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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 32 Pages
Author: Jonas Ole Langner
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Institution/College: Martin Luther University (Germanistisches Institut)
Tags: Sprachkritik, Fachsprache), Konzept, Unterrichtseinheit, Sprachunterricht
Year: 2005
Pages: 32
Grade: 2
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-53099-6
File size: 209 KB
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Excerpt (computer-generated)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften
Germanistisches Institut, Wissenschaftliche Seminararbeit
Hauptseminar „Sprachunterricht in der Sek. II“
WS 2002/2003
Sprachkritik (Anglizismen, Fachsprache) –
Konzept für die Unterrichtseinheit
von: Jonas Ole Langner
I. Einleitung -3-
II. Warum sollen sich die SchülerInnen mit diesem Thema beschäftigen? -4-
III. Unterrichtsentwurf -8-
III.1 Erläuterung des Unterrichtsverlaufs -8-
III.2 Tabellarische Stundenverläufe -17-
III.3 Abkürzungsverzeichnis zum tabellarischen Stundenentwurf -21-
III.4 Begriffe, die die SchülerInnen lernen bzw. wiederholen/festigen sollen -21-
III.5 Ziele der Unterrichtseinheit -23-
IV. Sprachbuch und Sprachunterricht zum Thema „Sprachkritik“ in der Sek. II -24-
V. Bibliografie -31-
V.1 Sprachbücher -31-
V.2 Sekundärliteratur -31-
VI. Anhang -33-
Arbeitsblätter
I. Einleitung
Viele Lehramtsstudierende des Faches Deutsch gehen davon aus, dass sie später im Unterricht in der Sekundarstufe II (Sek. II) vor allem Literatur unterrichten werden. Vereinzelt hört man auch Aussagen wie folgende: „In der Oberstufe kann ich endlich mit meinen Schülern auch mal etwas machen, das mich interessiert und das mir Freude bereitet.“ Damit ist in den allermeisten Fällen Literaturunterricht gemeint, genauer gesagt das Lesen von anspruchsvoller neuerer und neuester Literatur. Der Literaturunterricht ist bei vielen StudentInnen beliebter als der Sprachunterricht1 und deshalb beinhaltet die wiedergegebene Aussage zwei wichtige Punke. Zum einen macht sie deutlich, dass der Sprachunterricht in den vorangehenden Klassen als Belastung empfunden wird, der aber, um bei den Schülern die Fähigkeit des normgerechten Sprechens und Schreibens zu erreichen, notwendig ist. Zum zweiten steckt darin die Behauptung, dass diese Entwicklung mit dem Eintritt in die Oberstufe abgeschlossen ist; zusätzlich liegt der Aussage die fälschliche Annahme zugrunde, dass in der Sek. II kein Sprachunterricht mehr gegeben werden müsse2. Die Rahmenrichtlinien (RRL) des Landes Sachsen-Anhalt belehren spätestens den zukünftigen Deutschlehrer hier eines besseren. Außerdem verrät ein Blick in die RRL, dass der Bereich „Reflexion über Sprache“ nicht nur nicht mit der Sek. I abgeschlossen ist, sondern eine weitere Beschäftigung mit diesem Thema für die auch noch in diesem Alter fortschreitende Entwicklung der sprachlichen Kompetenz der SchülerInnen vonnöten ist. Zusätzlich offerieren die in den RRL obligatorisch angegeben Themen interessante Möglichkeiten, um unser Wissen und das der Schüler über Sprache mit nützlichen Aspekten zu erweitern, so dass Sprachunterricht nicht unbedingt als Last angesehen werden muss.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit Sprachunterricht in der Sek. II und möchte als Beitrag verstanden werden mit den aufgezeigten Vorurteilen zu brechen. Im Zentrum der Arbeit steht ein Unterrichtsentwurf zur Unterrichtseinheit „Sprachkritik (Anglizismen, Fachsprache)“. In einer Begründung soll zunächst dargelegt werden, warum es sinnvoll ist, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Anschließend wird der Verlauf der Unterrichtseinheit vorgestellt, der die Potenziale von Sprachunterricht hinsichtlich des Weckens von Interesse für Sprache bei den SchülerInnen als auch der Förderung ihrer Sprachkompetenz erkenntlich machen wird. Im Anschluss daran wird sich allgemein mit Sprachunterricht in der Sek. II beschäftigt sowie die Nutzungsmöglichkeiten des Sprachbuchs für diesen analysiert. Ergänzt werden an dieser Stelle auch andere Auffassungen von einer Unterrichtseinheit „Sprachkritik“ und deren Folgen für das Unterrichten.
