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Der baskische Nationalismus - Seine Ursprünge im 19. Jahrhundert

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 26 Pages
Author: Katrin Morras Ganskow
Subject: History - Non-German

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 26
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V54000
ISBN (E-book): 978-3-638-49295-9

File size: 193 KB


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg Universität Mainz, Historisches Seminar
Hauptseminar: Spanien im 19. Jahrhundert
Sommersemester 2005

Der baskische Nationalismus –
Seine Ursprünge im 19. Jahrhundert

von: Katrin Morras Ganskow

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 1

II. Das Baskenland – Grundlagen 2

1. Das baskische Territorium 2
2. Die baskische Sprache – Euskera 3
3. Die Fueros – Sonderrechte der baskischen Territorien 4

III. Spanien und das Baskenland im 19. Jahrhundert 7

1. Die Zentralisierung des spanischen Staates und der Verlust der Fueros 8
2. Die Industrialisierung des Baskenlandes 10

IV. Die Entstehung des baskischen Nationalismus 13

1. Sabino Arana y Goiri – Der „Begründer“ des baskischen Nationalismus 14
2. Die baskische Ideologie 16

V. Baskischer und katalanischer Nationalismus im Vergleich 20

VI. Schlussbemerkung 23

VII. Literaturverzeichnis 24

 


 

Einleitung

Der baskische Nationalismus, das baskische Selbstbewusstsein, dem man heute in Städten wie Bilbao und San Sebastián aber auch ländlichen Gegenden des „Baskenlandes“ begegnen kann, hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert. Will man den baskischen Nationalismus in all seinen heutigen Ausprägungen nachvollziehen, ist es unerlässlich, sich auch mit dem Beginn dieser Bewegung auseinanderzusetzen. Heute ist das Baskenland eine autonome Provinz Spaniens mit weitgehenden Selbstverwaltungsrechten. Die spanische Verfassung von 1978 betont die Autonomie der klassischen Nationalitäten wie die der Basken, Katalanen und Galicier innerhalb des spanischen Staates. Das Zugeständnis einer hochgradigen Eigenständigkeit für das Baskenland durch die spanische Regierung nach der Beendigung der Diktatur Francos ist keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Es bedurfte eines fast hundertjährigen Kampfes baskisch-nationaler Gruppen gegen die Unterdrückung der baskischen Kultur und Sprache. Die ideologische Basis dieser Bewegung, ob sie nun mit politischen oder terroristischen Mitteln vorging, wurde im 19. Jahrhundert gelegt.

Unter Kapitel II sollen zunächst grundlegende Fakten sowie einige Besonderheiten, die in Bezug auf das Baskenland ausschlaggebend sind, dargestellt werden: das Territorium, die Singularität der baskischen Sprache als auch die Sonderstellung, die die Basken über Jahrhunderte im kastilischen Königreich einnahmen. Ausgehend von der Annahme, dass der baskische Nationalismus im 19. Jahrhundert entstand, stellt sich die Frage, welche Ereignisse, Entwicklungen und Veränderungen Spanien und die baskischen Territorien derart prägten, dass sich eine Bewegung wie der baskische Nationalismus bilden konnte. Mit dem Hintergrund dieser Fragestellung sollen unter Kapitel III die wichtigsten Entwicklungslinien Spaniens im 19. Jahrhundert nachgezeichnet werden. Das vierte Kapitel behandelt die Entwicklung des baskischen Nationalismus. Gründe und Auslöser für diese Bewegung als auch die Entstehung der baskischen Ideologie, die im Grunde auf eine einzelne Person, Sabino Arana y Goiri, zurückzuführen ist, sollen Erwähnung finden. Der baskische Nationalismus ist nicht die einzige Bewegung dieser Art, die im 19. Jahrhundert in Spanien entstand: Auch in Katalonien entwickelte sich ein Nationalismus, der sich vom baskischen jedoch in vielerlei Hinsicht unterschied. Aus diesem Grund soll unter Kapitel V ein Vergleich dieser beiden Bewegungen angestellt werden.

