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Autor: Stefan Grzesikowski
Fach: Pädagogik - Allgem. Didaktik, Erziehungsziele
Details
Tags: Unterrichtsgestaltung, Offenheit, Geschlossenheit, Gründe, Unterricht, Betrachtung, Effektivität, Verbreitung, Ansätze, Einführung, Unterrichtsformen
Jahr: 2005
Seiten: 30
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 325 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-55684-2
ISBN (Buch): 978-3-638-68501-6
Ausführliche Arbeit zur Begründung 'Offenen Unterrichts'.
Zusammenfassung / Abstract
Das Schlagwort ist heute nicht mehr neu, doch es weckt noch immer Hoffnungen. Ziel dieser Arbeit soll es zuerst sein, das Schlagwort ‚Offener Unterricht’ als Begriff zu fassen, seine Wurzeln zu suchen, seine Entwicklung zu betrachten und seine heutige Bedeutung zu klären. In einem nächsten Schritt soll dann nach den Gründen für die Hoffnung, im Offenen Unterricht eine Alternative zu traditionellen Unterrichtsformen gefunden zu haben, gefragt werden. Dazu werden Begründungen für eine Öffnung des Unterrichts aus unterschiedlichen Disziplinen betrachtet und auch auf die Kritik an der geforderten Öffnung wird eingegangen werden. Da sich kritische Stimmen oftmals auf die scheinbar mangelnde Effektivität des Offenen Unterrichts berufen, soll mit Hilfe von empirischen Untersuchungen geklärt werden, ob dies bestätigt werden kann oder ob offene Unterrichtsformen vielleicht Vorteile gegenüber geschlosseneren Unterrichtsformen besitzen. Nachdem sich Ramseger schon Mitte der 1970er Jahre die Frage gestellt hat, ob man im Offenen Unterricht ein Patentrezept für guten Unterricht gefunden hat, ist nicht nur seine Qualität von Belang, sondern nach beinahe 30 Jahren auch die Verbreitung dieser Unterrichtsform. Konnte der Offene Unterricht einen Siegeszug durch die deutschen Klassenzimmer vornehmen und den Schulalltag revolutionieren oder blieb es bei der Theorie und in der Praxis wird unterrichtet wie eh und je? Auch hier wird nach Begründungen gesucht. Abschließend werden dann mit der Freiarbeit und dem Stationenlernen zwei Formen Offenen Unterrichts exemplarisch dargestellt und es wird versucht, mit ihnen zu zeigen, wie die Öffnung von Unterricht durchgeführt werden kann.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Potsdam, Institut für Pädagogik
Zwischenprüfungsarbeit im Teilstudiengang Erziehungswissenschaften
WS 2004/2005
Unterrichtsgestaltung zwischen Offenheit und
Geschlossenheit - Gründe für eine Öffnung von Unterricht,
eine Betrachtung seiner Effektivität, seiner Verbreitung und
Ansätze für eine Einführung offener Unterrichtsformen
von: Stefan Grzesikowski
1. Einleitende Bemerkungen 3
2. Versuch einer Definition 4
3. Gründe für eine Öffnung des Unterrichts 7
3.1. Lerntheoretische Begründungsansätze 7
3.2. Aus veränderten Anforderungen an die Schule abgeleitete Begründungen 8
3.3. Die Förderung von Lernkompetenz als Argument für die Öffnung 9
3.4. Kritik an der Forderung, Unterricht zu öffnen 12
4. Die Effektivität Offenen Unterrichts 14
5. Die Verbreitung Offenen Unterrichts 17
5.1. Empirische Studien zur Verbreitung Offenen Unterrichts 17
5.2. Mögliche Gründe für die geringe Verbreitung Offenen Unterrichts 19
6. Die Durchführung der Öffnung 21
6.1. Vorüberlegungen 21
6.2. Stufenkonzept zur Einführung von Freiarbeit 22
6.3. Stationenarbeit 24
7. Abschließende Bemerkungen 27
8. Literaturverzeichnis 29
1. Einleitende Bemerkungen
In dem im Juli 1977 geschriebenen Vorwort zu seinem Buch Offener Unterricht in der Erprobung beginnt Ramseger mit den folgenden Sätzen: „‚Offener Unterricht’ – ein neues Schlagwort erobert den Jahrmarkt der pädagogischen Hoffnungen. Offener Unterricht: die Antwort auf Leistungsdruck und Konkurrenzlernen, auf Schulstress und Schulversagen, auf Gleichgültigkeit, Langeweile und graue Unterrichtskasernen! Offener Unterricht: ‚Lösung für die Praxis’! Offener Unterricht: ein Allwaschmittel für die Praxis?“.1
