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Geld und Literatur in Beziehungen in Gottfried Kellers 'Die mißbrauchten Liebesbriefe'

Termpaper, 2004, 20 Pages
Author: Charlotte Diez
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 2+
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V50874
ISBN (E-book): 978-3-638-46994-4
ISBN (Book): 978-3-638-59824-8
File size: 212 KB

Abstract

Die Novellen aus "Die Leute von Seldwyla" handeln von Sonderlingen und Menschen mit charakterlichen Schwächen, die durch ihr Verhalten auffällig geworden sind. Die "Charakter-Erzählungen" , wie Keller sie nennt, sind in einem humorvollen und ironischen Ton geschrieben. Wie es in den Nachbemerkungen von Kellers "Kleider machen Leute" heißt, liegt die innere Einheit darin, dass alle Novellen um seltsame Begebenheiten und merkwürdige Käuze kreisen, wie sie in der sehr lustig, aber wenig ernsthaft lebenden Gesellschaft Seldwylas nicht fehlen können. [Kleider machen Leute, S.64] Sie sind soweit dem ,,Bürgerlichen Realismus" zuzuordnen, als in ihnen, im Gegensatz etwa zu Shakespeares Dramen, nicht das Schicksal gesellschaftlich hochrangiger Personen im Mittelpunkt steht, sondern von Menschen aus dem bürgerlichen Milieu erzählt wird. Kellers Figuren entstammen dem ländlichen Bürgertum, es sind einfache, durchschnittliche Menschen aus dem Volk, Menschen, die keine Machtposition innehaben. Behandelt werden in erster Linie allgemein menschliche Probleme. In Kellers "Die Leute von Seldwyla" gibt es eine vermittelnde Instanz, denn die Welt wird in diesen Novellen nicht aus der Perspektive der Figuren beschrieben, sondern von einem allwissenden Erzähler, der das Geschilderte bewertet und kommentiert. In dieser Hausarbeit beschäftigt sich die Autorin mit den zwischenmenschlichen Beziehungen in Kellers Novelle, wie die Protagonisten zu Geld und zur Literatur stehen, sich dies auf die Beziehungen zu ihren Mitmenschen auswirkt und mit Kellers daraus erkennbaren Einstellungen gegenüber den Literaturströmungen seiner Zeit.


Excerpt (computer-generated)

FU Berlin

Geld und Literatur in Beziehungen in Gottfried Kellers
"Die missbrauchten Liebesbriefe"

von

Charlotte Diez

 

 

1. Einleitung 3

2. Geld und Literatur in Zweckbeziehungen 5
2.1. Viktor Störteler und Gritli Störteler 5
2.2. Viktor Störteler und Kätter Albach 10

3. Geld und Literatur in Liebesbeziehungen 12
3.1. Gritli und Wilhelm 12

4. Geld und Literatur in Gemeinschaften 14
4.1 Viktor Störteler und die Seldwyler 14

5. Geld und Literatur in Freundschaften 16
5.1. Gritli und Ännchen 16

6. Resümee 18

7. Literaturverzeichnis 19
7.1. Primärliteratur 19
7.2. Sekundärliteratur 19

 

 

1. Einleitung - Die Leute von Seldwyla

In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit den zwischenmenschlichen Beziehungen in Kellers Novelle, wie die Protagonisten zu Geld und zur Literatur stehen, sich dies auf die Beziehungen zu ihren Mitmenschen auswirkt und mit Kellers daraus erkennbaren Einstellungen gegenüber den Literaturströmungen seiner Zeit.

Die Novellen aus „Die Leute von Seldwyla“ handeln von Sonderlingen und Menschen mit charakterlichen Schwächen, die durch ihr Verhalten auffällig geworden sind. Die ,,Charakter-Erzählungen“ , wie Keller sie nennt, sind in einem humorvollen und ironischen Ton geschrieben. Wie es in den Nachbemerkungen von Kellers „Kleider machen Leute“ heißt, liegt die innere Einheit darin, dass alle Novellen um seltsame Begebenheiten und merkwürdige Käuze kreisen, wie sie in der sehr lustig, aber wenig ernsthaft lebenden Gesellschaft Seldwylas nicht fehlen können.1 Sie sind soweit dem ,,Bürgerlichen Realismus" zuzuordnen, als in ihnen, im Gegensatz etwa zu Shakespeares Dramen, nicht das Schicksal gesellschaftlich hochrangiger Personen im Mittelpunkt steht, sondern von Menschen aus dem bürgerlichen Milieu erzählt wird. Kellers Figuren entstammen dem ländlichen Bürgertum, es sind einfache, durchschnittliche Menschen aus dem Volk, Menschen, die keine Machtposition innehaben. Behandelt werden in erster Linie allgemein menschliche Probleme. In Kellers „Die Leute von Seldwyla“ gibt es eine vermittelnde Instanz, denn die Welt wird in dieser Novellen nicht aus der Perspektive der Figuren beschrieben, sondern von einem allwissenden Erzähler, der das Geschilderte bewertet und kommentiert.

