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'Don Karlos', ein Freundschaftsdesaster - eine didaktische Analyse für den Deutschunterricht

Autor: Dipl.-Volkswirt (BA) Oliver Heiden
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 28
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 34  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 194 KB
Archivnummer: V65802
ISBN (E-Book): 978-3-638-58290-2
ISBN (Buch): 978-3-638-67087-6

Zusammenfassung / Abstract

Die vorliegende Arbeit versteht sich nicht nur als Plädoyer für die Thematisierung der Freundschaft im Deutschunterricht, sondern versucht auch zu belegen, dass Friedrich Schillers „Don Karlos“ in Hinblick auf den Titelhelden und den Marquis von Posa für diesen Unterrichtsschwerpunkt ein geeignetes Werk sei. Letzteres ist leider keineswegs selbstverständlich, wenn man einen Blick in die Beiträge der Karlos-Forschung, in fachdidaktische Artikel oder in Lektüreschlüssel und -hilfen zu „Don Karlos“ wirft. Der Aspekt der Freundschaft wird in aller Art von Auslegungen geradezu konsequent vernachlässigt. Wenn dieser Aspekt dennoch aufgegriffen wird, so kann man davon ausgehen, dass der Autor sich auf die Schelte des Marquis beschränkt und dadurch die komplexe Freundschaftsproblematik des Stückes nur oberflächlich erfasst. Dabei kann eine umsichtige Analyse des Dramas mit einem Fokus auf die Beziehung der Haupthelden für den Deutschunterricht sehr fruchtbar sein. Über die Auseinandersetzung mit der Freundschaftsproblematik in „Don Karlos“ bekommen die Schüler nicht nur die Gelegenheit eine der wichtigsten literarischen Spannungsfelder des ausgehenden 18. Jahrhunderts zu diskutieren, sondern können auch eigene Freundschaftserlebnisse reflektieren und allgemeine Voraussetzungen, Regeln und Ziele einer guten Freundschaft herausarbeiten.

Textauszug (computergeneriert)

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Germanistische Literaturwissenschaft
Hauptseminar: Schillers Dramen als Gegenstand des Literaturunterrichts
Sommersemester 2005, 14./11. Fachsemester

′Don Karlos′, ein Freundschaftsdesaster –
eine didaktische Analyse für den Deutschunterricht

von: Oliver Heiden

 


Inhaltsangabe

1. Einleitung  3

2. Die Bedeutung der Freundschaft für unsere Schüler  4

2.1 Eine verlorene Lebensform?  4
2.2 Freundschaft in der Persönlichkeitsentwicklung 5

3. Der Literaturunterricht als Diskussionsforum über Freundschaft 7

3.1 Literatur und Freundschaft  8

4. Die Freundschaftsproblematik in „Don Karlos“  9

4.1 Ein Plädoyer für „Don Karlos“  9
4.2 „Don Karlos“ in der Schule, eine erste magere Bilanz  10
4.3 „Don Karlos“ in der Fachdidaktik, eine zweite magere Bilanz  11
4.4 Freundschaftsproblematik in den Lernmaterialien zu „Don Karlos“, eine dritte magere Bilanz  13

4.4.1 Der Mangel an persönlicher Übereinstimmung  14
4.4.2 Die ungleichen Erwartungen der Freunde 15
4.4.3 Die Fehltritte der Freunde  17

4.5 Das fehlerhafte Verhalten des Prinzen, ein Nachtrag für die Lernmaterialien  20

5. Ergebnisse  23

6. Literaturangaben 25

Aufsätze aus dem Bereich der Fachdidaktik Deutsch 26
Lernmaterialien zu Don Karlos 27

7. Anhang  28


 

 

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit versteht sich nicht nur als Plädoyer für die Thematisierung der Freundschaft im Deutschunterricht, sondern versucht auch zu belegen, dass Friedrich Schillers „Don Karlos“ in Hinblick auf den Titelhelden und den Marquis von Posa für diesen Unterrichtsschwerpunkt ein geeignetes Werk sei. Letzteres ist leider keineswegs selbstverständlich, wenn man einen Blick in die Beiträge der Karlos-Forschung, in fachdidaktische Artikel oder in Lektüreschlüssel und -hilfen zu „Don Karlos“ wirft. Der Aspekt der Freundschaft wird in aller Art von Auslegungen geradezu konsequent vernachlässigt. Wenn dieser Aspekt dennoch aufgegriffen wird, so kann man davon ausgehen, dass der Autor sich auf die Schelte des Marquis beschränkt und dadurch die komplexe Freundschaftsproblematik des Stückes nur oberflächlich erfasst. Dabei kann eine umsichtige Analyse des Dramas mit einem Fokus auf die Beziehung der Haupthelden für den Deutschunterricht sehr fruchtbar sein. Über die Auseinandersetzung mit der Freundschaftsproblematik in „Don Karlos“ bekommen die Schüler nicht nur die Gelegenheit eine der wichtigsten literarischen Spannungsfelder des ausgehenden 18. Jahrhunderts zu diskutieren, sondern können auch eigene Freundschaftserlebnisse reflektieren und allgemeine Voraussetzungen, Regeln und Ziele einer guten Freundschaft herausarbeiten. Die vorliegende Arbeit bezieht sich in ihren Textverweisen bezüglich des Dramas auf die letzte vom Dichter autorisierte Fassung von 1805, die sich in der Rezeptionsgeschichte als die wirkungsmächtigste herausgestellt hat.1 Alle Literaturangaben in den Fußnoten, die keinen Verfasser und keinen Titel nennen, beziehen sich auf die Ausgabe des Deutschen Klassiker- Verlages.2

