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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 20 Pages
Author: Silke Weber
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Narrative, Zeit-, Zeit, Literatur, Film, Beispielanalyse, Films, Memento, Christopher, Nolan, Anwendung, Erzähltheorie, Gérard, Genettes
Year: 2006
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-47852-6
File size: 176 KB
intermediale Narrativik Vergleichbarkeit von Literatur und Film Zeit als narratives Phänomen
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Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Institut für dt. und ndl. Philologie
HS 16767: Literarisches Erzählen und filmisches Zeigen
SoSe 2005, 8. Semester
Narrative Zeit- Zeit in Literatur und Film Beispielanalyse
des Films Memento von Christopher Nolan unter
Anwendung der Erzähltheorie Gérard Genettes
von: Silke Weber
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Einblick 3
2.1. Betrachtungen zur Zeit 3-4
2.2. Das Genettsche Modell 4-5
2.3. Homologien und Differenzen von Literatur (Roman) und Film 5-8
3. Filmanalyse: Memento 8
3.1. Erste Zeitebene – Der Film erzählt rückwärts 9-11
3.2. Zweite Zeitebene – Der Film erzählt chronologisch 11-12
3.3. Dritte Zeitebene – Im Modus der Rückblende 12
3.3.1. Erinnerungsbild als Zeitbild 12-14
3.3.2. Die Sammy Jankis-Geschichte 14-16
3.4. Fazit 16-17
4. Ausblick: Interdependenzen von Literatur und Film 17-18
5. Literaturverzeichnis 19-20
1. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Zeit in erzählwissenschaftlichem Kontext. Das Phänomen der Zeit ist beiden Medien, Literatur und Film, inhärent. In einem einführenden Teil werde ich allgemeine Betrachtungen zur Zeitproblematik vorstellen. Daran anknüpfend, werde ich in das Genettsche Erzählmodell einführen, das als Meilenstein der Narrativik zu verstehen ist, und dessen Zeitkategorien ich im besonderen auch als relevant für den narrativen Film betrachte. In einem dritten Teil beziehe ich mich vergleichend auf medienspezifische Homologien und Differenzen der distinkten Zeichensysteme Literatur und Film. Der Hauptteil widmet sich der Filmanalyse des Films Memento, und wird diesen nach seinen Zeitparametern untersuchen. Die Analyse erfolgt, den Zeitebenen des Films entsprechend, in drei Schritten, hierbei wird Genettes systematisches Kategorienmodell seine Anwendung finden. In einem Fazit werde ich die Anwendbarkeit von Genettes narratologischem Modell und seine Grenzen zusammenfassend überprüfen. Der Schlußteil ergänzt die behandelte Thematik um den Aspekt der Wechselbeziehungen zwischen Literatur und Film, und umklammert diese Beziehung knapp aus narratologischer, rezeptions- sowie produktionsästhetischer Sicht unter dem Aspekt der Zeit.
2. Einblick
2.1. Betrachtungen zur Zeit
Der Begriff der Zeit läßt sich nicht mit der Augustinischen Wesensfrage „Was aber ist die Zeit?“ erschließen. Zeit läßt sich ontologisch nicht bestimmen und ist sinnlich nicht erfahrbar, vielmehr ist sie merkmalsvermittelt als geschwindigkeitsbezogene räumliche Bewegung wahrnehmbar : Schon Aristoteles betont in seinem vierten Buch der Physik den Wesenszusammenhang der Zeit mit der Bewegung. Seit der Einsteinschen Relativitätstheorie begreifen wir Zeit als relational. Die Verbindung von Raum und Zeit ist in der Literatur seit jeher relationalistisch entworfen worden.1 Moderne Romane wie Thomas Manns „Zauberberg“ oder Marcel Prousts „A La Recherche Du Temps Perdu“ widmen sich dem Thema des subjektiven Zeitempfindens gegenüber einer objektiven Zeit. Die drei Dimensionen von Zeit sind bekanntermaßen Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Vom Handlungsfeld der Gegenwart aus sind die beiden anderen Zeitdimensionen deutungs- und konstitutionsoffen.
