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Details

Institution/Hochschule: Universität Konstanz
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 23
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 289 KB
Archivnummer: V53017
ISBN (E-Book): 978-3-638-48578-4
ISBN (Buch): 978-3-638-70886-9

Zusammenfassung / Abstract

Medien- und Kulturwissenschaftler wie Marshall McLuhan, Theodor W. Adorno oder Michael Giesecke haben unlängst festgestellt, dass Medien wie Film, Fernsehen oder Literatur einem stetigen Wandel unterworfen sind, der mit einem kulturellen und gesellschaftlichen Umdenken in engem Zusammenhang steht. Auch das Theater als mediale Ausdrucksform hat sowohl seine Gestalt als auch seinen Inhalt seit der Antike wesentlich verändert. In dieser Arbeit soll es darum gehen, den Prozess der Veränderung anhand eines ausgesuchten Theaterstücks aufzuzeigen und im Detail zu durchleuchten. Im Zentrum der Untersuchung steht Henrik Ibsens dramatisches Meisterwerk „Ein Puppenheim“ aus dem 19. Jahrhundert. Dieses kritisch-realistische Werk wurde rund 120 Jahre später von dem jungen Intendanten der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier, auf zeitgenössische Weise umgesetzt und mit postdramatischen Elementen versehen – ohne dabei jedoch den dramatischen Kern des Theaterstücks außer Acht zu lassen. Mein Anliegen ist es nun, den Originaltext sowie die Bühnengestaltung von Ibsen mit der postmodernen Inszenierung von Thomas Ostermeier zu vergleichen. Dazu werde ich zunächst eine entstehungsgeschichtliche sowie eine dramentheoretisch Grundlage für die Analyse von Ibsens „Ein Puppenheim“ schaffen, um ausgehend davon die Ostermeier-Inszenierung von „Nora“ analytisch zu durchleuchten. Ich möchte aufzeigen, mit welchen Mitteln aus dem postdramatischen Theater es Ostermeier gelingt, trotz enger Bezugnahme zu Henrik Ibsens Dramentext eine glaubwürdige und international von Erfolg gekrönte zeitgenössische Theaterinszenierung zu gestalten. Dabei werde ich mich im Detail an der postdramatischen Dramentheorie von Hans-Thies Lehmann orientieren, um Text und Sprache der Schauspieler, ihre Gesten und Bewegungen, das Bühnenbild sowie die räumliche Beziehung von Theater- und Zuschauerraum, die zeitliche Dimension von Fiktion und Realität des Theatergeschehens sowie die Medienrelevanz von Ostermeiers „Nora“ untersuchen zu können. Eine persönliche Stellungnahme zu Ostermeiers „Nora“-Inszenierung in Hinblick auf die Theatersituation des 21. Jahrhunderts soll die Analyse des Stücks schließlich abrunden.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Konstanz
Sommersemester 2005
FB Literaturwissenschaft
Seminar: Postdramatisches Theater

Die „neue“ NORA:
eine zeitgenössische Inszenierung
von Ibsens „ein Puppenheim“

unter der Regie von Thomas Ostermeier

Ausgearbeitet von: 

Amely Braunger

4. Semester LKM

 

 

 

INHALT

1. Themenübersicht: Ziele und Absichten dieser Arbeit 3

2. Das Drama um "Nora" 4
2.1 Henrik Ibsen: Zu seiner Person 4
2.2 "Ein Puppenheim" - Entstehungsgeschichte 5
2.3 Dramentheoretische Grundlage: Aristoteles "Poetik" 6

3. "Nora" oder "ein Puppenheim"? Ibsens Drama im 21. Jahrhundert 8
3.1 Ausgangspunkt: Die Dramenhandlung nach Henrik Ibsen 8
3.2 Thomas Ostermeier und seine "Nora" 11
3.2.1 Inszenierung der Schaubühne Berlin - Hintergrundinformation 11
3.2.2 Postdramatische Elemente: eine Detailanalyse 12
3.2.2.1 Der sprechende Körper 12
3.2.2.2 Der bewegte Körper 14
3.2.2.3 Das "Bühnenbild": Die Inszenierung im Raum 17
3.2.2.4 Zeit, Fiktion und Realität im Theatergeschehen 18
3.2.2.5 Neue Medien - Musik - Fotografie 21

4. Fazit: Persönliche Stellungnahme 22

5. Quellen 23

 

 

1. Themenübersicht: Ziele und Absichten dieser Arbeit

Medien- und Kulturwissenschaftler wie Marshall McLuhan, Theodor W. Adorno oder Michael Giesecke haben unlängst festgestellt, dass Medien wie Film, Fernsehen oder Literatur einem stetigen Wandel unterworfen sind, der mit einem kulturellen und gesellschaftlichen Umdenken in engem Zusammenhang steht. Auch das Theater als mediale Ausdrucksform hat sowohl seine Gestalt als auch seinen Inhalt seit der Antike wesentlich verändert. In dieser Arbeit soll es darum gehen, den Prozess der Veränderung anhand eines ausgesuchten Theaterstücks aufzuzeigen und im Detail zu durchleuchten.

