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Autor: Corina Winkler
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike
Details
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Institut für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften)
Tags: Hadrian, Antinoos, Hauptseminar, Hadrian-, Spanier, Philhellene, Judenfreund
Jahr: 2003
Seiten: 22
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 32 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 170 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60627-1
ISBN (Buch): 978-3-638-67217-7
Bis heute gilt das Verhältnis zwischen dem römischen Kaiser Hadrian und seinem jungen Geliebten Antinoos als Mysterium um Liebe und Tod. Welches Faszinosum von Antinoos ausging, für den Hadrian posthum eine Stadt errichten ließ und welcher Art ihre Beziehung war, soll in der Arbeit untersucht werden. Fragen nach der Herkunft des Jünglings, über das erste Treffen mit dem Kaiser, bis hin zu seinem mysteriösen Tod sollen Hauptaugenmerke sein.
Zusammenfassung / Abstract
Hadrian baute Antinoos zu Ehren nicht nur eine Stadt mit seinem Namen sondern erhob ihn sogar zum neuen Gott, dem er unzählige Kultbilder und Kulttraditionen einrichtete. Ehrungen dieser Größenordnung, für eine Person, die weder Mitglied der kaiserlichen Familie noch ein verdienter Beamter gewesen war, hatte es vorher nicht gegeben. Weinerlich „wie ein Weib“ soll Hadrian gewesen sein, nachdem sein Antinoos unter myteriösen Umständen 130 n. Chr. im Nil ertrunken war. Selbst für seine, einige Jahre später verstorbene Schwester soll er bei weitem nicht so viel Anteilnahme gezeigt haben. Unweigerlich drängt sich die Frage auf, welches Faszinosum von Antinoos ausging, dass den Kaiser zu solch gottgleichen Ehren bewegte. Welche Beziehung hatte er zu dem Mann, für den er posthum eine Stadt errichten ließ. Diesen beiden Fragen auf den Grund zu gehen, soll für die folgende Arbeit maßgebend sein. Wichtig dabei soll die Suche nach Herkunft, Bildung und Wesen Antinoos sein, da sie Rückschlüsse auf seine Rolle in der Beziehung geben könnten. Hatte er vielleicht Einfluss auf politische Entscheidungen Hadrians und gab es Auswirkungen auf die Ehe mit Sabina? Basierte die Beziehung nur auf erotischer Anzieh-ung oder war es tiefbindende Liebe? Lässt sie sich mit der idealisierten Knabenliebe der Griechen vergleichen, die seit der klassischen Zeit mit einem festen Regelwerk und einer Kulturtradition ausgestattet war? Welches Echo auf die Beziehung ist aus den Quellen ersichtlich und welche Rückschlüsse ergeben sich daraus auf die Akzeptanz dieser Liebe am Hof und im Volk? Um die Fragen zu klären, stehen verhältnismäßig wenig Quellen zur Verfügung. Hinweise zu Antinoos selbst können meist nur späteren oder christlichen Schriften entnommen werden, wobei diese aufgrund anderer Moralvorstellungen meist polemisierend und daher nur mit Vorsicht zu genießen sind. Die archäologischen Zeugnisse für Antinoos sind wiederum äußerst zahlreich. Über 100 Statuen und 140 Münztypen sind erhalten, die allerdings zu einem Großteil den idealisierten Gott, nicht den Menschen Antinoos darstellen. Die Quellenlage zum Verhältnis an sich ist ebenfalls äußerst dürftig. In der Forschung entwickelten sich daher, abhängig von jeweiligem Zeitgeist und Moralvorstellung, unterschiedliche Theorien.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig, Historisches Seminar
Hauptseminar: Hadrian. Spanier, Philhellene und Judenfreund.
