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Scholarly Research Paper, 2006, 40 Pages
Author: Patrick Koops
Subject: Politics - Political Systems - General
Details
Institution/College: Justus-Liebig-University Giessen (Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Wohlfahrtsregime, Esping-Andersen, Deutschland, Dänemark, Care-Arrangements, Wohlfahrtsstaat, Kontext, Wandels
Year: 2006
Pages: 40
Grade: 2
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49501-1
ISBN (Book): 978-3-638-66323-6
File size: 4777 KB
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Abstract
Seit den neunziger Jahren hat Gøsta Esping-Andersen (1990) sein Konzept der Wohlfahrtsregime entwickelt. Bis dahin war das Niveau der Sozialausgaben die gängige Variable zur Bestimmung der Wohlfahrtsstaatlichkeit. Esping-Andersen versucht die Auswirkungen der Wohlfahrtsregime auf die Bürger durch eine theoretisch-empirische Analyse zu veranschaulichen. Zu diesem Zweck charakterisiert er drei Wohlfahrtsstaatstypen, und zwar das liberale, sozialdemokratische und konservative Modell. In diesem Kontext ist Dänemark dem sozialdemokratischen Modell und Deutschland dem konservativen Modell zuzuordnen. Lessenich und Ostner (1998) jedoch bezeichnen beispielsweise das konservative Wohlfahrtsregime als einen bunten „Flickenteppich“ , dem Esping-Andersen die Wohlfahrtsstaaten zugeordnet hat, die nicht zu den anderen beiden Modellen passten. Gegenstand dieser Arbeit ist es, die Typologie Esping-Andersens und die berücksichtigten Variablen bei dessen Bildung darzustellen. Wie lassen sich das dänische und deutsche Wohlfahrtssystem nach Esping-Andersen charakterisieren und typologisieren? Was sind die Unterschiede dieser beiden Wohlfahrtsstaaten? Inwiefern greift in diesem Zusammenhang Esping-Andersens These der Pfadabhängigkeit in Deutschland und Dänemark? Diese Studienarbeit beschäftigt sich mit den Wohlfahrtsregimen in Deutschland und Dänemark aus einer historischen und vergleichenden Sicht. Die Darstellung soll nach dem Vorbild Esping-Andersens geschehen, der bei der Bildung seiner idealtypischen Wohlfahrtsregime versucht hat, die Dimensionen polity, politics und policy unter einen Hut zu bringen. Zunächst wird die Typologie der von Esping-Andersen entworfenen Wohlfahrtsregime dargestellt. Die von Esping-Andersen berücksichtigten Variablen bei der Bildung seiner idealtypischen Wohlfahrtsregime werden näher erläutert, um dann die drei Wohlfahrtsregime selbst darzustellen. Anschließend wird auf die Weiterentwicklung dieses Modells durch Esping-Andersen aufgrund von aktuellen Entwicklungen, wie beispielsweise die Globalisierung, eingegangen. Auf die europäische Dimension des Wohlfahrtsstaates soll jedoch nicht weiter eingegangen werden. Im nächsten Teil werden der dänische und deutsche Wohlfahrtsstaat verglichen, sowohl nach ihrer Entwicklung, als auch nach Prinzipien bei deren Ausgestaltung.
