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Schreibkompetenz Deutsch - Eine empirische Untersuchung bei türkischstämmigen Duisburger Grundschülern

Examination Thesis, 2006, 191 Pages
Author: Sarah Jordan
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2006
Pages: 191
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 97  Entries
Language: German
Archive No.: V61489
ISBN (E-book): 978-3-638-54937-0
ISBN (Book): 978-3-638-73003-7
File size: 1562 KB
Notes :
In dieser Arbeit werden deutsche Texte bilingualer (türkisch-deutscher) Grundschüler der dritten Klasse untersucht und mit Texten monolingual deutscher Schüler verglichen. Die Arbeit ist insofern einzigartig, als dass es zum Bereich "Zweisprachigkeit und Schreibkompetenz in der Grundschule" kaum neuere empirische Forschung gibt, wobei diese Arbeit zeigt, dass Schreibprobleme bereits in der Grundschulzeit beginnen.


Abstract

In Deutschland leben derzeit etwa 7,3 Millionen Ausländer, darunter über 1,7 Millionen türkischstämmige Menschen. Über 411 000 Schüler mit türkischem Hintergrund besuchen allgemein bildende deutsche Schulen. In Nordrhein-Westfalen beträgt der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den Schulen rund ein Drittel und wird Prognosen zufolge insbesondere in städtischen Kerngebieten in den nächsten 10 bis 15 Jahren auf 50 Prozent und mehr ansteigen. Wie deutsche Kinder werden auch Kinder mit Migrationshintergrund in der Schule vor die Herausforderung gestellt, sich in der deutschen Sprache mündlich und schriftlich adäquat auszudrücken, da dies zur erfolgreichen Teilnahme am Unterricht unerlässlich ist. Die genannten Zahlen über den Anteil an Migranten in deutschen Schulen und die Tatsachen, dass überdurchschnittlich viele Schüler mit Migrationshintergrund die Schule ohne einen Abschluss verlassen und viele andere nur niedrige Abschlüsse erreichen, zeigen, wie dringend notwendig es ist, die deutsche Sprache bei Kindern mit Migrationshintergrund zu fördern. Das Erlernen der deutschen Sprache und Schrift ist nämlich nicht nur ein wichtiger Faktor zur gesellschaftlichen Integration, sondern ebenso der Schlüssel zur Bildung, denn es ist unbestreitbar, dass Bildungschancen zwingend an die Beherrschung der Sprache – und besonders der Schriftsprache – gekoppelt sind. Doch wie gut sind die Deutschkenntnisse von Migrantenkindern? Diese Arbeit erhebt die Schreibkompetenz von Primarstufenschülern mit Migrationshintergrund am Beispiel von türkischstämmigen Schülern, da diese in deutschen Klassen mit circa 17 Prozent im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl einen enormen Anteil stellen. Es wird eine Analyse und Einschätzung der derzeitigen Schreibkompetenz zweier türkischer Gruppen in der deutschen Sprache vorgenommen. Zudem werden die Texte der türkischen Kinder mit Texten von deutschen Kindern verglichen, wodurch mögliche Ursachen für Fehler abgeleitet werden.


Excerpt (computer-generated)

Bergische Universität
Fachbereich A (Germanistik)

Schreibkompetenz Deutsch –
Eine empirische Untersuchung bei türkischstämmigen Duisburger Grundschülern

Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt für die Primarstufe

Staatliches Prüfungsamt für Erste Staatsprüfungen
für Lehrämter an Schulen, Essen

vorgelegt von: Sarah Jordan
vorgelegt im: Mai 2006

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 1

1 Sprache und Schrift bei Bilingualität ... 5
1.1 Aspekte der Sprachlichkeit ... 5
1.1.1 Muttersprache – Erstsprache ... 5
1.1.2 Zweitsprache ... 6
1.1.3 Bilingualität ... 7
1.2 Aspekte der Schriftlichkeit ... 8
1.2.1 Prozesse beim Erwerb des Schreibens ... 9
1.2.2 Bedingungen des Schreiberwerbs bei Bilingualität ... 11
1.2.3 Ursachen für Probleme und Fehler des Schreiberwerbs unter Bedingung von Bilingualität ... 13

