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Autor: Daniel Steinbach
Fach: Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Lit.wiss.
Details
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Germanistisches Institut - Lehrstuhl für Komparatistik)
Tags: Brudermord, Vergleich, William, Shakespeares, Hamlet, Hamletrezeption
Jahr: 2005
Seiten: 17
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 85 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54111-4
Textauszug (computergeneriert)
Ruhr-Universität Bochum
Komparatistik, Hamletrezeption
WS 2004/2005, 3. Semester / B.A.
"Der bestrafte Brudermord" im Vergleich zu
William Shakespeares Hamlet
von: Daniel Steinbach
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - 3-
2. Hauptteil - 3-
2.1. Der Verfasser des „Bestraften Brudermordes“ - 3-
2.2. Die Handlung des „Bestraften Brudermordes“ - 8-
2.3. Hamlets Wahnsinn im Vergleich zu Shakespeare -13-
3. Schlussteil -15-
4. Literaturverzeichnis -16-
1. Einleitung
Die Entstehungsgeschichte des deutschen Hamlets „Der bestrafte Brudermord oder Prinz Hamlet aus Dännemark“ ist uns bis heute unbekannt. Es steht jedoch fest, dass dieses Drama aus ähnlichen Quellen wie Shakespeare geschöpft haben muss, nämlich aus der „Amlethus“-Sage des Saxo Grammaticus und von Belleforest. Einige Textübereinstimmungen zwischen den beiden Quarto-Ausgaben von Shakespeare weisen auch auf einen Zusammenhang dieser beiden Dramen hin. Die Entstehungstheorien reichen über verschiedene Abhängigkeiten von einzelnen Werken bis hin zum Rekonstruktion eines Thomas Kydschen Urhamlets. Diese Abhängigkeitsfragen werde ich jedoch bewusst nicht behandeln, da sie bereits zu genüge diskutiert worden sind, ohne eine einhellige Meinung erzielen zu können. Bei den meisten Forschungen zum „Bestraften Brudermord“ wurde jedoch fast ausschließlich diesen Fragen nachgegangen, wobei die deutsche Bearbeitung stets herabwürdigend1 dargestellt wurde. Diesen Missstand versuche ich mit meiner Hausarbeit zu beheben. Zuerst werde ich mich mit dem Verfasser befassen, danach mit dem Inhalt des Stücks und anschließend exemplarisch mit einem verwendeten Motiv, um zu zeigen, wie gut das deutsche Drama durchdacht ist.
2. Hauptteil
2.1. Der Verfasser des „Bestraften Brudermordes“
Der erhaltene Text des Bestraften Brudermordes ist auf den 27. Oktober 17102 datiert. Reichard, der Herausgeber des Gothaischen Theaterkalenders, machte im Jahr 1779 „Mitteilung von einem „ersten deutschen Hamlet“ den er in [Conrad] Ekhofs Nachlaß gefunden hatte.“3 Er lieferte zunächst eine ausführliche Inhaltsangabe und druckte 1781 den vollständigen Text in der „Olla Potrida“ ab. Dies sind die einzigen absolut sicheren Zeugnisse des Bestraften Brudermordes. Reinhold Freudenstein untersuchte neun mögliche Aufführungen des „Bestraften Brudermordes“ zwischen 1616 und 1770.4 Er stellte jedoch fest, dass nur die Aufführung am 24. Juni 1626 in Dresden unter der Leitung von John Greene5 als „sichere[ s] Zeugnis über eine Aufführung des Bestraften Brudermordes in Deutschland“ 6 angesehen werden kann. „Es darf als so gut wie sicher angenommen werden, daß es sich bei dieser Dresdener Aufführung um das gleiche Spiel handelt, das uns im Bestraften Brudermord erhalten ist.“7 Auffällig ist hierbei jedoch, dass die Quelle einen anderen Titel aufweist. „Die Differenz der Titel“, so Freudenstein, „ergibt sich aus dem Bedürfnis der Wandermimen, gleiche Dramen zuweilen unter anderem Titel anzukündigen, um ihnen den Reiz der Neuheit zu verleihen.“ 8
Eine Untersuchung des Primärtextes gibt wenig direkte Hinweise über Entstehungszeit und –ort, sowie über einen möglichen Verfasser. Anhand der verwendeten Wortwahl lässt sich feststellen, dass der Autor sehr gebildet war. Er benutzt viele Fremdwörter aus der lateinischen und der französischen Sprache und kennt sich mit griechischer Mythologie, vor allem mit dem Götterpantheon, aus, was er im Prologus (vgl. DBB. S.149-150.), aber auch an anderen Stellen im Stück (vgl. DBB. S. 172, Z. 18.) beweist. Weiterhin besitzt er geographische Kenntnisse: Er erwähnt die englische Stadt Dover (vgl. DBB. S.181, Z. 25.), neben den (damals) deutschen Städten „Straßburg“ (DBB. S. 164, Z. 32.)9, „Wittenberg“ (DBB. S. 158, Z. 20.) und „Hamburg“ (DBB. S. 163, Z. 8.). Über Wittenberg weiss er sogar, dass es dort eine „Universität“ (DBB. S. 163, Z. 4.) gibt. Diese gibt es dort erst seit 1502 und somit lässt sich die Entstehungszeit des Stückes bereits eingrenzen. Die Beschreibung der Wirkungsweise des Giftes, mit dem der König seinen Bruder getötet hat (vgl. DBB. S. 155. Z. 23-26.), beweist, dass der Verfasser des Bestraften Brudermordes auch über medizinische Kenntnisse verfügen muss.
[...]
1 wie z. B. im Titelzitat: vgl. Schulze, F. W.: Hamlet. Geschichtssubstanzen zwischen Rohstoff und Erdform des Gedichts. Halle a. S., Max Niemeyer-Verlag, 1956. S. 47.; im folgenden zitiert: Schulze, 1956
2 vgl. Greg, W. W.: The Shakespeare first folio. Its bibliographical and textual history. Oxford, Clarendon Press, 1955. S. 308.; im folgenden zitiert: Greg, 1955.
3 Daffis, Hans: Hamlet auf der deutschen Bühne bis zur Gegenwart. Reprint von 1912. Nendeln/ Liechtenstein, Kraus, 1977 (= Literaturhistorische Forschungen Heft L). S. 1.; im folgenden zitiert: Daffis, 1977.
4 vgl. Freudenstein, Reihold: Der Bestrafte Brudermord. Shakespeares „Hamlet“ auf der Wanderbühne des 17. Jahrhunderts. Hamburg, Cram, de Gruyter & Co., 1958. S. 11-37.; im folgenden zitiert: Freudenstein, 1958.
5 Greg, 1955. S. 308.
6 Freudenstein, 1958. S. 24.
7 Ebd. S. 24-25.
8 Ebd. S. 25.
9 Straßburg war bis 1681 deutsche Stadt. Im Text wird sie ausdrücklich als deutsche Stadt bezeichnet.
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