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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 23 Pages
Author: Andy Schalm
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Institution/College: University of Rostock (Fachbereich Altertumswissenschaften)
Tags: Caesars, Konsulat, Caesar
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,4
Bibliography: ~ 26 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-58058-8
ISBN (Book): 978-3-638-67070-8
File size: 191 KB
Ist Caesar mit seiner Politik verantwortlich für das Ende der Republik? Woran scheiterte die mögliche Kooperation mit dem Senat? Caesars politische Arbeit während seines ersten Konsulats 59 v. Chr. wird in dieser Arbeit ausführlich beleuchtet, wobei besondere Schwerpunkte die Zusammenarbeit mit dem Senat, die Entstehung des ersten Triumvirats und der politische Alltag (D.h.: Mit welchen Mitteln wurde gearbeitet, um ein Gesetz durchzubringen?) sind.
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Abstract
„Wozu viele Worte vor Dir über den Staat? Er ist dahin, ganz und gar dahin!“ Diese Worte schrieb Cicero seinem Freund Atticus im Juli des Jahres 59 v. Chr., Jahre nach dem ersten Marsch auf Rom durch Sulla. Es war der Beginn des Konsulatsjahres des Gaius Iulius Caesar – ein Zeitpunkt, der aus der Perspektive des Historikers als „tiefer Einschnitt“ in der römischen Geschichte gilt. Die Römer, die zwischen Sulla und Caesar an der Spitze der Republik standen – seien es nun Metellus, Lepidus, Sertorius, Crassus oder Pompeius gewesen – fielen vor allem durch ihr militärisches Wirken auf. Die seit Sulla bestehenden Konflikte, wie die Auseinandersetzung mit Mithridates und innenpolitisch die sozialen Spannungen, blieben von ihnen ungelöst. Ein „sozialer Ausgleich“ zwischen den armen Volksschichten und den vermögenden aristokratischen Optimaten und Rittern war in weiter Ferne, da diese nicht auf Privilegien verzichten wollten und konnten. Ausgangspunkt dieser Arbeit soll die These Jehnes sein, der Caesars Konsulat als den „Anfang vom Ende“ der römischen Republik bezeichnete. An diese Aussage schließt sich die Frage an, ob es Caesars Politik war, die das Ende der Republik einläutete. Welche Rolle spielte das Verhalten der Senatsaristokratie, und wäre eine Politik mit anderen Mitteln mit dem Senat möglich gewesen? Caesars erste Schritte in der politischen Welt Roms werden ebenso beschrieben wie sein Weg zum Konsulat (inklusive der Formung des ersten Triumvirates) und, nach Erreichung dieses großen Zieles, die von ihm eingebrachten Gesetze und politischen Vorhaben in seiner Amtszeit. Abgerundet wird die Arbeit mit der Beschreibung der Vorsorgemaßnahmen Caesars für die Zeit nach dem Konsulatsjahr, die für einen umstrittenen und nicht immer nur am Rande der Legalität agierenden Mann wie ihn von besonderer Wichtigkeit war.
Excerpt (computer-generated)
Universität Rostock, Fachbereich Altertumswissenschaften
Hauptseminar: Caesar, Wintersemester 2006/2007
Caesars erstes Konsulat
von: Andy Schalm
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Erste Schritte in der Politik
2. Der Weg zum Konsulat
3. Das Triumvirat
4. Die Politik Caesars
4.1 Land für die Veteranen und andere Gesetze
4.2 Neue Ehebande
5. Die Vorsorge für die Zeit nach dem Konsulatsjahr
Fazit
6. Auswahlbibliographie
a. Quellen
b. Literatur
Einleitung
„Wozu viele Worte vor Dir über den Staat? Er ist dahin, ganz und gar dahin!“1 Diese Worte schrieb Cicero seinem Freund Atticus im Juli des Jahres 59 v. Chr., Jahre nach dem ersten Marsch auf Rom durch Sulla. Es war der Beginn des Konsulatsjahres des Gaius Iulius Caesar – ein Zeitpunkt, der aus der Perspektive des Historikers als „tiefer Einschnitt“2 in der römischen Geschichte gilt.
Die Römer, die zwischen Sulla und Caesar an der Spitze der Republik standen – seien es nun Metellus, Lepidus, Sertorius, Crassus oder Pompeius gewesen – fielen vor allem durch ihr militärisches Wirken auf.3 Die seit Sulla bestehenden Konflikte, wie die Auseinandersetzung mit Mithridates und innenpolitisch die sozialen Spannungen, blieben von ihnen ungelöst. Ein „sozialer Ausgleich“ zwischen den armen Volksschichten und den vermögenden aristokratischen Optimaten und Rittern war in weiter Ferne, da diese nicht auf Privilegien verzichten wollten und konnten.4 Ausgangspunkt dieser Arbeit soll die These Jehnes sein, der Caesars Konsulat als den „Anfang vom Ende“5 der römischen Republik bezeichnete. An diese Aussage schließt sich die Frage an, ob es Caesars Politik war, die das Ende der Republik einläutete. Welche Rolle spielte das Verhalten der Senatsaristokratie und wäre eine Politik mit anderen Mitteln, mit dem Senat möglich gewesen? Zur Quellenlage ist zu sagen, dass die Briefe des Cicero an seinen Freund Atticus zwar oft sehr subjektiv abgefasst sind und die Ansichten eines popularen Senatsmitgliedes widerspiegeln, jedoch durch ihre zeitnahe Niederschrift wichtige Einsichten in das politische Geschehen ermöglichen.
