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Autor: Daniela Wuest
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Universität Karlsruhe (TH)
Tags: Heinrich, Kleist, Penthesilea, Kulturkonflikt, Ursachen, Kleists, Penthesilea, Heinrich, Kleist, Penthesilea
Jahr: 2005
Seiten: 15
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 206 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54370-5
Textauszug (computergeneriert)
Universität Karlsruhe (TH), Institut für Literaturwissenschaft
Proseminar: Heinrich von Kleist: Penthesilea
5. Semester
Heinrich von Kleist: Penthesilea - Der gewaltsame
Kulturkonflikt und seine Ursachen in Kleists ′Penthesilea′
von: Daniela Wuest
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung S. 2
II. Kulturmodell der Amazonen S. 2
II.I. Staatsgründung
II.II. Gewalt als Grundlage von Staatsgründung und Identitätsbildung S. 3
II.III. Die Prophezeiung der Otrere S. 4
II.IV. Die Rituale
II.IV.I. Funktion des Racherituals S. 5
II.IV.II. Initiationsritual – „Rosenfest“ S. 6
II.IV.III. Motiv der Jagd S. 7
II.IV.IV. Katharsis – Ritual der Sühne S. 8
II.IV.V. Funktion von Sprache und „narratio“ S. 9
III. Penthesilea als Opfer ihrer eigenen Kultur
III.I. Das „Zerbrechen“ an der Kultur S. 11
IV. Abschluss S. 12
V. Literaturverzeichnis S. 13
VI. Erklärung S. 15
I. Einleitung
Kleists vielschichtiges Drama „Penthesilea. Ein Trauerspiel“ bietet viele Ansätze zur Interpretation: Ich werde in meiner Hausarbeit in erster Ebene auf den Kulturkonflikt, dem Penthesilea ausgesetzt ist, und dessen Ursache als Auslöser ihrer gewalttätigen Handlung eingehen. Damit folge ich auf zweiter Ebene der These von Victor Turner, dessen wesentliche Aussage ist, dass am Anfang jeder Kultur die Gewalt und das Problem deren Bewältigung steht.1 Laut Rene Girards2 werden Rituale als Ventil für soziale Gewalt genutzt, wenn diese durch die Bildung von Gemeinschaften oder staatlichen Ordnungen entsteht. Diese sind wichtiger Bestandteil jeder Kultur und können auf zweiter Ebene wiederum selbst zum Auslöser von Gewalt werden oder zu deren Legitimierung dienen. Die Rituale in Kleists Drama „Penthesilea“ erfüllen außerdem den Zweck der „Identitätsbildung in der Gemeinschaft“ der Amazonen, „der Unsicherheitsreduktion im sozialen Umfeld“ und der „Kulturisation“ des Subjekts“3. Bei Penthesilea tritt die Gewalt in Form eines Reflexes einer Bewegung auf, die ihren Ursprung in der Geschichte ihrer Gesellschaft und ihrem individuellen Subjekt hat4, was am Ende des Dramas zur Frage führt, ob Penthesilea an den Gesetzen und rituellen Vorgaben ihrer eigenen Kultur „zerbricht“5.
II. Kulturmodell der Amazonen
II.I. Staatsgründung
II.II. Gewalt als Grundlage von Staatsgründung und Identitätsbildung
Die Gründung des staatlichen Systems beruht auf der Vergewaltigung der Frauen und dem Töten ihrer Männer durch äthiopische Krieger: Die Frauen rächen sich, indem sie in der „Hochzeitsnacht“, die feindlichen Krieger ermorden und Männer zu ihren Feinden erklären, denen nun nur noch der Platz als Sklave und „Zeugungsmaschine“ zukommt. Dadurch entsteht ein Ursprungskonflikt, der von Aggression, gepaart mit Sexualität, das gesamte Handeln von Penthesilea bestimmt: Für sie sind Sexualität und Gewalt immer miteinander verbunden, wie man an ihrer Schilderung des Überfalls auf ihr Volk erkennen kann:
„ Die Betten füllten, die entweihten, sich
mit blankgeschliffnen Dolchen an, […]
Und als das Hochzeitsfest erschienen war,
Stieß ihm die Kön`gin ihren in das Herz;
Mars, an des schnöden statt, vollzog die Ehe,
Und das gesamte Mordgeschlecht, mit Dolchen.
In einer Nacht, ward es zu Tod gekitzelt.“6
Oberstes Gesetz wird die Alleinherrschaft der Frau, symbolisiert durch die Abnahme der rechten Brust als Zeichen für Stärke und Macht. Schon der Name des Volkes „Amazones“ („Brustlose“) deutet einerseits auf ein Defizit hin, andererseits steht er für „den freiwilligen Akt des Sich-Selbst-Verstümmelns als gewaltsame Selbstbestimmung“7, was die Ambivalenz der gesamten Existenz von Volk und Individuum hervorhebt. Nicht nur der weibliche Körper verändert sich durch das traumatische Ereignis, sondern auch das Bewusstsein der Frauen, die sich jetzt als autonomes Subjekt im Sinne eines Kriegsheeres verstehen und diese Autonomie wiederum durch Gewalt behaupten. Jedoch erleben die Amazonen, und besonders Penthesilea in ihrem Wunsch nach individueller Liebe mit Achill, ihr Defizit gleichzeitig nicht nur als „Befreiung, sondern auch als ein solches der Entbehrung und des Begehrens“8 von Männern.
II.III. Die Prophezeiung der Ortrere
[...]
1 Turner, Victor: Are there Universals of Performance? In: Comparative Criticism.9. (1987). S. 58
2 Girards, Rene: Das heilige und die Gewalt. Frankfurt a. Main 1992
3 Neumann, Gerhard: Erkennungsszene und Opferritual in Goethes „Iphigenie“ und in Kleists „Penthesilea“. In: Käthchen und seine Schwestern. Frauenfiguren um 1800. Hrsg. v. Günther Emig und Anton Philipp Knittel. Heilbronner Kleist-Kolloquien Bd. 1. Heilbronn 2000. S. 40
4 Gönner, Gerhard: Von „zerspaltenen Herzen“ und der „gebrechlichen Einrichtung der Welt“. Versuch einer Phänomenologie der Gewalt bei Kleist. Stuttgart 1989. S. 1
5 Gönner, S. 3
6 Heinrich von Kleist: Penthesilea. Ein Trauerspiel. Stuttgart 2001. V. 1940-1951
7 Gönner, S. 141
8 Gönner, S. 142
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