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Zur aktuellen Krise der Gewerkschaften in Deutschland: Phänomene und Ursachen

Autor: Dirk Marquardt
Fach: Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

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Details

Kategorie: Vordiplomarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 32
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 28  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 168 KB
Archivnummer: V48419
ISBN (E-Book): 978-3-638-45137-6

Textauszug (computergeneriert)

Zur aktuellen Krise der Gewerkschaften in
Deutschland: Phänomene und Ursachen

von: Dirk Marquardt

Fachsemester : 4

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Problembeschreibung  3

2.1. Entwicklung der Mitgliederstatistik 3
2.2. Auswirkungen des Mitgliederrückganges 5

3. Ursachen des Mitgliederrückganges und Erklärungsmuster 6

3.1. Zyklische Erklärungsmuster  7

3.1.1. Lohnentwicklung und Inflation 7
3.1.2. Arbeitslosigkeit 8
3.1.3. Regierungsparteien  10

3.2. Strukturelle Erklärungsmuster 11

3.2.1. Wirtschaftsstruktur 11
3.2.2. Beschäftigtenstruktur – Arbeiter und Angestellte 12
3.2.3. Beschäftigtenstruktur – Männer und Frauen 14
3.2.4. Jugendliche und Gewerkschaften 15
3.2.5. Wertewandel und Individualisierung 16

3.3. Institutionelle Erklärungsmuster  18

3.3.1. Zugang der Gewerkschaften zum Arbeitsplatz  19
3.3.2. Struktur des Tarifsystems  20

4. Fazit 21

5. Literaturverzeichnis 25



 

1. Einleitung

Die deutschen Gewerkschaften befinden sich in einer Krise und ihre Zukunft wird durch eine Vielzahl von Problemen bedroht und in Frage gestellt. Zunehmende Massenarbeitslosigkeit, Strukturwandel und Krise der Wirtschaft, Dezentralisierung der Tarifvereinbarungen auf Betriebsebene und Tarifflucht der Unternehmen bedrohen die Stellung der Gewerkschaft. Außerdem erfordert der zunehmende Druck durch die Europäisierung und Globalisierung der Wirtschaft neue Antworten und Konzepte auf sich verändernde Rahmenbedingungen. Eines der Hauptprobleme der deutschen Gewerkschaften ist jedoch der kontinuierliche Rückgang der Mitgliederzahlen, welcher als Ausgangspunkt aber auch als Resultat der gewerkschaftlichen Misslage gesehen werden kann.

Aus diesem Grund werde ich den Fokus meiner Arbeit auf das Problem des Mitgliederrückganges der deutschen Gewerkschaften legen und versuchen, diejenigen Faktoren und Einflüsse zu identifizieren, die für die sinkenden Mitgliederzahlen verantwortlich sind. Ich werde jedoch in meinen Erläuterungen auch auf die oben genannten Problemlagen zurückkommen, da der Mitgliederrückgang nicht losgelöst von der Gesamtproblematik der Gewerkschaften betrachtet werden kann und die Einzelprobleme vielseitig miteinander verknüpft sind. Bei der Untersuchung sollen die deutschen Gewerkschaften in ihrer Gesamtheit und nicht vornehmlich die Rekrutierungsprobleme einer einzelnen Gewerkschaft oder speziell eines einzelnen Teilbereiches betrachtet werden, da dies den Rahmen einer Vordiplomarbeit übersteigen würde und außerdem eine differenzierte Analyse auf Ebene der einzelnen Fachbereiche und entsprechender Teilbranchen erfolgen müsste, um begründete Schlüsse ziehen zu können. Außerdem wäre der Zugang zu den entsprechenden Daten, die für eine solche Auswertung benötigt würden, begrenzt oder nicht vorhanden. Des Weiteren werde ich mich bei der Ausarbeitung auf den Zeitraum nach der Wiedervereinigung Deutschlands beschränken, da die Arbeit zum Ziel hat, vorrangig die aktuelle Problemlage der Gewerkschaften zu analysieren. Zudem werde ich nicht auf unterschiedliche regionale Probleme der Gewerkschaften in Deutschland eingehen, da dies wiederum eine tiefergehende Betrachtung erfordern und außerdem nicht primär relevante Informationen zur Erklärungen der gesamten Mitgliederproblematik liefern würde. Als letzte Abgrenzung werde ich mich bei der Betrachtung und Analyse der Mitgliederdaten auf die Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbunds beschränken, da dieser Dachverband und seine Einzelgewerkschaften die wichtigsten gewerkschaftlichen Organisationen in Deutschland sind und nur der Deutsche Beamtenbund in seinem Bereich einen ähnlich vergleichbaren Stellenwert hat. Außerdem ist die Deutsche Angestellten Gewerkschaft mit der Gründung von ver.di im Jahr 2001 in dieser Gewerkschaft aufgegangen und somit Teil des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Christliche Gewerkschaftsbund auf Grund seiner geringen Mitgliederstärke keine relevante Größe in der deutschen Gewerkschaftslandschaft.

