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Das Jagdfries des Philipsgrabes

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 15 Pages
Author: Katharina Krings
Subject: Archaeology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 15
Grade: 2
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V47540
ISBN (E-book): 978-3-638-44465-1
ISBN (Book): 978-3-638-76417-9
File size: 162 KB

Abstract

1861 begannen die Ausgrabungen in Vergina (Aigai), die zunächst den hellenistischen Palast und ein makedonisches Kammergrab freilegten. Unter Konstantinos Romaios, dem Professor des Archäologischen Instituts der neu gegründeten Universität von Thessaloniki, wurden 1937 die Ausgrabungen fortgesetzt. Er entdeckte ein zweites makedonisches Kammergrab. Seit 1954 unterstützt die Universität von Thessaloniki die Ausgrabungen. Manolis Andronikos, einem Schüler Romaios´, der sich seit 1937 mit den Ausgrabungen auseinander setzt, gelang schließlich 1977 der Fund des Philipsgrabes. Dieses prächtige Monumentalgrab im Gebiet des Großen Tumulus gilt u.a. aufgrund der Grabfunde als letzte Ruhestätte des großen makedonischen Feldherrn. Besonders der gefundene Schädel mit seiner Verletzung am rechten Auge und die unterschiedlich großen Beinschienen verweisen auf Philip, von dem entsprechende Verwundungen überliefert sind. Dennoch wird das Kammergrab in der Literatur nicht zweifelsfrei dem Makedonenkönig Philip zugesprochen, statt dessen werden neue Vermutungen über einen Grabinhaber angestellt. Entscheidend für die Identifikation des Grabherrn ist dabei auch der Fries über dem Eingang des Hügelgrabes. Es existieren Untersuchungen zur Figurenperspektive, Schattengebung, Darstellung des Raumes und zur Frage nach dem Meister - es mangelt allerdings an Untersuchungen zur Komposition des Bildgeschehens. Denn nur wenn man den Fries in seinem Aufbau und Inhalt versteht, kann man aus ihm in Zusammenhang mit den Geschehnissen um 336 v.Chr., dem Todesjahr Philips, Schlüsse auf den Grabinhaber ziehen. Demnach wird in dieser Hausarbeit nach einer ausführlichen Beschreibung des Frieses versucht, die These zu unterstützen, dass es Andronikos gelungen ist, das Grab Philips zu finden.


Excerpt (computer-generated)

Das Jagdfries des Philipsgrabes

von: Katharina Krings

6. Semester, SS 2001

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Beschreibung des Jagdfrieses 4

2.1. Das Bildgeschehen und die Komposition des Hintergrundes 4
2.2. Kleidung und Komposition der Jäger 7
2.3. Farbgebung, Figurenstil und Technik 11

3. Schlussfolgerungen auf den Grabinhaber 12

4. Literaturverzeichnis 15



 

Einleitung

1861 begannen die Ausgrabungen in Vergina (Aigai), die zunächst den hellenistischen Palast und ein makedonisches Kammergrab freilegten. Unter Konstantinos Romaios, dem Professor des Archäologischen Instituts der neu gegründeten Universität von Thessaloniki, wurden 1937 die Ausgrabungen fortgesetzt. Er entdeckte ein zweites makedonisches Kammergrab. Seit 1954 unterstützt die Universität von Thessaloniki die Ausgrabungen. Manolis Andronikos, einem Schüler Romaios´, der sich seit 1937 mit den Ausgrabungen auseinander setzt, gelang schließlich 1977 der Fund des Philipsgrabes1.

Dieses prächtige Monumentalgrab im Gebiet des Großen Tumulus gilt u.a. aufgrund der Grabfunde als letzte Ruhestätte des großen makedonischen Feldherrn2. Besonders der gefundene Schädel mit seiner Verletzung am rechten Auge und die unterschiedlich großen Beinschienen verweisen auf Philip, von dem entsprechende Verwundungen überliefert sind3. Dennoch wird das Kammergrab in der Literatur nicht zweifelsfrei dem Makedonenkönig Philip zugesprochen4, statt dessen werden neue Vermutungen über einen Grabinhaber angestellt5. Entscheidend für die Identifikation des Grabherrn ist dabei auch der Fries über dem Eingang des Hügelgrabes.

Es existieren Untersuchungen zur Figurenperspektive, Schattengebung, Darstellung des Raumes und zur Frage nach dem Meister6 - es mangelt allerdings an Untersuchungen zur Komposition des Bildgeschehens7. Denn nur wenn man den Fries in seinem Aufbau und Inhalt versteht, kann man aus ihm in Zusammenhang mit den Geschehnissen um 336 v.Chr., dem Todesjahr Philips, Schlüsse auf den Grabinhaber ziehen. Demnach wird in dieser Hausarbeit nach einer ausführlichen Beschreibung des Frieses versucht, die These zu unterstützen, dass es Andronikos gelungen ist, das Grab Philips zu finden.