Die Römische Geschichte des Dio Cassius wird bekanntlich erst zur Zeit des Commodus detailreicher, da sich dort das Leben des Autoren abspielte, aber auch seine eher zusammenfassenden Charakter tragenden Darstellungen der Konsulatszeit Caesars ist für den Historiker interessant. Insgesamt bieten seine Texte wenige Einzelheiten. Seine Hauptquelle scheint Livius gewesen zu sein.6 Die Anfänge der Caesar-Biographien Plutarchs und Suetons sind leider verloren, so dass insgesamt über die Jugend des späteren Diktators wenig bekannt ist. Die erhaltene Beschreibung Suetons beispielsweise setzt mit dem Verlust des Vaters ein – zu diesem Zeitpunkt war Caesar bereits 16 Jahre alt.
Während Plutarch aber prinzipiell chronologisch vorgeht (Geburt, Jugend, Charakter, Taten, Tod) und seine Biographien mit vielen moralischen Reflexionen versieht, wählte Sueton eine eher thematische Herangehensweise an das Leben Iulius Caesars. Beide Darstellungen unterscheiden sich weiterhin dadurch, dass Plutarch auch Wert auf zunächst scheinbar unwichtige Details legt, die, so seine Ansicht, oftmals mehr über die Persönlichkeit auszusagen in der Lage sind, als große Taten auf dem Schlachtfeld.7 Sueton, der möglicherweise für Traian und höchstwahrscheinlich für Hadrian gearbeitet hat, hatte durch diese Tätigkeiten das Privileg, Zugang zu den kaiserlichen Archiven zu besitzen.8 Ein Fakt, der der Genauigkeit seiner Schriften sicher zuträglich war. Das Fehlen von persönlichen Vorurteilen und rhetorischer Färbung machen seine Arbeiten besonders.
1. Erste Schritte in der Politik
Als Sohn eines Senator musste Caesar nicht erst den Beschluss fassen, die politische Laufbahn einzuschlagen. Wollte er sich dem Ansehen seiner Familie würdig erweisen, blieb ihm nur die Karriere in der Politik, mit der höhere militärische Kommandopositionen zwingend verbunden waren.9 Prozesse gegen etablierte Senatoren boten politischen Aufsteigern die Möglichkeit, öffentlich auf sich aufmerksam zu machen, sowie ihre Fähigkeiten und ihre Sorge um das römische Allgemeinwohl zu demonstrieren. Auf eben diese Weise wurde auch Caesar der politischen Klasse bekannt, als er (wahrscheinlich im Jahre 77) den Konsul Gnaeus Cornelius Dolabella wegen illegaler Bereicherung als Provinzstatthalter in Makedonien den Prozess antrug.10 Zwar wurde jener nach harter Auseinandersetzung freigesprochen, trotzdem ist die Konfrontation als Erfolg für den Ankläger zu werten, machte dieser doch als brillanter Redner auf sich aufmerksam und profilierte sich gleichzeitig als Gegner von Korruption und illegaler Machenschaften. Auch Caesars Niederlage in einer Zivilklage gegen den ehemaligen Offizier Sullas, Gaius Antonius, bedeutete für seine Position keinen Rückschlag.11 Caesar war in der politischen Landschaft Roms angekommen, der „Glanz seiner Lebensführung“ sowie seine Gastlichkeit ließen nach und nach seinen politischen Einfluss erstarken.12 Diese „Gastfreundschaft“, die Plutarch so beiläufig erwähnt, entspringt handfestem politischem Kalkül, wie den Briefen des Quintos Ciceros an seinen Bruder Marcus zu entnehmen ist: „Bei der Bewerbung um ein Amt musst du zweierlei sorgfältig beachten, dich der Bereitwilligkeit deiner Freunde zu versichern und dir das Wohlwollen des Volkes zu gewinnen. Diese Bereitwilligkeit der Freunde musst Du Dir gewonnen haben durch Gefälligkeiten, durch Erfüllung freundschaftlicher Verpflichtungen, durch die lange Dauer der Bekanntschaft, Freundlichkeit im Umgang und Liebenswürdigkeit im Wesen“13.
[...]
1 Cic. att. 2, 21, 1
2 Meier, Christian: Caesar. Berlin 1982, S. 276
3 Pusch, Matthias: Die Römer. Politik mit Legionen. München 1977, S. 102f.
4 Pusch, S. 104
5 Jehne, Martin: Caesar. München 1997, S. 35ff.
6 Michael Grant: Genie – Eroberer – Diktator. München 2006, S. 197
7 Plut. alex. 1, 1-2
8 Edwards, Catharine: Suetonius: Lives of the Caesars. Oxford 2000. Introduction, S. VIII
9 Jehne, S. 18
10 Plut. caes. 4
11 Jehne, S. 19
12 Plut. caes. 4
13 Zitiert nach: Pusch, S. 107
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