Im Zentrum der Untersuchung steht Henrik Ibsens dramatisches Meisterwerk „Ein Puppenheim“ aus dem 19. Jahrhundert.1 Dieses kritisch-realistische Werk wurde rund 120 Jahre später von dem jungen Intendanten der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier, auf zeitgenössische Weise umgesetzt und mit postdramatischen Elementen versehen – ohne dabei jedoch den dramatischen Kern des Theaterstücks außer Acht zu lassen. Mein Anliegen ist es nun, den Originaltext sowie die Bühnengestaltung von Ibsen mit der postmodernen Inszenierung von Thomas Ostermeier zu vergleichen. Dazu werde ich zunächst eine entstehungsgeschichtliche sowie eine dramentheoretisch Grundlage für die Analyse von Ibsens „Ein Puppenheim“ schaffen, um ausgehend davon die Ostermeier-Inszenierung von „Nora“2 analytisch zu durchleuchten. Ich möchte aufzeigen, mit welchen Mitteln aus dem postdramatischen Theater es Ostermeier gelingt, trotz enger Bezugnahme zu Henrik Ibsens Dramentext eine glaubwürdige und international von Erfolg gekrönte zeitgenössische Theaterinszenierung zu gestalten. Dabei werde ich mich im Detail an der postdramatischen Dramentheorie von Hans-Thies Lehmann orientieren,3 um Text und Sprache der Schauspieler, ihre Gesten und Bewegungen, das Bühnenbild sowie die räumliche Beziehung von Theater- und Zuschauerraum, die zeitliche Dimension von Fiktion und Realität des Theatergeschehens sowie die Medienrelevanz von Ostermeiers „Nora“ untersuchen zu können. Eine persönliche Stellungnahme zu Ostermeiers „Nora“-Inszenierung in Hinblick auf die Theatersituation des 21. Jahrhunderts soll die Analyse des Stücks schließlich abrunden.

2. Das Drama um „Nora“

2.1 Henrik Ibsen: Der Künstler und seine Zeit

Henrik Ibsen kommt am 20. März 1828 in Skien an der Süd-Ostküste von Norwegen zur Welt.4 Bereits in seiner Kindheit wird der Grundstein zu seiner Theaterleidenschaft gelegt: Seine Mutter ist eine leidenschaftliche Puppensammlerin und inspiriert ihren Sohn dazu, sich ein eigenes Marionettentheater zu Betty Hennings tanzt Noras Tarantella (Quelle: www.ibsen.net) bauen und regelmäßig kleine Vorstellungen vor seinen Freunden zu geben. Außerdem nimmt sie ihn zu einigen Theatervorstellungen mit, was in Ibsens Kindheit ein seltenes Vergnügen darstellt, da das Theater in Norwegen Anfang des 19. Jahrhunderts wenig entwickelt ist und erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Gastspiele von Tourneetheatergruppen an Beliebtheit gewinnt. In dem jungen Ibsen reift der Entschluss, Künstler zu werden. Seine Pläne werden jedoch durchkreuzt, als der Vater aus finanziellen Nöten sein Geschäft aufgeben muss und der Grundbesitz versteigert wird. Ibsen soll nun auf Wunsch seiner Eltern schnellstmöglich auf eigenen Beinen stehen und wird als Apothekerlehrling nach Grimstad geschickt. Die Begeisterung für das Drama lässt ihn jedoch auch während seiner Lehrzeit nicht los: Kurz vor Beendigung seiner Lehre stellt er schließlich sein erstes Stück „Catilina“ fertig.

Im Frühjahr 1850 siedelt Ibsen nach Kristiana (Oslo) über: er holt dort sein Abitur nach und besucht Vorlesungen für Philosophie und Ästhetik. Die folgenden Jahre bis 1864 verbringt Ibsen die meiste Zeit in Norwegen, wobei er zahlreiche Reisen unternimmt und zwischen Bergen und Kristiana hin und her pendelt. Mit der schwierigen gesellschaftspolitischen Lage in seinem Heimatland und dem bürgerlich-kapitalistischen Aufschwung, die die bäuerlichdemokratische Gesellschaft abzulösen beginnt, kann sich Ibsen jedoch nicht auf Dauer anfreunden. Er begibt sich deshalb für die nächsten 27 Jahre ins Exil und lebt abwechselnd in Deutschland und Italien. Ibsen kehrt erst fünf Jahre vor seinem Tod, am 23. Mai 1906, nach Norwegen zurück.

[....]


1 Im Folgenden zitiert aus: Ibsen, Henrik: Nora (Ein Puppenheim). Stuttgart: Philipp Reclam 1988.

2 Im Folgenden zitiert aus:

3 Lehmann, Hans-Thies: Postdramatisches Theater. Frankfurt am Main: Verlag der Autoren 1999.

4 Die folgenden Angaben beziehen sich, soweit nicht anders vermerkt, auf: Ferguson, Robert: Henrik Ibsen: eine Biographie. Aus dem Englischen von Michael Schmidt. München: Kindler 1998, S. 8-50.

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