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Die Komplizenschaft von Habitus und Feld

Scholary Paper (Seminar), 2005, 15 Pages
Author: Philipp Appel
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions

Details

Event: Einführung in die Kulturwissenschaften
Institution/College: European University Viadrina Frankfurt (Oder)
Tags: Komplizenschaft, Habitus, Feld, Einführung, Kulturwissenschaften
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V67627
ISBN (E-book): 978-3-638-60420-8

File size: 119 KB

Abstract

Diese Arbeit zeichnet die im Werk Bourdieus vorgestellten zentralen Konzepte von Habitus und Feld nach. Hierbei wird insbesondere auf die Genese des Habitus eingegangen. Weiterhin wird die Feldtheorie betrachtet und in die Konzepte Kulturelles Kapital, Ökonomisches Kapital, Symbolisches Kapital und soziales Kapital eingeführt. Kann Bourdieu mit seiner Habitus- und Feldtheorie die Spaltung zwischen Objektivismus und Subjektivismus überwinden? Diese Arbeit ist im ersten Semesters des Studiengangs "Kulturwissenschaften" an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder erstellt worden und von Prof. Dr. Kittsteiner mit der Note 1,3 bewertet worden.


Excerpt (computer-generated)

Europa-Universität Viadrina, Einführung in die Kulturgeschichte
Fakultät für Vergleichende Geschichte der Neuzeit
Sommersemester 2004
1. Semester

Die Komplizenschaft von Habitus und Feld

von: Philipp Appel

 


Gliederung

1. Einleitung 2

2. Habitustheorie

2.1 Der Habitusbegriff 4
2.2 Genese des Habitus 4
2.3 Funktion des habituellen Dispositionssystems 5
2.4 Klassischer Determinismus?  6

3. Feldtheorie

3.1 Der Feldbegriff 7
3.2 Feld, Kapital, Strategie 8

4. Komplizenschaft von Feld und Habitus 10

5. Quellenverzeichnis 13

6. English Summary 14



 

1. Einleitung

Pierre Bourdieu (1930-2002) gilt als einer der wichtigsten Theoretiker und Sozialforscher der späten Moderne und Postmoderne. In unzähligen Werken lieferte er Instrumentarien zur Erforschung und zum Verständnis der uns umgebenden sozialen Welt. Bourdieu wurde 1930 in Denguin/Frankreich in einfachen ländlichen Verhältnissen geboren. Der Sohn eines Postboten starte nach dem Besuch eines Internats in Pau/Frankreich seine brillante schulische und akademische Karriere. Nach Abschlüssen an verschiedenen Eliteschulen und Universitäten Frankreichs arbeitete er zunächst als Philosophielehrer in der französischen Provinz. Nach seinem in Algerien abgeleisteten Militärdienst wurde er als Assistent für Philosophie an der Universität von Algier angestellt. Hier begann Bourdieu mit seinen ethnologischen (Er)Forschungen der kabylischen Gesellschaft Nordalgeriens (1958-1960). Durch die sozioethnologischen Forschungen in Algerien wurde auch der Blick und das Interesse Bourdieus für seine eigene Gesellschaft geprägt. Im Zentrum der Forschungen über Frankreich standen zunächst die Analyse des französischen Bildungssystems und dessen Beitrag zur Reproduktion gesellschaftlicher Ungleichheit. Der Erkenntnisschwerpunkt verlagerte sich Anfang der sechziger Jahre in die Bereiche der eigentlichen Kultursoziologie. Das bekannteste Werk, „Die feinen Unterschiede“, ist eine globale Analyse der Gesellschaft, die aufzeigte, wie dem „[...] Konsum legitimer Kulturgüter die Funktion sozialer Distinktion zukommt“1. Dieses Werk machte Bourdieus Theorieansätze und zentralen Erklärungsmuster auch in Deutschland bekannt und trug maßgeblich zu einer Erneuerung der Sozialwissenschaften bei. Im Augenmerk Bourdieus steht nicht die Gesellschaft, sondern das Soziale, welches nach Bourdieu in zwei Formen, Habitus und Feld, vorhanden ist.

