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"Stauffenberg" - Eine Filmanalyse.

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 30 Pages
Author: Mirko Berger
Subject: Communications: Movies and Television

Details

Event: „Öffentliche Kommunikation in geschichts- und kulturwissenschaftlicher Perspektive in der Neuesten Zeit“
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften)
Tags: Stauffenberg, Eine, Filmanalyse, Kommunikation, Perspektive, Neuesten, Zeit“
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 30
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 101  Entries
Language: German
Archive No.: V47493
ISBN (E-book): 978-3-638-44434-7
ISBN (Book): 978-3-638-65946-8
File size: 217 KB
Notes :
Diese Arbeit analysiert den Fernsehfilm "Stauffenberg" hinsichtlich der klassischen, filmprägenden Elemente: Botschaft, Wirkung, Verständlichkeit und Authentizität und berücksichtigt dabei auch seine kultur-historische Komponente.


Abstract

Mit dem Fernsehfilm „Stauffenberg“ widmete sich die ARD/der Südwestrundfunk (SWR) mit einem üppigen Budget von fünf Millionen Euro den dramatischen Ereignissen des 20. Juli 1944. In deren Mittelpunkt stellt Autor und Regisseur Jo Baier mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Offizier, der in Hitlers Hauptquartier Wolfsschanze gegen Mittag eine Bombe zündete, die den Diktator jedoch knapp verfehlte. Bei Baiers Werk handelt es sich nicht um eine dreiviertelstündige Dokumentation nach heuer gebräuchlichem Muster. Im Gegensatz zur im Abendprogramm bewährten "Knoppschen" Machart, hat Baier einen Fernsehfilm gedreht, der ähnlich wie ein Krimi die Zuschauer über neunzig Minuten fesseln soll. Allerdings mit historisch gesichertem Inhalt. Dies hat Konsequenzen für das Erzählen und die Dramaturgie. Statt großer Bilder und Gesten sind im Fernsehfilm eher atmosphärische Dichte und darstellerische Qualitäten gefragt. Historisches Material, wie etwa Beiträge der Wochenschau lassen sich bei dieser Konzeption nur äußerst mühsam integrieren. Auf die dokumentartypischen Zeitzeugen muss natürlich ganz verzichtet werden. Der Regisseur sieht in den Medien ein wichtiges Instrument zur Vermittlung von Geschichte. Ziel seines Films sei es gewesen, eines der wichtigsten Kapitel der deutschen Geschichte interessant darzustellen, ohne es medienwirksam zurechtzubiegen. "Historisch genau, aber spannend wie ein Krimi". Da Baiers „Stauffenberg“ aber ausdrücklich historisch fundierten Ansprüchen genügen will, muss auch der Quellenwert in die Untersuchung mit einbezogen werden. Da der Fernsehfilm historische Sachverhalte an ein breites, disperses Publikum vermitteln will, ist auch die Frage der Faktenrichtigkeit entscheidend. Stimmt die historische Gesamtaussage mit der Forschung überein? Werden die geschichtlichen Abläufe richtig und möglichst vollständig dargestellt? Diese Arbeit analysiert den Fernsehfilm "Stauffenberg" hinsichtlich der klassischen, den Film prägenden Elemente: Botschaft, Wirkung, Verständlichkeit und Authentizität und berücksichtigt dabei nicht zuletzt seine kulturhistorische Komponente. Zusätzlich enthält das Werk eine ausführliche Bibliographie zum Dokumentarfilm und zur Geschichte im Film, zur Allgemeinen Filmanalyse und zum Widerstand im "Dritten Reich". Weiterhin findet der Leser eine Filmographie zum Widerstand im "Dritten Reich".


Excerpt (computer-generated)

"Stauffenberg" - Eine Filmanalyse

von: Mirko Berger

 


Inhaltsverzeichnis

1. Erkenntnisinteresse

2. Analyse

3. Fazit

4. Bibliographie

4.1 Dokumentarfilm / Geschichte im Film
4.2 Allgemeine Filmanalyse
4.3 Widerstand im Dritten Reich

5. Filmographie zum 20. Juli 1944

6. Anhang

6.1 Projektdaten
6.2 Filmregest
6.3 TV-Quoten



 

1. Erkenntnisinteresse

Das letzte Jahr 2004 wartete mit zwei bedeutenden historischen Jubiläen auf: dem neunzigsten Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs und dem sechzigsten Jahrestag des Attentatsversuches auf Hitler, gleichzeitig dem Todestag Stauffenbergs, der diesen Versuch vom 20. Juli 1944 – wie auch einige Mitverschwörer – noch am selben Tag mit seinem Leben bezahlte. Stauffenberg – sowie das gesamte Dritte Reich - hat gut sechzig Jahre nach dem Hitler-Attentat Konjunktur. Fernsehfilme, Theaterstücke und Romane interpretieren die Ereignisse des 20. Juli 1944.

