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Ejército Zapatista de Liberación Nacional - Eine Darstellung von der Entwicklung des bäuerlich-indigenen Widerstandes hin zum postmodernen Guerillakampf des 21. Jahrhunderts

Autor: Enrico Quaas
Fach: Romanistik - Lateinamerik. Sprache, Literatur, Landeskunde

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Details

Veranstaltung: Internet und soziale Bewegungen in Lateinamerika
Institution/Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Tags: Ejército, Zapatista, Liberación, Nacional, Eine, Darstellung, Entwicklung, Widerstandes, Guerillakampf, Jahrhunderts, Internet, Bewegungen, Lateinamerika
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 30
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 574 KB
Archivnummer: V68118
ISBN (E-Book): 978-3-638-60651-6
ISBN (Buch): 978-3-638-72532-3

Zusammenfassung / Abstract

In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen, die Entwicklung des bäuerlich-indigenen Widerstandes im zentralamerikanischen Staat Mexiko von den Anfängen bis hin zur aktuellen Situation der Widerstandsbewegung der Organisation EZLN, der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung1, aufzuzeigen. Dabei werde ich auf verschiedene für das Verständnis wichtige Aspekte eingehen. Im ersten Kapitel werde ich auf die mexikanische Revolution näher eingehen, den Begriff der Indígenas im historischen Kontext erläutern und aufzeigen, inwiefern diese ′Ur-Einwohner′ bis heute unter der Diskriminierung der Reichen und Weißen leiden. Im zweiten Kapitel werde ich mich dem mexikanischen Staat widmen und ihn auf seine politischen Ausrichtungen im 20. Jahrhundert hin untersuchen. Des weiteren wird die Entwicklung der mexikanischen Gesellschaft und Wirtschaft in den Mittelpunkt gestellt und Verbindungen mit dem immer stärker werdenden Aufkommen der Widerstandsbewegungen aufgezeigt. Im dritten Kapitel dreht sich die Analyse um die Entwicklung der EZLN2, die ihren vorläufigen Höhepunkt im Aufstand von Chiapas 1994 finden sollte. Das vierte Kapitel behandelt die soziale Bewegung im heutigen Mexiko, wobei ich auf die Strukturen der EZLN eingehen und dabei die Ideologie der Organisation und deren Guerillakampf darstellen werde. Im fünften Kapitel werde ich das aktuelle Mexiko hinsichtlich der derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen beleuchten. Im letzten Kapitel werde ich einen kurzen Kommentar zur EZLN halten und die heutige Organisation der EZLN auf der Grundlage des Demokratiebegriffs hin untersuchen und zeigen, inwiefern diese sich selbst als »basisdemokratisch« (Vgl. 4) ansehende Formation demokratische Strukturen aufweist oder nicht. Bei der Arbeit stütze ich mich vorwiegend auf die Bücher von Luz Kerkeling und John Ross.3

Textauszug (computergeneriert)

Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg

Sprach-und Literaturwissenschaften
Institut für Romanistik

Proseminar: Internet und soziale Bewegungen in Lateinamerika

Ejército Zapatista de Liberación Nacional
Eine Darstellung von der Entwicklung des bäuerlich-indigenen Widerstandes hin zum postmodernen Guerillakampf des 21. Jahrhunderts

Vorgelegt von: Enrico Quaas

Sommersemester 2006

 

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung 3

1 Der Ursprung des zapatistischen Gedankens 4

2 Das politisch dominierte und wirtschaftlich orientierte Mexiko 5
2.1 Der politische Staat 5
2.2 Die Zeit der Gegensätze 7

3 El Ejército Zapatista de Liberación Nacional 8
3.1 Von der radikalen Befreiungsarmee zur neuen Guerilla EZLN 8
3.2 Die Rolle der Frau 10
3.3 Der Aufstand in Chiapas 11
3.3.1 Hintergründe 12
3.3.2 Folgen 12

4 Die soziale Bewegung heute 13
4.1 Die Struktur der EZLN 13
4.1.1 »Mandar obdeciendo«  13
4.1.2 Die Ideologie der Zapatisten 14
4.1.3 Die Organisation 15
4.1.4 Subcomandante Marcos 17
4.2 Der postmoderne Guerillakampf 17
4.3 Mobilisierung von Oppositionsbündnissen 19

5 Aktuelle Protestbewegungen in Mexiko 21
5.1 Die mexikanischen Wahlen 2006 21
5.2 Staatliche Repressionen 22

6 Schlussbetrachtung 23

7 Literaturverzeichnis 27

8 Anhang 28

 

0 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen, die Entwicklung des bäuerlich-indigenen Widerstandes im zentralamerikanischen Staat Mexiko von den Anfängen bis hin zur aktuellen Situation der Widerstandsbewegung der Organisation EZLN, der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung1, aufzuzeigen. Dabei werde ich auf verschiedene für das Verständnis wichtige Aspekte eingehen.

Im ersten Kapitel werde ich auf die mexikanische Revolution näher eingehen, den Begriff der Indígenas im historischen Kontext erläutern und aufzeigen, inwiefern diese ′Ur-Einwohner′ bis heute unter der Diskriminierung der Reichen und Weißen leiden.

