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Das Gesundheitssystem Bulgariens

Termpaper, 2004, 34 Pages
Author: Ginka Tchervenkova
Subject: Health Science

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 34
Grade: 2
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V47699
ISBN (E-book): 978-3-638-44584-9

File size: 434 KB
Notes :
13 Seiten Hausarbeit plus Anhang



Excerpt (computer-generated)

Das Gesundheitssystem Bulgariens

von: Ginka Tchervenkova

 


Inhaltsverzeichnis

1. Geschichtlicher Hintergrund 3

2. Organisationsstruktur des Gesundheitssystems Bulgariens in den Übergangsjahren nach 1989 5

3. Probleme und Herausforderungen vor dem bulgarischen Gesundheitssystem mit Rücksicht auf seinen bevorstehenden EU-Beitritt in 2007 9

Benutzte Literatur 13

Anhang 1, Organisationsstruktur des Gesundheitssystems Bulgariens 14
Anhang 2, Gesamtausgaben für Gesundheitsleistungen in Europa – gemessen als % vom BIP 15
Anhang 3, Ausgaben für Gesundheitsleistungen in Europa – gemessen in USD pro Kopf 16
Anhang 4, Anteil der Ärzte und der Krankenschwester in Europa – gemessen pro 1000 Einwohner17
Anhang 5, Anteil des medizinischen Personals in Bulgarien – gemessen als Anteil pro 1000 Einwohner 18
Anhang 6, Finanzierung des Gesundheitssystems Bulgariens 19
Anhang 7, Das Krankenversicherungsgesetz vom 1998 20



 

1. Geschichtlicher Hintergrund

Gemeinschaftlich finanziertes Gesundheitswesen wurde in Bulgarien am Ende des 19.Jhs. nach der Befreiung vom 5jahrhundert langen Türkischen Joch zum ersten Mal in der neueren Geschichte des Landes eingeführt. Die dafür notwendigen Gesetze über das Gesundheitswesen wurden zwischen 1879 und 1903 erlassen und in Kraft gesetzt. Die ersten Einrichtungen des Gesundheitssystems wurden auch zu dieser Zeit errichtet. Dazu gehört u.a. auch die vom Staat finanzierte kostenfreie Behandlung für die Armen in den Krankenhäusern. Die während des Russisch-Türkischen Krieges vom 1877-1878 errichteten Lazarette wurden behalten und als reguläre Krankenhäuser weiterentwickelt. Unter den lokal wohnenden Privatärzten wurden vom Staat in allen Orten mit mehr als 4000 Einwohnern Landkreis- und Gemeindeärzte ernannt und angestellt. Auf einer teilweise privaten Basis arbeiteten die in den kleineren Orten tätigen Feldscher. Die bulgarischen ärztlichen und zahnärztlichen Verbände wurden in 1901 gegründet. Unmittelbar danach wurde das erste Gesetz über das öffentliche Gesundheitswesen verabschiedet. Private Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser, Sanatorien und Polykliniken wurden errichtet. In 1918 wurde die Medizinische Universität Sofia gegründet, die sich auch als ein Forschungszentrum auf dem medizinischen Bereich etablierte.

Das erste Krankenversicherungsgesetz wurde in 1918 eingeführt. In 1924 wurde das zweite diesbezügliche Gesetz verabschiedet, laut dessen alle Staatsbeamten und Angestellten im öffentlichen und im privaten Sektor gesetzlich pflichtversichert für Krankheitsfälle, Mutterschaft und Pensionierung sein sollten. In 1925 wurde das Krankenversicherungsgesetz für die Fälle der Albeitslosigkeit eingeführt (Quelle: Geschichte des Gesundheitswesens in Bulgarien, http://www.nhif.bg/bg/default.phtml, 07.01.2005). Das so entstandene Krankenversicherungssystem war ähnlich dem Bismarksche Versicherungssystem. In 1929 wurde das Volksgesundheitsgesetzt verabschiedet. Ihm zufolge wurde die Verantwortung für die Gesundheitsversorgung vom Staat auf die Gemeinden übertragen. Gesundheitseinrichtungen für Schwangerschaft und Mutterschaft (Geburtklinikern), sowie auch für präventive Untersuchungen und Impfungen wurden gegründet. Ärztliche Praxis in Schulen und weiteren Einrichtungen zur Gesundheitsförderung und Hygiene wurden auch eingeführt. Ein Netz von Familienärzten praktizierte die allgemeine Medizin. In 1944 wurde das Gesundheitsministerium mit der Aufgabe gegründet, das gesamte Gesundheitssystem Bulgariens zu koordinieren und zu kontrollieren, das inzwischen schon einen gut entwickelten öffentlichen Sektor und einen im Vergleich zu ihm kleineren privaten Sektor umfasste. (Quelle: Koulaksazov et al. 2003: 8-9)

