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Gruppe 47 in der DDR

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 17 Pages
Author: Cornelia Weinreich
Subject: German Studies - Literature of History, Eras

Details

Event: Internationale Literatur in der DDR
Institution/College: University of Leipzig (Buchwissenschaft)
Tags: Gruppe, Internationale, Literatur
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 17
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V6456
ISBN (E-book): 978-3-638-14019-5
ISBN (Book): 978-3-638-75676-1
File size: 362 KB

Abstract

Die Gruppe 47, ein lockerer Zusammenschluss linksgerichteter Schriftsteller bzw. Kritiker, gründete sich 1947 in der BRD mit dem Ziel, für ein neues, demokratisches Deutschland zu wirken und die deutsche Literatur wiederzubeleben. Sie verfolgte dabei aber kein fest umrissenes politisches Programm, geriet aber dennoch in die Kritik seitens der Bundesregierung. Wie jedoch wurden ihre Ziele und Aktivitäten in der DDR reflektiert? Dieser spannenden Frage geht folgende Arbeit nach, indem sie nach einer Charakterisierung der Gruppe 47 die Kulturpolitik der DDR der 50er und 60er Jahre genauer beleuchtet, da nur so nachvollzogen werden kann, warum und welche Literatur westdeutscher Autoren in der DDR publiziert wurde. Zudem wird deutlich, dass nur einige Werke mit bestimmten Themen Einzug in das DDR-Verlagsprogramm hielten. Dabei kommen auch Prinzipien der DDR-Zensur zum Vorschein. Abschließend wird eine Auflistung von DDR-Ausgaben westdeutscher Autoren der Gruppe 47 gegeben, um sich ein vollständiges Bild darüber machen zu können.


Excerpt (computer-generated)

 

Die "Gruppe 47" in der DDR-Literatur

 

1. Wer war die "Gruppe 47" ?

2. Die Kulturpolitik
2.1. Die Kulturpolitik der DDR in den 50er Jahren
2.2. Die Kulturpolitik der 60er Jahre in der DDR

3. DDR-Verlage
3.1. DDR-Ausgaben westdeutscher Autoren der "Gruppe 47"

4. Zusammenfassung

Literatur


1. Wer war die "Gruppe 47" ?

Am 10. September 1947 traf sich in München eine Gruppe von linksgerichteten Schriftstellern und Kritikern. Dieser locker organisierte Zusammenschluss, von dem Schriftsteller Hans Werner Richter initiiert, ging aus einem Kreis hervor, der sich ursprünglich um die Zeitschrift "Der Ruf" gebildet hatte. Als "Der Ruf", ein kritisches Organ zur politischen Bewusstseinsbildung, von der US-Militärregierung verboten wurde, trafen sich die Mitarbeiter, um ihre ungedruckten Manuskripte vorzustellen. Dies war der Beginn der Gruppe 47, die ohne festes politisches oder ästhetisches Konzept antrat.
Ihr Ziel war allein die Wiederbelebung einer jungen deutschen Literatur, um für ein neues, demokratisches Deutschland zu wirken. Die Gruppe 47 traf sich in immer wieder neuen Konstellationen zunächst von 1947 bis 1955 zu halbjährlichen Treffen, dann - zwischen 1955 und 1967 - in jährlichem Turnus, um über Texte eingeladener Nichtmitglieder und über eigene Manuskripte zu diskutieren. Dadurch, dass es der Gruppe 47 gelang, die Autoren aus ihrer gesellschaftlichen Isolation ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken, avancierte sie schnell zum Forum deutscher Literaten der Nachkriegszeit. "Es gab Phasen", schrieb Dieter Lattmann 1973, "in denen nahezu alle als wichtig empfundenen Novitäten auf der Bühne und dem Buchmarkt von Autoren stammten, die entweder zum festen Kreis der Gruppe gehörten, oder zumindest durch eine Einladung oder Lesung mit ihr in Berührung gekommen waren" (Microsoft ENCARTA, Begriff "Gruppe 47").
Bereits 1963 gab es Kritik und Vorwürfe, dass die Gruppe 47 "eine geheime Reichschrifttumskammer" sei, weil sie wachsenden Einfluss auch in Fragen der Tagespolitik besitze. Gleichzeitig jedoch musste sich die Gruppe im Rahmen der Studentenbewegung den Vorwurf gefallen lassen, nicht engagiert genug zu sein. 1967 kam es zur letzten offiziellen Tagung der Gruppe 47 und bis zur endgültigen Auflösung am 19. September 1977 konnte sie nicht wiederbelebt werden.
Obwohl die politische Wirkung relativ gering geblieben ist, bestimmten sie die Literaturlandschaft. So waren vor allem in den 50er und 60er Jahren verstärkt auch Lektoren der großen Verlage anwesend, um sich die Vorträge der Schriftsteller anzuhören. In unregelmäßigem Abstand wurde ein von Verlagen und Rundfunkanstalten gestifteter Literaturpreis - der mit 5 000 DM dotierte "Preis der Gruppe 47" - vergeben, der z.T. live im Rundfunk übertragen wurde. Dies zeigt die Bedeutung der Gruppe 47, auf deren Tagungen viele dadurch berühmt gewordene Autoren, wie beispielsweise Günter Grass, lasen.
Helmut Heißenbüttel in "Nachruf auf die Gruppe 47" (1971) fasst die Gruppe 47 so zusammen: "Sie war antifaschistisch, antimilitaristisch, antirassistisch, antiautoritär" (DUDEN, S. 186). Sie war Sammelbecken für die ehemaligen Kriegsgefangenen und Kriegsheimkehrer, die auf literarischem Wege den Krieg verarbeiteten und sich mit ihren antimilitaristischen und antifaschistischen Schriften gegen die Wiederholung solchen Erlebens stellten. Zu ihnen gehören u.a. Böll, Andersch, Schnurre und Kolbenhoff.
Genau diese Eigenschaften machten die Gruppe 47 auch bei den DDR-Lektoren interessant. Besonders bei der Umerziehung vom Faschismus zum Sozialismus in den 50er Jahren setzte man auf kritische Literatur aus dem Westteil Deutschlands, um die Vorteile des Sozialismus durch die Nachteile des Bürgerlichen und Faschistischen zu verstärken.
Wehdeking und Blamberger stellen zur Gruppe 47 und ihrem Vorläufer "Der Ruf" resümierend fest, dass die Arbeit "als Modell demokratischer Elitenbildung bei tiefsitzender Abneigung gegenüber allen traditionellen Organisationsmodi" beschrieben werden könnte (S. 51).

[...]


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