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Lexikographie des 17. und 18. Jahrhunderts als Begleiter zur Entfaltung des Deutschen als Nationalsprache

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 34 Pages
Author: Steffen Kuegler
Subject: Speech Science / Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 34
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V66490
ISBN (E-book): 978-3-638-59068-6
ISBN (Book): 978-3-638-67029-6
File size: 493 KB

Abstract

Ein Wörterbuch ist ein Kompendium von Stichwörtern, welche nach festgelegten Merkmalen aufgeführt und erläutert werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der sprachwissenschaftlichen Teildisziplin der Lexikographie, also mit den Vorgängen und Überlegungen, die vor und während der Erstellung eines Wörterbuchs erbracht werden müssen. Neben dem eigentlichen Schreiben und Erstellen von Wörterbüchern, muss im Vorfeld festgelegt werden, welcher sprachliche Bereich an Wörtern, in Wörterbüchern auch Lemmata genannt, aufgenommen, welche systematische Wortsortierung angewandt und welche methodische Artikelgliederung benutzt werden soll. Bis zu den heute vorliegenden Standardwerken wie dem Duden hat sich die Lexikographie in einer den historischen und kulturellen Umständen stetig angepassten Entwicklung befunden. Das erste deutsche Wörterbuch wird bereits auf das ausgehende 8. Jahrhundert datiert: Der in St. Gallen aufbewahrte Codex eines althochdeutsch-lateinischen Glossars, von der Sprachforschung nach dem ersten Eintrag Abrogans (dheomodi → demütig) benannt, enthielt bereits über 3500 althochdeutsche Wörter und fast 15.000 Belege. Damit stellt es ein wertvolles sprachkulturelles Relikt jener Epoche dar und bildet den Beginn der deutschen Lexikographie. Neben einigen weiteren vereinzelten Pionierleistungen, die bis zum 16. Jahrhundert publiziert wurden, war jedoch vor allem das 17. und 18. Jahrhundert reich an Aktivitäten, die die deutsche Sprache mannigfaltig beeinflussten. Thema dieser Arbeit soll demgemäß diese wegweisende Periode der deutschen Lexikographie sein, deren Zielstellung maßgeblich die Vereinheitlichung der vielfältigen deutschen Sprachvariationen zu einer einheitlichen Nationalsprache war. Im Rahmen dieses thematischen Fundaments sollen zunächst verschiedene Tendenzen und Forderungen erläutert werden, denen die Wörterbücher dieser Zeit unterlagen. Im Anschluss daran werden einige Vertreter von Lexikographen mit ihren wichtigsten Werken vorgestellt. Dabei soll nicht nur auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede innerhalb des zu betrachtenden sprachgeschichtlichen Zeitraums sondern auch übergreifend auf aktuelle Wörterbücher und die Grundstein legende Wirkung bestimmter historischer Wörterbücher eingegangen werden. In die Darstellungen dieser Arbeit werden dabei Universalwörterbücher, welche den Wortschatz der Allgemeinsprache umfassen, sowie Spezialwörterbücher wie Synonym- und Dialektwörterbücher einbezogen.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Germanistische Sprachwissenschaft
Hauptseminar: „Geschichte des Deutschen IV. Das 17. und 18. Jahrhundert“
Sommersemester 2006

Lexikographie des 17. und 18. Jahrhunderts als Begleiter
zur Entfaltung des Deutschen als Nationalsprache

von: Steffen Kuegler

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Entwicklung der Lexikographie im 17. und 18. Jahrhundert 5

2.1. Aufkommende Wörterbuchdiskussionen 6

3. Stammwortprogrammatik und Stammwörterbücher 8

3.1. Programm von Wolfgang Ratke 8
3.2. Programm von Georg Philipp Harsdörffer 9
3.3. Programm von Justus Georg Schottel 10
3.4. Wörterbuch von Georg Henisch 13
3.5. Wörterbuch von Caspar Stieler 13
3.6. Wörterbuch von Matthias Kramer 15
3.7. Wörterbuch von Christoph Ernst Steinbach 16