Wer Claus Schenk Graf von Stauffenberg war, was er wollte und was er bewirkt hat - darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Ob Vorkämpfer der Menschenrechte, Militarist oder Romantiker: Jede Seite streitet für ihre Sicht. Ein Ende der Kontroversen ist nicht in Sicht.i Auch der für diese Arbeit relevante Film ist der Vielzahl von Jubiläumsprojekten zuzuordnen. Mit dem Fernsehfilm „Stauffenberg“ widmet sich die ARD/der Südwestrundfunk (SWR) mit einem üppigen Budget von fünf Millionen Euro den dramatischen Ereignissen des 20. Juli 1944. In deren Mittelpunkt stellt Autor und Regisseur Jo Baier ii mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Offizier, der in Hitlers Hauptquartier Wolfsschanze gegen Mittag eine Bombe zündete, die den Diktator jedoch knapp verfehlte. Stauffenberg war nicht nur Offizier und Attentäter, er war das vielleicht letzte Produkt des deutschen Bildungsromans, sein Ziel womöglich, mit Sicherheit aber sein Ende. Die beiden besten Bücher zum 20. Juli - die großartige Biographie von Peter Hoffmann iii und das nicht minder grundlegende Werk von Christian Mülleriv - haben bis hin zu den wörtlichen Zitaten das Material für eine solche, die Mehrdeutigkeit und das Symbolische respektierende Darstellung geliefert. Ohne Frage ist es eine Herausforderung, einen Spielfilm über Stauffenberg zu drehen. Die Vorgänge um das Attentat auf Hitler sind bereits mehrfach verfilmt worden, in der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren als „Unternehmen Walküre“ von Bernhard Wick iv, doch seit den 50er Jahren hat sich in Deutschland niemand mehr daran versucht.

Jo Baier hat es für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gewagt. Als das Stauffenberg-Thema an ihn herangetragen wurde, bat Baier sich Bedenkzeit aus. "Ich hatte Vorbehalte", erinnert er sich. "Mir kamen sofort Adel und Militär in den Sinn, auch Vorurteile". Die Arbeiten am Film haben seine Sicht verändert. Baier hat mit einem hoch betagten Freund Stauffenbergs gesprochen, las Bücher und Briefe. Hinter der Figur aus den Geschichtsbüchern entdeckte er schließlich einen humorvollen, lockeren Menschen, der ihm sehr sympathisch war. "Stauffenberg ist ein Held", sagt er. Ein Mann, der etwas Denkmalhaftes habe, etwas Unantastbares. Wer kennt nicht das Datum 20. Juli 1944, den Tag des Attentats gegen Hitler? Doch Baiers Film, der am Mittwoch den 25. Februar, um 20.15 Uhr in der ARDvi zu sehen war, soll 60 Jahre später mehr bieten als Bewunderung. Der Regisseur sieht in den Medien ein wichtiges Instrument zur Vermittlung von Geschichte. Ziel seines Films sei es gewesen, eines der wichtigsten Kapitel der deutschen Geschichte interessant darzustellen, ohne es medienwirksam zu rechtzubiegen. "Historisch genau, aber spannend wie ein Krimi". Die ARD unternahm zur Verwirklichung dieses Projekts ungekannte finanzielle Anstrengungen.

34 Drehtage, rund 75 Schauspielerrollen für einen (längeren) Einteiler gehören auch bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht eben zum Produktionsalltag. Der folgende Aufsatz verfolgt das Ziel einer kommunikatororientierten Filmanalyse des Films „Stauffenberg“ von Jo Baier. Hierbei werden der Anspruch des Films und die Ambitionen seines Regisseurs auf erfolgreiche Umsetzung zu überprüfen sein. Zu diesem Zweck wird der Film als Quelle behandelt; sämtliche Analyseschritte sollen intersubjektiv überprüfbar (nachvollziehbar, wiederholbar) sein. Unbedingt dabei zu berücksichtigen ist die Tatsache, dass es sich bei Baiers Werk nicht um eine dreiviertelstündige Dokumentation nach heuer gebräuchlichem Muster handelt. Im Gegensatz zur im Abendprogramm bewährten "Knoppschen" Machart, hat Baier einen Fernsehfilm gedreht, der ähnlich wie ein Krimi die Zuschauer über neunzig Minuten fesseln soll.

