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Das Leistungsbilanzdefizit der USA und der Dollar

Scholary Paper (Seminar), 2006, 34 Pages
Author: Jochen Stiegeler
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Event: Internationale Währungsfragen
Institution/College: University of Freiburg
Tags: Leistungsbilanzdefizit, Dollar, Internationale, Währungsfragen
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 34
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 24  Entries
Language: German
Archive No.: V63627
ISBN (E-book): 978-3-638-56631-5
ISBN (Book): 978-3-638-66942-9
File size: 1049 KB

Abstract

Die Vereinigten Staaten von Amerika weisen seit Anfang der 90er Jahre ein sich immer stär-ker ausweitendes Leistungsbilanzdefizit aus. Für das gesamte Jahr 2005 wird ein Defizit in Höhe von $725 Milliarden, was 5,8 % des amerikanischen BIP entspricht, prognostiziert. Zugleich hat auch der US-Dollar seit dem Jahr 2002 ca. 20 % seines Wertes eingebüßt. Dieser Dollarverfall impliziert zusammen mit dem enormen Leistungsbilanzdefizit der USA eine Gefahr für die Weltwirtschaft, da die USA dieses Defizit über Kapitaldarlehen des Auslands finanzieren. Der US-Dollar gilt dabei noch immer als Leitwährung und hat international als Transaktions- und Reservewährung große Bedeutung, weshalb die Entwicklung des Dollar-kurses sowohl für die Kapitalgeber, als auch für die Wettbewerbsfähigkeit der USA von gro-ßer Bedeutung ist. Um die Gefahr einer weltweiten Krise infolge eines „Dollar Crashs“ zu vermeiden, stellt sich die Frage, wie die USA dieses Leistungsbilanzdefizit in einem kontrol-lierten Prozess abbauen können, und welche Konsequenzen dies für die Entwicklung des Dol-lar hat. Entscheidend hierbei ist die Kenntnis über die Wechselwirkungen zwischen dem Dol-lar und der US Leistungsbilanz, sowie deren mögliche Ausgangsszenarien.


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Seminar: „Internationale Währungsfragen“
Wintersemester 2005/2006, 7. Semester

Das Leistungsbilanzdefizit der USA und der Dollar

von: Jochen Stiegeler

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  3

2. Entwicklung der US-Leistungsbilanz und des Dollar  4

2.1 Determinanten des US-Leistungsbilanzdefizit und des Dollar  4
2.2 Kapitalflüsse und die internationalen US-Nettoinvestitionen 6
2.3 Globale Ungleichgewichte  8
2.4 Zur Nachhaltigkeit des US-Leistungsbilanzdefizit  8

3. Portfolio Balance-Modell und daraus resultierende Anpassungsprozesse 10

3.1 Annahmen und Einflussgrößen  10
3.2 Portfolio-Gleichgewicht und Leistungsbilanz-Gleichgewicht  11
3.3 Gleichgewichte und dynamische Prozesse 13
3.4. Verschiebungen aufgrund veränderter Güter- und Portfolio-Präferenzen  14
3.5 In welchem Ausmaß muss der Dollar abwerten?  15

4. Folgen für den Dollar und die US Leistungsbilanz 17

4.1 Mögliche Ausgangsszenarien 17

4.1.1 Auswirkungen von Portfolioverschiebungen  18
4.1.2 Einfluss asiatischer Zentralbanken 18
4.1.3 Auswirkungen der Zinspolitik der FED  19

4.2 Gefahren für andere Volkswirtschaften  20
4.3 Entwicklung des Dollar seit Januar 2005 21

5. Schlussbemerkung 22

Literaturverzeichnis 23
 



 