2 Sprachstandsdiagnostik ... 17
2.1 Stand der Forschung ... 18
2.2 Indikatoren zur Auswertung von Sprachstandserhebungen ... 22
2.3 Indikatoren dieser Untersuchung ... 25
2.3.1 Wortschatz ... 27
2.3.2 Nomen ... 29
2.3.3 Verben ... 34
2.3.4 Syntax ... 38
2.4 Fazit ... 40

3 Analyse des Umfelds und der sprachlichen Voraussetzungen der Untersuchungsgruppe ... 41
3.1 Zur Auswahl der Grundschulen ... 41
3.2 Einverständnis der Eltern ... 43
3.3 Beschreibung der Test- und Vergleichsgruppen ... 43
3.4 Analyse der sprachlichen Voraussetzungen der Testgruppe ... 44
3.5 Ableitung möglicher Ursachen für Fehler und Probleme beim Schreiben ... 45

4 Testkonzeption ... 46
4.1 Testmaterial ... 46
4.2 Lernvoraussetzungen der Testklassen ... 46
4.3 Konzeptionelle und didaktische Konsequenzen ... 48

5 Auswertung ... 49
5.1 Wortschatz ... 49
5.1.1 Wortschatzgröße ... 50
5.1.2 Wortschatzqualität ... 55
5.1.3 Fazit ... 58
5.2 Nomen ... 59
5.2.1 Genusselektion ... 59
5.2.2 Nominalflexion ... 62
5.2.3 Fazit ... 70
5.3 Verben ... 72
5.3.1 Verbflexion ... 72
5.3.2 Verbarten ... 75
5.3.3 Fazit ... 81
5.4 Syntax ... 82
5.4.1 Satzformen ... 83
5.4.2 VE-, VL-Sätze und fehlerhafte Syntax ... 85
5.4.3 Fazit ... 90

6 Schlussfazit ... 90

7 Literaturverzeichnis ... 95

Anhang
I Tabellen zu Kapitel ... 105
II Testmaterial ... 129
III Transkripte ... 144
IV Einverständniserklärung ... 170
V Fragebogen... 173

 

Einleitung

Etwa 7,3 Millionen Ausländer leben in Deutschland,1 darunter über 1,7 Millionen türkischstämmige Menschen. Über 411 000 Schüler/innen2 mit türkischem Hintergrund besuchen allgemein bildende deutsche Schulen3 und in Nordrhein- Westfalen beträgt der Anteil von Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den Schulen derzeit rund ein Drittel, wobei dieser Wert Prognosen zufolge insbesondere in städtischen Kerngebieten in den nächsten 10 bis 15 Jahren weiter auf 50 Prozent und mehr ansteigen soll.4

Wie deutsche Kinder werden auch Kinder mit Migrationshintergrund in der Schule vor die Herausforderung gestellt, sich in der deutschen Sprache mündlich und schriftlich adäquat auszudrücken, da dies zur erfolgreichen Teilnahme am Deutsch- und Fachunterricht notwendig ist. Die genannten Zahlen über den Migrantenanteil in deutschen Schulen und die Tatsache, dass Schüler mit Migrationshintergrund die Schule im Gegensatz zu deutschen Schülern überdurchschnittlich häufig ohne einen Abschluss verlassen – zurzeit geht jeder vierte ausländische Schüler ohne Abschluss von der Schule ab –5 zeigen, wie dringend notwendig es ist, die deutsche Sprache bei Kindern mit Migrationshintergrund zu fördern. Das Erlernen der deutschen Sprache und Schrift ist nämlich nicht nur ein wichtiger Faktor zur Integration, sondern ebenso der Schlüssel zur Bildung, denn es ist unbestreitbar, dass Bildungschancen zwingend an die Beherrschung der Sprache – und besonders der Schriftsprache – gekoppelt sind. Auch im Lehrplan Deutsch für die Primarstufe wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, ausreichend schriftliche Kompetenzen zu erwerben, denn „[d]ie schriftsprachlichen Fähigkeiten […] bilden die Grundlage für jedes weitere Lernen in der Grundschule und darüber hinaus.“6