In 1948 begann die kommunistische Administration das existierende System durch den sowjetischen Gesundheitsmodell ‚Semaschko’ zu ersetzen. Infolge dessen wurden die privaten Krankenhäuser und Apotheken nationalisiert und der zentralen Staatskontrolle unterstellt. Das Krankenversicherungssystem und die Bulgarische Medizinassoziation wurden abgeschafft. Die Ausbildung in Medizin wurde zentralisiert und dem Gesundheitsministerium unterstellt. Das Angebot an Gesundheitsleistungen wurde aber erweitert, wobei zahlreiche neue Gesundheitszentren, Geburtkliniken und Krankenhäuser in fast allen Dörfern gebaut und eingerichtet wurden. Das Netz der Familienärzte wurde abgeschafft und durch die neu errichteten und zu den Krankenhäusern angehörenden Polykliniken ersetzt. Die primäre Krankenhilfe wurde nach Stadtteilprinzip organisiert, wobei die Patienten gemäß ihrer Anschrift zu einem Arzt in einer bestimmten Polyklinik zugeordnet und angebunden wurden. Ab 1950 begann das Errichten von Sanitärepidemischen Zentren auf der ganzen Fläche Bulgariens. Als öffentliche Gesundheitseinrichtungen wurde ihnen das Vorbeugen und die Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria, Typhus, parasitäre Krankheiten zugeordnet. Weitreichende Immunisierungen wurden zu etwas Selbstverständlichem. Ein guter Netz von zahnärztlichen Kliniken und Apotheken wurde entwickelt. Forschungsinstitute und Krankenhauskliniken wurden gegründet in allen Hauptzweigen der Medizin. Als Ergebnis von dieser umfangreichen Weiterentwicklung der Gesundheitseinrichtungen Bulgariens und dem daraus resultierenden verbesserten Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen wurde die Sterblichkeit, besonders von Kindern, reduziert und die Lebenserwartung der Bevölkerung erhöht. (Quelle: Koulaksazov et al. 2003: 9)

Die 60er und 70er Jahre wurden durch das Errichten von weiteren zahlreichen neuen Krankenhäuser und Zentren überall in Bulgarien und durch die universitäre Ausbildung von vielen neuen Ärzten in den 5 neuen Medizinischen Fakultäten an weiteren bulgarischen Universitäten gekennzeichnet. In 1973 wurde das Volksfürsorgegesetzt verabschiedet, das die gesetzliche Basis und die Organisationsprinzipien des Gesundheitssystems Bulgariens zugrunde legte. Als positive Seiten der Entwicklung im Gesundheitswesen während der kommunistischen Zeit können die Folgenden beurteilt werden: die garantierten kostenfreien und für alle Bürger zugänglichen Gesundheitsdienstleistungen, das dichte Netz von Gesundheitseinrichtungen und die sehr gute Versorgung mit Gesundheitsdienstleistungen und –mittel im ganzen Land, das Nehmen im Griff und die Kontrolle der übertragbaren Krankheiten, die Vorsorgeuntersuchungen und die Immunisierungen, das Versorgen des Gesundheitssektors mit ausreichend vielen und hoch qualifizierten Ärzten und weiterem Medizinpersonal, die Ausdehnung der Forschungsarbeit auf dem Bereich der Medizin u.a. Als negative Seiten des kommunistischen Gesundheitssystems können unter anderem die Folgenden genannt werden: die Unflexibilität des staatlich kontrollierten Gesundheitssystems, die unausreichende Fürsorge für chronische Krankheiten, die Mangel an einer modernen Infrastruktur für Invaliden u.a. Aus volkswirtschaftlicher Sicht wurde des weiteren das so geschaffene breite System von Gesundheitseinrichtungen langfristig finanziell nicht gesichert und erwies sich nicht in der Lage, die Qualität der an die Bürger zu erbringenden Gesundheitsleistungen auf Dauer sicher zu stellen, weder die Letztere in Situationen vo n Wirtschaftsstagnation und –krise, die sich durch einen wesentlichen finanziellen Überschuss der Nachfrage gegen des Angebots charakterisieren, zu gewährleisten. Als Ergebnis wurden viele Elemente des kommunistischen Gesundheitssystems in den Übergangsjahren nach 1989 abgeschafft, wobei es sich oft um Komponenten und Aspekten des Gesundheitswesens handelte, dessen Funktionieren unentbehrlich und gut war, für die aber in den Bedingungen der schweren Wirtschaftskrise von den 90er Jahre keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung standen.

2. Organisationsstruktur des Gesundheitssystems Bulgariens in den Übergangsjahren nach 1989

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