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Details

Veranstaltung: Mediendesign
Institution/Hochschule: Fachhochschule Aachen
Tags: Dogma, Befreiung, Verzicht, Mediendesign
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2007
Seiten: 55
Note: 1.0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1779 KB
Archivnummer: V68068
ISBN (E-Book): 978-3-638-60634-9
Anmerkungen :
Inklusive Kurzbiografien von Lars von Trier, Thomas Vinterberg, Soren Kragh-Jacobsen und Kristian Levring

Textauszug (computergeneriert)

FH Aachen

Dogma 95
Befreiung durch Verzicht

Ann-Kristin Weiß

Köln, den 07. Januar 2007

 

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis 03

1. Einleitung 04

2. Dogma 95 – Eine Einführung 05
2.1 Manifest und Keuschheitsgelübde 05
2.2 Dogma-Filme 06
2.3 Offizielles Ende der Bewegung 07

3. Ein Vergleich von Dogma 1-3 08
3.1 Formal 10
3.2 Montage, Erzählweise und Dramaturgie 11
3.3 Inhaltlich 13
3.3.1 Kritik des Bürgerlichen 13
3.3.2 Idiotie und Verrücktheit 15
3.3.3 Sexualität 15

4. Wie dogmatisch wurde Dogma 95 umgesetzt? 17

5. Auf der Suche nach Authentizität 19

6. Marke Dogma als Genre 22

7. Dogma 95 im filmhistorischen Kontext 26
7.1 Dziga Vertov (Kinoglas): „Wir blenden die Sterne mit unseren Projektoren!“ 27
7.2 Italienischer Neorealismus: „Das Heute, Heute, Heute, Heute.“ 28
7.3 Nouvelle Vague: „Der Film von morgen wird ein Akt der Liebe sein.“ 30
7.4 Neuer Deutscher Film: „Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen.“ 33

8. Fazit 34

Kurzbiografien 37

Literaturverzeichnis 42
Verzeichnis der genutzten Internet-Quellen 43
Filmografie 46
Dogma-Manifest 51

 

1. Einleitung

Als Dogma 95 wird eine Gruppe von dänischen Filmregisseuren bezeichnet, zu der vor allem Lars von Trier als Kopf der Bewegung, der junge Regisseur Thomas Vinterberg, der durch seine Kinderfilme bekannte Søren Kragh-Jacobsen sowie der Werbefilmer Kristian Levring gehörten.1 Die dänische Dogma-Bewegung begann 1995vt in Paris, bereits sieben Jahren später erklärte sie ihr offizielles Ende. Doch ihre ästhetische Ausstrahlung und ihr kommerzieller Erfolg haben Spuren hinterlassen.

Als Vertreter von Dogma 95 wendete sich Lars von Trier am 20. März 1995 erstmals an die Öffentlichkeit. Gelegenheit dazu gab ein Symposium zur Zukunft des Kinos, das anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Kinematografie im Pariser Odéon-Theater stattfand. Trier stürmte die Bühne, verkündete ein radikales Manifest zur Rettung des Films, warf rote Flugblätter ins Publikum und verschwand ohne weitere Erklärungen.2 Das Manifest wendet sich gegen das ihren Urhebern zufolge dekadente, individualisierte Kino der Illusionen. Im Namen einer neuen Ehrlichkeit forderten die vier Dänen Filmemacher dazu auf, mit all dem Glitzer und all der Verlogenheit des Kinos der unbegrenzten Möglichkeiten zu brechen, dem sie eine neue Einfachheit entgegensetzten: Modische Effekte und technische Spielereien, ja sogar der „Geschmack“ des Regisseurs sollte aus der Filmproduktion verbannt werden. Zurück zur Unmittelbarkeit, zu Originalschauplätzen und zum Originalton hieß die Devise; nicht die Kamera bestimmt das Geschehen, sondern das Spiel der Darsteller. Über diesen Weg wollten die Dogma-Brüder das Filmemachen wieder zurück zur Realität und zur Redlichkeit holen: Filmischer Purismus, mit dem Ziel, eine neue Authentizität des Kinos zu erreichen.

Die im Dogma-Manifest postulierte Abkehr von den Konventionen des Films soll in dieser Arbeit vorwiegend mit Blick auf die fortschreitende technische Perfektionierung der Illusionsverfahren diskutiert werden, die z.B. im Hollywoodkino eine extreme Anwendung finden. Nach einer kurzen Einführung folgt zunächst ein Vergleich der ersten drei Dogma-Filme unter formalästhetischen wie inhaltlichen Aspekten. Anschließend soll untersucht werden, wie konsequent die Filmemacher mit dem Regelwerk umgegangen sind. Die folgenden Kapitel gehen der Frage nach, inwieweit es Dogma 95 tatsächlich gelungen ist, mehr Authentizität in den Spielfilm zu bringen und dem gegenwärtigen Kino dadurch eine Alternative gegenüberzustellen.

