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Autor: Sina Schmidt
Fach: Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Philosophie)
Tags: Situationsbegriff, Hans, Lipps, Seminar, Begriffsgeschichte
Jahr: 2006
Seiten: 17
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 241 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-54987-5
ISBN (Buch): 978-3-638-79278-3
Zusammenfassung / Abstract
Was ist Sprache? Wie funktionieren Begriffe? Wie werden sie gebildet und welche Funktion wohnt ihnen inne? Der relativ unbekannte Sprachphilosoph Hans Lipps nähert sich diesen Fragen auf phänomenologische Weise in der Tradition Husserls und versucht zu zeigen, wie uns die Sprache Erkenntnis und daraus resultierende Sicherheit in der Welt ermöglicht.
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität Dresden
Philosophische Fakultät – Institut für Philosophie
TPS „Einführung in die Begriffsgeschichte“
Zum Situationsbegriff bei Hans Lipps
von: Sina Schmidt
Gliederung
1. Einleitung 1
2. Hans Lipps geistige Basis 1
3. Das Wort 4
4. Konzeptionen 6
5. Der Begriff 8
6. Situation und Wirklichkeit 10
7. Zusammenfassung 12
8. Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
Den am 22. 11. 1889 im sächsischen Pirna geborenen Hans Lipps mitsamt seiner Werke kennt heute wohl kaum noch jemand. Er scheint vollkommen in Vergessenheit geraten zu sein und das, obwohl er eine notwendige Weiterentwicklung der „klassischen“ Existenzphilosophie1 auslöste. Sein (?)uvre wurde nennenswert im Grunde nur von Otto Friedrich Bollnow in verschiedenen Aufsätzen und von Joachim Hahn aufgearbeitet. Seine bekanntesten Werke sind unumstritten „Untersuchungen zur Phänomenologie der Erkenntnis“ und „Untersuchungen zu einer hermeneutischen Logik“ von 1938, auf welches sich im Folgenden größtenteils bezogen werden wird.
Untersucht wird hier unter einem logisch-sprachphilosophischen Blick, der Anteil des Logischen in der menschlichen Rede und man versucht diesen sichtbar zu machen. Lipps geht hierbei von den existentialistischen Grundlagen seiner Vorgänger aus und übernimmt auch direkt diverse Anschauungen dieser, um so dem Existentialismus neue Wege zu eröffnen, was fast soweit führt, sich in seiner Auffassung von Wirklichkeit Simone de Beauvoir anzunähern: „Solche Macht hatte sie [Françoise]: ihre Gegenwart riß die Dinge aus ihrem Nichtsein heraus, gab ihnen Farbe und Duft.“2
Lipps beschreibt in seinem Werk, dass der ins Dasein geworfene Mensch die Welt begreifen muss, um in ihr wahrhaft existieren zu können. Begreifen meint hier ein in-Sprache-fassen der Dinge, die einen umgeben. Man greift nach Worten aus bestimmten Situationen und in bestimmten Lagen, um ein Stück Wirklichkeit zu fassen. Wie sieht seine Wirklichkeit aus? Was sind Situationen, was dagegen Lagen? Diese Fragen sollen unter Betrachtung Lipps „Untersuchungen zu einer hermeneutischen Logik“ eine Klärung finden.
2. Hans Lipps geistige Basis
Um Lipps besser nachvollziehen zu können, lohnt es, sich kurz mit seinem Leben, das ihn tief prägte, auseinander zusetzen. Geboren wurde er im sächsischen Pirna und besuchte später in Dresden die Schule. Nach seinem Schulbesuch entschied er sich hier für ein Studium der Architektur, was er jedoch bald gegen ein Medizinstudium eintauschte. Später folgte noch Philosophiestudium in Göttingen. Mit der Arbeit „Über Strukturveränderungen von Pflanzen in geändertem Medium“ erhielt er einen Dr. phil. und 1919 promovierte er in Göttingen mit einer pharmakologischer Arbeit zum Dr. med. und folgte schließlich einem Ruf der Universität nach Frankfurt am Main. Sein Philosophiestudium 1911-1914 absolvierte er in Göttingen bei Husserl und Reinach, die ihn nachhaltig beeinflussten und 1921, bei seiner Habilitation, lernte er den Mathematiker R. Courant kennen, wodurch er Kontakt zur Dilthey-Schule erhielt3.
