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Michel Foucaults Machtverständnis in 'Die Macht und die Norm' - ein Vergleich mit Louis Althussers 'Ideologie und ideologische Staatsapparate'

Scholary Paper (Seminar), 2006, 16 Pages
Author: Daniela Steinert
Subject: Cultural Studies

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 16
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V66176
ISBN (E-book): 978-3-638-58867-6
ISBN (Book): 978-3-638-77662-2
File size: 236 KB

Abstract

„Der Mensch, von dem man uns spricht und zu dessen Befreiung man einlädt, ist bereits in sich das Resultat einer Unterwerfung, die viel tiefer ist als er. Eine >Seele< wohnt in ihm und schafft ihm eine Existenz, die selber ein Stück der Herrschaft ist, welche die Macht über den Körper ausübt. Die Seele: Effekt und Instrument einer politischen Anatomie. Die Seele: Gefängnis des Körpers.“ Die Seele hat für die Menschen eine große Bedeutung: Die gesamte Identität, alle Erfahrungen, Wünsche, jeglicher Individualismus ist der allgemeinen Auffassung nach in der Seele verankert. Glaube, Liebe, Hoffnung – das Innere ist das, worauf sich der moderne Mensch in den Zeiten des Wertepluralismus` stützt. Doch was, wenn die Seele „selber ein Stück der Herrschaft ist, welche die Macht über den Körper ausübt“, wie Foucault sagt? Die äußeren Mächte, die den Menschen in seiner Lebensweise beeinträchtigen, sind nicht zu leugnen: Um existieren zu können, muss der Mensch arbeiten und seine Bedürfnisse, seine Selbstfindung, zurückstellen. Die Seele ist demnach der einzig unberührte Ort, die vermeintlich eigene Gefühlswelt für die Menschen meist der Grund ihrer Existenz. Wie weit durchdringt die Macht also unsere Körper? Michel Foucault konstruiert einen Machtbegriff, der der etablierten Auffassung gegenübersteht und der von einer positiven Macht ausgeht. In seinem Buch „Die Mikrophysik der Macht“, das 1976 erschienen ist, stellt Foucault seine Überlegungen zur Macht dar. Anhand des darin enthaltenen Vortrags „Die Macht und die Norm“ soll die vorliegende Arbeit Foucaults Machtbegriff erklären und verdeutlichen. Um seine Ausführungen verständlicher zu machen und in einen erweiterten Kontext zu stellen, wird der Text anhand einer Gegenüberstellung von Louis Althussers Text „Ideologie und ideologische Staatsapparate“ erörtert. Eine solche Vorgehensweise bietet sich an, da Foucault selbst seinen Machtbegriff durch die Abgrenzung zu dem bestehenden Verständnis von Macht erklärt: „Man müsste sich von vier Arten der Analyse von Macht freimachen“.


Excerpt (computer-generated)

Michel Foucaults Machtverständnis in „Die Macht und die
Norm“ - ein Vergleich mit Louis Althussers „Ideologie
und ideologische Staatsapparate“

von: Daniela Steinert

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Michel Foucaults Auffassung von Macht in seinem Vortrag „Die Macht und die Norm“ Abgrenzung zu Louis Althussers Text „Ideologie und ideologische Staatsapparate“  2

2.1 Einblick in Louis Althussers „Ideologie und ideologische Staatsapparate“  2
2.2 Michel Foucaults Machtverständnis im Gegenüber zu Louis Althusser 3

2.2.1 Der Besitz von Macht 4
2.2.2 Die Verortung der Macht 5
2.2.3 Produktionsweise und Macht 6
2.2.4 Die Konsistenz von Macht: Macht und Wissen 8
2.2.5 Die Norm 10

3. Fazit 12

4. Literatur

 


 

1. Einleitung

„Der Mensch, von dem man uns spricht und zu dessen Befreiung man einlädt, ist bereits in sich das Resultat einer Unterwerfung, die viel tiefer ist als er. Eine >Seele< wohnt in ihm und schafft ihm eine Existenz, die selber ein Stück der Herrschaft ist, welche die Macht über den Körper ausübt. Die Seele: Effekt und Instrument einer politischen Anatomie. Die Seele: Gefängnis des Körpers.“1

Michel Foucault beschreibt den Menschen als unterworfen und determiniert – und das bis in seine Seele. Doch die Seele hat für die Menschen eine große Bedeutung: Die gesamte Identität, alle Erfahrungen, Wünsche, jeglicher Individualismus ist der allgemeinen Auffassung nach in der Seele verankert. Glaube, Liebe, Hoffnung – das Innere ist das, worauf sich der moderne Mensch in den Zeiten des Wertepluralismus` stützt. Doch was, wenn die Seele „selber ein Stück der Herrschaft ist, welche die Macht über den Körper ausübt“, wie Foucault sagt?

Die äußeren Mächte, die den Menschen in seiner Lebensweise beeinträchtigen, sind nicht zu leugnen: Um existieren zu können, muss der Mensch arbeiten und seine Bedürfnisse, seine Selbstfindung, zurückstellen. Die Seele ist demnach der einzig unberührte Ort, die vermeintlich eigene Gefühlswelt für die Menschen meist der Grund ihrer Existenz. Wie weit durchdringt die Macht also unsere Körper? Um Foucaults Aussage einordnen zu können, muss sein Machtbegriff näher betrachtet werden.