II. Warum sollen sich die SchülerInnen mit diesem Thema beschäftigen
Wer von uns hat noch nie bei der Hotline eines Unternehmens angerufen oder das Service Center einer Firma aufgesucht? Wer besitzt heute kein Handy oder surft nicht im Internet? Wer hat nicht schon einmal von der neuen Modesportart Nordic Walking gehört? Wem wurde noch nicht in der Werbung empfohlen, seine Toilette mit einem WC-Reiniger lemon fresh zu putzen? Zweifellos Anglizismen oder Amerikanismen begegnen uns überall im alltäglichen Leben3. Sie sind teilweise sogar ein fester Bestandteil der deutschen Sprache geworden, ob dies notwendigerweise geschehen ist oder ob man auch auf sie verzichten kann oder muss, ist eine Frage, die sich vielen stellt und die in der Unterrichtseinheit ebenfalls besprochen werden soll. Ohne dass der Unterricht dabei den Anspruch erhebt bei dieser Problematik zu einer abschließenden Antwort zu kommen, die wohl auch gar nicht gefunden werden kann.
Reicht dieser Sachverhalt aber aus, um damit die Behandlung des Themas „Sprachkritik“ mit den Schwerpunkten Anglizismen und Fachsprache zu rechtfertigen, oder was ist es, dass ein Thema relevant für SchülerInnen werden lässt und damit auch für den Unterricht. Fritzsche nennt folgende vier „[…] verschiedene[n] empirische[n] Vorgehensweisen […]“ (Fritzsche 1994a, 28), um „[…] Erziehungs- und Unterrichtsnormen festzulegen […]“ (Fritzsche 1994a, 28):
- Man orientiert sich an Lehrplänen und den Anforderungen von Abschlussprüfungen,
- man befragt die „Abnehmer“, also die nächsthöheren Bildungsinstitutionen bzw. die Vertreter der Berufe,
- man vertraut dem Urteil von „Experten“,
- man orientiert sich an den Inhalten, Zielen und Aufgaben der Fachwissenschaft (Fritzsche 1994a, 28).
Obwohl diese Orientierungshilfen von Fritzsche zu Recht mit dem Hinweis, dass diese Entscheidungen „[…] im theoretischen Diskurs ermittelt werden“ (Fritzsche 1994a, 28) müssen, kritisch beurteilt werden (vgl. Fritzsche 1994a, 29) soll an dieser Stelle kurz überlegt werden, ob sie für das Thema „Sprachkritik“ als Bestätigung für eine Auseinandersetzung im Unterricht dienen.
Die RRL setzen im Themengebiet „Sprachgeschichte“ sowohl die obligatorische Behandlung von „Perioden in der Entwicklung der deutschen Sprache“ als auch die von „Sprachwandel, Entwicklungstendenzen in der deutschen Sprache der Gegenwart“ fest (vgl. RRL Sachsen-Anhalt 2003, 135). Als weitere Empfehlungen wird die Auseinandersetzung mit dem „neuzeitlichen[n] […] [und] gegenwärtige[n] Deutsch“ sowie die Diskussion von „Integration, Internationalisierung und Differenzierung […]“ (RRL Sachsen-Anhalt 2003, 135) in der deutschen Sprache gegeben. Außerdem sollen die SchülerInnen laut RRL einen Überblick über die Differenziertheit von Erscheinungs- und Verwendungsformen von Sprache (Sprachdifferenzbewusstheit) besitzen [und] Einsicht in die historischgesellschaftliche Bedingtheit von Sprache erhalten und auf Sprachwandel in Vergangenheit und Gegenwart achten (RRL Sachsen-Anhalt 2003, 133).
[...]
1 Warum dem so ist, müsste im Rahmen einer anderen Arbeit untersucht werden. Vermutlich entscheiden sich die meisten AbiturientInnen aber zu einem Lehramtsstudium Deutsch, weil ihnen die Arbeit oder das Lesen von Literatur Freude bereitet und weniger weil sie sich gerne mit der Analyse von Sprache beschäftigen, zumal sie dies während der Schulzeit kaum kennen lernen. Allerdings ist auch die Lesefreude unter Studierenden nicht immer sehr ausgeprägt.
2 Zu klären, worin diese Annahme begründet liegt, ist nicht Aufgabe dieser Arbeit. Es ist jedoch zu vermuten, dass viele Studierende selber keinen Sprachunterricht in der Sek. II erhielten; zumindest verhielt es sich in der Schulzeit des Autors dieser Arbeit so.
3 Dies ist nicht erst eine neuere Entwicklung, sondern sie begann schon im 19. Jahrhundert (vgl. Yang 1990, 1). „Im 20. Jahrhundert hat sich der englische Einfluß [dann] ständig verstärkt.“ (Yang 1990, 1) Yang untersuchte für seine Studie das Auftreten von Anglizismen im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in den Jahrgängen 1950, 1960, 1970 und 1980. Insgesamt kommt er auf eine Anzahl von 3646 types und 10070 tokens, was einer Häufigkeit von 3 token pro Seite entspricht (vgl. Yang 1990, 26f). Dabei ist festzustellen, dass die „[…] Verwendungsfrequenz der Anglizismen pro Seite fast ständig zugenommen hat.“ (Yang 1990, 27) Dieses Ergebnis unterstreicht die Bedeutung von Anglizismen in der deutschen Sprache.
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