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Autor: Magister Artium Falko Krause
Fach: Bibliothekswiss., Information- / Documentation Science
Details
Tags: Schrift, Meilenstein, Schriftgeschichte
Jahr: 2000
Seiten: 14
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 190 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-57656-7
ISBN (Buch): 978-3-638-75354-8
Einzeiliger Zeilenabstand
Zusammenfassung / Abstract
Wenn der Europäer heutzutage sein Alphabet benutzt, um zu schreiben, dann ist dies eine der größten Selbstverständlichkeiten seines Alltagslebens, und wenn er gefragt wird, was Schreiben bedeutet, glaubt er genau zu wissen, was es eigentlich ist: Wörter mit Buchstaben wiedergeben. „Diejenigen, die etwas über die Geschichte der Schrift gelesen haben, wissen, daß es eine ganze Reihe von Schreibarten gibt und gab, die verschieden sind von dem, was man eine Alphabetschrift nennt“. Mit diesen Worten beginnt Harald Haarmann sein Buch: Universalgeschichte der Schrift. Des Weiteren fährt er fort: „Die Ausbildung eines Alphabets war ein langwieriger und enorm komplizierter Prozess, der sich über viele Jahrhunderte hinzog. Die Verwendung des Alphabets, heute weltweit die verbreiteste Art zu schreiben, hat schon eine lange Tradition, die bis ins Altertum zurückreicht.“ In der Tat ist es für jemanden, der tagtäglich mit „seinem“ Alphabet arbeitet und ganz selbstverständlich damit umgeht, da er es seit den ersten Tagen in der Schule so erlernt hat, komisch anzunehmen, daß es dieses logische alphabetische System wie man es kennt, nicht schon immer so gegeben hat. Aber wo kommt „unser“ Alphabet eigentlich her? Von wem und warum wurde es eigentlich entwickelt? Oder wurde es gar erfunden? Vielleicht stimmt aber sogar die Ansicht des weltberühmten Autors von „Das Dschungelbuch“ Rudyard Kipling, daß das Alphabet die Erfindung eines Kindes war und wie Andrew Robinson weiter ausführt: „Es wäre möglich, daß ein gescheites kanaanitisches Kind irgendwo in Nordsyrien von der Keilschrift die Nase voll hatte und nach dem Vorbild der einkonsonantigen Hieroglyphen neue Zeichen schuf, um die Konsonanten seiner semitischen Sprache zu schreiben.“ Um der Wahrheit zumindest etwas näher zu kommen, müssen wir wie Haarmann richtig feststellt ins 2. Jahrtausend vor Christus blicken und genau diese Betrachtung ist Gegenstand dieser Arbeit. Ausgehend von einigen teils gewagten Theorien und Fantasien über die Herkunft des Alphabets zu den wahrscheinlichsten Theorien der Forschung, über die Eigenheiten und die Bedeutung der phönizischen Schrift bis hin zur Vollendung des kompletten Alphabets der Griechen soll der Bogen gespannt werden.
Textauszug (computergeneriert)
Humboldt – Universität zu Berlin, Institut für Bibliothekswissenschaft
Hauptseminar: Schriftgeschichte als Mediengeschichte
Sommersemester 2000, 9. Fachsemester
Die phönizische Schrift –
Ein Meilenstein in der Schriftgeschichte
von: Falko Krause
Gliederung
1. Einleitung
2.1. Theorien zur Herkunft der nordsemitischen Schriften bzw. des ersten Konsonantenalphabets
2.2. Die feststehenden Annahmen und die wahrscheinlichste Variante
2.3. Die Eigenheiten der phönizischen Schrift
2.4. Ihre Bedeutung in der Schriftgeschichte
3. Die Komplettierung des Alphabets durch die Griechen
4. Zusammenfassung
5. Literaturliste
1. Einleitung:
Wenn der Europäer heutzutage sein Alphabet benutzt, um zu schreiben, dann ist dies eine der größten Selbstverständlichkeiten seines Alltagslebens, und wenn er gefragt wird, was Schreiben bedeutet, glaubt er genau zu wissen, was es eigentlich ist: Wörter mit Buchstaben wiedergeben.