Aus soziologischer Sicht ist Zeit ein Ordnungsprinzip, nachdem wir unser Leben verstehen und strukturieren. Der Mensch als narratives Wesen begreift die Welt in logisch-kausalen Raum-Zeit-Zusammenhängen. Wollte man literatursoziologisch argumentieren und faßte Erzähltexte (oder narrative Phänomene allgemein) als Spiegel der Gesellschaft auf, so ist Zeit ein Prinzip, das auch die Muster narrativer Texte strickt. Ric(?)ur postuliert eine Interdependenz von Zeitlichkeit und Erzählung, da sich einerseits die menschliche Erfahrung narrativ artikuliert und andererseits die in „jedem narrativen Werk entfaltete Welt [...] immer eine zeitliche ist“.2 Das Erzählen indiziert nach seinem Wortstamm eine Nähe zum Zählen und verweist damit auf eine Formgebung durch zeitliche Anordnung. Narratologisch ist die Frage nach dem „Wie“ erzählt wird ergo immer eine Frage nach den zeitlichen Strukturen von Erzählphänomenen.
2.2. Das Genettsche Modell
Mit der Erzähltextanalyse des französischen Philologen Gérard Genette liegt unstrittig die bislang differenzierteste und komplexeste Methode für die Untersuchung von Zeitstrukturen erzählender Texte vor. Genette unterscheidet zu Beginn seiner Analyse drei grundlegende Dimensionen von Erzähltexten: Die récit (Erzählung in geläufigem Sinne oder narrativer Diskurs). Die histoire (Geschichte) und die narration ( Narration oder Akt des Erzählens).3 Geschichte und Narration werden erst durch die Erzählung vermittelt. Die Analyse von Erzähltexten ist die Analyse der Verhältnismäßigkeiten zwischen diesen drei Dimensionen. Für die Analyse temporaler Strukturen ist vorallem das Verhältnis von Erzählung und Geschichte von Belang. Dieses Verhältnis wird unter den Kategorien Ordnung, Dauer und Frequenz genauer untersucht.
Unter Ordnung versteht Genette die Relation von Zeit der Geschichte (die zeitliche Reihenfolge von Ereignissen) und Zeit der Erzählung (die diegetische Anordnung der Ereignisse).4 Als Anachronien werden dabei Dissonanzen zwischen der Ordnung der Geschichte und der der Erzählung bezeichnet. Anachronieeffekte wie Rückwendung und Vorausdeutung werden durch die Termini Analepse und Prolepse ersetzt. Weitergehend können Anachronien nach ihrer Reichweite (extern oder intern in Bezug auf die Basiserzählung) und nach ihrem Umfang (komplet, wenn sie an die Basiserzählung anknüpfen; partiel, wenn sie elliptisch enden) unterschieden werden. Unter der Kategorie Dauer untersucht Genette narrative Geschwindigkeitsverhältnisse anhand der narrativen Tempi Ellipse, Pause (digressive und deskriptive), Summary und Szene. Mit der Frequenz werden Wiederholungsbeziehungen untersucht, dabei differenziert er singulatives, repetitives und iteratives Erzählen.
[...]
1 Vgl. Bachtin, Michail: Formen der Zeit und des Chronotopos im Roman. Untesuchungen zur historischen Poetik, (Hrsg.) Kowalski, Eduard/ Wegner, Michael, Frankfurt/ Main 1989.
2 Ric(?)ur, Paul: S. 13.
3 Im weiteren Velauf verwende ich die deutschen Termini Erzählung, Geschichte, Narration.
4 Äquivalent dazu sind die von Günther Müller eingeführten Termini erzählte Zeit und Erzählzeit, die auf die Zeitdualität von Erzähltexten verweisen.
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