Allerdings mit historisch gesichertem Inhalt. Dies hat Konsequenzen für das Erzählen und die Dramaturgie. Statt großer Bilder und Gesten sind im Fernsehfilm eher atmosphärische Dichte und darstellerische Qualitäten gefragt. Historisches Material, wie etwa Beiträge der Wochenschau lassen sich bei dieser Konzeption nur äußerst mühsam integrieren. Auf die dokumentartypischen Zeitzeugen muss natürlich ganz verzichtet werden. Bei der Analyse soll die Konzeption des Films als Ausgangsposition verwendet werden, um seine Gesamtheit zu erörtern. Besonderes Augenmerk soll dabei erster Linie nicht auf rezensionstypischen Merkmalen wie dem Faktor der Unterhaltung, der Kurzweiligkeit des vermittelten Handlung oder der Qualität der Darsteller gelegt werden. Details sollen ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr soll untersucht werden, inwiefern der im Medium Fernsehen entscheidende erste Eindruck nach der Rezeption mit der Hauptaussage, Intention oder Botschaft des Films korreliert und inwiefern die vom Regisseur gewählte Konzeption und die damit einhergehende Authentizität diesbezüglich zu bewerten sind. Wie also sind die historischen Ereignisse, Personen, Ziele usw. aufbereitet und welche – möglicherweise intendierte - Wirkung hat diese Konzeption auf den Rezipienten? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Platzierung des Filmes im Abendprogramm der ARD?

Die oben genannten (ohne Zweifel filmprägenden) Parameter erfahren demnach also keine isolierte Bewertung. Nur in ihrer eventuell partiellen Bedeutung für die Gesamtaussage finden sie in dieser Analyse Berücksichtung. Da Baiers „Stauffenberg“ aber ausdrücklich historisch fundierten Ansprüchen genügen will, muss auch der Quellenwert in die Untersuchung mit einbezogen werden. Da der Fernsehfilm historische Sachverhalte an ein breites, disperses Publikum vermitteln will, ist auch die Frage der Faktenrichtigkeit entscheidend. Stimmt die historische Gesamtaussage mit der Forschung überein? Werden die geschichtlichen Abläufe richtig und möglichst vollständig dargestellt? Der Inhalt des Films, dessen Kenntnis für den Leser zum Verständnis der folgenden Analyse nur bedingt notwendig ist, kann im Anhang ab Seite 31 nachgelesen werden.

2. Analyse

[...]


i Vgl. Lohre, Matthias: Das Attentat als moralische Dimension gegen die Machthaber. Kontroverse um Ziele und Charaktere der Verschwörer des 20. Juli, in: Das Parlament Nr. 26 /21.06.2004.

ii Zur Person: Jo Baier begann seine Arbeit als Regisseur und Autor Ende der 70er Jahre. Nach zahlreichen Dokumentarfilmen entstanden ab 1984 seine ersten fiktionalen Filme. Für "Schiefweg" (1986/87) erhielt er 1989 den Adolf Grimme Preis in Silber, und 1996 wurde sein Film "Der schönste Tag im Leben" (1995) mit dem Bayerischen Fernsehpreis gewürdigt. Für die dreiteilige Strittmatter-Verfilmung "Der Laden" (1996-98) erhielt Jo Baier unter anderem den Sonderpreis des Bayerischen Fernsehpreises und gemeinsam mit den Darstellern den Adolf Grimme Preis in Gold.

iii Hoffmann, Peter: Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder, Stuttgart 1992.

iv Müller, Christian: Stauffenberg. Eine Biographie, Düsseldorf 2003.

v Für eine Übersicht der themenververwandten Produktionen: siehe Kapitel 5: Filmographie ab S. 26.

vi Für den merkwürdigen Ausstrahlungstermin von Stauffenberg können weder Jo Baier noch die Schauspieler was. Dass hier schon im Februar an den 40. Jahrestag des Attentats erinnert wird, hat ausschließlich mit dem zu solchen Jahrestagen inzwischen üblichen Wettrennen der Sender zu tun. Da Guido Knopp bereits am kommenden Dienstag im ZDF seine Reihe „Widerstand gegen Hitler“ startet, die ARD bei diesem absurden Wettstreit aber unbedingt als Erster durchs Ziel gehen wollte, sah man sich zur Ausstrahlung am Aschermittwoch geradezu genötigt. Was auch nicht gerade von allzu großem Vertrauen in die Qualität des eigenen Produkts zeugt. Ein solches Wettrennen hat es im Sommer 1955 schon einmal gegeben: Damals trat Georg Wilhelm Pabst mit seinem Spielfilm "Es geschah am 20. Juli" gegen Falk Harnack an, der seinen Film "Der 20. Juli" mit Dokumentarszenen durchmischt hatte.


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