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Examination Thesis, 2005, 104 Pages
Author: Stephanie Baumann
Subject: German - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Münster
Tags: Lesbisch, Gleichgeschlechtliche, Liebeserfahrungen, Mädchen, Jugendbüchern, Autoren, Gegenwart, Staatsexamen
Year: 2005
Pages: 104
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 78 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-56922-4
ISBN (Book): 978-3-638-71042-8
File size: 523 KB
Die Arbeit umfasst neben einer kurzen historischen Einführung eine inhaltliche und stilistische Untersuchen von insgesamt 20 Jugendbüchern zur lesbischen Liebe (Publikationen von 1974-2004).
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Abstract
1992 stellte Berger in einem Artikel der JuLit fest, dass Homosexualität in der erzählenden Kinder- und Jugendliteratur „noch immer ein Tabu“ sei. Mittlerweile sind über 10 Jahre vergangen und es gilt diese These im Hinblick auf die Thematisierung von lesbischen Indentitätsentwicklungen in Jugendbüchern zu überprüfen. Aufzuzeigen ist, wie deutschsprachige Autoren gleichgeschlechtliche Liebeserfahrungen von Mädchen darstellen. Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist eine kurze historische Aufarbeitung der gesellschaftlichen Einstellung gegenüber Lesbianismus. Anschließend erfolgt die Untersuchung der Jugendbücher, wobei in einem ersten Schritt zunächst dargelegt wird, nach welchen Kriterien die Publikationen ausgewählt wurden. Ihre inhaltliche und stilistische Analyse bildet den Schwerpunkt der Arbeit. Sie orientiert sich im Wesentlichen an den Fragestellungen, inwieweit und mit welchen Mitteln die Lebensrealitäten lesbischer Jugendlicher nicht nur in den einzelnen Erzählungen, sondern auch innerhalb der gesamten Bandbreite der Publikationen wiedergegeben werden. Hierzu werden ausgewählte inhaltliche Darstellungsbereiche und stilistische Techniken in den Jugendbüchern näher untersucht.
Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Lesbisch
Gleichgeschlechtliche Liebeserfahrungen von Mädchen
in Jugendbüchern deutschsprachiger Autoren der Gegenwart
Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für die Sekundarstufe I
vorgelegt von: Stephanie Baumann
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 3
I. Lesbianismus und Gesellschaft in der abendländischen Kulturgeschichte ... 4
A. Die Antike – Gleichgeschlechtliche Liebe als Bestandteil der Erziehung ... 4
B. Das Mittelalter – Der christliche Sodomiegedanke ... 6
C. Der Beginn der Neuzeit – Von der romantischen Freundin zur minderwertigen Kranken ... 7
D. Der Nationalsozialismus – Lesben als „Asoziale“ ... 12
E. Die Nachkriegsjahre – Stillstand ... 13
F. Die 70er Jahre – „Feminismus ist die Theorie, Lesbianismus die Praxis“ ... 15
G. Die Gegenwart – Das Gebot der Heimlichkeit ... 16
II. Untersuchung der Jugendbücher ... 19
A. Zur Auswahl der Jugendbücher ... 19
B. Inhaltliche Analyse der Jugendbücher ... 20
1. Die Protagonistinnen und ihr soziales Umfeld ... 20
a) Das Alter ... 21
b) Der Wohnort ... 22
c) Die schulische Bildung ... 22
d) Das familiäre Umfeld ... 23
e) Der Freundeskreis ... 26
f) Die Religiosität ... 27
2. Entwicklungslinien der Frauenliebe ... 27
a) Die Frauenliebe als vorübergehende Phase ... 28
b) Die lesbische Identitätsentwicklung ... 29
(1) Die Pre-Coming-out-Phase ... 29
(2) Die eigentliche Coming-out-Phase ... 33
(3) Die explorative Phase ... 37
(4) Das Eingehen erster fester Beziehungen ... 42
(5) Die Integrationsphase ... 43
(6) Störfaktoren während der Identitätsentwicklung ... 45
3. Ansichten und Reaktionen aus dem sozialen Umfeld ... 46
a) Einstellungen zum Lesbianismus ... 46