„Diejenigen, die etwas über die Geschichte der Schrift gelesen haben, wissen, daß es eine ganze Reihe von Schreibarten gibt und gab, die verschieden sind von dem, was man eine Alphabetschrift nennt“.1 Mit diesen Worten beginnt Harald Haarmann sein Buch: Universalgeschichte der Schrift. Des Weiteren fährt er fort: „Die Ausbildung eines Alphabets war ein langwieriger und enorm komplizierter Prozess, der sich über viele Jahrhunderte hinzog. Die Verwendung des Alphabets, heute weltweit die verbreiteste Art zu schreiben, hat schon eine lange Tradition, die bis ins Altertum zurückreicht.“2
In der Tat ist es für jemanden, der tagtäglich mit „seinem“ Alphabet arbeitet und ganz selbstverständlich damit umgeht, da er es seit den ersten Tagen in der Schule so erlernt hat, komisch anzunehmen, daß es dieses logische alphabetische System wie man es kennt, nicht schon immer so gegeben hat. Aber wo kommt „unser“ Alphabet eigentlich her? Von wem und warum wurde es eigentlich entwickelt? Oder wurde es gar erfunden? Vielleicht stimmt aber sogar die Ansicht des weltberühmten Autors von „Das Dschungelbuch“ Rudyard Kipling, daß das Alphabet die Erfindung eines Kindes war und wie Andrew Robinson weiter ausführt: „Es wäre möglich, daß ein gescheites kanaanitisches Kind irgendwo in Nordsyrien von der Keilschrift die Nase voll hatte und nach dem Vorbild der einkonsonantigen Hieroglyphen neue Zeichen schuf, um die Konsonanten seiner semitischen Sprache zu schreiben.“3 Um der Wahrheit zumindest etwas näher zu kommen, müssen wir wie Haarmann richtig feststellt ins 2. Jahrtausend vor Christus blicken und genau diese Betrachtung ist Gegenstand dieser Arbeit.
Ausgehend von einigen teils gewagten Theorien und Fantasien über die Herkunft des Alphabets zu den wahrscheinlichsten Theorien der Forschung, über die Eigenheiten und die Bedeutung der phönizischen Schrift bis hin zur Vollendung des kompletten Alphabets der Griechen soll der Bogen gespannt werden.
2.1 Theorien zur Herkunft der nordsemitischen Schriften bzw. des ersten Konsonantenalphabets
Die Herkunft der semitischen Schriften, in unserem speziellen Fall der nordsemitischen Schriften, steckt voller Rätsel und Geheimnisse. Da sie eine der ersten nachweisbaren Schriftsysteme sind, die auf ein Konsonantenalphabet zurückgreifen, war das Interesse am Ursprung des Alphabets schon seit dem Altertum riesig. Es gab und gibt eine Vielzahl von Annahmen und Theorien woher das Alphabet oder genauer das Konsonantenalphabet kommt, aber die meisten von ihnen blieben und sind bis heute strittig.
Abgesehen von manchen mythischen und religiösen Annahmen und Legenden, wobei dem Menschen meist durch die Güte der Götter die Schrift und die Sprache geschenkt worden seien, gab es schon seit der Antike durchaus Versuche, die Herkunft des Alphabets zumindest teilweise wissenschaftlich zu erklären.
Der griechische Geograph Strabo, er starb im Jahre 23 n. Chr., vertrat die Ansicht, daß die iberischen Turdetanier eine über 6000 Jahre alte (!) Schrift gehabt hätten.4 Heute können wir mit gutem Grund davon ausgehen, daß diese turdetanische oder iberische Schrift nichts anderes als ein Ausläufer des phönizischen Konsonantenalphabets, also einer nordsemitischen Schrift, war5 . Der Römer Plinius der Jüngere hielt die Assyrer für die Erfinder der Schrift und auch einige Gelehrte der neueren Zeit glaubten, daß die Schrift aus der neuassyrischen oder aus der altbabylonischen Keilschrift bzw. aus der sumerischen Bilderschrift hervorgegangen wären. Die zyprischen Silbenzeichen wurden als Quelle für das erste Konsonantenalphabet ebenso herangezogen wie die hethitischen Hieroglyphen.6
Schon in der Antike wurde von hervorragenden Autoren die Ansicht vom ägyptischen Ursprung des Konsonantenalphabets und der Schrift vertreten. Selbst Platon (427-347 v. Chr.) äußerte sich in diesem Sinne im Phaidros, einem seiner berühmtesten Dialoge. Auch der griechische Geschichtsschreiber Plutarch (46-119 n. Chr.) teilte diese Auffassung.7
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1 Harald Haarmann, Universalgeschichte der Schrift, Frankfurt a./M. [u. a.], 1991 (2. Aufl.), S. 13.
2 Ebd., S. 13.
3 Andrew Robinson, Geschichte der Schrift, Stuttgart [u. a.], 1996 (4. Aufl.), S. 159.
4 Karoly Földes-Papp, Vom Felsbild zum Alphabet, Stuttgart [u. a.], 1987, S. 101.
5 Vgl. Haarmann, S. 419-423.
6 Siehe Földes-Papp, S. 101.
7 Siehe Földes-Papp, S. 101.
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