4. Gesamtwörterbuchprogrammatik und Gesamtwörterbücher 18

4.1. Programm von Johannes Bödiker 18
4.2. Programm von Gottfried Wilhelm Leibniz 20
4.3. Programm von Daniel Ernst Jablonski 22
4.4. Wörterbuch von Johann Leonhard Frisch 24
4.5. Wörterbuch von Johann Christoph Adelung 24
4.6. Wörterbuch von Joachim Heinrich Campe 26

5. Zwischenbilanz der Lexikographie des 17. und 18. Jahrhunderts 27

6. Synonym- und Dialektlexikographie 29

7. Schlussbemerkungen 31

8. Quellenverzeichnis 33

9. Anhang 34

 


 

1. Einleitung

Ein Wörterbuch ist ein Kompendium von Stichwörtern, welche nach festgelegten Merkmalen aufgeführt und erläutert werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der sprachwissenschaftlichen Teildisziplin der Lexikographie, also mit den Vorgängen und Überlegungen, die vor und während der Erstellung eines Wörterbuchs erbracht werden müssen. Neben dem eigentlichen Schreiben und Erstellen von Wörterbüchern, muss im Vorfeld festgelegt werden, welcher sprachliche Bereich an Wörtern, in Wörterbüchern auch Lemmata genannt, aufgenommen, welche systematische Wortsortierung angewandt und welche methodische Artikelgliederung benutzt werden soll. Bis zu den heute vorliegenden Standardwerken wie dem Duden hat sich die Lexikographie in einer den historischen und kulturellen Umständen stetig angepassten Entwicklung befunden. Das erste deutsche Wörterbuch wird bereits auf das ausgehende 8. Jahrhundert datiert: Der in St. Gallen aufbewahrte Codex eines althochdeutsch-lateinischen Glossars, von der Sprachforschung nach dem ersten Eintrag Abrogans (dheomodi → demütig) benannt, enthielt bereits über 3500 althochdeutsche Wörter und fast 15.000 Belege.1 Damit stellt es ein wertvolles sprachkulturelles Relikt jener Epoche dar und bildet den Beginn der deutschen Lexikographie. Neben einigen weiteren vereinzelten Pionierleistungen, die bis zum 16. Jahrhundert publiziert wurden, war jedoch vor allem das 17. und 18. Jahrhundert reich an Aktivitäten, die die deutsche Sprache mannigfaltig beeinflussten. Thema dieser Arbeit soll demgemäß diese wegweisende Periode der deutschen Lexikographie sein, deren Zielstellung maßgeblich die Vereinheitlichung der vielfältigen deutschen Sprachvariationen zu einer einheitlichen Nationalsprache war.

Im Rahmen dieses thematischen Fundaments sollen zunächst verschiedene Tendenzen und Forderungen erläutert werden, denen die Wörterbücher dieser Zeit unterlagen. Im Anschluss daran werden einige Vertreter von Lexikographen mit ihren wichtigsten Werken vorgestellt. Dabei soll nicht nur auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede innerhalb des zu betrachtenden sprachgeschichtlichen Zeitraums sondern auch übergreifend auf aktuelle Wörterbücher und die Grundstein legende Wirkung bestimmter historischer Wörterbücher eingegangen werden. In die Darstellungen dieser Arbeit werden dabei Universalwörterbücher, welche den Wortschatz der Allgemeinsprache umfassen, sowie Spezialwörterbücher wie Synonym- und Dialektwörterbücher einbezogen.

