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Realität und Wirklichkeit

Seminararbeit, 2000, 56 Seiten
Autor: Sebastian Muthig
Fach: Soziologie - Methodologie und Methoden

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 56
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V6028
ISBN (E-Book): 978-3-638-13723-2

Dateigröße: 472 KB


Textauszug (computergeneriert)

 

"Realität und Wirklichkeit"



Studienrichtung: Dipl.- Soziologie

Fachsemester : 07

 

Inhaltsverzeichnis

1. Prolog 4

2. Ausgangsproblem 6

2.1. Kognitionswissenschaft 6

2.2. Monismus-Dualismus-Debatte 7

3. Sinn - Bedeutung - Intentionalität 10

3.1. Zur Semantik von Sinn und Bedeutung 10

3.1.1. Zur Beziehung zwischen Sinn und Bedeutung 11
3.1.2. Zur Bedeutung von "Bedeutung" 12

3.2. Zur Semantik von Intentionalität 15

3.2.1. Praktische Intentionalitätsauffassung 15
3.2.2. Theoretische Intentionalitätsauffassung 15
3.2.3. Zeitgenössische Intentionalitätstheorien 16
3.2.4. Intentionalität und das Problem der Wahrnehmung 18

4. Wissenschaftsphilosophische "Wirklichkeits"- und Wissenskonzeptionen 20

4.1. Realismus-Konzeptionen 21

4.2. Entwicklung der Realismuskonzeptionen im Verhältnis von Ontologie und Epistemologie - Descartes bis Kant 24

4.3. Antirealismus-Konzeptionen 27

4.3.1. Anti-Realismus und Verifikationismus 27
4.3.2. Idealismus und Idealrealismus 29
4.3.3. Phänomenologie 30
4.3.4. Konstruktivismus 31

5. "Wirklichkeit" in den Kognitionswissenschaften 33

5.1. Psychologie zwischen Realismus und Konstruktivismus 33

5.2. Kognitive Referenz und Selbstreferenzialtiät des Gehirns 35

6. Sprache und "Wirklichkeit" 38

7. "Wirklichkeit" und "Wissen" in der Philosophie des Geistes 40

7.1. Zur Realität intentionaler Zustände 41

7.2. Epistemologischer Realismus und die Wirklichkeit des Wissens 43

7.2.1. "Intellectus effabilis" 47
7.2.2. Wissen als anthropologisches Datum 49

8. Epilog 52

9. Bibliographie 55

 

1. Prolog

In der vorliegenden Arbeit möchte ich den Versuch unternehmen der für alle Wissenschaften zentralen Referenzproblematik und den damit verbundenen pluralen (Anti-) Realismuskonzeptionen deskriptiv nachzugehen. Das grundlegende Problem besteht hierbei in der Beziehung oder Denotation zwischen einem singulären Terminus und dem damit verbundenen Gegenstand oder Referenzobjekt, auf welches es rekurriert. Allgemein kann Referenz verstanden werden als die Beziehung eines sprachlichen Ausdrucks (einer Prädikation) zu seiner Extension, was wiederum die Unterscheidung zu seiner Bedeutung (Intension) gewährleistet. Die Frage nach den sprachlichen Mechanismen, auf denen die Referenz von Ausdrücken basiert, sowie nach der Art der Beziehung zu den bezeichneten Gegen-ständen ist eines der zentralen Themen der sprachanalytischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, bei dem es letztendlich um den Zusammenhang zwischen Denken, Sprache und außersprachlicher Realität geht. Dieses Thema ist deswegen so zentral, da jeder Wissenschaft (und nicht nur der Sprachanalytik und Soziologie) implizit oder explizit Annahmen über die Beschaffenheit einer subjektunabhängigen Welt zugrunde liegen, über welche sie Aussagen zu formulieren versucht. Die Tragweite besteht nun darin, daß je nach Auffassung der möglichen Beschaffenheit der zu untersuchenden Welt ebenfalls die Aussagen über sie variieren und in gewissem Grade abhängig sind. Fundamental tangiert werden dadurch ebenfalls unsere Vorstellungen der Möglichkeit von Erkenntnis und dem daraus extrapolier-baren Wissen. Traditionell wird Erkenntnis oft als eine adäquate Repräsentation der Objektwelt im Subjekt verstanden, d.h. Erkennen ist auf Erkenntnisgegenstände ausgerichtet und hat somit intentionalen Charakter. Der Prozeß des Erkennens ist der eines Separierens und eines darauf folgenden Synthetisierens mit dem Ziel der Generierung einer "richtigen" Ordnung der vorhandenen Daten oder Informationen. Erkenntnistheoretisch problematisch wird dies alles durch Frage, wie nun eine dem Alltagsverständnis als selbstverständlich erscheinende Objektivität begründet ist. Hierbei geht es um das Verhältnis von Mensch (als erkennendem Subjekt) und Welt (als erkanntem Objekt), sowie die Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen von Erkenntnis. Es geht schlichtweg darum, plausibel zu machen, ob eine vom menschlichen Bewußtsein unabhängige Realität ontischer Entitäten existiert oder nicht. Ob unsere Wahrnehmung danach zu beurteilen sei, wie genau diese den objektiven Gegebenheiten entspricht, oder ob nicht sich die Gegebenheiten nach unserer Wahrnehmung richten.