Michel Foucault konstruiert einen Machtbegriff, der der etablierten Auffassung gegenübersteht und der von einer positiven Macht ausgeht. In seinem Buch „Die Mikrophysik der Macht“, das 1976 erschienen ist, stellt Foucault seine Überlegungen zur Macht dar. Anhand des darin enthaltenen Vortrags „Die Macht und die Norm“ soll die vorliegende Arbeit Foucaults Machtbegriff erklären und verdeutlichen. Um seine Ausführungen verständlicher zu machen und in einen erweiterten Kontext zu stellen, wird der Text anhand einer Gegenüberstellung von Louis Althussers Text „Ideologie und ideologische Staatsapparate“ erörtert. Eine solche Vorgehensweise bietet sich an, da Foucault selbst seinen Machtbegriff durch die Abgrenzung zu dem bestehenden Verständnis von Macht erklärt: „Man müsste sich von vier Arten der Analyse von Macht freimachen“2 Althussers Text ist deswegen geeignet, weil er Marx Ideologieauffassung behandelt und so ein Subjekt skizziert, das der Staatsmacht unterworfen und durch sie determiniert ist. Foucault hingegen spricht sich klar gegen Marx` Machttheorie aus3 und beschreibt eine völlig gegensätzliche Analyse der Macht. So soll die Differenz Foucaults zu der bisherigen Machtauffassung verdeutlicht werden und die Frage geklärt werden, wie weit nach Foucault der Mensch von Macht durchdrungen ist.

2. Michel Foucaults Auffassung von Macht in seinem Vortrag „Die Macht und die Norm“.

Abgrenzung zu Louis Althussers Text „Ideologie und ideologische Staatsapparate“ Es setzt einen kurzen Einblick in Louis Althussers Text voraus, wenn Althussers Machtverständnis mit dem Michel Foucaults verglichen und Foucaults Text verständlicher machen soll. Deshalb wird eine kurze Einführung in „Ideologie und ideologische Staatsapparate“ gegeben. Anschließend werden die beiden Texte verglichen.

2.1 Einblick in Louis Althussers „Ideologie und ideologische Staatsapparate“

Louis Althussers Aufsatz „Ideologie und ideologische Staatsapparate“ erschien 1970 zum ersten Mal in der französischen Zeitung „La Pensèe“1 und hatte eine immense Wirkung auf die Auffassung von Ideologie: Terry Eagleton spricht davon, dass Althusser „allen rationalistischen Ideologietheorien den Todesstoß versetzt“2 hat. Ausgangspunkt aller Überlegungen Louis Althussers ist Marx` Ideologieverständnis, denn der Marxist Althusser wollte nach Henning Böke mit seinem Aufsatz versuchen, „[...]eine Leerstelle bei Marx zu füllen“3. Denn Marx hat niemals eine wirkliche Ideologietheorie verfast, obwohl die Ideologie bei ihm eine große Rolle spielte. Doch das Fragment Althussers stellt nicht nur eine Ideologie-, sondern auch eine Staatstheorie dar: Louis Althusser berichtet in dem ersten Teil seines Aufsatzes über die marxistische Staatsauffassung, erläutert das Basis-Überbau-System und die Reproduktion der Produktionsverhältnisse4. Außerdem führt er die ideologischen Staatsapparate ein, wodurch er die bisherige Staatsauffassung eines repressiven Staatsapparates verschiebt und erweitert5. Erst anschließend gelangt er zu seinen Ausführungen zur Ideologie.

Mit den ideologischen Staatsapparaten schafft Althusser eine weitere Möglichkeit der Beherrschung der Menschen durch den Staat. Auch die Ideologie existiert nur für die Aufrechterhaltung der Ökonomie, denn die Menschen werden als Arbeitskräfte gebraucht. Die ideologischen Staatsapparate vermitteln die Ideologie den Menschen. So verhilft die Ideologie dem Staat zu einer ständigen Reproduktion der Arbeitskräfte:

„Mit anderen Worten: die Schule (aber auch andere Institutionen des Staates wie die Kirche oder andere Apparate wie die Armee) lehren „Fähigkeiten“, aber in Formen, die die Unterwerfung unter die herrschende Ideologie oder die Beherrschung ihrer „Praxis“ sichern. Alle Träger der Produktion, der Ausbeutung und der Unterdrückung [...] müssen auf die eine oder andere Weise von dieser Ideologie „durchdrungen“ sein (!) , um bewusst ihre Aufgabe wahrzunehmen – entweder als Ausgebeuteter [...] oder als Ausbeuter [...]“6

[...]


1 Foucault: Überwachen und Strafen, S. 42

2 Foucault, Michel: Die Macht und die Norm. In: Die Mikrophysik der Macht. S. 114

3 Foucault, Michel: Die Mikrophysik der Macht. S.108ff.

1 Scharmacher, Benjamin: Wie Menschen Subjekte werden, S 7

2 Eagleton, Terry: Ideologie, S. 27

3 Böke: Wie funktioniert Althusser?. 7

4 vgl.: Althusser: Ideologie und ideologische Staatsapparate, S. 109-118

5 vgl.: ebd. S. 119-130

6 Althusser: Ideologie und ideologische Staatsapparate, S.


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