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Nationalismus und Ethnizität, Theorien und Praxis

Seminararbeit, 1998, 26 Seiten
Autor: Ilka Borchardt
Fach: Ethnologie / Volkskunde

Details

Veranstaltung: Theoriekurs: Politische Anthropologie
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Institut für Ethnologie)
Tags: Nationalismus, Ethnizität, Theorien, Praxis, Theoriekurs, Politische, Anthropologie
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1998
Seiten: 26
Note: Sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V6741
ISBN (E-Book): 978-3-638-14244-1

Dateigröße: 240 KB


Textauszug (computergeneriert)

Nationalismus und Ethnizität, Theorien und Praxis

von Ilka Borchardt




Inhalt

1 Einleitung 2

2 Theoretische Ansätze der Nationalismusforschung 3

2.1 Eine klassische Version 3
2.2 Eine zeitgenössische Version 6
2.3 Ethnonationalismus im 20.Jahrhundert 8

3 Ethnizität und Ethnisierungsstrategien 11

3.1 Entwicklung der Theorien 11
3.2 Ethnisierung als gesellschaftliches Phänomen 13
3.3 Das Andere und das Eigene 14

4 Nationalismus und Ethnizität und die Vereinigten Staaten von Europa 17

4.1 Zwei Theorien 17
4.2 Die Dialektik gesellschaftlicher und wirtschaftlich-politischer Einflüsse 19

5 Zusammenfassung 22

6 Literaturverzeichnis 24

1 Einleitung

"Nationen im strengen Sinn des Begriffes sind homogen; zu ihnen gehören Menschen derselben Art, derselben Sprache, derselben Religion, derselben Kultur. Nationalstaaten dagegen sind in aller Regel nicht homogen. Ihr konstitutioneller Kern liegt darin, daß sie die Rechte definieren, die allen Bürgern gemeinsam sind, unbeschadet ihrer sprachlichen, religiösen, kulturellen, sonstigen Eigenart." (Ralf Dahrendorf, Die Sache mit der Nation, in Michael Jeismann, Henning Ritter (Hg.), Grenzfälle, Über neuen und alten Nationalismus, 1993, Reclam Verlag, Leipzig, S. 108)
Welche Prozesse aber laufen in Gesellschaften oder Staaten ab, in denen Vertreter verschiedener Sprachen, Religionen und Kulturen zusammenleben? Häufig werden eben diese letztgenannten Merkmale als Definitionskriterien für Ethnizitätszugehörigkeit verwendet. Bei Ralf Dahrendorf scheinen sie der Begriffsklärung von "Nation" zu dienen.
Worin besteht also der Unterschied zwischen Ethnizität und Nationalität bzw. Ethnizitätsbewegung und Nationalismus? Gibt es überhaupt einen? Wie wirken beide aufeinander?
Eines der am meisten untersuchten und doch immer noch unklaren bzw. nicht eindeutig definierten Phänomene nicht nur dieses Jahrhunderts dürfte der Nationalismus sein. In jüngerer Zeit erleben zusätzlich zum Nationalismus auch Ethnizitätsbewegungen und Ethnisierungsstrategien einen vergleichbaren Aufschwung im Alltag wie in der Wissenschaft.
Deshalb werde ich im ersten Kapitel einen Überblick über verschiedene theoretische Ansätze der Nationalismus- und und im zweiten über die Ethnizitätsforschung geben. Am Beispiel der Idee der Vereinigten Staaten von Europa werde ich die Rollen von Ethnizität und Nationalismus in multikulturellen Gesellschaften untersuchen.

2 Theoretische Ansätze der Nationalismusforschung

2.1 Eine klassische Version

Einer der meistzitierten Aufsätze zum Phänomen " Nationalismus" ist Ernest Renans Vortrag "Was ist eine Nation?" an der Sorbonne am 11. März 1882. Er beschäftigt sich hier mit den Anfängen der Gesellschaftsform "Nation" und versucht, damit verbundene Irrtümer aufzudecken. Zu diesen gehören beispielsweise das Verwechseln von Rasse und Nation sowie die Tatsache, daß ungerechtfertigterweise "den ethnischen oder besser den sprachlichen Gruppen eine Souveränität nach dem Muster der wirklich existierenden Völker" zugesprochen wird.
"Das Vergessen - ich möchte fast sagen: der historische Irrtum - spielt bei der Erschaffung einer Nation eine wesentliche Rolle, und daher ist der Fortschritt der historischen Studien oft eine Gefahr für die Nation." Am Anfang aller politischen Formen ereigneten sich gewaltsame Vorgänge, die aufzudecken für das Bestehen der Nation gefährlich wären. Da aber trotzdem das Wesen jeder Nation darin bestünde, "daß alle Individuen etwas miteinander gemein haben, auch, daß sie viele Dinge vergessen haben" , muß also jede Nation die eigene Geschichte "korrigieren".
Viele der heutigen Nationen seien aus Dynastien entstanden. Fällt aber das dynastische Recht weg, was vor allem durch die Aufklärung, die Rückkehr "zum Geist der Antike" erreicht wurde, müsse ein neues Recht gelten: das Völkerrecht.
Im Folgenden untersucht Renan Kriterien, von denen das Völkerrecht abgeleitet und definiert werden könnte, die heute noch oft zur Definition von Kultur oder Ethnie herangezogen werden. Er beginnt mit dem Prinzip der Rasse, das in der Antike von größter Wichtigkeit war. Bereits im Römischen Reich aber waren die Menschen innerhalb dieser "Ansammlung von absolut verschiedenen Städten und Provinzen" nicht mehr durch Verwandtschaft, sondern durch Gewalt, später durch gemeinsame Interessen verbunden. Auch "das Christentum mit seinem uneingeschränkten Universalismus" wirkte der Bedeutung gemeinsamer "Rassenzugehörigkeit" entgegen. Rückblickend aber wird die Individualität der einzelnen Rassen wiederentdeckt, um die Einzigartigkeit der eigenen Nation zu legitimieren. Das Paradoxe daran ist aber, daß es eigentlich keine "reine Rasse" gibt und deshalb eine ethnographische Begründung für Grenzziehungen Unsinn ist. Ganz unsinnig erscheint eine solche Theorie, wenn man bedenkt, daß sich die Methoden und Systeme der Ethnographie wie jeder anderen Disziplin auch ändern. Letztendlich hieße das aber, daß sich die Grenzen eines Staates nach "den Fluktuationen der Wissenschaft" richten müßten.

[...]


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