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Autor: Tobias Jantz
Fach: Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Details
Institution/Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (Institut für Sportwissenschaft)
Tags: Sportgymnasium, Eine, Schulform, Hauptseminar, Sportdidaktik
Jahr: 2005
Seiten: 26
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 312 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-45463-6
Die Arbeit untersucht kritisch die Ursachen der Defizite im Bereich der sportdienlichen Funktionalität der Sportgymnasien. Dazu wird ein Vergleich von Sportgymnasium und KJS der DDR (in deren Tradition sich die Sportgymnasien sehen) die Ergebnisunterschiede zu erklären versuchen.
Textauszug (computergeneriert)
OTTO-VON-GUERICKE-UNIVERSITÄT MAGDEBURG
INSTITUT FÜR SPORTWISSENSCHAFT
HAUPTSEMINAR ZUR SPORTDIDAKTIK
SOMMERSEMESTER 2005
Das Sportgymnasium. Eine spezielle Schulform
von: Tobias Jantz
INHALTSVERZEICHNIS
1 PROBLEMSTELLUNG 1
2 KINDER- UND JUGENDSPORTSCHULEN IN DER DDR – DIE VORLÄUFER DER SPORTGYMNASIEN? 2
2.1 VORBEMERKUNGEN 2
2.2 DIE GESCHICHTE DER KJS 2
2.3 UNTERRICHT AN DEN KJS 5
2.4 DIE KJS IM LEISTUNGSSPORTSYSTEM 8
2.5 FAZIT 10
3 DAS SPORTGYMNASIUM – EIN NACHFOLGER DER KJS? 11
3.1 VORBEMERKUNGEN 11
3.2 LEGITIMATIONSKRISE IN DER „NACHWENDEZEIT“ 12
3.3 UNTERRICHT AM SPORTGYMNASIUM 13
3.4 DIE AUFNAHME AN DAS SPORTGYMNASIUM 15
3.5 FAZIT 16
4 KJS VS. SPORTGYMNASIUM 18
5 SCHLUSSBETRACHTUNG 21
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS 23
1 PROBLEMSTELLUNG
Die letzten Olympischen Spiele liegen ein Jahr zurück und das Resultat, das in Athen erzielt wurde, war ernüchternd: Platz sechs in der Medaillenwertung. Ohne den Aktiven, die zweifelsohne hart trainieren, zu nahe treten zu wollen, muss man doch feststellen, dass die Leistungen deutscher Spitzensportler bei sportlichen Großereignissen bis auf wenige Ausnahmen in den letzten Jahren nicht nur stagnierten, sondern sogar rückläufig waren. Das Erschreckende dabei ist, dass das Gros der Medaillen von alten Athleten gewonnen wurde. Dies ist ein Grund, einen Blick auf die Jugendarbeit zu werfen. Und dabei kommt man nicht umhin, die Sportgymnasien genauer zu betrachten. Sie haben schließlich, nicht zuletzt weil sie vom Steuerzahler finanziert werden, die Aufgabe, ihrem Namen gerecht zu werden und (Leistungs-)Sport und Schule für junge Menschen vernünftig miteinander zu verbinden. Aber dieser Aufgabe können sie anscheinend nicht gerecht werden. Die Sportschulen der DDR, auf deren Tradition sich die Sportgymnasien berufen, haben offensichtlich erfolgreicher gearbeitet. Wolfgang Helfritsch (1997, S. 112) hatte bereits 1997 mit Rückblick auf die Ergebnisse der Olympischen Spiele von Atlanta die „unvermeidliche ,Gretchenfrage’“ gestellt, „ob und wie es gelingt, in einem wesentlich veränderten gesellschaftlichen und sportlichen Umfeld ein Fördergefüge zur Wirkung zu bringen, das neuen Bedingungen und Erfordernissen Rechnung trägt, Bewährtes aufgreift und filtert und auf dieser Grundlage gesellschaftsadäquat und sportdienlich funktioniert“.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, der Beantwortung dieser „Gretchenfrage“ ein Stück näher zu rücken. Dabei soll zunächst auf die Entwicklung und die Arbeitsweise der Kinder- und Jugendsportschulen der DDR eingegangen werden, die in ihrer Endphase in hohem Maße sportdienlich funktioniert haben. Anschließend wird dargestellt werden, wie die Sportgymnasien das Wissen und die Erfahrungen der KJS nutzen konnten und ihrerseits arbeiteten und arbeiten. Abschließend wird ein Vergleich beider Schulformen die Ergebnisunterschiede zu erklären versuchen. Dabei ist festzustellen, dass Arbeiten zum Thema Sportgymnasium sehr rar gesät sind. Das soll den Verfasser, der sechs Jahre lang ein Sportgymnasium besuchte, jedoch nicht daran hindern, diese Schulform und ihre Arbeitsweise kritisch zu betrachten.
