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Termpaper, 2006, 16 Pages
Author: Henry Mayer
Subject: Pedagogy - History of Pedagogy
Details
Institution/College: University of Freiburg (EPG-Instititut)
Tags: Adam, Smith, Theory, Moral, Sentiments, Eine, Analyse, Smiths, Tadel, Sympathiefähigkeit, Anwendung, Lehr-, Lernsituationen, Seminar
Year: 2006
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-56838-8
ISBN (Book): 978-3-638-79314-8
File size: 236 KB
Diese Arbeit habe ich für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium im Staatsexamenslehrgang geschrieben. Sie behandelt die sehr interessante Theorie der "ethischen Gefühle" von Adam Smith. Zentrale Ideen Smiths werden auf Lehr- und Lernsituationen an Schulen, für die Lehrenden sowie für die Lernenden, angewandt und Schlussfolgerungen bezüglich deren praktischen Nutzen gezogen.
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Abstract
Adam Smith hat sich in seinem Leben zwei Hauptgebieten gewidmet: Der Ökonomie und der Moralphilosophie. Der breiten Öffentlichkeit sind oftmals nur seine Arbeiten im Bereich der Wirtschaftsökonomie bekannt. Eine weitaus größere Bedeutung ist jedoch seinen moralphilosophischen Arbeiten zuzumessen, die von Smith selbst höher angesehen wurden als seine wirtschaftspolitischen Überlegungen: Smith verstand sich zeitlebens in erster Linie als Moralphilosoph und erst in Zweiter als Ökonom. In seiner Abhandlung „The Theory of Moral Sentiments“ (TMS), der „Theorie der ethischen Gefühle“, erstmalig 1759 erschienen, entwickelt Smith seine ethischen Ansichten. Während die Ausführungen zur Nationalökonomie den Egoismus als Grundmotiv allen menschlichen Handelns darstellen, wird in der TMS das Gefühl der „Sympathie“ zur Grundlage seiner Ethik und der Mensch konsequenterweise zu einem altruistischen Wesen erklärt. Diese Arbeit widmet sich dem Teil der Smith’schen Theorie, der sich mit den Prinzipien der Selbstbilligung bzw. der Selbstmissbilligung befasst. Um eine Grundlage für das Verständnis jener beiden Prinzipien zu schaffen, wird in einem ersten Schritt Smiths Sympathiekonzeption knapp umrissen, bevor dann in einem zweiten Schritt auf die erwähnten Prinzipien näher eingegangen wird. In diesem Zusammen-hang werden auch Smiths Annahmen zu Lob und Tadel bzw. zu Lobens- und Tadels-würdigkeit berücksichtigt. Grundlage der Untersuchung wird dabei die Frage sein, welche Hinweise bzw. Hilfen im Hinblick auf pädagogische Situationen aus den Überlegungen Smiths gewonnen werden können. Kann man mit Hilfe seiner „Theorie der ethischen Gefühle“ Anleitungen für pädagogische Lehrsituationen gewinnen, die ein moralisch richtiges Verhalten aller Akteure (der Lehrenden sowie der Schülerinnen und Schüler) aufzeigen? Dazu seine Ansichten auch kritisch hinterfragt werden. In einem dritten Schritt wird die Theorie auf ihre praktische Anwendung bezüglich pädagogischer Lehrsituationen hin untersucht, in dem die zuvor geschilderten Grundprin-zipien auf Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler angewendet werden. In einem vierten und letzten Schritt werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und diesbezüglich ein Urteil über die Praktikabilität der TMS in Bezug auf Schule und Unterricht gegeben.
Excerpt (computer-generated)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Adam Smith (1723-1790): The Theory of Moral Sentiments:
Eine Analyse der Überlegungen Smiths zu Lob und Tadel sowie über die Sympathiefähigkeit und deren Anwendung in pädagogischen Lehr- und Lernsituationen
Henry Mayer
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort ... 2
2. Adam Smith: Theory of Moral Sentiments ... 3
2.1 Die Sympathiekonzeption Adam Smiths ... 4
2.2. Das Prinzip der Selbstbilligung und der Selbstmissbilligung ... 6
2.3. Lob und Lobenswürdigkeit bzw. Tadel und Tadelnswürdigkeit ... 8
2.4 Schöne und unschöne Gefühle nach A. Smith ... 10
3. Smiths Theorie im Kontext pädagogischer Lehrsituationen ... 10
3.1 Anwendung auf Lehrende ... 10
3.2 Anwendung auf Schülerinnen und Schüler ... 13
4. Zusammenfassung und Kritik ... 13
5. Literatur ... 15
1. Vorwort
Adam Smith (1723-1795) hat sich in seinem Leben zwei Hauptgebieten gewidmet: Der Ökonomie und der Moralphilosophie. Der breiten Öffentlichkeit sind oftmals nur seine Arbeiten im Bereich der Wirtschaftsökonomie bekannt; mit seinem Werk „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“, verfasst in der Zeit von 1766 bis 1776, begründet er die Wurzeln des politischen Liberalismus und prägt die Begriffe des „Nachtwächterstaats“ sowie den der „unsichtbaren Hand“, welche den in seinem Verständnis von Natur aus egoistischen Menschen zu gemeinwohlorientiertem Handeln bewegt und dadurch die Ökonomie reguliert.1
Eine weitaus größere Bedeutung ist jedoch seinen moralphilosophischen Arbeiten zuzumessen, die von Smith selbst höher angesehen wurden als seine wirtschaftspolitischen Überlegungen: Smith verstand sich zeitlebens in erster Linie als Moralphilosoph und erst in Zweiter als Ökonom.2 In seiner Abhandlung „The Theory of Moral Sentiments“ (TMS), der „Theorie der ethischen Gefühle“, erstmalig 1759 erschienen, entwickelt Smith seine ethischen Ansichten. Ab der vierten Auflage erhält die Abhandlung den Untertitel „Versuch einer Analyse der Prinzipien, mittels welcher die Menschen naturgemäß zunächst das Verhalten und den Charakter ihrer Mitmenschen, dann von sich selbst beurteilen.“, welcher das Ziel, das Adam Smith mit seinen moralphilosophischen Überlegungen verfolgt, klar herausstellt:3 Während die Ausführungen zur Nationalökonomie den Egoismus als Grundmotiv allen menschlichen Handelns darstellen, wird in der TMS das Gefühl der „Sympathie“ zur Grundlage seiner Ethik und der Mensch konsequenterweise zu einem altruistischen Wesen erklärt.
