Autor: Sandy Brunner
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Details
Jahr: 2005
Seiten: 38
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 69 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 713 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47231-9
ISBN (Buch): 978-3-638-70516-5
Zusammenfassung / Abstract
Der Suizid gehört zu den häufigsten Todesursachen im Jugendalter. In Deutschland sterben jährlich laut Fatke (1986) ca. 70 Jugendliche im Alter von 10-15 Jahren durch Selbsttötung. Von den 16 bis 20 -jährigen sterben jährlich ca. 600. (vgl. Fatke, 1986, S. 207; in Bründel, 1993, S.27) Die häufigsten Suizide im Jugendalter finden zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr statt. (vgl. Lubrich, 1985, S.5; in Bründel, S.27) Neben Unfällen und Erkrankungen, gehört der Suizid bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu den drei häufigsten Todesursachen. Statistiken weisen aber eine hohe Dunkelziffer, auf weil viele Suizide als Unfall inszeniert werden und die Suizidversuche nicht in die Statistik mit einfließen. (vgl. Zumpe,1959; Haehling von Lanzenauer, 1971; in Bründel, 1993, S.27) Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Suizidversuche um etwa das Zehnfache höher liegt, als die vollendeten Suizide. (vgl. Lungersausen, 1966; Ringel, 1969, S.22; in Bründel, 1993, S.27) Nach dem statistischen Bundesamt (1990) stehen sog. „harte“ Methoden wie Erdrosseln oder Ersticken bzw. gefolgt vom Sprung aus der Höhe zahlenmäßig an der Spitze, wenn es um den vollendeten Suizid geht. (vgl. Statistisches Bundesamt, 1990; in Knapp, 1995, S.27 und Wunderlich, 2004, S.12) Bei den Suizidversuchen dominiert die Vergiftung mit Medikamenten und illegalen Drogen. (vgl. Wunderlich, 2004, S.12) Ab dem frühen Jugendalter überwiegen die Mädchen hinsichtlich eines Suizidversuchs gegenüber den Jungen in einem Verhältnis von 3:1 bis 9:1. (vgl. Nevermann/Reicher, 2001, S.79) Warum aber, nehmen sich manche Jugendliche das Leben? Was geht in ihnen vor? Welche psychische Entwicklung durchlaufen sie, bis sie keinen Mut mehr zum Leben haben? Anhand welcher Signale kann man suizidgefährdete Jugendliche erkennen? Welche Rolle spielen Familie und Schule und wie kann man dem Suizidverhalten vorbeugen bzw. welche Institutionen beraten und helfen weiter?
Textauszug (computergeneriert)
Fachhochschule Jena, Fachbereich: Sozialwesen
Lehrgebiet: Sozialwissenschaften, Vordiplomarbeit
Semester: 3. / WS (2004/2005)
Ich mach Schluss, mich vermisst ja doch keiner!