Das Schlagwort ist heute nicht mehr neu, doch es weckt noch immer Hoffnungen. Ziel dieser Arbeit soll es zuerst sein, das Schlagwort ‚Offener Unterricht’ als Begriff zu fassen, seine Wurzeln zu suchen, seine Entwicklung zu betrachten und seine heutige Bedeutung zu klären. In einem nächsten Schritt soll dann nach den Gründen für die Hoffnung, im Offenen Unterricht eine Alternative zu traditionellen Unterrichtsformen gefunden zu haben, gefragt werden. Dazu werden Begründungen für eine Öffnung des Unterrichts aus unterschiedlichen Disziplinen betrachtet und auch auf die Kritik an der geforderten Öffnung wird eingegangen werden. Da sich kritische Stimmen oftmals auf die scheinbar mangelnde Effektivität des Offenen Unterrichts berufen, soll mit Hilfe von empirischen Untersuchungen geklärt werden, ob dies bestätigt werden kann oder ob offene Unterrichtsformen vielleicht Vorteile gegenüber geschlosseneren Unterrichtsformen besitzen. Nachdem sich Ramseger schon Mitte der 1970er Jahre die Frage gestellt hat, ob man im Offenen Unterricht ein Patentrezept für guten Unterricht gefunden hat, ist nicht nur seine Qualität von Belang, sondern nach beinahe 30 Jahren auch die Verbreitung dieser Unterrichtsform. Konnte der Offene Unterricht einen Siegeszug durch die deutschen Klassenzimmer vornehmen und den Schulalltag revolutionieren oder blieb es bei der Theorie und in der Praxis wird unterrichtet wie eh und je? Auch hier wird nach Begründungen gesucht. Abschließend werden dann mit der Freiarbeit und dem Stationenlernen zwei Formen Offenen Unterrichts exemplarisch dargestellt und es wird versucht, mit ihnen zu zeigen, wie die Öffnung von Unterricht durchgeführt werden kann.
2. Versuch einer Definition
Die Schwierigkeit einer konkreten Definition des Begriffes ‚Offener Unterricht’ wird anhand folgender Beschreibung des Terminus durch Gudjons deutlich: „Auf der Grundlage eines aktiven Lernbegriffes, der Anknüpfung an Offene Curricula, des Prinzips der Öffnung von Schule und Unterricht u.a.m. finden sich (vor allem in Grundschulen, zunehmend aber auch in der Sekundarstufe) folgende charakteristische Bausteine und Merkmale: eine anregende Lernumwelt in der Klasse mit Werkstattcharakter, freie und flexible Lernorganisation mit wenig Frontalphasen, kreative, selbsttätige Lernmethoden, akzeptierende Lernatmosphäre, Dokumentation von Lernergebnissen im Klassenraum, Tages- und Wochenplan (für eine transparente, selbsttätige und individuelle Arbeit), Freie Arbeit gemäß eigener Entscheidungen der Kinder, projektorientiertes Arbeiten, eine Fülle von Arbeitsmitteln, die Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit ermöglichen, der Stuhlkreis (zur Besprechung gemeinsamer Angelegenheiten) u.v.a.“2
Diese Beschreibung grenzt den Begriff schon ein, doch eine exakte Bestimmung des Offenen Unterrichts, eine klare Abgrenzung zu weiteren pädagogischen Konzepten leistet sie nicht. Dies ist auch nicht ohne weiteres möglich, wie Jürgens und auch andere Autoren immer wieder betonen. Seit Anfang der 1970er Jahre ist der Begriff in der Bundesrepublik gebräuchlich, doch auf Grund seiner Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte ist es bis heute nicht möglich, ihn einheitlich zu definieren. Seine Wurzeln kann man in den usamerikanischen Ansätzen der ‚open education’ und in der Rezeption des englischen Plowden- Reports von 1964, in dem allerdings von ‚informal education’ die Rede ist, sehen. Als historischer Vorläufer wird oftmals auch die Reformpädagogik genannt. Die Schwierigkeit einer Definition ergibt sich nun vor allem, weil hierzulande die ursprünglichen angloamerikanischen