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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Nils Wiegand
Subject: Rhetoric / Elocution / Oratory
Details
Institution/College: University of Tubingen (Seminar für Allgemeine Rhetorik)
Tags: Kriterien, Unterhaltung, Texten, Unterhaltung
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1+
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-57007-7
File size: 232 KB
Die Arbeit begreift das Phänomen Unterhaltung als Effekt eines Kommunikationsprozesses, der in diversen Medialsystemen strategisch genutzt wird.
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Excerpt (computer-generated)
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Seminar für Allgemeine Rhetorik
HS: Unterhaltung
SS 2006, 6. Fachsemester
Kriterien für Unterhaltung in Texten
von: Nils Wiegand
1. Inhaltsverzeichnis 2
2. Einleitung 3
2.1. Eingrenzende Themenanalyse 4
3. Kommunikationstheoretische Grundlegung 5
3.1. Text – Kommunikation - Medialsystem 5
3.2. Vertextung und Intertextualität 7
4. Unterhaltung als rhetorischer Begriff 10
4.1. Die Unterhaltung des Lesers 10
4.2 Die Situativität und Ambivalenz der Unterhaltung 11
5. Unterhaltung aus oratorischer Perspektive 14
5.1. Unterhaltung als kommunikativer Prozess 14
5.2 Labeling als persuasive Strategie 16
6. Schlussbemerkung 19
7. Literaturverzeichnis 20
2. Einleitung
Die theoretische Problematik der bisherigen Unterhaltungsforschung besteht in der schwierigen Übertragbarkeit der Ergebnisse aufeinander, da diese zumeist aus unterschiedlichen Forschungsbereichen kommen, so dass sowohl ein gemeinsamer Bezugsrahmen als auch eine gemeinsame Terminologie fehlen.1 Ein Alltagsverständnis von Unterhaltung wirft zunächst die theoretische Schwierigkeit auf, dass bspw. nicht jede Comedyshow für jedermann gleichsam unterhaltend ist, dass es verschiedene Formate in verschiedenen Medien als „sozial distributive Tragflächen von verbalen oder nonverbalen Texten“2 gibt, die mitunter auch unfreiwillig komisch und somit unterhaltend sind. Harald Schmidt ließ nach den Anschlägen vom 11. September seine Late-Night-Talkshow (SAT 1) zunächst ausfallen, anlässlich des Afghanistan-Feldzuges konnte man jedoch auf seiner Homepage lesen: „Aus aktuellem Anlass findet die Sendung statt.“ Offenbar gibt es in der Praxis Kriterien, nach denen ein Unterhaltungsangebot funktionieren kann, und anhand dieser Kriterien müsste sich eine Theorie der Unterhaltung messen lassen. Zudem hat sich der Stellenwert des Unterhaltungsbegriffs maßgeblich verändert. Werner Früh verweist daher auch auf eine veränderte Wertigkeit der Unterhaltung, die sich bspw. in Form des Infotainments bzw. Entertainments als seriös behaupten kann:
„Wichtige politische und sonstige Informationen, die nur wenige interessieren oder von kaum jemandem verstanden wurden, sollen durch unterhaltsame Aufarbeitung plötzlich so attraktiv werden, dass sich nicht nur sehr viel mehr Menschen ihnen zuwenden, sondern sie auch noch mit größerer Aufmerksamkeit wahrgenommen und dadurch besser verstanden werden.“3 Diese Arbeit beschäftigt sich daher mit der Frage, welche Kriterien in Texten für Unterhaltung gelten bzw. welche Kriterien Unterhaltungsangebote erfüllen müssen, um als solche auch angenommen zu werden. Darüber hinaus reflektiert diese Arbeit Unterhaltung als kommunikatives Geschehen, bei dem der rhetorische Orator intervenieren kann.