Suizidalität von Jugendlichen - ein häufiges
Symptom der depressiven Störung
von: Sandy Brunner
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Begriffsbestimmungen
1.1. Begriff: Suizidalität 5
1.1.1. Die Suizidideen 5
1.1.2. Der Suizidversuch 5
1.1.3. Der Suizid 5
1.2. Begriff: Jugendalter 6
1.2.1. Zeitliche Strukturierung der Lebensphase „Jugend“ 6
1.2.2. Adoleszenzzeit – Gewinnung der eigenen Identität 6
1.3. Begriff: Depression 7
2. Theorien und Erklärungsansätze zur Entwicklung von Suizidalität
2.1. Die soziologische Suizidtheorie nach E. Durkheim (1897/1987) 8
2.2. Die psychoanalytische Suizidtheorie nach S. Freud (1917/1946) 9
2.3. Die psychodynamische Suizidtheorie nach E. Ringel (1953/1998) 10
2.4. Zusammenfassung und Resümee 12
3. Der Zusammenhang zwischen der Suizidalität Jugendlicher und der „depressiven Störung“
3.1. Die Klinische Betrachtung der Depression im Zusammenhang von Suizidtendenzen 13
3.1.1. Die „depressiven Störungen“ 14
3.1.1.1. Die „Major Depression“ 14
3.1.1.2. Die „Dysthyme Störung“ 15
3.1.2. Die „Bipolare Störung“ (manisch-depressive Störung) 16
3.1.3. Depressive Merkmale im Jugendalter 17
3.1.4. Zusammenfassung und Resümee 17
3.2. Psychosoziale Belastungsfaktoren als Suizidauslösende Faktoren 18
3.2.1. Innerfamiliäre Belastungsfaktoren und traumatische Ereignisse 19
3.2.2. Schulische Belastungsfaktoren 21
3.2.3. Zusammenfassung und Resümee 23
3.3. Notsignale einer möglichen Suizidhandlung 24
3.3.1. Direkte Suizidankündigungen 24
3.3.2. Indirekte Suizidankündigungen 25
3.3.3. Zusammenfassung und Resümee 25
4. Präventive Maßnahmen zur Verhinderung von Depressionen und suizidalen Verhalten
4.1. Die primäre Prävention 27
4.1.1. Familiäre Maßnahmen 27
4.1.2. Schulische Maßnahmen 28
4.1.3. Zusammenfassung und Resümee 29
4.2. Die sekundäre Prävention und Krisenintervention 29
4.2.1. Krisenintervention bei Suizidgefahr 30
4.2.2. Zusammenfassung und Resümee 31
Zusammenfassung und Fazit 32
Literaturverzeichnis 34
Internetadressen 37
Einleitung
Vor ungefähr elf Jahren nahm sich Patricia S. das Leben. Sie war 17 Jahre alt, blond, blaue Augen – ein hübsches Mädchen. Sie gehörte damals mit zu unserer Clique. Ich hatte zwar nicht so viel Kontakt zu ihr, aber gekannt und erzählt haben wir schon immer mal miteinander. Als sie dann ihren Freund kennen lernte, sah man sie immer weniger und irgendwann hieß es, Patricia ist Tod. Es wurde damals erzählt, sie hätte sich mit Herzmedikamenten und Alkohol das Leben genommen. Ich sehe heute noch die Kränze mit den weißen Schleifen auf ihrem Grab liegen und jedes Mal, wenn ich über den Friedhof laufe, frage ich mich, was geht einem Jugendlichen durch den Kopf ? Wie viel Mut muss man doch eigentlich aufbringen, um einen Suizid zu begehen? Warum haben manche Jugendliche keinen Mut mehr zum Leben? Niemand hatte damit gerechnet. Niemand wusste, dass es Patricia schlecht geht, dass sie sich Sorgen machte um ihre Beziehung, weil ihr Freund an Trennung dachte. Erst als es zu spät war, offenbarte sich einiges. Alle waren geschockt. Ihr Tod kam so unvorbereitet, so überraschend – nicht einer bemerkte die Einsamkeit, von Patricia. Heute, nach so vielen Jahren, möchte ich mich nun mit diesem sensiblen Thema, Suizidalität im Jugendalter, auseinandersetzen, denn Patricia ist nicht die einzige, die sich das Leben nahm. Der Suizid gehört zu den häufigsten Todesursachen im Jugendalter. In Deutschland sterben jährlich laut Fatke (1986) ca. 70 Jugendliche im Alter von 10-15 