziert sich, indem er negierend auf Stevenson rekurriert, obstinat von einer kausalen Bedeutungstheorie. Er betrachtet die Bedeutung nicht als eine mit dem Zeichen kausal verbundene mentale Haltung, sondern versucht Bedeutung, oder vielmehr kommunikative Bedeutung als Erklärung, oder besser, als eine Disjunktion von möglichen Erklärungen der Sprecherintentionen aufzufassen. Damit verlässt Grice das seinerzeit vorherrschende psychologisch-behavioristische und naturalistische Milieu der Natur- und Geisteswissenschaften und lenkt den Fokus des Bedeutungsdiskurses auf die Ebene mentaler Repräsentationen des Sprechers, namentlich auf dessen kommunikative Absichten. Unter der Fragestellung ‚Inwiefern lassen sich Divergenzen bzw. Kongruenzen zwischen den beiden Bedeutungstheorien ausmachen?’, wird Stevensons Aufsatz „Some Pragmatic Aspects of Meaning“ mit Grices Abhandlung „Meaning“ verglichen und abschließend zu harmonisieren versucht.
Excerpt (computer-generated)
Zwischen Kausalität und Intention. Die sprachlichen
Bedeutungskonzeptionen von Charles L. Stevenson
und H. Paul Grice in Parallelisierung
von: Michael Steinmetz
Inhalt
1. Einleitung 2
2. ‚Narural Meaning’ 3
2.1 Stevensons ‚natürliche Manifestation’3
2.2 Grices ‚natürliche Bedeutung’ 5
3. Die sprachliche Bedeutung 8
3.1 Stevensons kausale Theorie 8
3.1.1 Stevensons emotiv behavioristische Bedeutungstheorie 8
3.1.2 Stevensons kognitiv behavioristische Bedeutungstheorie 12
3.1.3 Erstes Resümee 14
3.1.4 Grices Kritik an Stevensons kausaler Theorie 16
3.2 Grices intentionale Theorie 20
4. Abschließender Vergleich 23
5. Literaturverzeichnis 26
1 Einleitung
Charles L. Stevenson - vornehmlich bekannt durch seine metaethische These, sittliche Wert-Urteile haben keinerlei deskriptiven Charakter, sondern dienen einzig und allein dem Zweck, Emotionen hervorzurufen, um damit andere zu beeinflussen oder zu überzeugen - entfaltet im dritten Kapitel seines eindringlich rezipierten Buches „Ethics and Language“ eine kausale Bedeutungstheorie für Lexeme bzw. Lexemkombinationen, welche unter anderem die seinerzeit revolutionäre Möglichkeit bietet, das Phänomen der Bedeutungsambiguität adäquat zu erklären.
Paul Grice – vornehmlich bekannt durch seine im Aufsatz „Logic and Conversation“ erarbeitete ‚Implikaturentheorie’ – greift Stevensons Ansatz auf, diskutiert ihn flüchtig, verreißt ihn und entwickelt eine eigene Bedeutungstheorie, welche besonders den Begriff der ‚Intention’ akzentuiert. Grice distanziert sich, indem er negierend auf Stevenson rekurriert, obstinat von einer kausalen Bedeutungstheorie. Er betrachtet die Bedeutung nicht als eine mit dem Zeichen kausal verbundene mentale Haltung, sondern versucht Bedeutung, oder vielmehr kommunikative Bedeutung als Erklärung, oder besser, als eine Disjunktion von möglichen Erklärungen der Sprecherintentionen aufzufassen.1 Damit verlässt Grice das seinerzeit vorherrschende psychologisch-behavioristische und naturalistische Milieu der Natur- und Geisteswissenschaften und lenkt den Fokus des Bedeutungsdiskurses auf die Ebene mentaler Repräsentationen des Sprechers, namentlich auf dessen kommunikative Absichten.2 Unter der Fragestellung ‚Inwiefern lassen sich Divergenzen oder Kongruenzen in den sich augenscheinlich adversativ gegenüberstehenden Bedeutungstheorien ausmachen?’, werde ich Stevensons Aufsatz „Some Pragmatic Aspects of Meaning“ und Grices Abhandlung „Meaning“ zu parallelisieren versuchen. Zuerst gedenke ich Stevensons Bedeutungskonzeption zu rekonstruieren, dann werde ich Grices kritische Einwände referieren, um letztlich Grices Bedeutungskonzeption zu erhellen. Auch wenn Grices Aufsatz modularen Charakter besitzt, d.h. durchaus auch als kontextuell isolierte Arbeit verstanden werden kann, gedenke ich diesen - idealisierend - auschließlich als Reaktion auf Stevensons Ausführungen, d.h. als Bestandteil eines dialogischen Diskurses zu verhandeln.