2.1. Eingrenzende Themenanalyse
Die Erörterung der Kriterien für Unterhaltung in Texten müsste zunächst klären, was unter der Kategorie Text verstanden werden kann. Dies soll in Abschnitt 2 erfolgen; darüber hinaus wird in diesen Untersuchungen erörtert, inwiefern es sich empfiehlt den primärmedialen Bereich aus diesen Bereichen zunächst auszuschließen. Zwar verweist Carsten Wünsch bereits auf Dehms Feststellung, „(…) dass es sich bei massenmedialer Unterhaltung lediglich um eine spezifische Art dieser allgemeinen Unterhaltung handelt.“4 Unterhaltung auch als Phänomen der alltäglichen face-to-face-Kommunikation zu behandeln schiene jedoch textsemiotisch schwierig, zumal sich die bisherige Forschungsliteratur zumeist mit dem Fernsehmedium beschäftigt. Allerdings sollen die Ergebnisse dieser Arbeit ebenso auf andere Sekundärmedien (Radio, Internet/ Computer, Printmedien, etc.) übertragbar sein. Im Gegensatz zum Gros der Forschungsliteratur soll hier allerdings nicht von (medialen) Objekten bzw. Medieninhalten gesprochen werden, stattdessen basieren die Untersuchungen auf der abstrakten Größe Text, da Unterhaltung als kommunikativer Prozess begriffen werden soll, bei dem das Kommunikat (Text) vom Adressaten aktiviert werden muss (s. u.), damit der für die Unterhaltung obligatorische Kommunikationsprozess zustande kommen kann. „Ziel ist es, aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht Unterhaltung als Kommunikationsphänomen zu bestimmen.“5 Im weiteren Verlauf wird die Bedeutung des grundlegenden Kommunikationsprozesses maßgeblich für die Erörterung der Rolle des Oratoren und seines projektiven Kalküls sein. Ferner determinieren wir damit das Phänomen der Unterhaltung als rhetorischen Fall, da ein Unterhaltungsangebot auf einen „Wechsel von einem mentalen Zustand in einen anderen“6 abzielt und Unterhaltung somit als persuasiv zu betrachten ist.
3. Kommunikationstheoretische Grundlegung
3.1. Text – Kommunikation - Medialsystem
Zunächst muss ein spezifischer Textbegriff erörtert werden, um zu untersuchen, welche Kriterien Unterhaltung in Texten ermöglichen und konstituieren. Allgemein betrachten wir als Text eine „Folge von Sätzen oder sonstigen sprachlichen Äußerungen, die als Einheit betrachtet werden kann.“7 Allerdings müssen wir den Textbegriff weiter abstrahieren, da Texte durch Zeichen konstituiert werden, die wir als „kleinste bedeutungstragende Einheit eines Verweisungssystems“ begreifen, als „sinnlich wahrnehmbare Größe, die als Träger von Bedeutung fungiert oder interpretiert wird.“8 Zeichen gehören demnach auch immer zu eigenen Zeichensystemen (die nach den menschlichen Sinnen zu klassifizieren sind, d.h. akustisch, optisch, taktil/ haptisch, olfaktorisch, gustatorisch), auf das ein Kommunikator als Kode rekurrieren kann. „Kodes sind die Symbol- und Zeichenvorräte einer Kommunikationsgemeinschaft, einschließlich ihres Verwendungsregelwerks.“9 Ein Kommunikator produziert demnach Bedeutung, indem er aus einem Zeichensystem als Repertoire Zeichen auswählt, und sie nach den syntaktischen, semantischen und pragmatischen Regeln dieses Systems zu bedeutungstragenden Äußerungen verknüpft.10 Mit anderen Worten produziert er mit kommunikativen Mitteln (=Zeichen) aus einem Zeichensystem (oder mehreren) Bedeutung, die er über Texte als begrenzte Zeichenkomplexe, die in kommunikativer Absicht modelliert sind11, ausagiert.
[...]
1 Vgl.: Früh, Werner: Theorien, theoretische Modelle und Rahmentheorien - Eine Einleitung. In: Theorie der Unterhaltung – Ein interdisziplinärer Diskurs. Hg. v. Werner Früh u. Hans-Jörg Stiehler. Köln 2003. S. 9-26. Hier: S. 11.
2 Knape, Joachim: Was ist Rhetorik? Stuttgart 2000. S. 62.
3 Theorien, theoretische Modelle und Rahmentheorien - Eine Einleitung, S. 9.
4 Wünsch, Carsten: Unterhaltungstheorien – Ein systematischer Überblick. In: Unterhaltung durch das Fernsehen. Hg. v. Werner Früh. Konstanz 2002. S. 15-42. Hier: S. 35.
5 Theorien, theoretische Modelle und Rahmentheorien - Eine Einleitung, S. 12.
6 Knape, Joachim: Persuasion. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. VI. Hg. v. Gert Ueding. Tübingen 2003. S. 874- 907. Hier: S. 874.
7 Horstmann, Susanne: Text. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. III. 3., neubearb. Aufl. Hg. v. Jan- Dirk-Müller. Berlin 2003. S. 594-597. Hier: S. 594.
8 Titzmann, Michael: Zeichen. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. III. 3., neubearb. Aufl. Hg. v. Jan- Dirk-Müller. Berlin 2003. S.877-880. Hier: S. 877.
9 Knape, Joachim: The Medium Is The Massage? Medientheoretische Anfragen und Antworten der Rhetorik. In: ders. (Hg.): Medienrhetorik. Tübingen 2005. S. 17-39. Hier: S. 19.
10 Zeichen, S. 877.
11 Vgl.: Was ist Rhetorik?, S. 107.
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