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Scholary Paper (Seminar), 2003, 14 Pages
Author: Vincent Steinfeld
Subject: Politics - Political Systems - Germany
Details
Tags: Nichtwähler, Warnsignal
Year: 2003
Pages: 14
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49099-3
File size: 76 KB
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Abstract
„Sie halten keine Parteitage, brauchen keinen Vorsitzenden und kommen ohne Plakate oder Wahlwerbung aus. Trotzdem sind sie auf dem Vormarsch wie keine andere Partei: Die Partei der Nichtwähler.“ Süddeutsche Zeitung Magazin, 13. März 19922 Die Zeitungsmeldung bringt es auf den Punkt: Jahrzehntelang zeichnete sich die Bevölkerung der Bundesrepublik durch eine mustergültige Wahlbeteiligung aus, die unter den westlichen Demokratien ihresgleichen suchte. Allenfalls in Demokratien mit gesetzlich festgeschriebener Wahlpflicht (z.B. Italien oder Belgien) ging ein höherer Prozentsatz der Wahlbevölkerung wählen, in den restlichen Staaten zog es wesentlich weniger Bürger zu den Urnen.3 Seit Mitte der Achtziger Jahre, besonders aber seit den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung, geht die Beteiligung dramatisch zurück. Ist diese Entwicklung ein Schritt zu mehr demokratischer Reife oder Anlass zu ernster Sorge? Mit dieser Frage soll sich diese Arbeit beschäftigen. Beruht die zunehmende Wahlenthaltung darauf, dass sich die Bundesbürger zunehmend von einem lange Zeit bestehenden autoritären Politikverständnis mit verinnerlichter „Wahlpflicht“ emanzipieren4 oder rekrutiert sich die Masse der Nichtwähler5 aus mit der Politik oder gar dem politischen System Unzufriedenen ist sie also Symptom einer zunehmenden Politikverdrossenheit? Um eine Antwort auf diese Frage und eventuell Lösungsmöglichkeiten zu finden, muss zunächst eine andere beantwortet werden: Wer sind die Nichtwähler? Anders als es durch die Zeitungsmeldung am Anfang suggeriert wird, sind die Nichtwähler nämlich alles andere als eine homogene Gruppe. Um ein besseres Bild von dem Untersuchungsobjekt zu bekommen, soll zunächst kurz eine soziologische Betrachtung der Nichtwähler stattfinden (2.). Anschließend soll die politische Bedeutung der Wahlenthaltung analysiert werden: Ist die Wahlenthaltung eine Warnung politikverdrossener Wähler? (3.) Da sich, wie wir sehen werden, berechtigte Gründe ergeben, die Wahlenthaltung tatsächlich als Krisensymptom zu sehen, soll ein weiterer Abschnitt dieser Arbeit versuchen, mögliche Auswege aus diesem Dilemma aufzuzeigen (4.). Im Fazit soll abschließend auf die aktuelle Entwicklung in den Parteien und bei der Institution „Wahl“ eingegangen werden. Die Frage ist: Sehen die Parteien ihre Möglichkeiten, das Ruder herumzureißen? Und wenn ja: Nutzen sie sie auch? (5.)
Excerpt (computer-generated)
Institut für Politikwissenschaft
Hausarbeit im Rahmen des Proseminars:
„Zum politischen System Deutschlands“
Vincent Steinfeld
Inhalt
1. Einleitung ... 3
2. Wie sieht „der Nichtwähler“ aus? – Eine soziologische Betrachtung ... 5
3. Politikverdrossenheit als Grund für die Wahlenthaltung? ... 7
4. Der Weg aus der Krise? – Möglichkeiten der Wiederannäherung ... 9
5. Fazit ... 11
Literatur ... 14
1. Einleitung
Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen1
Aus Darstellungsgründen sind Abbildungen und Tabellen nur in der Kaufversion enthalten
„Sie halten keine Parteitage, brauchen keinen Vorsitzenden und kommen ohne Plakate oder Wahlwerbung aus. Trotzdem sind sie auf dem Vormarsch wie keine andere Partei:
Die Partei der Nichtwähler.“
Süddeutsche Zeitung Magazin, 13. März 19922
Die Zeitungsmeldung bringt es auf den Punkt: Jahrzehntelang zeichnete sich die Bevölkerung der Bundesrepublik durch eine mustergültige Wahlbeteiligung aus, die unter den westlichen Demokratien ihresgleichen suchte. Allenfalls in Demokratien mit gesetzlich festgeschriebener Wahlpflicht (z.B. Italien oder Belgien) ging ein höherer Prozentsatz der Wahlbevölkerung wählen, in den restlichen Staaten zog es wesentlich weniger Bürger zu den Urnen.3 Seit Mitte der Achtziger Jahre, besonders aber seit den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung, geht die Beteiligung dramatisch zurück.