Excerpt (computer-generated)
Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen –
Deutschland und Dänemark
von: Patrick Koops
7. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 6
2 Begriffsbestimmung: Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat 7
3 Typologie der Wohlfahrtsregime 8
3.1 Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus nach Esping -Andersen 8
3.1.1 Dekommodifizierung 9
3.1.2 Stratifizierung 10
3.1.3 Staat, Markt, Familie 10
3.2 Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen 11
3.2.1 Liberales Modell 11
3.2.2 Konservatives Modell 12
3.2.3 Sozialdemokratisches Modell 12
3.3 Ausweitung der drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus 13
3.3.1 Globalisierung 13
3.3.2 Private Haushalte 13
4 Deutschland und Dänemark 14
4.1 Historischer Vergleich 14
4.1.1 Die Anfänge des Wohlfahrtsstaates in Deutschland bis 1920 14
4.1.2 Die Anfänge des Wohlfahrtsstaates in Dänemark bis 1920 16
4.1.3 Wohlfahrtsstaatsentwicklung 1920 bis 1945 in Deutschland 17
4.1.4 Wohlfahrtsstaatsentwicklung 1920 bis 1945 in Dänemark 18
4.1.5 Wohlfahrtsstaatsentwicklung in der BRD ab 1945 18
4.1.6 Wohlfahrtsstaatsentwicklung in Dänemark ab 1945 19
4.2 Die Verankerung des Wohlfahrtsstaates im deutschen Grundgesetz 20
4.3 Die Verankerung des Wohlfahrtsstaates in der dänischen Verfassung 21
4.4 Politische Gestaltungsprinzipien 21
4.5 Pfadabhängigkeit 22
4.6 Der Machtressourcen-Ansatz 23
4.7 Social Policies - Typologie der Versicherungsmodelle 25
4.7.1 Rentenversicherung 25
4.7.2 Krankenversicherung 26
4.8 Charakterisierung der Wohlfahrtsregime (D, DK) 28
5 Fazit 30
Literaturverzeichnis 33
Internetquellen 34
Anhang 35
1 Einleitung
Seit den neunziger Jahren hat Gøsta Esping-Andersen (1990) sein Konzept der Wohlfahrtsregime entwickelt. Bis dahin war das Niveau der Sozialausgaben die gängige Variable zur Bestimmung der Wohlfahrtsstaatlichkeit. Esping-Andersen versucht die Auswirkungen der Wohlfahrtsregime auf die Bürger durch eine theoretisch-empirische Analyse zu veranschaulichen. Zu diesem Zweck charakterisiert er drei Wohlfahrtsstaatstypen, und zwar das liberale, sozialdemokratische und konservative Modell. In diesem Kontext ist Dänemark dem sozialdemokratischen Modell und Deutschland dem konservativen Modell zuzuordnen. Lessenich und Ostner (1998) jedoch bezeichnen beispielsweise das konservative Wohlfahrtsregime als einen bunten „Flickenteppich“1, dem Esping-Andersen die Wohlfahrtsstaaten zugeordnet hat, die nicht zu den anderen beiden Modellen passten. Gegenstand dieser Arbeit ist es, die Typologie Esping-Andersens und die berücksichtigten Variablen bei dessen Bildung darzustellen. Wie lassen sich das dänische und deutsche Wohlfahrtssystem nach Esping-Andersen charakterisieren und typologisieren? Was sind die Unterschiede dieser beiden Wohlfahrtsstaaten? Inwiefern greift in diesem Zusammenhang Esping-Andersens These der Pfadabhängigkeit in Deutschland und Dänemark?2
Um diese Fragen zu klären, wird sich diese Studienarbeit mit den Wohlfahrtsregimen in Deutschland und Dänemark aus einer historischen und vergleichenden Sicht beschäftigen. Methodologisch sollen der deutsche und dänische Wohlfahrtsstaat als Ganzes untersucht und verglichen werden, also ist die polity- Dimension vorherrschend. Doch auch die policy- Felder Rentenversicherung und Krankenversicherung in Deutschland und Dänemark sollen beispielhaft dargestellt und verglichen werden. Diese Darstellung soll nach dem Vorbild Esping-Andersens geschehen, der bei der Bildung seiner idealtypischen Wohlfahrtsregime versucht hat, die Dimensionen polity, politics und policy unter einen Hut zu bringen.3
Zunächst wird die Typologie der von Esping-Andersen entworfenen Wohlfahrtsregime dargestellt. Die von Esping-Andersen berücksichtigten Variablen bei der Bildung seiner idealtypischen Wohlfahrtsregime werden näher erläutert, um dann die drei Wohlfahrtsregime selbst darzustellen. Anschließend wird auf die Weiterentwicklung dieses Modells durch Esping-Andersen aufgrund von aktuellen Entwicklungen, wie beispielsweise die Globalisierung, eingegangen. Auf die europäische Dimension des Wohlfahrtsstaates soll jedoch nicht weiter eingegangen werden. Im nächsten Teil werden der dänische und deutsche Wohlfahrtsstaat verglichen, sowohl nach ihrer Entwicklung, als auch nach Prinzipien bei deren Ausgestaltung.