Ansätze in den Hintergrund getreten sind und der Begriff von unterschiedlichsten pädagogischen Konzepten und Theorien angereichert und überlagert wurde. Dazu gehört der Einfluss der Freinet-, Montessori- und der Petersen-Pädagogik, der Arbeitsschulbewegung, des Gesamtunterrichts und weiterer Ideen auf den Offenen Unterricht. Darüber hinaus veränderten Ansichten aus der antiautoritären Erziehung, der Gestaltpädagogik, der Kinderladenbewegung, der Tätigkeitstheorie der sowjetischen kulturhistorischen Schule, der humanistischen Psychologie in Verbindung mit dem Offenen Unterricht dessen Profil.3 Auf Grund der verschiedenen Ausgangslagen und den sich daraus ergebenen unterschiedlichen Auffassungen zum Offenen Unterricht ist eine klare, einheitliche Definition also nicht möglich. Jürgens versucht daher Gemeinsamkeiten in den theoretischen Positionen aufzuzeigen, um dann daraus übereinstimmende Merkmale Offenen Unterrichts zu bestimmen.4 Diese werden von Bohl aufgegriffen und erweitert, wodurch er zu den folgenden allgemeinen Merkmalen Offenen Unterrichts gelangt:5
[Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]
Bohl sieht in dieser Auflistung auch keine einheitliche Begriffsbestimmung, sondern lediglich eine, auf Grund der Vielfältigkeit des Offenen Unterrichts relativ weit umrissene Darstellung des Begriffs.6
Festgehalten werden kann daraus als erste Grundlage für diese Arbeit folgende Auffassung von Offenem Unterricht: Es handelt sich um einen Oberbegriff für Unterrichtskonzepte, bei denen Schüler zur Selbst- und Mitbestimmung in Bezug auf die Auswahl der Unterrichtsinhalte, der Arbeitsmittel, der Sozialformen und der Arbeitsmethoden angeregt werden. Der Begriff verfügt also über drei Ebenen: Zum einen die methodischorganisatorische Dimension, durch das Zulassen von Freiräumen in bezug auf die Art und Weise der Bearbeitung gestellter Aufgaben. Des Weiteren die didaktisch-inhaltliche Ebene, was bedeutet, unterschiedliche Lösungsvarianten anzuerkennen und zu fördern. Und drittens die pädagogisch-politische Dimension, welche meint, die Lernenden bei der Wahl von Inhalten und Rahmenbedingungen des Lernens mitentscheiden zu lassen. Dabei sollte auch das Lernziel nicht immer zwingend vorgegeben sein, sondern durchaus verhandelbar und für den Schüler selbst zu entdecken, wobei der Lehrende anleitend bei der Findung angemessener Ziele zur Seite stehen sollte. Denn es ist seine Aufgabe, gezielt die Selbstständigkeit der Schüler zu fördern, indem er sie bei dem Erwerb der Lernkompetenz/Handlungskompetenz unterstützt. Das zu großen Anteilen differenzierte und individualisierte Lernen erfolgt dazu problemorientiert und nah an der Lebenswelt der Schüler in selbstverantwortlichen Arbeitsformen, wie zum Beispiel Freiarbeit, Stationenarbeit, Wochenplanarbeit oder Projektarbeit. Bei der Wahl des Vorgehens sind die unterschiedlichen Lernwege der Schüler zu beachten, die der Lehrende kennen muss, um dem Schüler beratend zur Seite stehen zu können. Dafür muss außerdem die Metakognition der Schüler, also das Wissen um die eigenen Lernstrategien, gefördert werden, was durch die Reflexion der eigenen Arbeit möglich ist.7
3. Gründe für eine Öffnung des Unterrichts
3.1. Lerntheoretische Begründungsansätze
[...]
1 Ramseger 1992, S. 7.
2 Gudjons 2001, S. 249-250.
3 Vgl. Jürgens 2000, S. 41.
4 Vgl. Jürgens 2000, S. 41-42.
5 Bohl 2001, S. 2.
6 Vgl. Bohl 2001, S. 13-14.
7 Vgl. Gudjons in PÄDAGOGIK 12/2004, S. 7-8; Jürgens 2000, S. 24; Brügelmann: Öffnung des Unterrichts – Befunde und Probleme der empirischen Forschung. In: Steffens/Bargel 1999, S. 71; sowie Reiß/Eberle/Böhm: Offener Unterricht mit lernschwachen Schülerinnen und Schülern – Eine Einführung. In: Reiß/Eberle 1997, S. 11-13.
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