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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 22 Pages
Author: Kim Brandt
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: Free University of Berlin
Tags: Teufelskinder, Teufelsglauben, Antisemitismus, Martin, Luther, Ideologie, Teufelsglaubens
Year: 2003
Pages: 22
Grade: 1,8
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49266-9
File size: 187 KB
Sehr genaue Quellenanalyse zu Luthers Teufelsglauben und Antisemitismus: Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei (1523), Wider die Sabbather an einen guten Freund (1538)Von den Juden und ihren Lügen (1543) und Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi (1543). Kurze Einführung zum Begriff "Antisemitismus" und Einordnung in den historischen Kontext.
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Excerpt (computer-generated)
"Teufelskinder" - Teufelsglauben
und Antisemitismus bei Martin Luther
von: Kim Brandt
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
1. War Luther Antisemit?
Zum Begriff des Antisemitismus 2
II Hauptteil
2. Analyse der Quellen 4
2.1 „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ (1523) 4
2.2 „Wider die Sabbather an einen guten Freund“ (1538) 6
2.3 „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543) 8
2.4 „ Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi“ (1543) 13
III Bibliographie 20
I Einleitung
1. War Luther Antisemit?
Zum Begriff des Antisemitismus
Der Begriff Antisemitismus wurde nach allgemeiner Auffassung im 19. Jahrhundert von Wilhelm Marr, einem deutschen Schriftsteller, geprägt.1 Im wörtlichen Sinn als Ablehnung einer ganzen Sprachgruppe, nämlich der „Semiten“, gemeint, ist der Begriff als Ausdruck für die Judenfeindschaft als solche ungenau, zudem er ursprünglich lediglich als politisches Schlagwort und propagandistische Selbstbezeichnung gebraucht wurde. Des weiteren spiegelte er eine sachliche, sogar wissenschaftliche Verwendung vor. Eine genaue Definition für den Terminus liegt demnach nicht vor.
Dennoch soll im Rahmen dieser Arbeit Antisemitismus als Sammelbegriff für alle Formen der Judenfeindschaft verwendet werden von ihrer Diffamierung bis hin zur Vernichtung.2 Die „Uneinigkeit“ in der Wissenschaft, wo „beginnt“ Antisemitismus und wo „hört er auf“, hat unter anderem die Konsequenz, dass Theologen wie Edmund Weber zu der Ansicht kommen , dass Martin „Luther kein Antisemit (war), weil er kein Rassist war.“3, wobei er diesen Aspekt sicherlich zur Verteidigung Luthers ausnutzt. Dadurch wird die durchaus reguläre Unterscheidung zwischen religiösem und rassistischem Antisemitismus zur Verharmlosung bzw. Negierung von Luthers Judenfeindschaft und seinem Hass geführt, welchen man definitiv als Antisemitismus bezeichnen muss.
Die verschiedenen Formen des Antisemitismus, welche soziale, politische, religiöse, rassistische, kulturelle Ressentiments und Begründungen enthalten, aber niemals gesondert, sondern immer in Verbindung miteinander auftreten, dürfen nicht nur auf eine Form wie vor allem die rassistische des 19. Jahrhunderts eingeengt werden. Zu der Auseinandersetzung mit den Begriffen Antijudaismus, welcher religiös begründet ist, und Antisemitismus, der im vorletzten Jahrhundert die Biologie und Blutstheorie in den Vordergrund stellte, hat der Historiker Johannes Heil gesagt, dass „die Wende hin zu einer nachreligiösen, rassistischen Formulierung der Judenfeindschaft ... als wesentlicher Einschnitt in der Geschichte der Neuzeit verstanden (wird)“ und somit auch begrifflich kenntlich gemacht werden muss.4
Das schließt jedoch nicht aus, den Terminus Antisemitismus, wie schon zu Beginn angemerkt, als Sammelbegriff für alle Arten der Judenfeindschaft zu verstehen, da sonst gemeinsame Aspekte in den Hintergrund geraten würden. Außerdem muss die von Heil als Bruch bewertete Entwicklung des Antisemitismus im 19. Jahrhundert nicht als Geschichte mit Zäsur betrachtet werden, sondern als einen schrittweisen Übergang von „alten“, religiösen Motiven hin zu „neuen“, rassistischen Begründungen des Judenhasses, wobei sie sich auch gegenseitig bedingen. Dass Martin Luther Antisemit war, was nicht durch Altersdemenz oder andere apologetische Entschuldigungen zu erklären ist, beweisen die schriftlichen Quellen, in denen Luther seine judenfeindlichen Einstellungen kontinuierlich radikalisiert hat, so dass er schließlich 1543 zur Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Gemeinschaft aufrief. Somit ist es nicht verwunderlich und sogar eine logische Konsequenz, dass sich die Nationalsozialisten 400 Jahre später auf Luthers Schriften beriefen, seine Forderungen in Maßnahmen umwandelten und sich letztlich auch auf das von Theodor Fritsch 1887 herausgegebene „Handbuch zur Judenfrage“, den sogenannten Antisemitismus-Katechismus, beziehen konnten, in welchem Zitate Luthers zu finden sind.5
In der heutigen Forschung wird zum einen immer noch das Bild des kühnen Reformators gepflegt, dessen „antisemitische Verfehlungen“ entschuldbar sind und von der Propaganda des Dritten Reiches lediglich missbraucht wurden. Der Antisemit Martin Luther tritt jedoch augenscheinlich aus den Quellen hervor und dieser Aspekt darf in der Wissenschaft nicht verdrängt werden.
II Hauptteil
2. Analyse der Quellen
2.1 „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ (1523)
Um die Schriften Luthers über die Juden in ihrer Entwicklung verstehen zu können muss man den religiösen Hintergrund bzw. Luthers Einstellung erklären, welche durchaus für alle Gläubigen jedes Bekenntnisses eigen ist. Da die Juden nach Luther bzw. aller Christen gottlos sind, denn sie lehnen die Erlösungslehre ab, sind sie Feinde Christi und somit eine Gefahr für das Christentum als Religion. Das Bekenntnis zum Christentum war für Luther ein unantastbares Dogma, welches dem Exklusivitätsgedanken jeder Religion entspringt. In der Quelle „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ von 1523 wird dieses Dogma ersichtlich, denn der Bekehrungsgedanke zieht sich durch die gesamte Schrift.
[...]
1 Reinhard Rürup, Emanzipation und Antisemitismus, Göttingen 1975, S. 95.
2 Armin Pfahl-Traughber, Antisemitismus in der deutschen Geschichte, Berlin 2002, S. 9.
3 Edmund Weber, Die Bedeutung der Theologie Martin Luthers für die Begründung einer multireligiösen Gesellschaft, Journal für Religionskultur, Nr. 1, 1997.
4 Johannes Heil, „Antijudaismus“ und „Antisemitismus“, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 6, 1997, S. 105.
5 Pfahl-Traughber, S. 35f
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