2. Beschreibung des Jagdfrieses

Der 1,16 x 5,56 m große Fries8 wurde von Andronikos innerhalb von drei Jahren gereinigt und stabilisiert. Nach den Untersuchungen der Funde wird das Grab auf 336-310 v.Chr. datiert9. Die Jäger des Frieses werden in der Beschreibung mit Buchstaben benannt; von links nach rechts dem Alphabet folgend10.

2.1. Das Bildgeschehen und die Komposition des Hintergundes

Auf dem Fries wird eine wilde Jagd in einem felsigen Wald dargestellt, an der sich zehn Männer beteiligen. Drei von ihnen, B, E und H sind als Reiter dargestellt, die restlichen sieben zu Fuß. Die Jäger und ihre neun Jagdhunde - vermutlich Kreter, Lakonier oder Molosser11, werden mit fünf unterschiedlichen, wilden Tieren konfrontiert. Das Jagdwild präsentiert dem Betrachter jeweils seine linke Seite, in der die Wurfwaffe der Jäger steckt.

Das Reh, das in der linken oberen Bildecke abgebildet ist, wurde bereits von einem Speer in seine Flanke getroffen und will nun über den Felsen, der am Bildende dargestellt ist, nach links, quasi aus dem Bild fliehen. Allerdings wird es gerade vom Reiter B, der sich rechts unterhalb des Tieres befindet und in Rückenansicht dargestellt ist, mit einem Speer zielsicher anvisiert, so dass das Schicksal des Rehs voraus zu sehen ist. Das Pferd von B bäumt sich dabei in Richtung des Rehs auf. Der Hirsch, der sich unterhalb des Rehs befindet, ist schon tot. A stützt sich mit seinem linken Knie auf dem Tier ab, während er es an seinem Geweih packt, um dessen Kopf nach hinten zu ziehen. Dadurch wird der im Hals des Hirschen steckende Speer geradezu dramatisch präsentiert. Währenddessen verbeißt sich der auf dem Hirsch stehende Hund in dessen hintere Flanke. Die zwei nächsten Jäger C und D haben einen Eber eingekreist und ihre Speere zielen auf dessen Kopf. C kommt dabei von vorne, also - vom Betrachter aus gesehen - von links auf den Keiler zu, während sich D der rechten Seite des Tieres nähert, also hinter dem Eber steht.

[...]


1 I. Touratsoglou, Makedonien. Geschichte, Monumente, Museen (1995) 211ff; M. Andronikos, Vergina. The Royal Tombs (1984) 233; R. Ginouvès (Hrsg.), La Macédoine de Philippe II à la conquête romaine (1993) 161f.

2 Andronikos a.O. 115f, 224ff.

3 ebenda 230f.; E. Meyer, Kleine Schriften zur Geschichtstheorie und zur wirtschaftlichen und politischen Geschichte des Altertums II (1924) 103.

4 Das lässt sich bereits an Aufsatztiteln erkennen, wie z.B.: A. Pekridou-Gorecki, Zum Jagdfries des sog. Philipp-Grabes in Vergina; L.E. Baumer - U. Weber, Zum Fries des „Philipsgrabes“ von Vergina.

5 Baumer schließt z.B. auf Arrhidaios, Alexanders Stiefbruder, den er in der Zentralfigur über dem Eingang des Grabes erkennt, s.: L.E. Baumer in: HASB 14, 1991, 27-41, 40ff.

6 U. Weber in: HASB 14, 1991, 27-41, Anm. 4.

7 Nur Andronikos a.O. hat sich mit der Ikonographie auseinandergesetzt und den Bildinhalt analysiert. Auf diese Arbeit stützt sich auch der Aufsatz von Weber a.O.

8 Andronikos a.a.O. Abb. 57-71.

9 ebenda 221ff. An der Architektur des Grabes kann man erkennen, dass der Bau des Tumulus vermutlich in sehr kurzer Zeit ausgeführt worden ist, s.: Andronikos a.a.O. 229.

10 Pekridou-Gorecki, Zum Jagdfries des sog. Phillips-Grabes in Vergina, in: F. Blankolmer (Hrsg. u.a.), Fremde Zeiten. Festschrift für Jürgen Borchhardt II (1996) Abb. 2.

11 dies. S. 93. zwei Jagdhunden attackiert; der eine Hund beißt in die rechte Vorderpfote des Ebers während der andere auf den Keiler gesprungen ist und sich in dessen Nacken verbissen hat. Zudem steckt ein Speer in der linken Flanke des Keilers.


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