Zum Thema der Gastfreundschaft in Sophokles 'Ödipus auf Kolonos' close

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Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 14
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 213 KB
Archivnummer: V51371
ISBN (E-Book): 978-3-638-47368-2
ISBN (Buch): 978-3-638-79179-3

Zusammenfassung / Abstract

Vor allem die Forschung von Benveniste stellt sich bei der Untersuchung der etymologischen Ebene der Gastfreundschaft (Hospitalität) als erleuchtend dar. Der lateinische Ursprung des Wortes lautet h o s t i – p e t. „Ursprünglich bedeutet der Begriff hostis Gleichheit durch Ausgleich: hostis ist derjenige, der meine Gabe durch eine Gegengabe ausgleicht... Hostis war also einmal... die Bedeutung für den Gast.“ Neben dieser ursprünglichen Bedeutung wird der Begriff hostis im laufe der Zeit sowohl einen Gast, als auch einen Feind kennzeichnen. Dies steht in einer engen Verbindung mit dem griechischen Nomen xenos. Xenos trägt in sich eine semantische Dualität, die gleichzeitig Gast, als auch Fremder bedeutet. Die Einführung eines Fremden zwischen einen Gast und einen Feind lässt uns bei der Bedeutungsanalyse die Schlußfolgerung ziehen, dass das Kennzeichnen eines unbekannten Besuchers davon abhängig war, inwieweit der Besucher durch sein Verhalten sich als gut- oder bösgesinnt erkennen lies. Um dies besser zu verstehen, widmen wir uns noch einmal dem Begriff xenos nach Benveniste. Xenos bezeichnet, neben einem Fremden und einem Gastgeber, auch „gleichartige Beziehungen zwischen Menschen, die durch eine Abmachung gebunden sind, die mit präzisen, sich auf die Nachfahren erstreckenden Verpflichtungen einhergeht.“ Die Verpflichtungen, die das Verhältnis zwischen Gast und Gastgeber ausmachen, formen eine Art von Pakt oder Vertrag, der sich aufgrund von Tausch und Handeln vollzieht. Die Vertraglichkeit der Beziehung wird auch xenia genannt, sie ist die Voraussetzung einer freundschaftlichen Kommunikation nicht nur zwischen Individuen, sondern auch Familien, ethnischen Gruppen und Stadtstaaten.

Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin, Proseminar Gastfreundschaft
Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Sommersemester 2005, 2. Fachsemester

Zum Thema der Gastfreundschaft in Sophokles
„Ödipus auf Kolonos“

von: Vukan Mihailovic de Deo

 


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung 3

II Analyse 4

III Bibliographie 12

 

 


I Einleitung

„Doch, Kind, wenn einen Rastplatz du erblickst
an ungeweihtem oder gottgeweihtem Ort,
gebiet mir Halt und laß mich ruhn, daß wir erfahrn,
wo wir denn sind; als Fremde nämlich müssen wir
die Bürger fragen und vollziehn, was wir gehört.“

In diesem Vers, in dem am Anfang von „Ödipus auf Kolonos“ (OC)1, der alte, blinde Ödipus seiner Tochter Antigone zuredet, ist eine ganze Reihe von Bedeutungen enthalten, welche die Institution der Gastfreundschaft und ihre verschiedenen Ebenen erleuchten können. „Ödipus auf Kolonos“ ist die Fortsetzung des bekannten Sophokleschen Drama „König Ödipus“ (Oidipus Tyrannos, OT), der Geschichte eines antiken Helden, der einen anderen Mann umbringt und eine Frau heiratet, ohne zu wissen, dass der Mann sein Vater war, und die Frau seine Mutter ist. Am Ende von OT, wird Ödipus, wie die alten thebanischen Gesetze des Verwandtenmordes vorschreiben, zur Verbannung verurteilt. Das zweite Drama, geschrieben ungefähr zwanzig Jahre später,2 beginnt ab dem Moment, wo, nach jahrelangem restlosen Umherirren, der alte Held und seine Begleiterin Antigona zum heiligen Hain der Eumeniden in Kolonos bei Athen gelangen, dem Platz, welches das Orakel als die Sterbenstätte des Ödipus vorausbestimmt hat. Der theoretisch einfache Akt der körperlichen Verabschiedung des müden Ödipus wird durch äußere Umstände erschwert und verlängert. Die Tochter Ismene bringt ihm sowohl die Nachricht eines neuen Orakel, als auch über die schwere Situation in der Stadt Theben, wo er einst König war.

