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Termpaper, 2005, 22 Pages
Author: Nadja Nemichi
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions
Details
Institution/College: University of Tubingen (Institut für Soziologie )
Tags: Vergleich, Differenzierungskonzeptionen, Niklas, Luhmann, Pierre, Bourdieu, Systeme), Seminar, Soziologische, Theorie, Pierre, Bourdieu
Year: 2005
Pages: 22
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-54934-9
File size: 167 KB
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Excerpt (computer-generated)
Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Institut für Soziologie
Seminar: Soziologische Theorie II – Pierre Bourdieu
Ein Vergleich der Differenzierungskonzeptionen von
Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu - (Felder vs Systeme)
von: Nadja Nemichi
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 3
2. Niklas Luhmann S. 4
3. Pierre Bourdieu S. 8
4. Bourdieu-Luhmann-Ein Vergleich S. 14
Literatur S. 21
Einleitung
Die differenzierungstheoretische Perspektive gilt als ein Hauptstrang der soziologischen Gesellschaftstheorie. Der Begriff der Differenzierung findet bereits bei den Klassikern des letzten Jahrhunderts Anwendung und ist auch in den aktuellsten gesellschaftstheoretischen Diskussionen von zentraler Bedeutung (vgl. Schimank 1996, 8). Der Differenzierungsbegriff fand bzw. findet nicht nur in der Soziologie Anwendung, es handelt sich bei ihm also um eine theorien- und schulenübergreifende Kategorie, die zumeist auf sehr unterschiedliche Weise ausgearbeitet und klassifiziert wurde (vgl. Kneer 2004, 25). Einen wichtigen Beitrag zur differenzierungstheoretischen Diskussion leisteten die beiden Soziologen Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu, die hier in dieser Hausarbeit miteinander verglichen werden sollen, und zwar in Hinsicht auf deren Anwendung des Differenzierungsbegriffs in ihren Theorien. In den Differenzierungskonzeptionen der beiden Theoretiker finden wir eine sorgfältige Begriffsbestimmung vor, weshalb sie für uns auch von so großer Bedeutung sind (vgl. Kneer 2004, 27). Sowohl Luhmann als auch Bourdieu nehmen Bezug auf andere Theorien und übernehmen Begrifflichkeiten, die sie umwandeln und in ihr eigenes Theoriegebäude einbauen. So nimmt Luhmann sehr stark Bezug auf Parsons und übernimmt auch viele von dessen Ansichten (dazu später mehr). Bourdieu hingegen orientiert sich an Begriffen von Weber, Marx oder Durkheim (dazu später mehr). In der Theorie sozialer Systeme nimmt die differenzierungstheoretische Perspektive eine zentrale Rolle ein. Luhmann differenziert die moderne Gesellschaft in unterschiedliche Funktionssysteme aus, die sich jeweils auf eine gesellschaftliche Aufgabe spezialisieren (vgl. Hohm 2000, 43).
Mit der Theorie sozialer Felder entwirft Bourdieu das Bild einer Gesellschaft, die sich in Felder ausdifferenziert. Diese Felder sind dabei Orte fortwährender Kämpfe um die zu verteilenden Kapitalressourcen (vgl. Schwingel 1995, 102). Beim Vergleich der beiden Differenzierungstheorien werde ich mich hauptsächlich auf den Text von Georg Kneer, „Differenzierung bei Luhmann und Bourdieu. Ein Theorienvergleich“, beziehen. Kneer verortet zunächst die beiden Soziologen in der differenzierungstheoretischen Tradition und geht dann ausführlich auf die system- bzw. feldtheoretische Klassifikation ein (vgl. Nassehi/ Nollmann 2004, 18f.). Kneer geht hier v.a. auf die Vergleichbarkeit, auf die Verselbständigung bzw. Autonomisierung und auf die Grenzbildung von Teilsystemen bzw. Feldern ein. Bevor ich auf diesen Vergleich eingehe, werde ich zunächst einen groben Abriss der Theoriekonzeptionen von Luhmann und Bourdieu geben und einige ihrer zentralsten Grundbegriffe in diesem Zusammenhang erläutern.
