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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 27 Pages
Author: Martina Hrubes
Subject: Theater Studies
Details
Tags: Karl, Heinz, Bohrers, Schreckens, Tragödie, Beispiel, Aischylos, Agamemnon
Year: 2005
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-56769-5
File size: 205 KB
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Excerpt (computer-generated)
Karl Heinz Bohrers Ästhetik des Schreckens in der
Tragödie am Beispiel von Aischylos′ Agamemnon
von. Martina Hrubes
SS 2005; 8. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Karl Heinz Bohrers Ästhetik des Schreckens 4
2.1 Das Schöne und das Gute 4
2.2 Der moderne Schrecken 5
2.3 Plötzlichkeit 7
2.4 Das Dionysische 9
3 Die Ästhetik des Schreckens in der griechischen Tragödie 11
3.1 Der Schrecken als Urmotiv der Tragödie 12
3.2 Erwartungsangst 14
3.3 Erscheinungsschrecken 14
4 Erscheinungsschrecken und Erwartungsangst in Aischylos’ „Agamemnon“ 16
4.1 Die Wächterszene 17
4.2 Die Erzählung des Chors vom Opferritual der Iphigeneia 18
4.3 Die Szene des roten Teppichs 20
4.4 Kassandras Prophetien 21
5 Zusammenfassung 24
6 Evaluation 26
7 Literaturverzeichnis 27
1 Einleitung
In der folgenden Arbeit soll Karl Heinz Bohrers „Ästhetik des Schreckens“ erläutert und auf ihre Fruchtbarkeit hinsichtlich der griechischen Tragödie überprüft werden. Da sich Bohrers ästhetische Theorie hauptsächlich auf die Literatur der Moderne bezieht, werde ich im ersten Teil versuchen, einige grundsätzliche Überlegungen und Thesen Bohrers, stark verkürzt und notgedrungen vereinfacht, vorzustellen. Dies soll zum Verständnis von Bohrers Tragödieninterpretation beitragen, sie in den Gesamtzusammenhang seines literaturtheoretischen Schaffens einordnen. Als Grundlage dienten mir hierbei Bohrers Schriften „Die Ästhetik des Schreckens: die pessimistische Romantik und Ernst Jüngers Frühwerk“ und „Plötzlichkeit: zum Augenblick des ästhetischen Scheins“. Insbesondere aus Bohrers ästhetischer Interpretation des Jüngerschen Frühwerks ergeben sich einige interessante und brauchbare Einsichten in sein anti-aristotelisches Kunstverständnis.
Im Anschluss soll dargestellt werden, wie und mit welcher Begründung Bohrer die Kategorien seiner Theorie des modernen Schreckens in seinem Buch „Das absolute Präsens: die Semantik ästhetischer Zeit“ auf die griechische Tragödie überträgt. Ein zentrales Moment wird hier Nietzsches Konzept des Dionysischen zukommen, auf das sich Bohrer immer wieder bezieht und das in seiner Ästhetik ein verbindendes Element zwischen Antike und Moderne darstellt. Der Hauptteil wird sich mit Bohrers Interpretation von Aischylos’ Tragödie „Agamemnon“ befassen, deren schreckliche Motive er exemplarisch für die griechische Tragödie im Sinne seiner Theorie deutet. Es soll versucht werden, Bohrers Vorgehensweise nachzuvollziehen und zu kommentieren, um, im Anschluss daran, festzustellen, wie schlüssig und fruchtbar Bohrers Lesart der antiken Tragödie ist.