SS 2003, 8. Semester
Hadrian und Antinoos
von: Corina Winkler
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Antinoos Herkunft 4
3. Das Treffen mit Hadrian und der Weg zum Kaiserliebling 7
4. Antinoos Anziehungskraft 11
5. Die Natur der Beziehung 15
6. Resümee 20
7. Quellen- und Literaturverzeichnis 21
1. Einführung und Fragestellung
„[H]e honoured Antinoos,…, by building a city ... and naming it after him; and he also set up statues or rather sacred images of him, practically all over the world.“1 Was der gegen Ende des 2. Jahrhundert. n. Chr. wirkende Historiker Cassius Dio hier beschreibt, war bis dato einzigartig gewesen. Hadrian baute Antinoos zu Ehren nicht nur eine Stadt mit seinem Namen sondern erhob ihn sogar zum neuen Gott2, dem er unzählige Kultbilder und Kulttraditionen einrichtete. Ehrungen dieser Größenordnung, für eine Person, die weder Mitglied der kaiserlichen Familie noch ein verdienter Beamter gewesen war, hatte es vorher nicht gegeben.
Es waren die „Nachwehen“ der bis heute als Mysterium um Liebe und Tod geltenden Be.- ziehung zwischen dem römischen Kaiser Hadrian und einem Jüngling namens Antinoos. Weinerlich „wie ein Weib“ soll Hadrian gewesen sein, nachdem sein Antinoos unter mysteriösen Umständen 130 n. Chr. im Nil ertrunken war.3 Selbst für seine, einige Jahre später verstorbene Schwester soll er bei weitem nicht so viel Anteilnahme gezeigt haben.4 Diese unsägliche Trauer Hadrians war für viele äußerst anstößig. Noch über 200 Jahre nach Antinoos Tod, wurden diesbezüglich kritische und auch spöttische Texte verfasst.5
Unweigerlich drängt sich die Frage auf, welches Faszinosum von Antinoos ausging, dass den Kaiser zu solch gottgleichen Ehren bewegte. Welche Beziehung hatte er zu dem Mann, für den er posthum eine Stadt errichten ließ.6 Diesen beiden Fragen auf den Grund zu gehen, soll für die folgende Arbeit maßgebend sein. Wichtig dabei soll die Suche nach Herkunft, Bildung und Wesen Antinoos sein, da sie Rückschlüsse auf seine Rolle in der Beziehung geben könnten. Hatte er vielleicht Einfluss auf politische Entscheidungen Hadrians und gab es Auswirkungen auf die Ehe mit Sabina? Basierte die Beziehung nur auf erotischer Anziehung oder war es tiefbindende Liebe? Lässt sie sich mit der idealisierten Knabenliebe der Griechen vergleichen, die seit der klassischen Zeit mit einem festen Regelwerk und einer Kulturtradition ausgestattet war? Welches Echo auf die Beziehung ist aus den Quellen ersichtlich und welche Rückschlüsse ergeben sich daraus auf die Akzeptanz dieser Liebe am Hof und im Volk?
Um die Fragen zu klären, stehen verhältnismäßig wenig Quellen zur Verfügung. Hinweise zu Antinoos selbst können meist nur späteren oder christlichen Schriften entnommen werden, wobei diese aufgrund anderer Moralvorstellungen meist polemisierend und daher nur mit Vorsicht zu genießen sind. Die archäologischen Zeugnisse für Antinoos sind wiederum äußerst zahlreich. Über 100 Statuen und 140 Münztypen sind erhalten, die allerdings zu einem Großteil den idealisierten Gott, nicht den Menschen Antinoos darstellen. Sie sollen daher nur bei bestimmten Aspekten zu Rate gezogen werden. Die Quellenlage zum Verhältnis an sich ist ebenfalls äußerst dürftig. In der Forschung entwickelten sich daher, abhängig von jeweiligem Zeitgeist und Moralvorstellung, unterschiedliche Theorien.