1. Einleitung

Die Vereinigten Staaten von Amerika weisen seit Anfang der 90er Jahre ein sich immer stärker ausweitendes Leistungsbilanzdefizit aus. Für das gesamte Jahr 2005 wird ein Defizit in Höhe von $725 Milliarden, was 5,8 % des amerikanischen BIP entspricht, prognostiziert.1 Zugleich hat auch der US-Dollar seit dem Jahr 2002 ca. 20 % seines Wertes eingebüßt. Dieser Dollarverfall impliziert zusammen mit dem enormen Leistungsbilanzdefizit der USA eine Gefahr für die Weltwirtschaft, da die USA dieses Defizit über Kapitaldarlehen des Auslands finanzieren. Der US-Dollar gilt dabei noch immer als Leitwährung und hat international als Transaktions- und Reservewährung große Bedeutung, weshalb die Entwicklung des Dollarkurses sowohl für die Kapitalgeber, als auch für die Wettbewerbsfähigkeit der USA von großer Bedeutung ist. Um die Gefahr einer weltweiten Krise infolge eines „Dollar Crashs“ zu vermeiden, stellt sich die Frage, wie die USA dieses Leistungsbilanzdefizit in einem kontrollierten Prozess abbauen können, und welche Konsequenzen dies für die Entwicklung des Dollar hat. Entscheidend hierbei ist die Kenntnis über die Wechselwirkungen zwischen dem Dollar und der US Leistungsbilanz, sowie deren mögliche Ausgangsszenarien. In der vorliegenden Arbeit stelle ich zuerst die Entwicklung der Leistungsbilanz und des Dollars, sowie deren Determinanten dar. Im zweiten Teil werde ich anhand eines Portfolio- Balance Modells die verschiedenen Anpassungsprozesse und Gleichgewichtszustände erläutern. Abschließend gehe ich im dritten Teil auf mögliche Ausgangsszenarien ein und werde deren Folgen aufzeigen, sowie die aktuelle Entwicklung seit Januar 2005 mit einbeziehen.

2. Entwicklung der US-Leistungsbilanz und des Dollar

Die US Leistungsbilanz weist seit 1992 ein im Zeitablauf immer größer werdendes Defizit aus (siehe Abbildung 1). Verglichen mit vergangenen Daten wird das extreme Ausmaß des Anstiegs deutlich. So betrug das Leistungsbilanzdefizit der USA im Jahr 1996 noch $120 Milliarden, was einem Anteil von 1,5 % des BIP entsprach.2 Prognosen für 2005 gehen von einem Leistungsbilanzdefizit von $725 Milliarden und damit 5,8 % des BIP aus. Damit haben sich diese Werte innerhalb von 9 Jahren beinahe verfünffacht. Der Anstieg beruht im wesentlichen auf dem starken Importanstieg und dem dadurch verursachten hohen Defizit in der Handelsbilanz (siehe Abbildung 2). Dieses Leistungsbilanzdefizit bedeutet, dass die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland stärker ausfallen, als die Kapitalabflüsse in das Ausland, d.h. Ausländer also mehr US-Vermögen halten als US-Bürger ausländisches Vermögen und sich die USA beim Ausland verschulden. Der Dollar wertete von Dezember 1995 bis Februar 2002 gegenüber den großen Währungen um ca. 34 % auf und danach bis April 2005 um ca. 31 % ab (siehe Abbildung 3).3

2.1 Determinanten des US-Leistungsbilanzdefizit und des Dollar

Das US Leistungsbilanzdefizit kann auf zweierlei Weise interpretiert werden. Zum einen könnte man daraus folgern, dass die USA über ihren Verhältnissen leben, da die Ersparnisse der USA nicht ausreichend sind, um die nationalen Investitionen und die Konsumausgaben zu decken. Das nationale Sparen (S) ergibt sich aus demjenigen Anteil der Produktion (Y) der nicht durch Privatkonsum (C) oder Konsum der öffentlichen Haushalte (G) aufgebraucht wird. Es ergibt sich folgende Gleichung:

[Formel in der Downloaddatei vorhanden]

Die Höhe des nationalen Sparens hat Einfluss auf die Nettoexporte und damit auch auf die Leistungsbilanz:

[Formel in der Downloaddatei vorhanden]

Die Nettoexporte spiegeln sich in dem Leistungsbilanzsaldo wieder. Wird dieser Leistungsbilanzsaldo (NX) negativ, liegt damit ein Leistungsbilanzdefizit vor (siehe Abbildung 4). Dieses Defizit impliziert, dass die Investitionen (I) nicht durch das nationale Sparen (S), sondern durch Kredite aus dem Ausland finanziert werden.4 In den USA hat sich die Sparquote besonders im Bereich des privaten und des staatlichen Sparens dramatisch verschlechtert (siehe Abbildung 5). Die Gründe liegen im hohen Wirtschaftswachstum und dem, durch Vertrauen der US-Bürger in die eigene Zukunft, hohen Konsum. Die USA weisen zur Zeit u.a. wegen der Belastungen durch den Afghanistan- und Irakkrieg ein Haushaltsdefizit von ca. 4 % des BIP aus.5 Im Jahr 2004 versickerten im staatlichen Budgetdefizit allein $400 Milliarden der nationalen Ersparnis. Ein Leistungsbilanzdefizit kann aber auch ein Indiz dafür sein, dass die Investitionsmöglichkeiten in den USA die anderer Länder übertreffen und dadurch starke Kapitalzuflüsse angelockt werden.6 So hatte sich die weltweit hohe Ersparnis während des „New Economy“ Booms in hohen Investitionen in die USA entladen, da der IT-Boom trotz niedrigen Zinsen gute Investitionsbedingungen bot. Auch nach dem Ende dieses Booms veränderte sich das Sparverhalten nicht, da durch niedrige Hypothekenzinsen ein Immobilienboom ausgelöst wurde, welcher das Vermögen der Haushalte ansteigen lies. Dieser Immobilienboom wird gegenwärtig kritisch gesehen, da trotz steigender Leerstandquote in den letzten Jahren die Hypothekenanträge weiter gestiegen sind. Dies sind Anzeichen dafür, dass der Markt eher durch Spekulationen auf höhere Wiederverkaufspreise statt durch den Wunsch nach Eigennutzung getrieben wird.7