In seinem Werk „Praktische Vernunft – Zur Theorie des Handelns“ bemerkt Bourdieu einmal, ein Leben als „eine einmalige und sich selbst genügende Abfolge von Ereignissen zu sehen, deren einziger Zusammenhang zu seinem „Subjekt“ besteht“, sei „ungefähr so absurd wie der Versuch, eine Fahrt in der U-Bahn zu erklären, ohne die Struktur des Netzes zu berücksichtigen.“2

Durch die theoretische Überwindung des lange gehegten Dualismus zwischen Objektivismus und Subjektivismus ist sein Lebenswerk ein Meilenstein in der modernen Sozialforschung. Bourdieu widersetzte sich dem subjektivistisch-voluntaristischen Theoriebild des „ungeschaffen Schöpfers“3 (Sartre) ebenso sehr wie der „totalen Determination“ eines Akteurs in der objektivistischen Theorie (zum Beispiel bei Marx) und bietet vielmehr ein ganzheitliches Bild: Ein Zusammenspiel zwischen persönlicher Prägung (Habitus) und struktureller Einflussnahme des sozialen Raums (Felder).4 Das Verbinden dieser Gegensätze schlägt sich in allen seinen theoretischen Modellen nieder.

Als zentrales Erkenntnissinteresse Bourdieus sticht immer wieder die Frage nach der Herkunft sozialer Interaktion und deren klassenkonstituierendes Moment hervor. Dieses versucht er anhand der Habitus- und Feldtheorie, die auch als Resultat seiner vielfältigen ethnologischen Forschungen gesehen werden können, zu klären. Diese Bearbeitung soll einen kleinen Einblick verschaffen in Bourdieus zentrale soziologischen Modelle, Habitus- und Feldtheorie. Der Versuch Bourdieus, den Dualismus zwischen Objektivismus und Subjektivismus zu überwinden, soll sichtbar werden. Als erstes befasst sich diese Arbeit mit der Habitustheorie. Hier soll geklärt werden, wie ein Habitus generiert wird und inwiefern die habituelle Prägung verantwortlich ist für die Genese sozialer Praxis.

Im zweiten Kapitel wird die Feldtheorie Pierre Bourdieus näher untersucht. Nachdem im ersten Kapitel sich eher subjektiven, persönlichen Prägungen gewidmet wurde, soll sich hier auf äußere objektive Strukturen des sozialen Raums konzentriert werden. Im letzten Kapitel wird der Versuch unternommen die Wechselwirkung zwischen Habitus und Feld zu erklären und das Zusammenspiel beider darzustellen. In dieser Arbeit wurde mit verschiedenen zentralen Werken Pierre Bourdieus gearbeitet. Als wichtigste Lektüren dienten Pierre Bourdieus „Die feinen Unterschiede“, „Sozialer Raum und Klassen“ und „Praktische Vernunft – Zur Theorie des Handelns“. Zur Einführung in das Gesamtwerk Pierre Bourdieus diente „Pierre Bourdieu – Zur Einführung“ von Markus Schwingel.

2. Die Habitustheorie

2.1 Der Habitusbegriff

[...]


1 Jurt, Joseph: Pierre Bourdieu – Eine Soziologie der symbolischen Güter, in Hofmann, Martin Ludwig (Hrsg): Culture Club/Klassiker der Kulturtheorie: S. 210.

2 Jurt, Joseph: Pierre Bourdieu – Eine Soziologie der symbolischen Güter, in Hofmann, Martin Ludwig (Hrsg): Culture Club/Klassiker der Kulturtheorie: S. 204.

3 Jurt, Joseph: Pierre Bourdieu – Eine Soziologie der symbolischen Güter, in Hofmann, Martin Ludwig (Hrsg): Culture Club/Klassiker der Kulturtheorie: S. 204.

4 a.a.O.


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