2 KINDER- UND JUGENDSPORTSCHULEN IN DER DDR – DIE VORLÄUFER DER SPORTGYMNASIEN?
2.1 Vorbemerkungen
Die Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) der DDR waren Spezialschulen des Sports und bildeten einen wichtigen (den wichtigsten?) Pfeiler im Leistungssportsystem des „Sportwunderlandes“. Durch die spezifische Förderung junger sportlicher Talente an den KJS entwickelten sich diese zu einer weltweit einzigartigen Einrichtung, die Zeit ihres Bestehens auf großes internationales Interesse stieß. Im folgenden Kapitel soll neben der Genese dieser Schulen v.a. dargestellt werden, wie der Unterricht gestaltet wurde bzw. wie er sich vom Unterricht anderer Schulen unterschied. Außerdem wird die Stellung der KJS im gesamten Leistungssportsystem beschrieben. Denn nur wenn das System KJS verstanden wird, können seine Vorzüge verarbeitet und an den Sportgymnasien, die sich als Nachfolger der DDR-Sportschulen sehen, erfolgreich umgesetzt werden.
2.2 Die Geschichte der KJS
Bereits nach der Gründung der DDR nahmen die Aktivitäten zur Förderung des Kinder- und Jugendsports einschließlich des Schulsports eine größere Dynamik an. Im April 1950 erfolgte die Einführung des obligatorischen Sportunterrichtes, der als Bestandteil des Gesamtunterrichts stetig weiterentwickelt wurde. Dabei dienten Erfahrungen von sowjetischen Sportpädagogen als Vorbild und Anregung. So wurde während einer ersten Studienreise in die UdSSR im Jahre 1950 eine Delegation aus der DDR mit Kinder- und Jugendsportschulen konfrontiert. Die gab es dort bereits seit 1937, jedoch als Nachmittagsschulen mit ganz anderem Charakter als die späteren KJS der DDR (vgl. Falkner, 2003, S. 5). Nach einer Empfehlung des ZK der SED vom März 1951 begann die intensive Planung von Sportschulen und zum 1.9.1952 öffneten die ersten Kindersportschulen in Berlin, Leipzig, Halberstadt und Brandenburg ihre Pforten. Wie aus der Endfassung der „Richtlinien für den Aufbau von Kindersportschulen“ vom 2.1.1952 hervorgeht, waren aus sportlicher Sicht folgende Punkte relevant: „Die Kindersportschulen bieten den Schülern große Möglichkeiten, auf der Grundlage wissenschaftlicher Trainingsmethoden, auf entsprechenden Sportanlagen, unter Anleitung qualifizierter Sportlehrer, ihre sportlichen Fähigkeiten voll und systematisch zu entfalten. In den Kindersportschulen werden die sportlich begabtesten Kinder mehrerer Schulen [...] zusammengefasst.
Für die Aufnahme in die Kindersportschule ist die Erfüllung der vom Deutschen Sportausschuss und dem Ministerium für Volksbildung aufgestellten Bedingungen Voraussetzung.“ (Auszug aus: BArch, DR-2, Nr. 6141, Bl. ½, zitiert aus: Falkner, 2003, S. 20-21). Weiterhin wurde festgelegt, dass der Sportunterricht auf drei (Klasse 5 und 6) bzw. vier (Klasse 7 und 8) Stunden wöchentlich erhöht und um ein zweistündiges Sporttraining in einer Sektion ergänzt wird. Eine spezielle ärztliche Betreuung und eine besondere Ernährung wurde den Schülern ebenfalls zugestanden (vgl. ebd.). Diese Kindersportschulen (5.-8. Klasse) wurden bald um einen sogenannten Jugendsportschulteil (9.-12. Klasse) erweitert und auch die quantitative Ausweitung auf 9 KJS (1953), 17 KJS (1954) und 23 KJS (1957) ging schnell vonstatten. Diese Talentförderung bei Kindern und Jugendlichen wurde jedoch nicht auf den Sport beschränkt; parallel zu den Sportschulen wurden auch Spezialschulen für Musik, Mathematik oder Russisch geschaffen. Das Projekt KJS ordnete sich in den Gesamtprozess ein. Den KJS kann dabei eine Vorreiterrolle für Spezialschulen zugeschrieben werden (vgl. Boelcke, 2002, S. 18).
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