II. Das Baskenland - Grundlagen

1. Das baskische Territorium

Das spanische Baskenland, das in baskischer Sprache heute Euskadi genannt wird, ist an der nordatlantischen Küste Spaniens angesiedelt und erstreckt sich von Bilbao bis zur französischen Grenze und etwa 200 km ins Landesinnere. Es setzt sich aus drei Provinzen zusammen: Vizcaya mit der Hauptstadt Bilbao, Guipúzcoa mit der Hauptstadt San Sebastián und Alava mit der Hauptstadt Vitoria. Das Baskenland hat heute etwa 2.6 Millionen Einwohner.1 Folgt man der Meinung baskischer Nationalisten, so gehört auch die Provinz Navarra2 mit der Hauptstadt Pamplona zum Baskenland. Auch in Frankreich gibt es baskische Territorien: es handelt sich um die drei Arrondissements Soule, Basse Navarre und Labourd des Département Pyrénées Atlantiques.3 Die französischen Gebiete sollen in dieser Arbeit jedoch nur am Rande behandelt werden, das Hauptaugemerk liegt auf der Entwicklung der baskischen Territorien unter spanischer Herrschaft.

Es ist klarzustellen, dass es sich bei den hier genannten sieben Territorien niemals um eine politisch-administrative Einheit gehandelt hat, dennoch bilden sie in gewisser Weise eine ethnische und kulturelle Gemeinschaft. Jede der zuvor genannten Regionen unterlag im Laufe der Geschichte unterschiedlichen politischen Bedingungen. Im europäischen Vergleich erreichte Spanien zu einem recht frühen Zeitpunkt eine Art nationale Einigung. Seit dem 13. Jahrhundert wurden die baskischen Territorien auf der iberischen Halbinsel kontinuierlich in das kastilische Königreich eingegliedert. Zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden durch die Heirat von Isabella und Ferdinand die Königreiche Kastilien und Aragón vereinigt. Durch die darauf folgende endgültige Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den Mauren entstand ein Staat, der sich im 16. und 17. Jahrhundert zu einem Großreich im europäischen und überseeischen Rahmen entwickelte.4 Die Basken selbst bezeichnen das Baskenland als Euskadi oder Euskal Herria, was übersetzt etwa ˝das Land der baskisch Sprechenden“ bedeutet. Hiermit wird auch klar, dass es sich nicht um eine statische Bezeichnung für ein Gebiet handelt, da das Kriterium der Verbreitung einer Sprache flexibel ist, sie kann sich im Laufe der Zeit verändern.5 Die Wichtigkeit der Sprache im Selbstverständnis der Basken wird in diesen Bezeichnungen ihres Territoriums bereits offensichtlich.

2. Die baskische Sprache: Euskera

Grundlegend für den baskischen Nationalismus ist die Sprache der Basken, sie ist heute der wichtigste Identitätsstifter für die baskische Selbstwahrnehmung. Es handelt sich um die einzige noch heute gesprochene vorindoeuropäische Sprache Europas.6 Noch immer ist die Herkunft der Sprache ungeklärt, noch immer ist keine Verwandtschaft zu anderen Sprachen eindeutig festgestellt, doch erscheinen in regelmäßigen Abständen neue Studien mit mehr oder minder plausiblen Theorien über den Ursprung dieser Sprache. Es gilt jedoch als erwiesen, dass schon vor den Völkerwanderungen und der Romanisierung im zuvor beschriebenen Gebiet baskisch gesprochen wurde und es ist zudem davon auszugehen, dass der Sprachraum in früherer Zeit bedeutend größer war als heute. Aus Gebieten wie La Rioja und Burgos ist Euskera wahrscheinlich erst im Spätmittelalter verdrängt worden.7

[...]


1 Valandro, Franz: Das Baskenland und Nordirland. Eine vergleichende Konfliktanalyse. Innsbruck 2001. S. 26.

2 Wird im Folgenden vom Baskenland oder Euskadi die Rede sein, so ist die Provinz Navarra in diesem Begriff der Einfachheit halber impliziert.

3 Römhildt, Kerstin: Nationalismus und ethnische Identität im ′spanischen′ Baskenland. Münster, Hamburg 1994. S. 19.

4 Núñez, Xosé M.: Spanischer Nationalismus, periphäre Nationalbewegungen und Staatskrise (1917-1936). In: Timmermann, Heiner (Hrsg.): Nationalismus und Nationalbewegungen in Europa 1914-1945. Berlin 1999. S. 427-476. S. 428.

5 Kasper, Michael: Baskische Geschichte in Grundzügen. Darmstadt 1997. S. 1.

6 Valandro: Das Baskenland und Nordirland, S. 27.

7 Dietrich, Wolf / Geckeler, Horst: Einführung in die spanische Sprachwissenschaft. Berlin 32000. S.29.


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