Doch wie gut sind die Deutschkenntnisse von Migrantenkindern? Um dies herauszufinden, werden an vielen Schulen in NRW seit einigen Jahren in den Monaten vor der Einschulung Tests zur Einschätzung des Sprachstands durchgeführt.7 Sofern nur mangelnde Deutschkenntnisse festgestellt werden, sollen die Kinder noch vor der Einschulung Sprachfördermaßnahmen erhalten. Eine solche Überprüfung des Sprachstands erfolgt bisher nur vor dem ersten Schuljahr und naheliegenderweise mündlich. Diese einmalige Messung, die dazu dient, die ausreichende Sprachfähigkeit zur Einschulung in eine Regelklasse zu überprüfen, ist ein erster wichtiger Schritt. Bislang bleibt es jedoch auch bei dieser einzigen vorschulischen Überprüfung, Messungen des Sprachkompetenzstands und der -entwicklung innerhalb der Grundschulzeit, an der Schnittschnelle zur Sekundarstufe und darüber hinaus werden nicht durchgeführt. Die Sprachentwicklung bei Migrantenkindern sollte jedoch kontinuierlich durch die gesamte Schulzeit hindurch erfasst werden, da nur so Schwachstellen frühzeitig erkannt und dann möglichst durch Förderung behoben werden können. Sprachstandsmessungen innerhalb der Schulzeit sollten mündlich und schriftlich erfolgen, da beide Komponenten zwingend notwendig für eine erfolgreiche soziale, schulische und spätere berufliche Entwicklung des Kindes sind.

Schreiben lernen beginnt in der Primarstufe. Die Schreibkompetenz von Primarstufenschülern mit Migrationshintergrund wurde jedoch in Deutschland bisher kaum empirisch erforscht, derzeit liegen lediglich eine neuere deutsche Studie und eine Studie aus Österreich vor.8 Studien, die den Bereich der Schriftlichkeit untersuchen, wurden bisher fast nur in der Sekundarstufe durchgeführt (vgl. z.B. Knapp 1997, Coenen/Vallen 1991, Uiterwijk 1994). Ich halte die Messung der Schreibkompetenz bereits in der Primarstufe für wichtig, da in dieser Zeit Grundlagen für eine spätere sichere Beherrschung der Schriftsprache gelegt werden, aber auch (nicht nur bei Migrantenkindern) Schwierigkeiten aufkommen können, die sich bei rechtzeitiger Identifizierung und durch darauf abgestimmte Förderung beheben lassen.

Aus diesem Grund möchte ich mit dieser Arbeit einen Beitrag zur empirischen Erforschung der Schreibkompetenz von Schülern mit Migrationshintergrund in der Primarstufe leisten. Dabei gilt mein Untersuchungsinteresse türkischstämmigen Schülern, da diese in deutschen Klassen einen enormen Anteil stellen: Bezogen auf die Gesamtzahl von 2.333 400 Schülern9 an deutschen allgemein bildenden Schulen haben ca. 17% aller Schüler einen türkischen Hintergrund10 und der Anteil türkischstämmiger Schüler gemessen an allen Schülern mit Migrationshintergrund beträgt 43,4%.11

Ich hatte die Gelegenheit, an zwei Duisburger Grundschulen Tests bei türkischen und deutschen Kindern durchzuführen. Für die Bereitschaft zur Beteiligung an der Untersuchung und die Unterstützung bei der Durchführung möchte ich mich an dieser Stelle bedanken.

Ziel dieser Arbeit ist die Analyse und Einschätzung der derzeitigen Schreibkompetenz zweier türkischer Gruppen in der deutschen Sprache. Die Gruppen bestehen aus Drittklässlern, die sich hinsichtlich des Lernumfelds sowie bezüglich sozialer und sprachlicher Umweltbedingungen unterscheiden. Somit ergibt sich als weiteres Ziel die Klärung der Frage, inwieweit diese Faktoren Einfluss auf die Schreibkompetenz nehmen.

