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Ausdruck von Frömmigkeit in der russischen Kultur - Religiöse Zeichen und ihre Legitimation

Termpaper, 2001, 27 Pages
Author: Katharina Friesen
Subject: Russian / Slavic Languages

Details

Category: Termpaper
Year: 2001
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V62578
ISBN (E-book): 978-3-638-55793-1
ISBN (Book): 978-3-638-67765-3
File size: 180 KB
Notes :
Die Arbeit könnte auch für diejenigen interessant sein, die sich für russische Kultur oder die christliche Orthodoxie interessieren.


Abstract

In dieser Arbeit soll nun versucht werden, das Wesen eines religiösen Zeichens überhaupt zu umreißen und die Geschichte religiöser Symbole in der russisch- orthodoxen Kirche im Zusammenhang mit der Geschichte der übrigen christlichen Konfessionen zu beleuchten. Im Verlauf der verschiedenen Kirchengeschichten gab es ähnliche Probleme und Konflikte um den wahrhaften Ausdruck des Glaubens. So hatte z.B. die protestantische Bewegung im 16. Jahrhundert ähnliche Schwierigkeiten mit der Legitimation ihrer religiösen Praxis wie die Anhänger des Staroobrjadčestvo im 17. und 18. Jahrhundert. Da die Legitimation des materiellen Ausdrucks einer Religion ein wesentliches Moment für ihr Bestehen ist, geht diese Arbeit vor allem auf das Problem der Legitimation von religiösen Zeichen und Riten in der Geschichte der russisch- orthodoxen Kirche, aber auch in den anderen christlichen Konfessionen, ein.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt Universität zu Berlin
Sommersemester 2001
Proseminar: Russkoe mona(?)estvo

Ausdruck von Frömmigkeit in der russischen Kultur - Religiöse Zeichen und ihre Legitimation

Katharina Friesen

 

Inhaltsverzeichnis


Einleitung ... 3

1. Kapitel Das Wesen eines religiösen Zeichens ... 6

2. Kapitel Legitimation von religiösen Zeichen bei den christlichen Glaubensrichtungen ... 9

3. Kapitel Moskau: das „dritte Rom“ ... 11

3. Kapitel Die Hundertkapitelsynode 1551 ... 13

4. Kapitel Konservativismus der russisch- orthodoxen Kirche ... 15

5. Kapitel Raskol ... 19

6. Kapitel Legitimationsprobleme und die Aufspaltung der Raskol´niki ... 21

7. Kapitel Absolutheit des religiösen Zeichens? ... 24

Bibliographie: ... 27

 

 

Einleitung

Der Titel dieser Arbeit lautet „Ausdruck von Frömmigkeit in der russischen Kultur". Diese Benennung umfasst eine sehr große Bandbreite von Themen und wirkt dadurch, denkt man sich tiefer in die Thematik hinein, etwas schwammig und unklar.

Um dieses Auseinanderstreben zu begrenzen, wird es hilfreich sein, zunächst den zentralen Begriff der Frömmigkeit zu klären..

Schlägt man „Frömmigkeit“ im Lexikon nach, so findet man sinn- und sachverwandte Wörter wie „Religiosität, Gottesfurcht, Gottesglaube, Gläubigkeit“.1 Weiterhin wird Frömmigkeit als „die innere Haltung des Anhängers einer Religion, in der die Verehrung des Göttlichen und die Bereitschaft des Frommen enthalten sind, wegen seines Glaubens Opfer zu bringen.“ beschrieben. Hinzukommt die Erklärung, dass die Frömmigkeit das „Denken, Fühlen und Handeln“ eines Gläubigen prägt.2

Da es hier um die russische Kultur geht, dürfte es von Interesse sein, „Frömmigkeit“ auch ins Russische zu übersetzen. Schlägt man es im zweisprachigen Wörterbuch nach, so findet sich als Übersetzung „набожность“. Im russischen einsprachigen Wörterbuch findet sich zu „набожный“ der Eintrag: „религиозный, верующий, ревностно исполняющий все религиозные обряды“.3

Demnach beschreibt Frömmigkeit, wie im Deutschen so auch im Russischen, eine bestimmte positive und intensive Beziehung eines Menschen zu Religion, und damit zum transzendent Göttlichen, und die Bereitschaft, diese nicht nur anzuerkennen, sondern sie in ihrer Lehre und praktischen Ausübung anzunehmen.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Ausdruck der Frömmigkeit in der russischen Kultur, also mit ihrer materiellen Manifestation, mit ihren äußerlich wahrnehmbaren Merkmalen. Da aber Frömmigkeit die unabdingbare Komponente jeder ernsthaft ausgeübten Religion ist, manifestiert sich der abstrakte Begriff der Frömmigkeit in den Bräuchen, Ritualen und Symbolen, die jede Religion ausbildet.