2. Die Bedeutung der Freundschaft für unsere Schüler

2.1 Eine verlorene Lebensform?

Meyer-Krentler spricht mit Blick auf die okzidentale Kulturgemeinschaft über die Freundschaft als von einer „zumindest halbwegs verlorenen Lebensform“3. Verglichen mit dem 18. Jahrhundert haben Individualisierung, Wettbewerbsgeist, soziale Beschleunigung sowie neue bürgerliche Institutionen, wie die Familie, bereits im 19. Jahrhundert zu einer wachsenden Distanzierung der Gesellschaft vom Geist der Freundschaft geführt. Dieser Trend hält bis heute an, galt jedoch bis vor kurzem vor allem für die Freundschaften unter Erwachsenen, die diese Beziehungsart zunehmend als ein Phänomen verstanden, das nur noch in der unbeschwerten Kindheit und Pubertät möglich ist. Neuerlich lässt sich aber auch bei der Altersgruppe der Kinder ein besorgniserregender Rückgang an Freundschaftsbeziehungen beobachten. Die Verbrüderung unter Jugendlichen wird rar, weil die praktischen Voraussetzungen einer Freundschaft oft fehlen. Denn heute, als vor allem der Leistungs- und Konkurrenzdruck bis auf die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft durchsickert und die Kleinfamilie als Prämisse der Glückseeligkeit ihre Renaissance erlebt, bleibt den Jugendlichen für den Austausch mit den Altersgenossen wenig Zeit und Raum. Die außerschulische Zeit soll im Idealfall entweder für den Besuch von Sport-, Musik- und zusätzlichen Sprachkursen genutzt oder gemeinsam mit den Eltern verbracht werden. Was die räumliche Komponente angeht, sind vor allem Städte den Orten oder Räumlichkeiten verlustig geworden, wo sich Jugendliche unbeobachtet treffen könnten. Die ‚Straße’ ist ohnehin zu einem Synonym für Gefahr geworden. „Der Streifradius des Grundschulkindes [wurde] seit den siebziger Jahren von 20 auf 4 Kilometer gestutzt.“4 Für Deutschland kommt ein allgemeiner Rückgang der Zahl der Kinder hinzu. In der ganzen Bundesrepublik leben sechs Millionen Kinder weniger als vor 30 Jahren. Entsprechend sporadisch sind Kontakte. Manchmal fehlt es den Eltern sogar an Verständnis für die Freundschaften ihrer Kinder, weil sie an dem Sinn dieser Beziehungen zweifeln oder einfach eifersüchtig auf die neue Kontaktpersonen sind und sich an ihren früheren Freundschaften, die die eigene Entwicklung prägten, nicht mehr erinnern. Oft setzen die Eltern mit Blick auf ihre Kinder lieber auf Tier- Freundschaften, als könne die Beziehung zum Tier den Kontakt zum Altersgenossen ersetzen.5 „Die Experten sprechen von einer Verinselung der Kindheit. Oft finden nur noch Begegnungen statt, die von den Erwachsenen vorgeplant und arrangiert wurden, die als Event gestaltet sind, einen zeitlichen Anfang und ein Ende haben.“6 Was den Kindern ohne Freundschaften an Beziehungen zu anderen Menschen bleibt, wird von hierarchischen Strukturen bestimmt. In der Schule dominiert das Schüler-Erzieher-Verhältnis und die Schüler werden auch unter sich in eine Rangordnung von Noten sortiert oder bauen selbst Hierarchien anhand von Statussymbolen auf. In der Familie überwiegt der Bezug zu den Eltern, gegebenenfalls ergänzt durch die Beziehung zu den jüngeren oder älteren Geschwistern. Gleichberechtigte Freundschaftsbeziehungen müssen aber nicht nur gefördert werden, um hierarchische Beziehungsmuster zu konterkarieren. Der oben beschriebene Trend muss, soweit es geht, vielmehr deshalb aufgehalten werden, weil Freundschaften in der Kindheit und der Jugend sehr persönliche und wertvolle Erlebnisse darstellen und zudem Phasen7 einer Entwicklung hin zu einem stabilen Charakter im Erwachsenenalter bilden, der Mitmenschen in seinem Umfeld zu Freunden gewinnen kann. Schließlich wird auch von Kindern und Jugendlichen selbst das Bedürfnis nach Freundschaften artikuliert. Denn, obwohl den oben geschilderten gesellschaftlichen Tendenzen entsprechend die 14. Shell-Jugendstudie8 bei den Werteorientierungen einen drastischen Prioritätenwechsel konstatiert: Fleiß und Ehrgeiz sind in der Werteskala gestiegen (von Rang 15 auf Rang 9), während zum Beispiel Umweltbewusstsein vom 6. auf den 12. Platz abgerutscht ist, steht Freundschaft neben Partnerschaft und Familienleben immer noch am höchsten im Kurs.9

2.2 Freundschaft in der Persönlichkeitsentwicklung

[...]


1 Vgl. Luserke-Jaqui (2005a:94)

2 Friedrich Schiller, Werke und Briefe in zwölf Bänden. Dann, O. (Hg.), Frankfurt am Main 1988-2004.

3 Meyer-Krentler (1991:2)

4 Mayer (2003)

5 Vgl. Meyer-Krentler (1991:2)

6 Mayer (2003)

7 Vgl. Kapitel 2.2

8 Die Schell-Studie stützt sich auf die Befragung von Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren. Sofern gibt sie die Meinung der 6 bis 18 jährigen Kinder im Schulalter nur bedingt wieder.

9 Vgl. Billerbeck (2003)

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