b) Vorurteile gegenüber Lesbianismus ... 51
c) Reaktionen auf das Coming-out ... 54
4. Die lesbischen Liebesbeziehungen ... 60
a) Die Geliebten und die Art der Beziehung ... 61
b) Positive Aspekte lesbischer Beziehungen ... 63
c) Problemfelder in lesbischen Beziehungen ... 64
5. Heterosexuelle Figuren und Partnerschaften ... 66
a) Das Verhältnis der Lesben zu heterosexuellen Frauen ... 68
b) Das Verhältnis der Lesben zum männlichen Geschlecht ... 69
6. Informationen über Homosexualität ... 72
C. Stilistische Analyse der Jugendbücher ... 76
1. Erzähltechniken ... 76
a) Die Erzähl- und Wahrnehmungsperspektive ... 76
b) Die Zeitebenen und Handlungsstränge ... 78
2. Die sprachliche Darstellung der Sexualität ... 81
a) Weibliche Geschlechtsmerkmale und Sexualpraktiken ... 82
b) Homo-, Hetero- und Bisexualität ... 87
3. Das Layout ... 89
a) Die Umschlaggestaltung ... 89
b) Die Textgliederung und –bebilderung ... 91
c) Das Schriftbild und die Einarbeitung von Textsorten ... 93
Schlussbemerkungen ... 97
III. Literaturverzeichnis ... 98
A. Primärliteratur ... 98
B. Sekundärliteratur ... 99
C. Rechtsquellen ... 103
Einleitung
1992 stellte Berger in einem Artikel der JuLit fest, dass Homosexualität in der erzählenden Kinder- und Jugendliteratur „noch immer ein Tabu“ sei.1 Mittlerweile sind über 10 Jahre vergangen und es gilt diese These im Hinblick auf die Thematisierung von lesbischen Indentitätsentwicklungen in Jugendbüchern zu überprüfen. Aufzuzeigen ist, wie deutschsprachige Autoren gleichgeschlechtliche Liebeserfahrungen von Mädchen darstellen. Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit soll eine kurze historische Aufarbeitung der gesellschaftlichen Einstellung gegenüber Lesbianismus sein. Anschließend erfolgt die Untersuchung der Jugendbücher, wobei in einem ersten Schritt zunächst darzulegen ist, nach welchen Kriterien die Publikationen ausgewählt wurden. Ihre inhaltliche und stilistische Analyse bildet den Schwerpunkt der Arbeit. Sie orientiert sich im Wesentlichen an den Fragestellungen, inwieweit und mit welchen Mitteln die Lebensrealitäten lesbischer Jugendlicher nicht nur in den einzelnen Erzählungen, sondern auch innerhalb der gesamten Bandbreite der Publikationen wiedergegeben werden. Hierzu werden ausgewählte inhaltliche Darstellungsbereiche und stilistische Techniken in den Jugendbüchern näher untersucht.
I. Lesbianismus und Gesellschaft in der abendländischen Kulturgeschichte
Historische Quellen über die lesbische Liebe sind selten. Die Gründe hierfür liegen in der patriarchalen Gesellschaft. Diese im abendländischen Kulturkreis vorherrschende Gesellschaftsform behielt das Denken und somit auch die Geschichtsschreibung lange Zeit ausschließlich den Männern vor. Deren Berichterstattung wiederum widmete sich primär der Darstellung des eigenen Geschlechts.2 In der literarischen Produktion wurden Frauen ausnahmslos über ihre Beziehung zu Männern definiert,3 was auch den tatsächlichen Gegebenheiten entsprach. Jahrhundertelang war es Frauen nahezu unmöglich, ohne Männer wirtschaftlich und moralisch zu überleben. Zum Schutz der männlichen Vormachtstellung innerhalb der Gesellschaft wurden Liebesbeziehungen zwischen Frauen von männlichen Geschichtsschreibern entweder ignoriert oder als harmlose Tändeleien deklariert, die der allein glückseligmachenden Mann-Frau-Beziehung in keiner Weise ebenbürtig sein konnten.4 Aber auch die Frauen hatten ihre Rollenzuweisung weitestgehend verinnerlicht. Dementsprechend sind die wenigen von ihnen verfassten Zeugnisse ebenfalls zu einem Großteil von der Überzeugung geprägt, der lesbischen Liebe gebühre allenfalls ein untergeordneter Stellenwert gegenüber der heterosexuellen Beziehung zu einem Mann.