2. Entwicklung der Lexikographie im 17. und 18. Jahrhundert

Bereits bis zum Ende des 16. Jahrhundert wurden einige mehr oder weniger bemerkenswerte Wörterbücher im deutschen Sprachraum publiziert, die unterschiedlich große Beachtung in der Sprachforschung fanden. Wie bereits einleitend erwähnt, stellt jedoch vor allem das 17. und 18. Jahrhundert eine sprachhistorisch enorm einflussreiche Periode für die deutsche Lexikographie dar. In jener Zeit entbrannten in verschiedenen Institutionen und kulturpolitischen Bewegungen zwischen Experten und Anhängern der deutschen Sprache vielseitige lexikographische Debatten. Im Vordergrund stand dabei die Frage nach der Vereinheitlichung der Sprache anhand von Wörterbüchern, die nach neuen Richtlinien und Gesichtspunkten erstellt werden sollten. Zur damaligen Zeit glich die deutsche Sprache einem Flickenteppich vielfältiger Variationen und Dialekte, sodass gleich mehrere Gesellschaftsschichten großes Interesse daran hatten, die deutsche Sprache zu homogenisieren. Adel und Bürgertum strebten in diesem sprachlichen Gemisch nach einem effektiven Sprachinstrument, um kulturelle und wirtschaftliche Angelegenheiten zu bewältigen. An Stelle der nationalen und politischen Zerrissenheit der deutschen Fürstentümer und Länder sollte eine sprachliche Einigkeit treten und damit nationale sowie kulturpatriotische Motive Wirklichkeit werden lassen. Humanistischen Gelehrten war vor allem daran gelegen, das auf Ordnung und einheitliche Formung der Sprache zielende Prinzip des Lateins auch auf die deutsche Sprache zu übertragen.

Die Lexikographen der Epoche stimmten darin überein, dass Wörterbücher den Gebrauch der Sprache nicht vorschreiben und in bestimmte Bahnen lenken sollten, man wandte sich damit offiziell vom so genannten präskriptiven Prinzip der Lexikographie ab. Dennoch waren in einigen im Nachhinein erschienenen Wörterbüchern präskriptive Eigenschaften mehr oder minder deutlich spürbar. Dies ist vor allem den die Sprachrichtigkeit betreffenden Ausführungen und sozialstilistischen Bewertungen geschuldet, die in einigen Wörterbüchern verstärkt enthalten waren. Aus den Debatten resultierend, sollte das Hauptaugenmerk in Wörterbüchern allerdings auf der Sprachbeschreibung und –Dokumentation liegen, also auf deskriptiven Funktionen. Wörterbücher sollten die Sprache nicht modernisieren oder entstauben, sondern teilweise auch ältere Begriffe, die noch in der Schriftsprache und gesprochener Rede vorkamen, wiedergeben. Die wichtigsten Ziele, die mit der neuerlich angeregten Wörterbuchdiskussion gesteckt wurden, waren jedoch sprachideologische und –patriotische Zwecke. So wurde zunächst versucht, den Reichtum der deutschen Sprache zu belegen und diese zur nationalen Hauptsprache zu erklären. Des Weiteren sollte bildungspolitisch motiviert anhand der Deutlichkeit der deutschen Sprache eine kritischere und differenziertere Wortbildung gefördert werden.

Diesen beiden Überlegungen folgend, kann die Lexikographie des 17. und 18. Jahrhunderts in zwei wichtige Phasen eingeteilt werden. Zuerst in die kulturpatriotische Entwicklungsphase, auch als Hauptsprache-Lexikographie bezeichnet, welche mit den Wörterbüchern von HENISCH, STIELER, KRAMER und STEINBACH so genannte Stammwörterbücher hervorbrachte. Entsprechende programmatische Leitfäden lieferten RATKE, HARSDÖRFFER und SCHOTTEL. Die Motive in diesen Werken waren, die Vorzüge der deutschen Sprache gegenüber anderen Sprachen, maßgeblich der damaligen Prestigesprache Latein sowie dem Italienischen und Französischen hervorzuheben. Auf diese erste Phase folgte eine zweite Entwicklungsphase, welche als aufklärerisch oder dokumentationslexikographisch bezeichnet werden kann. Werke von FRISCH, ADELUNG und CAMPE widmeten sich mit ihren gesamtsprachbezogenen Wörterbüchern vornehmlich der Deutlichkeit und Begriffsdifferenzierung und folgten damit programmatischen Forderungen von BÖDIKER, LEIBNIZ und JABLONSKI.

2.1. Aufkommende Wörterbuchdiskussionen

[...]


1 Splett, Jochen: Artikel „Abrogans“. In: Verfasserlexikon, Bd. 1 (1978), Sp. 12-15.


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