Diese Arbeit im Rahmen des EPG Seminars „Unschöne Gefühle - Emotionen als Gegenstand moralischer Beurteilung“ widmet sich dem Teil der Smith’schen Theorie, der sich mit den Prinzipien der Selbstbilligung bzw. der Selbstmissbilligung befasst. Um eine Grundlage für das Verständnis jener beiden Prinzipien zu schaffen, wird in einem ersten Schritt Smiths Sympathiekonzeption knapp umrissen, bevor dann in einem zweiten Schritt auf die erwähnten Prinzipien näher eingegangen wird. In diesem Zusammenhang werden auch Smiths Annahmen zu Lob und Tadel bzw. zu Lobens- und Tadelswürdigkeit berücksichtigt. Grundlage der Untersuchung wird dabei die Frage sein, welche Hinweise bzw. Hilfen im Hinblick auf pädagogische Situationen aus den Überlegungen Smiths gewonnen werden können. Kann man mit Hilfe seiner „Theorie der ethischen Gefühle“ Anleitungen für pädagogische Lehrsituationen gewinnen, die ein moralisch richtiges Verhalten aller Akteure (der Lehrenden sowie der Schülerinnen und Schüler) aufzeigen? Dazu sollen seine Ansichten nicht nur dargestellt, sondern auch kritisch hinterfragt werden.
In einem dritten Schritt wird die Theorie auf ihre praktische Anwendung bezüglich pädagogischer Lehrsituationen hin untersucht, in dem die zuvor geschilderten Grundprinzipien auf Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler angewendet werden. In einem vierten und letzten Schritt werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und diesbezüglich ein Urteil über die Praktikabilität der TMS in Bezug auf Schule und Unterricht gegeben.
2. Adam Smith: Theory of Moral Sentiments
Zur Erscheinungszeit der TMS hatte die Moralphilosophie eine andere, sehr umfassendere Bedeutung als heutzutage. Die damalige Bedeutung lässt sich mit der heutigen des Begriffs der „Ethik“ gleichsetzen4; seinerzeit war die Moralphilosophie das Gegenstück zur Naturphilosophie und die Aufgabe von Moralphilosophen war es, dem Verständnis von Smith zufolge, Wege zu diesseitigem Glück aufzeigen.5 Nach Smiths Ansicht können die Menschen nur dann glücklich sein, wenn sie zum einen ihre Grundbedürfnisse befriedigt bekommen (die Grundlagen hierfür bespricht Smith in seinem Werk „Wealth of Nations“). Zum anderen müsse der Mensch moralisch handeln, um Glück empfinden zu können. Die Grundlagen hierfür hat Smith in der TMS herausgearbeitet: Für ihn gibt es neben dem natürlichen Verlauf der Ökonomie auch eine natürliche Entwicklung des moralischen Bewusstseins.6 Nach seinen Vorstellungen hat die Natur Vorkehrungen getroffen, die ein moralisches und dadurch glückliches Leben der Menschen ermöglichen: Für Smith liegt der Ursprung der Moral in der Natur, die individuellen Gefühle eines jeden entscheiden darüber, ob wir etwas als „schicklich“ bzw. tugendhaft oder als „unschicklich“ empfinden. Glücklich ist der Mensch dann, wenn er moralisch handelt, d. h., wenn er seinen natürlichen Antrieben folgt. Der Mensch ist demnach für Smith ein „Naturwesen“.7
[...]
1 In diesem Zusammenhang ist auch der Begriff „Nachtwächterstaat“ zu verstehen, der lediglich ordnende und sichernde Aufgaben hat und nicht in die freie Marktwirtschaft eingreifen darf, um das Wohl der Menschen nicht zu gefährden.
2 Streminger, Gerhard: Adam Smiths Sprachphilosophie. In: Ders. (Hg.): Der natürliche Lauf der Dinge. Essays zu Adam Smith und David Hume. Marburg 1995. S. 111: Streminger sieht Smith „ungerecht behandelt“, denn „Philosophen ignorierten seine Ideen, `war er doch bloß ein Ökonom´ […] und die Zunft der Wirtschaftswissenschaftler nahm ihn zwar als Ahnherrn […] ihrer Disziplin ernst, aber für ethische Fragen interessierten sie sich kaum.“
3 Ballestrem, Graf Karl: Adam Smith. In: Otfried Höffe (Hg.): Beck’sche Reihe. Denker. Nr. 561. München 2001. S. 58.
4 Als grobes Inhalts-Stichwort soll hier die Frage nach dem richtigen menschlichen Handeln in Bezug auf an Werten orientierter Zielsetzung und dessen Rechtfertigung genügen.
5 Ballestrem: Adam Smith. S. 56f.
6 Streminger, Gerhard: Die Unsichtbare Hand des Marktes und die Sichtbare Hand des Staates. Zur Sozialphilosophie Adam Smiths. In: Ders. (Hg.): Der natürliche Lauf der Dinge. Essays zu Adam Smith und David Hume. Marburg 1995. S. 214.
7 Ebd. S. 190.
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