Jahren durch Selbsttötung. Von den 16 bis 20 -jährigen sterben jährlich ca. 600. (vgl. Fatke, 1986, S. 207; in Bründel, 1993, S.27) Die häufigsten Suizide im Jugendalter finden zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr statt. (vgl. Lubrich, 1985, S.5; in Bründel, S.27) Neben Unfällen und Erkrankungen, gehört der Suizid bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu den drei häufigsten Todesursachen. Statistiken weisen aber eine hohe Dunkelziffer auf, weil viele Suizide als Unfall inszeniert werden und die Suizidversuche nicht in die Statistik mit einfließen. (vgl. Zumpe,1959; Haehling von Lanzenauer, 1971; in Bründel, 1993, S.27) Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Suizidversuche um etwa das Zehnfache höher liegt, als die vollendeten Suizide. (vgl. Lungersausen, 1966; Ringel, 1969, S.22; in Bründel, 1993, S.27) Nach dem statistischen Bundesamt (1990) stehen sog. „harte“ Methoden wie Erdrosseln oder Ersticken bzw. gefolgt vom Sprung aus der Höhe zahlenmäßig an der Spitze, wenn es um den vollendeten Suizid geht. (vgl. Statistisches Bundesamt, 1990; in Knapp, 1995, S.27 und Wunderlich, 2004, S.12) Bei den Suizidversuchen dominiert die Vergiftung mit Medikamenten und illegalen Drogen. (vgl. Wunderlich, 2004, S.12) Ab dem frühen Jugendalter überwiegen die Mädchen hinsichtlich eines Suizidversuchs gegenüber den Jungen in einem Verhältnis von 3:1 bis 9:1. (vgl. Nevermann/Reicher, 2001, S.79)
Warum aber, nehmen sich manche Jugendliche das Leben? Was geht in ihnen vor? Welche psychische Entwicklung durchlaufen sie, bis sie keinen Mut mehr zum Leben haben? Anhand welcher Signale kann man suizidgefährdete Jugendliche erkennen? Welche Rolle spielen Familie und Schule und wie kann man dem Suizidverhalten vorbeugen bzw. welche Institutionen beraten und helfen weiter?
Meine Arbeit stellt das suizidale Verhalten von Jugendlichen in den Zusammenhang von Depressionen, wobei nicht in jedem Fall suizidales Verhalten durch eine Depression ausgelöst wird. „ Aber das Vorliegen einer „depressiven Störung“, bedeutet eine besonders hohe Gefährdung suizidal zu werden.“, was meine Arbeit zeigen soll, denn meine These lautet: „Der Suizidalität von Jugendlichen liegt häufig eine unerkannte „depressive Störung“ zu Grunde. (zit. nach Nevermann/Reicher, 2001, S.76) Der Inhalt dieser Arbeit, gliedert sich in vier Kapitel und im Folgenden sollen die einzelnen Kapitel kurz skizziert werden. Im ersten Kapitel, werden Grundlegende Begriffe geklärt, wie z.B.
• Was umfasst Suizidalität,
• was bedeutet Jugendalter bzw. welche Anforderungen und Erwartungen werden an die Jugendzeit gestellt und
• was versteht man unter Depressionen.
Im zweiten Kapitel zeige ich einige Theorien auf, die suizidales Verhalten erklären, denn sie bilden die Grundlage meiner Arbeit. Im dritten Kapitel wird die Depression als klinisches Krankheitsbild vorgestellt sowie die typischen Symptome einer depressiven Störung und es wird gezeigt, welche Suizidtendenzen dahinter stehen. Im Anschluss wird deutlich, welche Risikofaktoren zu depressiven bzw. suizidalen Verhalten führen und danach, schildere ich einige Verhaltensweisen, die ein Zeichen für eine mögliche Suizidhandlung sein können. Im vierten Kapitel geht es darum, wie man Depressionen und somit Suizidalität verhindern bzw. verringern kann und wie man sich verhalten sollte im Umgang mit einem akut suizidgefährdeten Jugendlichen, bevor ich mit der Zusammenfassung und dem Fazit meine Arbeit beende.