Niklas Luhmann
Talcott Parsons und Niklas Luhmann gelten als die Hauptvertreter der soziologischen Systemtheorie. Im Gegensatz zum handlungstheoretischen Ansatz, wie er von Parsons vertreten wurde (vgl. Morel 2001, 148), handelt es sich bei Luhmanns Systemtheorie um eine Theorie sozialer Systeme (vgl. Rudolf Stichweh 2003, 209). Mit seinem Theorieentwurf erhebt Luhmann Universalitätsanspruch, d.h. es geht ihm darum eine Theorie zu formulieren, die möglichst umfassend anwendbar ist, also die den „gesamten Gegenstandsbereich der Soziologie mit einer systemtheoretischen Begrifflichkeit zu beschreiben versucht“ (vgl. Kneer/ Nassehi 1993, 33). Demzufolge gibt es für ihn „nichts Soziales, was sich nicht auf soziale Systeme zurückführen lassen könnte“ (vgl. Hohm 2000, 17). Außerdem handelt es sich bei den sozialen Systemen nicht um ein theoretisches Konstrukt, sondern um real existierende Systeme, die es in Wirklichkeit gibt und deren Funktionsweise rekonstruiert wird (vgl. Morel 2001, 220). Im Anschluss an Überlegungen der Allgemeinen Systemtheorie konstatiert Luhmann drei Phasen, die die Entwicklung des Denkens in Systemen bestimmt( vgl. Kneer/ Nassehi 1993, S.47). Er spricht dabei von einem Paradigmenwechsel, d.h. von einem „Wechsel von zugrundegelegten Leitdifferenzen“( vgl. Krause 1996, S.140). Die erste Phase war durch die Leitdifferenz von Teil und Ganzem charakterisiert. Demgemäß ging man vom Konzept des Systems als Ganzheit, das aus mehreren Teilen besteht, aus, wobei das Ganze mehr als sei als die Summe seiner Teile( vgl. Kneer/ Nassehi 1993, S.47). In der zweiten Phase trat die Leitdifferenz von System und Umwelt in den Vordergrund. Systeme werden hier als offene Gebilde konzipiert, die in einem ständigen Austauschprozess mit ihrer Umwelt verflochten sind( vgl. Krause 1996, S.140). V.a. Parsons hat sich auf dieses Paradigma bezogen und sich dabei insbesondere für die Input- und Outputbeziehungen, die zwischen Systemen und ihren jeweiligen Umwelten existieren, interessiert( vgl. Kneer/ Nassehi 1993, S.47). Auch Luhmann orientierte sich zu Beginn seiner Theorieentwicklung an diesem zweiten Paradigma. Diese Theorie offener Systeme wird jedoch mehr und mehr durch eine Theorie autopoietischer und sebstreferentieller Systeme ersetz. Anstöße hierzu kamen v.a. aus Erkenntnissen der Biologie, wie sie z.B. von den chilenischen Neurophysiologen Francisco J. Varela und Humberto R. Maturana gemacht wurden. Unter autopoietischen Systemen versteht man Systeme, die die Fähigkeit besitzen, sich selbst zu erzeugen( vgl. Morel 2001, S.219). Luhmann integriert dieses Konzept in seine Theorie sozialer Systeme, indem er soziale Systeme als selbstreferentiell- geschlossene, autopoietische Systeme definiert( vgl. Kneer/ Nassehi 1993, S.57). Ein autopoietisches System ist auf Produktion und Reproduktion ausgelegt, d.h. es produziert und reproduziert die Elemente aus denen es besteht aus einem Netzwerk eben dieser Elemente selbst. Auch bei der Konstitution ihrer Operationen und ihrer Struktur beziehen sich autopoietische Systeme auf sich selbst. Demnach kann man sie als selbstreferentielle Systeme bezeichnen( vgl. Morel 2001, S.219/ 220).
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