2. Antinoos´ Herkunft und Bildung
Von Cassius Dio ist überliefert, dass Antinoos aus Bithynion stammte.7 Die Stadt gehörte zu dem im Norden des heutigen Kleinasien gelegenem Bithynien, das im Jahr 74 v. Chr. durch Nikomedes IV. testamentarisch an die Römer übergeben wurde. Cn. Pompeius vereinigte es später mit dem pontischen Küstengebiet zur Provinz Bithynia et Pontus. Bithynion selbst wurde in der Kaiserzeit auch Claudiopolis genannt.
Das Geburtsjahr des Antinoos ist nicht überliefert. Man kann nur anhand seiner zahlreichen, posthum geschaffenen Skulpturen darauf schließen, dass er noch ein recht junger Mann gewesen sein muss. Meist ist bei diesen Darstellungen zwar, wie anfangs schon erwähnt, der vergöttlichte Antinoos gemeint, was mit einer Idealisierung seiner äußeren Gestalt einhergeht, doch müssen sie auf einen Porträttypus nach Vorbild des lebenden Antinoos zurückgegangen sein. Bildwerke, die den lebenden Antinoos wiedergeben, finden sich kaum. Einzig auf einem der hadrianischen Rundmedaillons am Konstantinsbogen in Rom könnte der lebende Antinoos dargestellt sein. Diese sogenannten Tondi sind vermutlich noch zu Lebzeiten Hadrians begonnen worden und zeigen verschiedene Etappen der Jagd; im Mittelpunkt dabei stets der Kaiser. Da die Jagdszenen laut Meinung einiger Forscher Bezug auf historische Ereignisse nehmen8, könnte der junge Mann auf dem sogenannten Eberjagdtondo, der aufgrund seiner Porträtzüge als Antinoos identifiziert wurde, den lebenden Antinoos darstellen.9 Eindeutig ist auch hier ein junger Mann zu sehen. Die glatten und bartlosen Gesichtszüge lassen ihn kaum älter als 20 Jahre sein. Dazu passt, dass Antino- os in einigen Quellen als ephebe bezeichnet wird,10 einem Jüngling zwischen 18 und 20 Jahren. Würde man nun circa 18 bis 20 Jahre vom Jahr seines Todes zurückrechnen, ergäbe sich für seine Geburt die Zeit zwischen 110 und 112 n. Chr.
Über das genaue Datum von Antinoos Geburt gibt eine Inschrift aus dem südlich von Rom gelegenen Lanuvium Auskunft.11 Sie wurde von dem örtlichen Kultverein des Antinoos 136 n. Chr. aufgesetzt und listet seinen Geburtstag als Festtag auf. Es handelt sich um den 27. November. Die Glaubwürdigkeit dieser Angabe ist allerdings noch umstritten, denn es könnte hier nicht der wirkliche Geburtstag, sondern der des Gottes Antinoos gemeint sein.12 Der November als Geburtsmonat wurde aber auch aus den Auflistungen eines, etwa 100 Jahre später entstandenen Festivalkalenders aus Oxyrhynchus13 in Ägypten erschlossen.14
[...]
1 Cass. Dio LXIX 11, 3; 4
2 SHA Hadr. 14, 7
3 SHA Hadr. 14, 5
4 Cass. Dio LXIX 11, 4
5 Iul. Caes. 311
6 Paus. VIII, 9, 7
7 Cass. Dio LXIX 11, 2
8 H. Meyer, Antinoos: Die archäologischen Denkmäler unter Einbeziehung des numismatischen und epigraphischen Materials sowie der literarischen Nachrichten (München 1991), S. 220 f.
9 H. Meyer, Antinoos, Tafel 132, 1
10 Aur. Vict. 14,7 ; IG II/ III 2,2 Nr. 2065, listet einen Priester des Antinoou ejhbou auf.
11 R. Lambert, Beloved and God (New York 1992), S. 19
12 R. Lambert, Beloved and God, S. 19; S. 245, Note 3
13 P. Oxy. Nr. 2553 ; R. Lambert, Beloved and God, S. 245, Note 4
14 R. Lambert, Beloved and God, S. 19
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