A. Die Antike – Gleichgeschlechtliche Liebe als Bestandteil der Erziehung
Will man die gleichgeschlechtliche Liebe in den Gesellschaftsstrukturen des antiken Griechenlands und des vorchristlichen römischen Reiches näher betrachten, so muss man sich von einer personenbezogenen Differenzierung zwischen Homo- und Heterosexuellen lösen. Diese heutzutage allgemein anerkannte Kategorisierung war damals nicht existent.5 Vielmehr gehörten homosexuelle Liebeserfahrungen in einer ritualisierten Form zum Bestandteil einer guten Erziehung.6 In diesem Zusammenhang ist die Knabenliebe zwischen einem jüngeren und einem älteren Mann reichlich dokumentiert worden. Ihr weibliches Pendant hingegen kann sich im Wesentlichen nur auf die Quellen der griechischen Lyrikerin Sappho stützen.
Sappho lebte als Leiterin eines Mädchenbundes im 6. Jh. v. Chr. auf der griechischen Insel Lesbos.7 In ihrer Poesie beschrieb sie zahlreiche Liebesbeziehung zu ihren Schülerinnen, die sich nicht allein auf einer geistigen Ebene abspielten, sondern ebenso die körperliche Befriedigung sexueller Lust beinhalteten.8 Diese Verbindungen bestanden jedoch nur für die Dauer der Zugehörigkeit zum Mädchenkreis. In diesem Umfeld dienten sie zur Vorbereitung auf das Erwachsenenleben. Als Bestandteil der sexuellen Initiation der Mädchen endeten sie mit dem Ausscheiden aus der pädagogischen Lebensgemeinschaft und der Vermählung mit einem von der Familie auserwählten Mann. Wenn Sappho auch einen vielfach beschriebenen Abschiedsschmerz bei den Trennungen empfand, so bezweifelte sie nie, dass die eigentliche Bestimmung der Frau in der Verbindung mit einem Mann liegt. Sie selbst war mit einem reichen Mann verheiratet.9 Die antike lesbische Liebe verkörperte demnach kein eigenständiges Lebensmodell für Frauen. Sie war vielmehr fest in die patriarchale Gesellschaft integriert.
[...]
1 Manfred Berger: Homosexualität in der erzählenden Kinder- und Jugendliteratur. In: JuLit. Fachzeitschrift zur Kinder- und Jugendliteratur. Hrsg. v. Arbeitskreis für Jugendliteratur München. 1/92. S. 38.
2 Vgl. Frauenlexikon. Traditionen, Fakten, Perspektiven. Hrsg. v. Anneliese Lissner, Rita Süssmuth und Karin Walter. Basel/Wien 1989. Sp. 633. Zur Problematik der indirekten männlichen Dokumentation bezüglich der weiblichen Homosexualität vgl. ebenso Volker Sommer: Wider die Natur? Homosexualität und Evolution. München 1990. S. 15.
3 Vgl. Susanna von Paczensky: Verschwiegene Liebe lesbischer Frauen in unserer Gesellschaft. Hamburg 1984. S. 20.
4 Vgl. Barbara Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Das Lesbische in der weiblichen Psyche. Zürich 1993. S. 18f.
5 Vgl. Sommer: Wider die Natur? München 1990. S. 28.
6 Vgl. ebd. S. 29.
7 Lesbos, neugriechische Lesvos. Brockhaus. Die Enzyklopädie. 24 Bde. 13. Bd. Leipzig/Mannheim 1998. S. 316. Die Wortfamilie Lesb- (Lesbianismus, Lesbisch, Lesbe usw.) stammt von dem Namen dieser Insel. Jody Skinner: Bezeichnungen für das Homosexuelle im Deutschen. 2 Bde. Bd. 2. Wörterbuch. Essen 1999. S. 203.
8 Vgl. Sommer: Wider die Natur? München 1990. S. 31.
9 Vgl. Metzler Lexikon. Gender Studies. Geschlechterforschung. Ansätze – Personen – Grundbegriffe. Hrsg. von Renate Kroll. Stuttgart/
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