1. Begriffsbestimmungen
„Ich saß oft allein da, doch mir wurde nichts klar. Mein Leben ist ein einziger Haufen Dreck, ich muss endlich hier weg! Raus aus meinem Körper, raus aus meiner Welt. Ich möchte nicht mehr leben, dann koste ich meinen Eltern kein Geld“ (Rita, 9. Klasse zit. nach Nevermann / Reicher, 2001, S.85). Zu Beginn, möchte ich die Begriffe Suizidalität, Jugendalter und Depression klären, die Hauptbestandteil meiner Vordiplomarbeit sind.
1.1. Begriff: Suizidalität
Suizidalität ist der Sammelbegriff für alle Formen suizidalen Erlebens und Verhaltens, worunter sowohl Suizidideen, Suizidversuche und der Suizid zählt. Dabei muss erwähnt werden, dass es für die Begriffe Suizidversuch und dem Suizid keine einheitliche Definitionen gibt, denn in der Literatur wird diskutiert, ob ein qualitativer Unterschied oder eher ein quantitativer Unterschied zwischen beiden Begriffen besteht, da beträchtliche Überschneidungen existieren ( vgl. Wunderlich,2004, S.9).
1.1.1. Die Suizidideen
Die Suizididee ist das Nachdenken über den eigenen Tod. Der Begriff umfasst sowohl den Wunsch zu sterben, als auch konkrete Suizidpläne bzw. die Vorstellung von der Suizidhandlung ( vgl. Wunderlich, 2004, S.9).
1.1.2. Der Suizidversuch
Bei dem Begriff Suizidversuch gehen die Meinungen über eine Definition dieses Begriffs zum Teil auseinander. „Jeder versuchte Suizid, der nicht tödlich endete, ist ein Suizidversuch“ (zit. nach http://de.wikipedia.org/wiki/Suizidversuch). Stengel (1969, S.109 ff) nimmt an, dass „(…) der Suizidversuch vor allem einen Appell an die Umwelt und somit eher eine Zuwendung zur Gemeinschaft darstellt.“ Er prägte deshalb den Begriff „Parasuizid“ für Suizidhandlungen, die nicht mit dem Tod enden. Er glaubt, im Vordergrund steht dabei nicht der Wunsch zu sterben, sondern das Bestreben, Hilfe zu erhalten (Stengel, 1969, S.109 ff.; zit. nach Bründel, 1993, S.41). Tölle (1988) sieht den Suizidversuch als allerletztes Mittel an, um eine Änderung der eigenen Situation zu erreichen. Andererseits kann der Wunsch zum sterben bestehen, um aus einer ausweglos empfundenen Situation zu entfliehen (vgl. Tölle, 1988; in Rausch, 1991, S.30; in Bründel, 1993, S.42).
1.1.3. Der Suizid
Für den Begriff Suizid werden oft Begriffe gebraucht wie Selbstmord, Freitod oder Selbsttötung (vgl. Pohlmeier, 1995, S.42). Der Suizid ist nach Stengel (1969, S.109 ff) eine entschlossene Abkehr vom Leben und der feste Entschluss, aus der Gemeinschaft auszuscheiden (vgl. Stengel, 1969, S.109 ff.; in Bründel, 1993, S.42). Allgemein kann man sagen, „(…)der Suizid (lat. sui caedere, sich selbst totschlagen) ist die Beendigung des eigenen Lebens durch eine eigene Handlung oder durch das Unterlassen einer Handlung (z. B. Nichteinnahme lebenswichtiger Medikamente bzw. Nahrungsmittel und/oder Flüssigkeiten), bei der sich die selbst tötende Person der tödlichen Konsequenzen dieser Handlung bzw. deren Unterlassung bewusst ist“ (zit. nach http://de.wikipedia.org/wiki/Suizid). Es ist zu bemerken, dass der Ausgang einer suizidalen Handlung häufig vom Zufall abhängig ist, denn ein nicht ernst gemeinter Suizid kann tödlich ausgehen oder ein ernst gemeinter Selbsttötungsversuch überlebt werden (vgl. Bründel, 1993, S.43).
1.2. Begriff: Jugendalter
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