Seminararbeit, 2005, 18 Seiten
Autor: Mirjam Rothenbacher
Fach: Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Details
Institution/Hochschule: Universität Regensburg (Didaktik der deutschen Sprache und Literatur)
Tags: Zweitspracherwerb, Deutsch, Zweitsprache, Grund-, Hauptschule
Jahr: 2005
Seiten: 18
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-58098-4
Dateigröße: 189 KB
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Universität Regensburg, Philosophische Fakultät IV - Sprach- und Literaturwissenschaft
Übung: Deutsch als Zweitsprache in der Grund- und Hauptschule
Wintersemester 2004/05, Semesterzahl: 5
Zweitspracherwerb
von: Mirjam Rothenbacher
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Geschichte des Zweitspracherwerbs 5
2.1 „Die Ausländer“ in der Bundesrepublik Deutschland 5
2.2 Deutsch als Zweitsprache (DaZ) – Die Anfänge 7
2.3 DaZ in Bayern – von den 80ern bis heute 9
3 Die wichtigsten Hypothesen der Zweitspracherwerbsforschung und die Folgerungen daraus 11
4 Die Bedeutung der Muttersprache 14
5 Konsequenzen für den Unterricht 15
6 Bibliographie 18
Links: 18
1 Einleitung
„Unter dem Begriff Zweitspracherwerb wird im folgenden jede
Aneignung einer weiteren Sprache (neben der Muttersprache)
verstanden, wobei die einzelnen Formen dieses Aneignungsprozesses
sich nach Lernalter (gleichzeitig/nachzeitig zum Erstspracherwerb)
und Lernkontext (natürlich/gesteuert) weiter differenzieren lassen
[…] Besteht für die Lerner keine Möglichkeit, außerhalb der Schule
mit Sprechern Kontakt aufzunehmen, die diese Sprache als
Muttersprache sprechen, wird vom Erwerb einer Fremdsprache
gesprochen“.1
Die Zweitsprache ist also Sprache des Landes, in dem man zwar lebt, in dem man aber entweder selbst oder einer seiner nahen Vorfahren nicht geboren ist, was meist äußerst eingeschränkte Kenntnisse der deutschen Sprache zur Folge hat. Die komplexe Thematik Zweitspracherwerb betrifft demnach die in Deutschland lebenden „Nicht-Deutschen“ oder Ausländer, die sich auf einen längeren Aufenthalt mit ihren Familien in Deutschland eingerichtet haben und die es zu integrieren gilt. Dafür sind natürlich viele Faktoren zuständig, die hier verständlicherweise nicht alle behandelt werden können. In der folgenden Arbeit soll ausschließlich auf die sprachliche Integration eingegangen werden, also auf den Zweitspracherwerb Deutsch, u. z. insbesondere auf den nachzeitigen und den gesteuerten, da dieser einen mehr oder minder großen Bestandteil des Lehrerberufs - abhängig von der Schulart - ausmacht. Das Entstehen der Problematik soll aufgezeigt, der heutige Stand der Dinge dargelegt und Lösungsvorschläge unterbreitet werden.
Zu den Fakten2: Heute leben 7,3 Mio. Ausländer in Deutschland, was bei 82,5 Mio. Einwohnern insgesamt einem Anteil von knapp 9% entspricht, davon besuchen allein ca. 960.000 deutsche Schulen, einem Anteil von knapp 10% ausgehend von einer Gesamtschülerzahl von 9,7 Mio. Schülern. Ca. 235.000 von ihnen besuchen eine Hauptschule - ein Anteil von 16% (!) gemessen an der Gesamtzahl aller Hauptschüler in Deutschland, 87.500 besuchen eine Realschule (6,8% aller Realschüler) und immerhin 90.000 besuchen ein Gymnasium, was aber lediglich einem Anteil von 3,9% bei den Gymnasiasten entspricht. In Prozenten ausgedrückt, ist die „Vorliebe“ ausländischer Kinder für die Hauptschule offensichtlich. Aber auch in absoluten Zahlen liegt die Hauptschule als Favorit unangefochten auf Platz eins, Realschule und Gymnasium teilen sich dabei den weit entfernten zweiten Platz. Eine weitere Zahl bestätigt, was sich schon vermuten lässt: Von allen ausländischen Schülern in Deutschland gehen 24,5%, also fast ein Viertel, auf die Hauptschule! Auf Realschule und Gymnasium verschlägt es jeweils lediglich 9% aller ausländischen Schüler. Allein diese Zahlen verdeutlichen, dass mit steigendem Schwierigkeitsgrad einer Schulart der Anteil ausländischer Kinder und Jugendlicher abnimmt. Der Verdacht liegt nahe, dass dies auch, oder vielleicht sogar größtenteils auf die immensen Sprachprobleme zurückzuführen ist. Erwähnenswert ist hier außerdem die Tatsache, dass nicht nur die im schulpflichtigen Alter einreisenden Kinder Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache benötigen, sondern auch diejenigen, die hier geboren wurden. Die Ursachen für die oft mangelhaft ausgeprägten Deutschkenntnisse sind mannigfaltig, sie zu beseitigen bzw. einzudämmen ist Aufgabe u. a. der Schulen. Was gibt es hierzu für Ansätze? Welche Erfahrungen wurden bisher gemacht? Welche Erkenntnisse wurden daraus gezogen? Fragen, die im Folgenden geklärt werden sollen.
2 Geschichte des Zweitspracherwerbs
2.1 „Die Ausländer“ in der Bundesrepublik Deutschland
Mit dem landläufigen Begriff Ausländer werden in Deutschland nicht automatisch alle Bewohner nichtdeutscher Herkunft charakterisiert, sondern nur Staatsangehörige bestimmter Nationen. So meint man damit nicht Mitglieder aus Ländern wie den Niederlanden, Frankreich, England oder gar den USA. Ebenso wenig werden ausländische Diplomaten, Wissenschaftler, Kaufleute, Ingenieure, Schweizer, Österreicher und deren Kinder als Ausländer bzw. Ausländerkinder bezeichnet. Die Ausländer beschreiben Angehörige der sechs ehemaligen EU-Anwerbestaaten: Türkei, Griechenland, Jugoslawien, Italien, Spanien, Portugal.3 Der Chefarzt aus den USA zählt also nicht zu den Ausländern. Also bleibt festzuhalten, dass der Begriff keinesfalls objektiv und sachlich korrekt (Ausländer = eine Person, die aus einem anderen Land als Deutschland kommt) verwendet wird, sondern nur mit bestimmten Personen aus bestimmten Ländern mit bestimmten Berufen in Verbindung gebracht wird. Mit dem einheitlichen, undifferenzierten Begriff wird zudem der Anschein erweckt, man könne alle Nationalitäten über einen Kamm scheren, was natürlich nicht der Fall ist und deshalb ein weiteres Problem darstellt. „Die Bezeichnung ‚Ausländer’ täuscht einen homogenen Personenkreis vor, der in Wirklichkeit nicht besteht.“4
[...]
1 Apeltauer, Zweitspracherwerb 9.
2 Vgl. zum Folgenden Statistisches Jahrbuch 2004, 47, 124.
3 Vgl. Mahler, G., Steindl, M., Zweitsprache 12f.
4 Ebd. 12.
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