2. Dogma 95 – Eine Einführung

2.1 Manifest und Keuschheitsgelübde

Die Dogma-Brüder verurteilen in ihrem Manifest zwei sehr unterschiedliche filmische Strömungen: Einerseits kritisieren sie das europäische Autorenkino als Kino des individuellen „Geschmacks“, insbesondere das verdienstvolle, mit der Zeit aber unzureichend gewordene Schaffen der französischen Nouvelle Vague in den 1960er Jahren.3 Andererseits wenden sie sich gegen das Kino technischer Sensationen mit seiner vorhersehbaren Dramaturgie und oberflächlichen Handlung, hinter dem sich unschwer Hollywood erkennen lässt.4

Als „Rettungsaktion“ setzen sie diesen „Tendenzen“ 10 unangreifbare Regeln entgegen, das sogenannte Keuschheitsgelübde. Dieses Regelwerk legt fest, wie ein Dogma-Film in ihrem Sinn zu produzieren ist. Schauplätze müssen authentisch, Requisiten und Bauten bereits am Drehort vorhanden sein. Ton- und Bildaufnahmen müssen gleichzeitig erfolgen. Musik ist nur zulässig, wenn sie direkt am Drehort vorkommt. Gefilmt wird mit der Handkamera unter Verwendung eines Farbfilms und ohne künstliche Beleuchtung. Das Filmformat muss 35mm-Academy sein. Die Kamera hat sich der Handlung unterzuordnen, und nicht umgekehrt. Diese Handlung muss im „Hier und Jetzt“ spielen, Rückblenden oder andere zeitliche Verfremdungen sind demnach nicht gestattet. Es dürfen keine optischen Tricks, Effekte oder Filter verwendet werden. Ein Dogma-Film darf weder oberflächliche Action (Morde, Waffen etc.) enthalten, noch einem Genre angehören. Schließlich darf der Regisseur nicht genannt werden.

Die 10 Regeln basieren auf der Vermeidung von Überflüssigem und der Beschränkung auf das Notwendigste. Sie verbieten nahezu alle ästhetischen Gestaltungsmittel und technischen Inszenierungen, die im gegenwärtigen Kino üblicherweise zum Einsatz kommen. Durch Einfachheit will Dogma 95 mehr Authentizität in den Film bringen, Ziel ist es, den „Figuren und Szenen die Wahrheit abzuringen“.5 Das Keuschheitsgelübde fordert aber nicht nur filmischen Purismus als Gegenreaktion auf die Opulenz des Illusionskinos, sondern gleichermaßen auch die Abkehr vom Kunstschöpfungsgedanken; ein Dogma-Film soll also kein Autorenfilm sein: „Ferner gelobe ich, als Regisseur von meinem persönlichen Geschmack Abstand zu nehmen! Ich höre auf, ein Künstler zu sein.“6 Das Keuschheitsgelübde richtete sich an Regisseure auf der ganzen Welt, zunächst aber wollten die vier Dogma-Brüder selbst Filme unter Befolgung der 10 restriktiven Regeln produzieren.

Nachdem Trier mit katholischem Pathos den filmischen Purismus ausgerufen hatte, stand er jedoch zunächst einmal als Wichtigtuer da, denn die Realisierung der ursprünglich vier geplanten Dogma-Filme stand noch in weiter Ferne. In der Öffentlichkeit wurde das Manifest anfangs ohnehin kaum ernst genommen, sondern als humoristische Provokation abgetan – was nicht zuletzt an den überzogenen Formulierungen lag. Und als Trier 1996 für sein Melodrama Breaking the Waves gefeiert wurde, schien es so, als sei Dogma 95 bereits wieder vergessen.7

2.2. Dogma-Filme

[...]


1 Die vier dänischen Regisseure bezeichneten sich als Dogma-Brüder. Genauere Informationen zu Leben und Werk der vier Filmemacher finden sich im Anhang.

2 Das Manifest wurde von Trier und Vinterberg verfasst.

3 Wichtigstes Element des Autorenfilms ist die persönliche Handschrift des Regisseurs (Personalstil), der i.d.R. auch Autor des Drehbuchs ist.

4 Dogma 95 nimmt im Hinblick auf das Hollywood-Kino keine Differenzierungen vor. Jedoch gab es zu jeder Zeit amerikanische Filme, in denen Konventionen gebrochen wurden (hinsichtlich narrativer Strukturen, Inhalte, Politik, ästhetischer oder stilistischer Mittel). Vgl. hierzu Sudmann, 2001, S. 71 ff.

5 Zit. nach Hallberg, 2001, S. 13.

6 Ebd.

7 Vgl. Schepelern, 2001, S. 350 f., Sudmann, 2001, S. 10 f., Jenny, 2003, S. 134 ff., sowie Volk.

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