Im Folgenden werde ich zunächst den Verlauf der Mitgliederzahlen und Organisationsgrade seit 1991 beschreiben, um einen Eindruck von der Problemlage zu vermitteln. Daran anschließend sollen kurz die Auswirkungen des Mitgliederrückganges und die damit verbundene Motivation, sich mit dieser Problemlage intensiver zu beschäftigen, erläutert werden. Im darauf folgenden Hauptteil werde ich die verschiedenen Bestimmungsfaktoren und Erklärungsansätze für den gewerkschaftlichen Mitgliederrückgang beschreiben und analysieren und darauf aufbauend abschließend ein kurzes Fazit ziehen, in dem ich die Ergebnisse meiner Ausführungen zusammenfassen und meine persönliche Meinung zum Thema des Mitgliederrückganges darlegen werde. Bei meinen Ausführungen werde ich mich dabei vollständig auf Fremddaten und Literatur verschiedener Autoren stützen und keine eigenständig erhobenen Daten diskutieren. Abschließend möchte ich noch anmerken, dass diese Arbeit auf Grund der Komplexität des Themas und des geringen Ausarbeitungsrahmens nicht den Anspruch haben kann, das Problem in seiner vollständigen Gesamtheit zu erfassen und zu analysieren, um darauf aufbauend fundierte Problemlösungsansätze geben zu können. Es sollen jedoch die verschiedenen Erklärungsansätze der gewerkschaftlichen Mitgliederproblematik dargelegt und bewertet werden, so dass auf dieser Grundlage eine Einschätzung der zukünftigen Mitgliederentwicklung der deutschen Gewerkschaften gegeben werden kann.

2. Problembeschreibung

2.1. Entwicklung der Mitgliederstatistik

Zu Beginn möchte ich zunächst kurz den Verlauf der gewerkschaftlichen Mitgliederzahlen und des gewerkschaftlichen Organisationsgrades darstellen, um einen konkreten Eindruck des Mitgliederproblems der deutschen Gewerkschaften zu vermitteln und um zu zeigen, in welchem Umfang sich die Mitgliederstärke und das Maß gewerkschaftlicher Organisation verändert haben. Betrachtet man zunächst den Verlauf der gewerkschaftlichen Mitgliederzahlen seid der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 so lässt sich bis 1990 abgesehen von den Jahren 1959, 1966-68, 1975 und 1982-84 ein kontinuierliches Ansteigen der Mitgliederzahlen auf etwa 8 Millionen Mitglieder erkennen (Müller-Jentsch 1997: 129). Seit der Wiedervereinigung 1990, in dessen Zuge sich der Einzugsbereich der Gewerkschaften auf die fünf neuen Bundesländer ausweitete und sich damit zunächst zum Jahr 1991 die Mitgliederzahl sprunghaft um circa 4 Millionen Mitglieder erhöhte, ist jedoch ein steter Mitgliederrückgang zu verzeichnen, so dass die Mitgliederzahlen schon 1994 wieder unter die 10 Millionengrenze gefallen sind1 (Müller-Jentsch 1997: 131). Dieser Trend setzte sich auch in den Jahren danach fort, was zur Folge hat, dass heute weniger Arbeiter gewerkschaftlich organisiert sind, als jemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Ebbinghaus 2003: 174).

Nur zum Jahr 2001 ist ein Anstieg der Mitgliederzahlen des DGB zu erkennen, welcher aber durch die Eingliederung der DAG in ver.di und somit in den DGB erklärt werden kann. Da der Anstieg jedoch nur knapp 130.000 Personen umfasst, die DAG im Jahr 2000 aber über 400.000 Mitglieder umfasste, ist dieser Anstieg wohl eher als ein Mitgliederverlust zu werten und nur rechnerisch ein Gewinn für den DGB. An hand der Tabelle 1 lässt sich diese Entwicklung für die Jahre 1991-2003 nachvollziehen. Bei der Betrachtung der Einzeldaten der jeweiligen Gewerkschaften wird ebenfalls deutlich, dass nicht nur eine Branche oder ein Teilbereich von diesem Problem betroffen ist, sondern sich die Negativentwicklung bei allen Einzelgewerkschaften des DGB erkennen lässt. Bis auf die GdP, deren Mitgliederzahlen 1995 leicht gestiegen sind und auch 1996 stabil bleiben, haben alle Gewerkschaften jedes Jahr in dem beschriebenen Zeitraum einen Mitgliederverlust verzeichnen müssen.

[...]


1 Insbesondere ist diese Entwicklung in Ostdeutschland zu erkennen. Nach der Wiedervereinigung 1990 traten fast 50% der Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern in eine DGB-Gewerkschaft ein, am Ende der 90er Jahre waren jedoch nur noch 25% der ostdeutschen Beschäftigten DGB-Mitglieder (Ebbinghaus 2003:185).
 

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