Der reale Wechselkurs ( ε) wird durch folgende Gleichung charakterisiert:

[Formel in der Downloaddatei vorhanden]

Nach dem Gesetz der Kaufkraftparität (KKP) verändert sich der reale Wechselkurs durch Preisniveauveränderungen im Inland (P) oder Ausland (P*) als Folge von Änderungen der Nachfrage nach handelbaren Gütern und Dienstleistungen. Der nominale Wechselkurs (E) gleicht dabei Preisunterschiede in dem Maß aus, dass die Preisniveaus sämtlicher Länder gleich sind, wenn sie in derselben Währung gemessen werden. In der kurzen Frist gilt die KKP nicht, da die Preise relativ starr sind. Diese Starrheit begründet sich im großen Anteil der Löhne an den Produktionskosten. Die Löhne werden jedoch immer für einen bestimmten Zeitraum festgelegt und berücksichtigen die zu diesem Zeitpunkt erwartete Inflationshöhe und Rohstoffpreise.8 Die Entwicklung des nominalen Wechselkurses (E) reflektiert das Angebot und die Nachfrage nach einer Währung. Internationale Kapitalanleger berücksichtigen hierbei besonders die zu erwarteten Zinssätze und die erwartete weitere Entwicklung des Wechsel- kurses. Der Kurs des Dollars, beeinflusst über die Handelsbilanz in erheblichem Maße die Leistungsbilanz. Wertet der Dollar ab, so werden US Güter relativ zum Ausland billiger und der Export der USA steigt durch die erhöhte Nachfrage aus dem Ausland. Durch die Abwertung werden aber auch gleichzeitig Importe für die USA teurer. Dies führt zu einer Verschiebung der inländischen Nachfrage von ausländischen hin zu inländischen Gütern.9 Damit sich als Reaktion das Handelsbilanzdefizit verringert, muss die Marshall-Lerner Bedingung erfüllt sein. Diese besagt, dass infolge einer Abwertung die Exporte stark genug zunehmen und die Importe stark genug zurückgehen müssen, um den Preisanstieg bei den Importen zu kompensieren. Der Effekt einer Abwertung verschlechtert in der kurzen Frist jedoch die Handelsbilanz, da sich nur die Preise und nicht die Mengen ändern. Die Ursache hierfür ist, dass Importe und Exporte meist schon Monate im Voraus in Auftrag gegeben werden und die Preise in der kurzen Frist träge sind. Dadurch bleibt die Exportmenge konstant während der Wert der in Auftrag gegebene Importmenge steigt. In der mittleren Frist verbessert sich die Handelsbilanz und dadurch die Leistungsbilanz. Der Verlauf im Zeitpfad wird „J-Kurve“ genannt.10

2.2 Kapitalflüsse und die internationalen US-Nettoinvestitionen

[...]


1 Vgl. Obstfeld, M. (2005) S.2

2 Vgl. Bernanke, S. (2005) S.1

3 Vgl. Edwards, S. (2005) S.8

4 Vgl. Krugman, P./Obstfeld, M. (2004) S.399 f.

5 Vgl. Godley, W. (2005) S.2

6 Vgl. Mann, C. (2002) S.132 f.

7 Vgl. Bernanke, B. (2005) S.7 f.

8 Vgl. Krugman, P./Obstfeld, M. (2004) S.504 f.

9 Vgl. Blanchard, O. (2004) S.405 f.

10 Vgl. Krugman, O/Obstfeld, M. (2004) S.593


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