Eteokles und Polyneikes, Ödipus‘ Söhne, führen bereits Krieg über die Herrschaft in der Stadt; das neue Orakel besagt, dass derjenige, der im Besitz von Ödipus lebendigem Körper oder Leiche ist, den Krieg gewinnen wird. So schicken sich die Söhne an, den vergessenen Vater nach Theben zu holen. Ihnen kommt jedoch Kreon, Bruder der Iokasta, Ödipus Mutter und Frau, Onkel und Schwiegerbruder des Ödipus, zuvor und versucht, den Ödipus zur Rückkehr zu zwingen.

Das Handeln der Personen im Drama, unabhängig davon, ob es Gutes oder nicht mit sich bringt, wird von menschlichen und göttlichen Gesetzen beeinflußt. Die Helden können nicht inkonsequent und willkürlich entscheiden, was ihr nächster Schritt sein wird. Die göttliche Verhaltensregeln berauben sie der absoluten Freiheit, garantieren jedoch in groben Zügen dem Moralischen und Gottesfürchtigen den Sieg. Eine der Besonderheiten in der Handlung ist, dass die Kodexe des Verhaltens durch die Regeln der Gastfreundschaft stark hervorgehoben sind. Durch die Analyse dieses letzten überlieferten Dramas von Sophokles können wir uns dem Verständnis der Hospitalität in ihrer geschichtlichen und ethischen Bedeutung annähern.

II Analyse

Vor allem die Forschung von Benveniste stellt sich bei der Untersuchung der etymologischen Ebene der Gastfreundschaft (Hospitalität) als erleuchtend dar. Der lateinische Ursprung des Wortes lautet h o s t i – p e t. „Ursprünglich bedeutet der Begriff hostis Gleichheit durch Ausgleich: hostis ist derjenige, der meine Gabe durch eine Gegengabe ausgleicht... Hostis war also einmal... die Bedeutung für den Gast.“ 3 Neben dieser ursprünglichen Bedeutung wird der Begriff hostis im laufe der Zeit sowohl einen Gast, als auch einen Feind kennzeichnen. Dies steht in einer engen Verbindung mit dem griechischen Nomen xenos. Xenos trägt in sich eine semantische Dualität, die gleichzeitig Gast, als auch Fremder bedeutet. Die Einführung eines Fremden zwischen einen Gast und einen Feind lässt uns bei der Bedeutungsanalyse die Schlußfolgerung ziehen, dass das Kennzeichnen eines unbekannten Besuchers davon abhängig war, inwieweit der Besucher durch sein Verhalten sich als gut- oder bösgesinnt erkennen lies. Um dies besser zu verstehen, widmen wir uns noch einmal dem Begriff xenos nach Benveniste. Xenos bezeichnet, neben einem Fremden und einem Gastgeber, auch „gleichartige Beziehungen zwischen Menschen, die durch eine Abmachung gebunden sind, die mit präzisen, sich auf die Nachfahren erstreckenden Verpflichtungen einhergeht.“ 4 Die Verpflichtungen, die das Verhältnis zwischen Gast und Gastgeber ausmachen, formen eine Art von Pakt oder Vertrag, der sich aufgrund von Tausch und Handeln vollzieht. Die Vertraglichkeit der Beziehung wird auch xenia genannt, sie ist die Voraussetzung einer freundschaftlichen Kommunikation nicht nur zwischen Individuen, sondern auch Familien, ethnischen Gruppen und Stadtstaaten.

[...]


1 Sophokles, Ödipus auf Kolonos, (1996) Reclam, Stuttgart. Vers 9-13. Dieses Werk wird im weiteren Text als OC bezeichnet, im Unterschied zum Oidipus Tyrannos, OT.

2 OT wurde zwischen 429 und 425 zum ersten mal aufgeführt, OC im Jahr 401, posthum.

3 Benveniste, E. (1993). Indoeuropäische Institutionen: Wortschatz, Geschichte, Funktionen. Frankfurt/Main – New York. Bd. 1, S.71.

4 Ebenda.

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