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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 24 Pages
Author: Julia Geiser
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Tags: Entstehungsgeschichte, Analyse, Aschenputtel, Brüdern, Grimm
Year: 2005
Pages: 24
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54476-4
ISBN (Book): 978-3-638-68861-1
File size: 261 KB
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Abstract
Die Märchensammlung von Jacob und Wilhelm Grimm zählt zu den größten Sammlungen von Märchen auf der ganzen Welt und erfreut sich gerade hier in Deutschland großer Beliebtheit bei Jung und Alt! Die Brüder wollten so unverfälscht wie nur möglich bewahren, was gerade in den Jahren um 1800 als lebendig fortwirkende volkstümliche Erzähltradition verloren zu gehen schien. Die Sammlung wurde von den Brüdern stetig erweitert, bis die Anzahl der Kinder- und Hausmärchen in der siebten Ausgabe, welche zugleich auch die Ausgabe letzter Hand war, die zweihunderter Grenze überstieg. Es gibt kaum einen Menschen auf der Welt, der nicht im Laufe seines Lebens, mit Märchen in Kontakt kommt. Ob in illustrierter Form im Bilderbuch, als Gute-Nacht- Geschichte oder auch in Form anderer Medien, wie Film oder Kassette. Und gerade bei Kindern nehmen Märchen einen großen Stellenwert ein. Sie beflügeln die Phantasie, unterhalten und belehren gleichzeitig. Die Brüder Grimm verfolgten genau dieses Ziel mit ihrer Sammlung. Sie wollten, dass das Märchenbuch ein Volks- und Erziehungsbuch wird und es sollte helfen, die nationale Identität zu stärken. Aus der Fülle der gesammelten Märchen haben sich im Laufe der Jahre einige Märchen besonders heraus kristallisiert, da sie sich über die größte Beliebtheit beim Volk erfreuen konnten. Zu den bekanntesten Märchen der Brüder Grimm zählen unter anderem das Märchen von Dornröschen, Schneewittchen, Rapunzel, sowie das Märchen vom Aschenputtel und vielen, vielen mehr. Das Märchen Aschenputtel jedoch gewann mit am schnellsten die Herzen der Zuhörer. Schon in den Anmerkungen von 1822 schrieben die Brüder Grimm über dieses Märchen: „Dies Märchen gehört zu den bekanntesten und wird aller Enden erzählt.“ Die Geschichte vom armen Aschenputtel, dass vor dem Ofen in der Asche schlafen muss und tagtäglich von ihrer bösen Stiefmutter und ihren Stiefschwestern herumgeschubst wird, bis sie von einem Prinzen gerettet wird, ist allseits bekannt. In der vorliegenden Arbeit soll nun versucht werden, das Märchen Aschenputtel genauer zu analysieren und auf die Fragen nach der Herkunft, dem formalen Aufbau, sowie der Bedeutung des Märchens näher einzugehen.
Excerpt (computer-generated)
Aschenputtel
von den Brüdern Grimm
Entstehungsgeschichte und Analyse
von
Julia Geiser
Inhaltsverzeichnis:
1. Aschenputtel- der Publikumsliebling unter den Märchen der Brüder Grimm: Seite 3
2. Entstehungsgeschichte: Seite 4
2.1. Herkunft und Verbreitung: Seite 4
2.1.1. Vorläufer des Aschenputtel-Motivs: Seite 4
2.1.2. Der Aschenputtel-Zyklus: Seite 5
2.2. Quellen der Brüder Grimm: Seite 9
2.3. Veränderungen durch die Brüder Grimm: Seite 11
3. Analyse des Märchens Aschenputtel: Seite 14
3.1. Inhaltsanalyse: Seite 14
3.2. Personenanalyse: Seite 15
3.3. Interpretation: Seite 16
4. Vergleich der Grimmschen Fassung mit Perrault und Basile: Seite 19
5. Aktualität von Märchen: Seite 22
6. Literaturverzeichnis: Seite 24
1. Aschenputtel - der Publikumsliebling unter den Märchen der Brüder Grimm:
Die Märchensammlung von Jacob und Wilhelm Grimm zählt zu den größten Sammlungen von Märchen auf der ganzen Welt und erfreut sich gerade hier in Deutschland großer Beliebtheit bei Jung und Alt! Die Brüder wollten so unverfälscht wie nur möglich bewahren, was gerade in den Jahren um 1800 als lebendig fortwirkende volkstümliche Erzähltradition verloren zu gehen schien. Die Sammlung wurde von den Brüdern stetig erweitert, bis die Anzahl der Kinder- und Hausmärchen in der siebten Ausgabe, welche zugleich auch die Ausgabe letzter Hand war, die zweihunderter Grenze überstieg.