Die Texte der türkischen Kinder sollen mit Texten von zwei deutschen Gruppen verglichen werden, die wiederum verschiedene Lern- und Umgebungsbedingungen aufweisen. Durch die Auswertung der Texte der türkischen Kinder und einen Vergleich mit den Texten der deutschen Kinder soll versucht werden, mögliche Ursachen für Fehler aus den verschiedenen Bedingungen abzuleiten.

Da in der vorliegenden Untersuchung die Leistungen mehrerer Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt analysiert werden, handelt es sich um eine Querschnittstudie. Bei dieser Studienform kann der Leistungsstand beschrieben und beurteilt werden, es können aber keine direkten Aussagen zur Entwicklung bzw. Erwerbsabfolge von Kompetenzen getroffen werden.12

Im ersten Teil dieser Arbeit (vgl. Kapitel 1,2) soll zunächst ein theoretischer Rahmen aus wichtigen Begriffen, Diskussionszusammenhängen und linguistischen Grundlagen entwickelt werden. Dabei soll Kapitel 1 einen Einblick in die in Deutschland vorherrschende Form von Zweisprachigkeit vermitteln. Kapitel 2 stellt den Übergang zum empirischen Teil dar, da die Entstehung der Sprachdiagnostik und der heutige Forschungstand beschrieben und die Auswertungsschwerpunkte dieser Arbeit erläutert werden. Mit Kapitel 3 beginnt der empirische Teil. In diesem Kapitel wird die Untersuchungsgruppe beschrieben, weiterhin werden die sprachlichen Voraussetzungen der Untersuchungsgruppe analysiert und darauf basierend Ursachenhypothesen für Fehler und Probleme beim Schreiben abgeleitet. Kapitel 4 bezieht sich auf die Konzeption des Tests – die Lernvoraussetzungen der Untersuchungsgruppe werden dargestellt und es wird gezeigt, welche Konsequenzen für die Testkonzeption resultieren. In Kapitel 5 wird das Thema Sprachstandsdiagnostik durch die Auswertung einer eigenen Erhebung empirisch aufgegriffen.

[...]


1 Stand 31.12.2003. Vgl. Bundesministerium des Inneren, verfügbar unter http://www.zuwanderungsgesetz.de

2 Im Weiteren werden aus Gründen der Lesbarkeit alle Schülerinnen und Schüler in die maskuline Schreibweise einbezogen. Begriffe wie Lehrer/innen werden auf dieselbe Art zusammengefasst.

3 Im Schuljahr 2004/05. Vgl. Statistisches Bundesamt, verfügbar unter http://www.destatis.de.

4 Vgl. Bildungsportal NRW, verfügbar unter http://www.bildungsportal.nrw.de

5 Im Schuljahr 2002/2003. Zum Vergleich: Bei den deutschen Schülern waren es neun Prozent.Vgl. DIE WELT.de, Ausgabe vom 27.02.2006.

6 Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Lehrplan Deutsch 2003:29

7 Vgl. zum Beispiel den Cito-Test, der seit 2003 verpflichtend an allen Duisburger Grundschulen durchgeführt wird.

8 Deutsche Studie: Vgl. die Hamburger Erhebung zum Sprachstand und zur Sprachentwicklung türkisch-deutscher Schreibanfänger (2001).Studie in Österreich: vgl. Peltzer-Karpf u.a. 2001, 2002

9 Im Schuljahr 2004/2005. Statistische Ämter des Bundes und der Länder, verfügbar unter http://www.statistik-portal.de.

10 Im Schuljahr 2004/2005. Statistisches Bundesamt, verfügbar unter http://www.destatis.de.

11 Im Schuljahr 2004/2005. Statistisches Bundesamt, verfügbar unter http://www.destatis.de.

12 Dies wäre im Rahmen einer Longitudinalstudie möglich, in der mehrere Testpersonen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden und somit die Sprachentwicklung erforscht werden kann.


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