2 Begriffsbestimmung: Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat
In der politischen Diskussion in Deutschland wird der Begriff „Sozialstaat“ verwendet, während in der Politikwissenschaft bei internationalen Vergleichsuntersuchungen der Begriff „Wohlfahrtsstaat“ (welfare state) vorgezogen wird. In Deutschland wird vor allem der Begriff „Sozialstaat“ verwendet, wenn vom Sozialstaatsprinzip des deutschen Grundgesetzes (Artikel 20 GG) die Rede ist. Wenn von den sozialen Regelungen und Leistungen in Dänemark die Rede ist, wird hierzulande oft der Begriff „Wohlfahrtsstaat“ verwendet. Die Begriffsunterscheidung zwischen „Sozialstaat“ und „Wohlfahrtsstaat“ wird bei der Abgrenzung der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland vom „Versorgungsstaat“ in Dänemark verwendet.4 Aufgrund der englischen Bezeichnung „welfare state“ und der Tatsache, dass bei internationalen Vergleichen der Begriff „Wohlfahrtsstaat“ vorgezogen wird, wird in dieser Studienarbeit einheitlich der Begriff „Wohlfahrtsstaat“ verwendet.
3 Typologie der Wohlfahrtsregime
3.1 Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus nach Esping-Andersen
Die neuere politikwissenschaftliche Forschung unterscheidet zwischen verschiedenen Typen des Wohlfahrtsstaats. Der Vorschlag von Gösta Esping- Andersen wendet sich bei der Klassifizierung von Wohlfahrtsstaaten bewusst von der Strategie der Untersuchung von Staatsausgaben ab. Esping-Andersen bezieht quantitative und qualitative Gesichtspunkte beim Entwurf der Wohlfahrtstypen mit ein, das heißt er untersucht die jeweiligen institutionellen Arrangements einer Gesellschaft, die sich mit der Regulation von Arbeit und Wohlfahrt befassen. Dabei basieren Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen auf grundlegenden „ordnungspolitische(n) Konzeptionen der Sozialpolitik“, die somit unterschiedliche Ausgestaltungen der institutionellen Arrangements hervorrufen. Die Struktur des Wohlfahrtsstaates wird bestimmt durch die Stärke und Geschlossenheit der Arbeiterschaft auf der einen Seite und des Bürgertums auf der anderen Seite. Nach Esping-Andersens idealtypischer Charakterisierung gibt es liberale, konservative und sozialdemokratische „Wohlfahrtsregime“5, die sich durch verschiedene Variablen voneinander abheben.6 So unterscheidet Kohl folgende Variablen beziehungsweise Indikatoren (siehe Abbildung 1): Dekommodifizierung, Residualismus, Privatisierung, Korporatismus/Etatismus, Umverteilungskapazität und Vollbeschäftigungsgarantie. Diese Variablen finden in den drei Typen des Wohlfahrtsstaates liberal, konservativ und sozialdemokratisch verschiedene Ausprägungen von schwach bis stark.
[...]
1 Lessenich, Stephan; Ostner, Ilona (1998): Welten des Wohlfahrtskapitalismus - Wandel der Wohlfahrtsstaatsforschung: Beiträge aus der ‘dritten Welt’, in: Stephan Lessenich, Ilona Ostner (Hrsg.): Welten des Wohlfahrtskapitalismus - Der Sozialstaat in vergleichender Perspektive. - 1.Auflage – Frankfurt/Main: Campus, S. 9 - 17, hier S. 13; im Folgenden zitiert: Lessenich.
2 Vgl. Lessenich, S. 9 - 17.
3 Vgl. Schmid, Josef (2002): Wohlfahrtsstaaten im Vergleich. - 2. Auflage - Opladen: Leske + Budrich, S. 69 - 75; im Folgenden zitiert: Schmid.
4 Vgl. Pilz, Frank (2004): Der Sozialstaat. Ausbau - Kontroversen - Umbau. - 1. Auflage - Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 15 ff; im Folgenden zitiert: Pilz.
5 Esping-Andersen spricht bewusst von einem Regime: “To talk of a ‘regime’ is to denote the fact that in the relation between state and economy a complex of legal and organizational features are systematically interwoven.” Esping-Andersen, Gøsta (1990): The Three Worlds of Welfare Capitalism. - 7th edition - Cambridge: Polity Press, S. 2; im Folgenden zitiert: Esping- Andersen.
6 Vgl. Schmid, S. 82 - 87.
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