Große Teile der Mitglieder vieler Religionen, vor allem aus den Reihen der Weltreligionen, begreifen und proklamieren ihren Glauben und damit auch den Ausdruck ihres Glaubens als den einzig richtigen. Unter diesen Glaubensbekenntnissen mit Exklusivitätsanspruch befindet sich auch das Christentum. Interessant ist aber, dass auch Christen untereinander, je nachdem welcher Glaubensgemeinschaft, Katholiken, Protestanten oder Orthodoxe, sie angehören, um die Wahrhaftigkeit ihrer Art des Christentums streiten.

Sehr oft wird diese Wahrhaftigkeit an den äußeren Anzeichen einer Religion festgemacht.

In dieser Arbeit soll nun versucht werden, das Wesen eines religiösen Zeichens überhaupt zu umreißen und die Geschichte religiöser Symbole in der russisch- orthodoxen Kirche im Zusammenhang mit der Geschichte der übrigen christlichen Konfessionen zu beleuchten. Im Verlauf der verschiedenen Kirchengeschichten gab es ähnliche Probleme und Konflikte um den wahrhaften Ausdruck des Glaubens. So hatte z.B. die protestantische Bewegung im 16. Jahrhundert ähnliche Schwierigkeiten mit der Legitimation ihrer religiösen Praxis wie die Anhänger des Staroobrjadčestvo im 17. und 18. Jahrhundert. Da die Legitimation des materiellen Ausdrucks einer Religion ein wesentliches Moment für ihr Bestehen ist, geht diese Arbeit vor allem auf das Problem der Legitimation von religiösen Zeichen und Riten in der Geschichte der russisch- orthodoxen Kirche, aber auch in den anderen christlichen Konfessionen, ein .


1. Kapitel - Das Wesen eines religiösen Zeichens

Wie schon in der Einleitung dargelegt, ist Frömmigkeit als die Bereitschaft eine Religion anzunehmen und auszuüben zu definieren.

Dabei ist für das Wesen aller Religionen das Herausbilden von Bräuchen und Ritualen kennzeichnend.4 Ein Ritual aber ist nichts Anderes als eine symbolische Handlung.

Ein Symbol oder eine symbolische Handlung repräsentiert stets etwas. Seine aüßere Form hat immer einen bestimmten Inhalt, eine Bedeutung und nach Meinung Florenskijs auch immer eine Funktion.5

An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob religiöse also kultische Zeichen sich von anderen nichtreligiösen Zeichen unterscheiden. Und wenn ja, in welcher Weise? Wenn man in der Tradition de Saussures die Unterscheidung des arbiträren Zeichens im Gegensatz zum motivierten Symbol annimmt6, entsteht die Schwierigkeit der Zuordnung des religiösen Zeichens zu einem von beiden. Ist die äußere Form eines religiösen Zeichens willkürlich oder ist seine Form durch seinen Inhalt bestimmt. Und, verändert sich der Inhalt, wenn sich die äußere Form verändert? Nimmt man, wie Florenskij, an, dass die äußere Form eines religiösen Zeichens nicht willkürlich sein kann, ansonsten sei es keines, ist die logische Schlussfolgerung, dass das religiöse Zeichen ein Symbol, also durch sein Referenzobjekt motiviert, ist, d.h. Analogien mit ihm aufweist.7 Nach Meinung Florenskijs in Hinsicht auf die Ikone und der Luthers in Hinsicht auf das Abendmahl8 ist das religiöse Zeichen gleichzeitig sein Referenzobjekt und verweist nicht nur darauf. Das Vorhandensein des religiösen Zeichens ist auch immer die Anwesenheit des Göttlichen, des Heiligen. Nach dieser Auffassung kann ein reliogiöses Zeichen also kein Symbol sein, dessen Form zwar durch sein Referenzobjekt motiviert ist, auf dieses jedoch nur verweist und nicht identisch mit ihm ist.9

 

[...]


1 LexiRom Version 2.0, nachgeschlagen unter „Frömmigkeit
2 Meyers Großes Universal Lexikon, Band 5, nachgeschlagen unter „Frömmigkeit“
3 Словарь русского языка, nachgeschlagen unter «набожный»
4 Microsoft Encarta 97 Enzyklopädie, nachgeschlagen unter „Religion“
5 Florenskij, Pavel: Die Ikonostase. S 72
6 Nöth, Winfried: Handbuch der Semiotik. S 142
7 Nöth, Winfried: Handbuch der Semiotik. S 181
8 Nöth, Winfried: Handbuch der Semiotik. S 424
9 Nöth, Winfried: Handbuch der Semiotik. S 142/ S 181- 182


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