Lipps lebte zwischen beiden Weltkriegen, erlebte diese mit und fiel am 10. 09. 1941 als Regimentsarzt in Russland. In der Kunst bildete sich zeitgleich die Avantgarde4 aus, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, gegen ein gesellschaftlich erstarrtes wilhelminischen Deutschland „der Väter“ zu protestieren und ein „neues Menschenbild“ für die schnelllebige Welt der Stadt zu kreieren. Das pulsive Leben jener Zeit, welches seine Zäsur vor allem im ersten Weltkrieg fand, bildete ganz eigene sprachliche Besonderheiten heraus, die sich auch bei Lipps finden lassen. So verwendet er einen ausgesprochenen „Sekundenstil“. Er setzt logisch nicht zwingend voneinander abhängige kurze Hauptsätze nebeneinander, was dem parataktischen Simultanstil seiner Zeit ähnelt, aber das Verständnis seiner Texte auf den ersten Blick nicht unbedingt erleichtert5.
Im Sinne Kierkegaards, der sich, neben Nietzsche, ja als den Grundsteinleger des Existentialismus bezeichnen lässt, geht Lipps davon aus, dass es für den Menschen, der ja immer in fortlaufender Zeit und an einem bestimmten Raum gebunden lebt, keine kontinuierliche Wahrheit, ja Wirklichkeit gibt. Kierkegaard verstand den Menschen als „Synthese von Unendlichkeit und Endlichkeit, von Zeitlichem und Ewigem [...]“6, der im Einklang mit dem Göttlichen zu sich selbst findet. Nietzsche hingegen rief den „Tod Gottes“7 aus, an dessen Stelle um die Jahrhundertwende nun das selbstbestimmte Subjekt, welches autonom „selbstwerden“ müsse oder bei Kierkegaard „selbst sein [will]“8, tritt. Das Individuum, das einfach nackt und stets allein ins Dasein geworfen9 wird und sich einzig selbst helfen kann.
Lipps übernimmt ebenfalls die Kritik am Versuch, sich ′Sicherheit′ zu schaffen. Nach den Erfahrungen des Krieges, die ihm als „als Geschehen ursprünglicher als der Frieden“10 erscheinen, eben weil er ein Zusammenbruch jeglicher geborgenheitgebender Ordnungssysteme bedeutet, kann er klar formulieren: „Es gibt keine Sicherheit“11 und somit sind alle Bemühungen des biederen Bürgertums nur Selbsttäuschung, die es aufzuheben gilt. Diese Ansicht erinnert an Kierkegaards Überlegungen zur „Verzweifelten Unwissenheit darüber, ein Selbst zu haben“12.
[...]
1 Vgl.: Schnellkurs Philosophie, S. 138-141.
2 Simone de Beauvoir, Sie kam und blieb, S. 7. 1
3 Vgl.: Otto Friedrich Bollnow, Hans Lipps, 2-4
4 Vgl.: Avantgarde und Moderne
5 Vgl.: Otto Friedrich Bollnow, Hans Lipps, S. 5.
6 Sören Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode, S. 13.
7 Vgl.: Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft, S. 127.
8 Vgl.: Sören Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode, S. 14.
9 Vgl.: Gunnar Skirbekk und Nils Gilje, Geschichte der Philosophie, S. 862.
10 Otto Friedrich Bollnow, Hans Lipps, S. 4.
11 Ebd. 2
12 Sören Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode, S. 41ff.
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