„Die entstehenden Novellen fasst Keller wie in seinen späteren Sammlungen auch durch einen lockeren Rahmen zusammen. Er bekennt sich damit zu einer Form, die auf Goethes „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“ zurückgeht und die ihm durch die Epoche der Romantik, besonders durch seine gleichzeitigen Tieck-Studien, vermittelt wurden.“2 Die Novellen, die im fiktiven Schweizer Ort Seldwyla angesiedelten sind, reichen vom „Grotesken zum Tragischen, vom Komisch-Heiteren zum Satirischen. Ihre Einheit gewinnen sie durch den „Keller-Ton“ (Theodor Fontane) mit seiner vom Gegenständlichen ausgehenden Ausdrucksvielfalt, seinen unmerklichen Übergängen von arabeskenreicher Verspieltheit zu hintergründiger oder aggressiver Satire, seiner Ironie und seinem Humor.“3

Die Figuren Kellers leben in einer frühkapitalistischen Welt, in der Beziehungen zum wesentlichen Teil von Geld bestimmt werden, wie auch Störtelers Ehe. Der Ärger und Spott über das Pseudogehabe von sogenannten Schriftstellern, wie auch das Treiben des berliner Schriftsteller Ehepaares Stahr-Lewald dienten Keller als Vorlage im weitesten Sinne und reizten Keller zu einer Literatursatire. Im Jahre 1857 notierte sich Keller erstmals die beiden vorläufigen Arbeitstitel „Der Briefsteller“ und „Die missbrauchten Liebesbriefe“. Seine Inspiration und Motivation waren das Berliner Literatentum, das er zwischen 1850 und 1855 kennengelernt hatte. Die Erzählung entfaltet das im „Schmied seines Glückes“ angeschlagene zeitgenössische Motiv der zunehmenden Vermarktung des Menschen. In seiner Novelle „Die missbrauchten Liebesbriefe“ geißelt er die zeitgenössische Literaturströmung der Hohlheit und des Trug unechter Literaten, die nur durch wichtigtuerische Gesten, lautes Gerede von ihren wichtigen Beziehungen, auffälligeleganter Kleidung und durch ihr langes, wehendes Haar wirken wollen, denen jedoch jegliche innere Substanz fehlt und die sie durch ihr angeberisches Gehabe kompensieren wollen. „Die missbrauchte Liebesbriefe“ sind somit durchaus realistisch fundiert. In Viktor Störteler vereinigen sich die Eigenschaften dieser Dilettanten, die im Grunde nichts zu sagen haben aber trotzdem denken, sie würden in anderen Sphären schweben, weit über ihren Mitmenschen.


„Er ließ die Haare lang wachsen, strich sie hinter die Ohren, setzte eine Brille von lauterm Fensterglas auf und trug ein kleines Spitzbärtchen, um sein Äußeres dem bedeutenden Inhalte entsprechen zu lassen, den er durch seine neuen Bekanntschaften mit einem Schlage gewonnen.“4

Doch Keller wollte nicht nur eine reine Literatursatire schreiben, denn seine Novelle ist zwar eine Parodie auf das zeitgenössische Literaturtreiben, aber in einem zweiten– man könnte es einen didaktischen Teil nennen – schildert er die Entwicklung zweier Menschen zu tüchtigen und selbstbewussten Personen, die durch den Bruch vom städtischen Treiben zu sich selber und schließlich auch zueinander finden, während Viktor und seine Kätter Ambach, „ein ins Groteske gesteigerte Abbild der `Berliner Literaturweiber`5, sich durch ihre Selbstdarstellung zum Gespött der Seldwyler machen und schließlich lautlos von der Bildfläche verschwinden.

[....]


1 Kleider machen Leute, S.64

2 Ebd. S. 64

3 Reclams elektronisches Lexikon unter „Gottfried Keller

4 Die missbrauchten Liebesbriefe S.12

5 Ebd., S.90


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