Ist diese Entwicklung ein Schritt zu mehr demokratischer Reife oder Anlass zu ernster Sorge? Mit dieser Frage soll sich diese Arbeit beschäftigen. Beruht die zunehmende Wahlenthaltung darauf, dass sich die Bundesbürger zunehmend von einem lange Zeit bestehenden autoritären Politikverständnis mit verinnerlichter „Wahlpflicht“ emanzipieren4 oder rekrutiert sich die Masse der Nichtwähler5 aus mit der Politik oder gar dem politischen System Unzufriedenen ist sie also Symptom einer zunehmenden Politikverdrossenheit?
Um eine Antwort auf diese Frage und eventuell Lösungsmöglichkeiten zu finden, muss zunächst eine andere beantwortet werden: Wer sind die Nichtwähler? Anders als es durch die Zeitungsmeldung am Anfang suggeriert wird, sind die Nichtwähler nämlich alles andere als eine homogene Gruppe. Um ein besseres Bild von dem Untersuchungsobjekt zu bekommen, soll zunächst kurz eine soziologische Betrachtung der Nichtwähler stattfinden (2.). Anschließend soll die politische Bedeutung der Wahlenthaltung analysiert werden: Ist die Wahlenthaltung eine Warnung politikverdrossener Wähler? (3.)
Da sich, wie wir sehen werden, berechtigte Gründe ergeben, die Wahlenthaltung tatsächlich als Krisensymptom zu sehen, soll ein weiterer Abschnitt dieser Arbeit versuchen, mögliche Auswege aus diesem Dilemma aufzuzeigen (4.). Im Fazit soll abschließend auf die aktuelle Entwicklung in den Parteien und bei der Institution „Wahl“ eingegangen werden. Die Frage ist: Sehen die Parteien ihre Möglichkeiten, das Ruder herumzureißen? Und wenn ja: Nutzen sie sie auch? (5.)
2. Wie sieht „der Nichtwähler“ aus? – Eine soziologische Betrachtung
Seit es freie Wahlen gibt, gibt es auch die Wahlenthaltung. Schon bei den Wahlen im deutschen Kaiserreich blieb ein nicht unbedeutender Teil der Wahlbevölkerung am Wahltag zu Hause. Bei der Beobachtung der Wahlen der letzten Jahrzehnte ließ sich erkennen, dass die Neigung zur Beteiligung daran durch verschiedene soziologische Faktoren beeinflusst wird. Bevor ich auf diese eingehen, muss ich den Untersuchungsgegenstand sinnvollerweise etwas einschränken. Eine 100-prozentige Wahlbeteiligung wäre utopisch und daher sind nicht alle Nichtwähler für diese Arbeit gleichermaßen interessant.
[...]
1 Angaben bis 1990 aus Eilfort 1993, S. 48; ab 1994 vom Statistischen Bundesamt Deutschland (www.destatis.de).
2 zit. n.: Michael Eilfort 1993, S. 53.
3 Zum Vergleich der Wahlbeteiligungen der Nachkriegszeit in den westlichen Demokratien siehe Freitag 1996.
4 Amerikanische Politikwissenschaftler bescheinigten den Deutschen Anfang der Sechziger Jahre im Vergleich mit anderen westlichen Demokratien ein bloß formales, nur auf die Institutionen gerichtetes Demokratieverständnis ohne gefühlsmäßige Beziehung zu den demokratischen Grundwerten (vgl. Feist 1994 (1), S. 7f).
5 Für eine etwas andere, nicht uninteressante Verwendung des Begriffs des „Nichtwählers“ siehe Hansen 1999.
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