2 ‚Narural Meaning’
2.1 Stevensons ‚natürliche Manifestation’
Stevenson primäre Intention ist es, sprachlichen Zeichen eine anhand empirischer Evidenzen berechenbare Bedeutung zuzuweisen, d.h. Stevenson ist gewillt, ein Fundament für eine präzise Messbarkeit sprachlicher Bedeutung zu schaffen.3 Ausgehend von der Problematik, dass gewissen sprachlichen Einheiten, hauptsächlich in kommunikativen Interaktionssituationen, scheinbar nur eine Art Bedeutungspotential, nicht jedoch eine situations- und kontextunabhängig eindeutige Bedeutung zukommt, bemüht er sich, dieses Phänomen an humanspezifischen Haltungen und Emotionen festzumachen. Diesem Programm folgend beabsichtigt Stevenson die offensichtlich schwer fassbare Bedeutung mancher Zeichen, namentlich vornehmlich gewisser Interjektionen wie ‚Hurra’ bspw., unter dem Terminus ‚emotive meaning’ - in Abgrenzung zu dem mit einer eindeutigen Zeichen-Bedeutungs-Relation konnotierten Begriff ‚descriptive meaning’ - zu subsumieren. Indem Stevenson ein behavioristisch greifbares Analogphänomen beschreibt, verdeutlicht er die Korrelation mancher sprachlicher Einheiten mit der expressiven Offenbarung innerer Emotionalität:
The emotive meaning of words can best be understood by comparing and contrasting it with the expressiveness of laughs, sighs, groans, and all similar manifestations of the emotions, whether by voice or gesture. It is obvious that these ”natural” expressions are direct behavioristic symptoms of the emotions or feelings to which they testify.4 Diese eindeutigen Zusammenhänge zwischen dem Prozess des Gähnens bspw. und einer inneren Emotion nennt Stevenson „’natural’ manifestations of emotions“5 und an anderer Stelle redet Stevenson davon, dass das Gähnen etwas bedeutet: There is a sense, to be sure, in which a groan “means“ something, just a reduced temperature may at times ”mean” convalescence [...].6 Da bei diesen Beispielen jeweils äußere Symptome auf innere Zustände verweisen, werde ich diesen Typus von Bedeutung im Folgenden ‚symptomatische Bedeutung’ nennen.7
[...]
1 H. Paul Grice: Meaning. In: The Philosophical Review. Vol. 66. No. 3. (Jul., 1957). S. 385.
2 Es wird sich herausstellen, dass sich auch Stevenson kaum davor scheut, in seine Bedeutungstheorie introspektiv erschließbare psychische Zustände zu integrieren.
3 Vgl. Charles Leslie Stevenson: Ethics and Language. New Haven: Yale University Press 1944. S.43 „A sense is needed where a sign may ”mean” less than it “suggests” – a sense in which meanings are helpful to the understanding of many contexts, not some vagrant sense in which a word has wholly different “meaning” every time it is used.”
4 Stevenson 1944: S.37.
5 Ebd.
6 Ebd. S.38.
7 Die nicht -sprachliche symptomatische Bedeutung soll hier nur die Beispiele des Gähnens, des Lachens oder der Temperatur als natürlichen Indikator für einen gesundheitlichen inneren Zustand umfassen. Diese Beispiele nämlich sollen den inhaltliche Zusammenhang zwischen ‚emotive meaning’ und ‚natural manifestation of emotion’ (Ausdrucks-Gefühl-Zusammenhang) kennzeichnen. Stevenson stellt zusätzlich einen anderen Gebrauch von ‚meaning’ dar (‚Zoll bedeutet Stau.’), den er allerdings nicht weiter erläutert. Dies soll aber nur einen grammatisch kongruenten Gebrauch des Verbs ‚to mean’ zur ‚symptomatischen Bedeutung’ aufzeigen, hat aber nichts mit der ‚symptomatischen Bedeutung’ an sich, also der ‚natürlichen Manifestation von Emotionen’, also der eigentlichen Analogieveranschaulichung zu tun – es handelt sich also nur um ein sprachliches Phänomen, welches Grice in seinem Aufsatz „Meaning“ aufgreifen wird.
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