Ich möchte aus interdisziplinärer Perspektive (v.a. der Philosophie, Psychologie, Linguistik und Neurobiologie) den folgenden Fragen nachgehen:

Was ist Wirklichkeit bzw. Realität? Repräsentiert Wissen Realität oder ist Wirklichkeit Konstruktion nach dem Maß menschlichen Geistes? Ist die Welt als unabhängig von einem erkennenden Subjekt vorzustellen oder erst in bezug auf die Denkleistungen eines Subjekts? Welche Realitäts- und Wissenskonzeptionen setzen Wissenschaftler - im Rahmen welcher wissenschaftlicher Weltbilder - voraus? Gibt es eine Realität, welche in ihrer Existenz wie Beschaffenheit unabhängig von menschlichen Erfahrungen, Denkformen und Annahmen besteht (Alltagsrealismus)? Existieren die Entitäten wissenschaftlichem Theorien, ob beobachtbar oder nicht, unabhängig von mentalen (phänomenalen, intentionalen) Zuständen (Wissenschaftsrealismus)? Sind die einzigen existierenden Entitäten physische und physikalisch beschreibbare und können physikalische Gesetze alles erklären, was erklärt werden kann (z.B. Denken)? Sind mentale Vorgänge auf neurophysiologische Vorgänge reduzierbar?

Aus heuristischen Gründen erscheint es mir, bei der von mir intendierten Form des Exposés, geboten etwas weiter auszuholen und im 2. Teil das u.a. für die Soziologie und Jurisprudenz äußerst relevante Ausgangsproblem (des Seminarthemas), im Anschluß an die KI-Forschung, angesichts der rasant fort-schreitenden technischen Entwicklung, zu formulieren, welches implizit mit der oben umrissenen Thematik in Verbindung steht. Hierbei geht es um die fundamentale und folgenreiche Frage, ob sich mentale menschliche Prozesse, wie z.B. Denken maschinell simulieren lassen. In diesem Teil werde ich mich mit einer knappen Einführung in die allgemeine Problematik bescheiden. In Teil 3 werde ich versuchen der Beziehung und semantischen Unterschiede zwischen Sinn, Bedeutung und Intentionalität nachzugehen. Wichtig und notwendig erscheint mir dies, da diesen Grundbegriffen eine außerordentliche Relevanz innerhalb der gesamten Diskussion inhärent ist. Im vierten Kapitel werde ich mich mit den wissenschaftsphilosophischen Wirklichkeits-/Realitäts- und Wissenskonzeptionen im Verhältnis von Ontologie und Epistemologie auseinandersetzen, und eine Typologie derselben vorschlagen. Im Anschluß an die vorgestellten (Anti-) Realismuskonzeptionen werde ich dann im 5. Teil auf kognitionswissenschaftliche Realitäts/-Wirklichkeitskonzeptionen übergehen und hierbei das Paradigma des radikalen Konstruktivismus, im Ausgang an systemtheoretische Überlegungen hinsichtlich der informationellen Geschlossenheit und Selbstreferentialität (Autopoiesis) des menschlichen Zentralen Nervensystems, (knapp) rekonstruieren. In Kapitel 6 werde ich aus linguistischer Perspektive der Frage nach dem Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit nachgehen und hierbei zwei konkurrierende Auffassungen vorstellen (semantischer Realismus vs. semantischem Antirealismus). Im siebten Abschnitt werde ich dann Wirklichkeits-/Realitäts- und Wissens-konzeptionen in der Philosophie des Geistes darstellen und der Frage nachgehen, ob und wie es denkbar wäre, menschlicher "geistiger" Tätigkeit eine von neurophysiologischen Prozessen unter-schiedene Seinsform einzuräumen.
Ich werde mich bei all dem primär auf deskriptiver Ebene bewegen, da es mir aus didaktischer Sicht geboten (ergo sinnvoller) erschien, die gesamte Kontroverse mit ihren gegensätzlichen Auffassung und in ihren differenzierten Ausprägungen rekonstruierend darzustellen, um auf diesem Wege zum Verständnis des grundlegenden epistemologischen Problems beizutragen. (Daran anknüpfend ließen sich dann ihre weiteren Konsequenzen beispielsweise für die kognitionswissenschaftliche Debatte diskutieren, was den Rahmen allerdings sprengen würde). Ferner möchte ich mich schon vorab für den Umfang der vorliegenden Arbeit entschuldigen, aber aufgrund der Vielfalt und Fülle erschien es mir nur so angemessen dieser Thematik auch nur ansatzweise gerecht zu werden.

2. Ausgangsproblem

2.1. Kognitionswissenschaft

[...]


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