2. Karl Heinz Bohrers Ästhetik des Schreckens
2.1 Das Schöne und das Gute
In seinem Buch „Die Ästhetik des Schreckens“, in dem er sich mit dem Frühwerk von Ernst Jünger als Beispiel für die dezisionistisch gewordene Kunst beschäftigt, setzt sich Bohrer intensiv mit dem Verhältnis von Kunst und Moral auseinander. Ein Ziel seiner Arbeit ist es, Ernst Jüngers Frühwerk aus dem direkten Zusammenhang zum Nationalsozialismus herauszulösen, ohne dessen Affinität zum Faschismus zu beschönigen. Bohrer möchte vielmehr zunächst eine gewisse Trennung zwischen ästhetischem Text und dessen Rezeption vornehmen:
„Schließlich ist methodisch daran festzuhalten, daß man zur Beurteilung des Werks nicht von seinen Wirkungen ausgehen darf, das heißt die vielschichtige Rezeption des Werks nicht rückwirkend hineinnehmen sollte in die Interpretation des Textes selbst.“1
Bohrer ist bemüht, sich unvoreingenommen mit der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem subversiven Frühwerk Jüngers und der Ideologie nachfolgender faschistischer Schriftsteller geben kann und welcher Art dieser sei, auseinanderzusetzen. Er versteht die Entstehung von Jüngers frühen Romanen unter dem Vorzeichen der „Krise der Vernunft“, die die europäische literarische und ästhetische Avantgarde jener Jahre kennzeichnete: „Das gegenaufklärerische Motiv läßt sich nicht auf einen deutschen Typus beschränken, sondern es ist belegbar im Werk führender Schriftsteller und Denker in Frankreich, Italien, England und Amerika.“2 Jünger steht für Bohrer am Ende einer Entwicklung, an der Kulturkritiker wie Ruskin, Carlyle und Morris aber auch Schriftsteller wie Edgar Allan Poe, Charles Baudelaire, Huysmans und Oscar Wilde ihren Anteil hatten.3 Die in ihren Schriften zu findende Ablehnung der modernen Gesellschaft habe ihre Ursache in der Industrialisierung, die zu einer „Verhässlichung“ der Welt4 geführt habe. Diese Verhässlichung wurde insbesondere von den viktorianischen Kulturkritikern mit den sozialen Problemen der urbanen Gesellschaft in Verbindung gebracht:
Nunmehr trat als einziges und ausschlaggebendes Beobachtungsfeld die Verhäßlichung der Welt in den Vordergrund, von der man alle anderen intellektuellen und seelischen Defizite ableiten konnte. Eine Verschönerung der Welt, so lautete umgekehrt der Schluß, muß logischerweise auch dies Defizit beseitigen.5 Bereits in der Tatsache, dass das ästhetische Bewusstsein nicht vornehmlich durch den moralischen Skandal menschlicher Erniedrigung herausgefordert wurde, sondern durch die fortschreitende industrielle Verhässlichung der Welt, zeigt einen Widerspruch zwischen ethischen und ästhetischen Kriterien.6 So berge tatsächlich die Gleichsetzung des Schönen mit dem Guten immer schon die Gefahr, dass das Ethische hinter das Ästhetische zurückgestellt werden könne. „Indem dem Ästhetischen der Anspruch des ethischen Werts zugesprochen wird, ist seine Isolation und sein schließlicher Widerspruch gegenüber der moralischen Welt aufgebrochen.“7 Ein rein ästhetisches Interesse an der Welt birgt immer die Gefahr, ins Böse umzuschlagen, wenn das Inhumane nicht zu einer Verhässlichung, sondern zu einer Verschönerung der realen Welt führt.8 So läuft für Benjamin der Faschismus auf eine „ ‚Ästhetisierung des politischen Lebens’ hinaus, weil im Ästhetischen die Widersprüche der Epoche aufgehoben und pathetisch verklärt würden.“9 Die Aufhebung der Trennung zwischen Ethik und Ästhetik ist es, die das Böse in der Maske des Schönen real werden lässt. Solche Entwicklungen können für Bohrer jedoch nicht den Künstlern, die grausame Motive als ästhetisch schön darstellen, zum Vorwurf gemacht werden. Die ideologische Umfunktionierung dieser Kunst ist in ihr selbst nicht angelegt, da sie immer „nur“ Kunst sein kann. Ist sie mehr, so ist sie es nicht mehr.
2.2 Der moderne Schrecken
[...]
1 Bohrer, Karl Heinz. Die Ästhetik des Schreckens: pessimistische Romantik und Ernst Jüngers Frühwerk. München u.a.: Hanser. 1978, S. 17
2 ebd. ebd.
3 vgl. ebd. S. 22-52
4 vgl. ebd., S. 44-52
5 ebd., S. 50
6 vgl. ebd., S. 56
7 ebd., S. 57
8 vgl. ebd. S. 57 f
9 ebd., S. 52
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