Es gibt kaum einen Menschen auf der Welt, der nicht im Laufe seines Lebens, mit Märchen in Kontakt kommt. Ob in illustrierter Form im Bilderbuch, als Gute-Nacht- Geschichte oder auch in Form anderer Medien, wie Film oder Kassette. Und gerade bei Kindern nehmen Märchen einen großen Stellenwert an. Sie beflügeln die Phantasie, unterhalten und belehren gleichzeitig. Die Brüder Grimm verfolgten genau dieses Ziel mit ihrer Sammlung. Sie wollten, dass das Märchenbuch ein Volks- und Erziehungsbuch wird und es sollte helfen, die nationale Identität zu stärken.
Aus der Fülle der gesammelten Märchen haben sich im Laufe der Jahre einige Märchen besonders heraus kristallisiert, da sie sich über die größte Beliebtheit beim Volk freuen konnten. Zu den bekanntesten Märchen der Brüder Grimm zählen unter anderem das Märchen von Dornröschen, Schneewittchen, Rapunzel, sowie das Märchen vom Aschenputtel und vielen, vielen mehr. Das Märchen Aschenputtel jedoch gewann mit am schnellsten die Herzen der Zuhörer. Schon in den Anmerkungen von 1822 schrieben die Brüder Grimm über dieses Märchen: „Dies Märchen gehört zu den bekanntesten und wird aller Enden erzählt.“1 Die Geschichte vom armen Aschenputtel, dass vor dem Ofen in der Asche schlafen muss und tagtäglich von ihrer bösen Stiefmutter und ihren Stiefschwestern herumgeschubst wird, bis sie von einem Prinzen gerettet wird, ist allseits bekannt.
Im Folgenden soll nun das Märchen Aschenputtel genauer analysiert werden und auf die Fragen nach der Herkunft, dem formalen Aufbau, sowie der Bedeutung des Märchens näher eingegangen werden.
2. Entstehungsgeschichte:
2.1. Herkunft und Verbreitung:
2.1.1. Vorläufer des Aschenputtel-Motivs:
Schon in der Bibel findet man eine schriftliche Fassung des Aschenputtel-Motivs. In I Sam 16, 4-13 wird erzählt, wie der Prophet Samuel in Bethlehem ein Opfermahl abhält, zu dem er auch Isai und seine Söhne einlädt, um einen von ihnen auf Weisung Gottes zum König zu salben. Alle sieben Söhne erscheinen nacheinander und alle haben ein stattliches Aussehen, so dass schon Samuel selbst denkt, einer von diesen sei gewiss der Messias. Jedoch ermahnt der Herr ihn, nicht nur auf das Äußere zu schauen. Der jüngste Sohn aber, der gerade die Schafe hütete, fehlte noch. Doch als dieser in seiner Hirtenkleidung eintraf, sprach der Herr: „Auf! Salbe ihn, er ist es!“2
Im Mittelalter stoßen wir dann auf eine weitere Spur des Aschenputtel-Themas. Der Straßburger Prediger Geiler von Kaisersberg wendete in seinen Ansprachen wiederholt das Eschengrüdel als Beispiel der Demut und Geduld an. Auch zitierte er einst eine Legende aus dem fünften Jahrhundert, die schon wesentliche Elemente des Aschenputtelmärchens enthielt: In einem Wüstenkloster dient ein Eschengrüdel in der Küche. Aber die Nonnen spielen ihm übel mit und machen ihm sein Leben schwer. Ein heiliger Mann wird von einem Engel in dieses Kloster verwiesen, da er dort ein Beispiel von Vollkommenheit vorfinden würde. Alle Jungfrauen werden ihm gezeigt, doch das Mädchen, welche ihm im Traum erschienen ist, ist nicht dabei. Als auf die Nachfrage des weisen Mannes dann auch das Eschengrüdel aus der Küche geholt wird, erkennt er ihre Vollkommenheit und die Nonnen fallen zu ihren Knien.
Auch Martin Luther kannte die Legende des armen Aschenputtel. So erzählte er in der Auslegung des Magnificat von 1521 eine Legende von drei Jungfrauen, die vom Christkinde verschieden behandelt wurden: „Aber die dritte, das arme Aschenprödlin, das nichts hat denn eitel mangel und ungemach... das ist die rechte braut.“3
[....]
1 Kinder- und Hausmärchen gesammelt durch die Brüder Grimm. Vollständige Ausgabe auf der Grundlage der dritten Auflage. Hrsg. von Heinz Rölleke. Frankfurt a.M. und Leipzig 2004, S.897. (Im Folgenden abgekürzt als: Rölleke (2004)).
2 I Sam 16, V.13.
3 Luther Deutsch. Die Werke Luthers in Auswahl, 5.Bd. Hrsg. von K. Aland. Göttingen 1991, S. 288-289.
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