Im zweiten Kapitel werde ich mich dem mexikanischen Staat widmen und ihn auf seine politischen Ausrichtungen im 20. Jahrhundert hin untersuchen. Des weiteren wird die Entwicklung der mexikanischen Gesellschaft und Wirtschaft in den Mittelpunkt gestellt und Verbindungen mit dem immer stärker werdenden Aufkommen der Widerstandsbewegungen aufgezeigt.

Im dritten Kapitel dreht sich die Analyse um die Entwicklung der EZLN2, die ihren vorläufigen Höhepunkt im Aufstand von Chiapas 1994 finden sollte.

Das vierte Kapitel behandelt die soziale Bewegung im heutigen Mexiko, wobei ich auf die Strukturen der EZLN eingehen und dabei die Ideologie der Organisation und deren Guerillakampf darstellen werde.

Im fünften Kapitel werde ich das aktuelle Mexiko hinsichtlich der derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen beleuchten.

Im letzten Kapitel werde ich einen kurzen Kommentar zur EZLN halten und die heutige Organisation der EZLN auf der Grundlage des Demokratiebegriffs hin untersuchen und zeigen, inwiefern diese sich selbst als »basisdemokratisch« (Vgl. 4) ansehende Formation demokratische Strukturen aufweist oder nicht.

Bei der Arbeit stütze ich mich vorwiegend auf die Bücher von Luz Kerkeling und John Ross.3

1 Der Ursprung des zapatistischen Gedankens

»Sie haben unseren Wald abgeholzt, unsere Äste abgesägt, unseren Stamm verbrannt, aber unsere Wurzeln konnten sie nicht töten.«
(Ross 2004: 34)

Auf diese Weise zeigten die indigenen Bevölkerungsteile auf Transparenten anlässlich des 500. Jahrestags der Eroberung durch die Europäer ihre Einstellung und drückten so ihre noch immer tief verwurzelte ethnische Zugehörigkeit aus. Auch machten sie damit zugleich aufmerksam auf den seit Jahrhunderten andauernden Kampf der Indígenas gegen die weißen Herrscher.4

Der Begriff der Indígenas selber wurde erst in den 1980er Jahren geprägt5, als der ursprünglich verwendete Begriff der Indios mit negativem Beigeschmack (und zuweilen als Schimpfwort) assoziiert wurde. Die Indígenas sind die eigentlichen ′Ur-Einwohner′ Mexikos, die ab der Kolonisierung im 16. Jahrhundert durch die spanische Armada und allen voran Hernán Cortés verfolgt und zum großen Teil umgebracht wurden. Sie leben im heutigen Spanien als Minderheiten – vor allem im Süden des Landes.6

Schon im 16. Jahrhundert manifestierte sich die Ansicht, die indigenen Völker seien »rückständig« und »faul«.7 Diese Ansicht der ′weißen Herrscher′ setzte sich ungehindert bis in die heutige Zeit fort, in der die dunkle Hautfarbe zwar nicht mehr als rassisches Merkmal gilt, doch zuweilen von den Weißen als Brandzeichen für Indígenas herangezogen wird. Somit herrscht noch immer eine gewisse rassistische Diskriminierung vor, die sich unter anderem sogar im mexikanischen Fernsehen zu erkennen gibt, indem indigene Charaktere von weißen Schauspielern verkörpert werden.8 Dieses Vorgehen verkörpert vor allem den staatlich-politischen Gedanken der ′Homogenisierung des Landes′, d.h. dass sich die mestizische mit der indigenen Bevölkerung vermischen und somit für Reinheit im Lande sorgen soll.9

Anfang des 20. Jahrhunderts kam es schließlich zu einem vorläufigen Höhepunkt des bäuerlichindigenen Widerstandes gegen das herrschende Regime Mexikos, dem Diktator Porfirio Díaz, der in seiner Amtszeit acht Mal wieder gewählt wurde und in Mexiko als der Erfinder des modernen mexikanischen Systems des Wahlbetrugs gilt.10

Zwar wurde durch Díaz ein Modernisierungs- und Industrialisierungsprozess in Gang gesetzt, der aber nur für die wenigen Mitglieder der Oligarchie dieser Zeit zugänglich war. Vor allem die ländliche Bevölkerung, die campesinos, wurde durch diese Eingriffe von außen – die ohne ihr Einverständnis vonstatten gingen – besonders hart getroffen. Die Landwirtschaft dieser Zeit und auch zu Beginn des neuen Jahrhunderts war weitestgehend vernachlässigt wurden, und die ländliche Bevölkerung sah sich zusehends marginalisiert.11 Anfangs waren es bürgerlich liberale Kräfte, die sich gegen die herrschende Schicht erhoben, um selber mehr Rechte zu erreichen (vor allem in der politischen Mitbestimmung), doch nach und nach sollte es sich zu einer Revolution der indigenen Bevölkerung entwickeln.

Als sich der 1910 bei den Wahlen gescheiterte von den Díaz-Gegnern als Präsidentschaft-kandidat aufgestellte Francisco I. Madero aus der Gefangenschaft befreite und sich nach Texas ins Exil flüchtete, proklamierte er sich von dort aus als Präsident, veröffentlichte sein Programm und rief zur Revolution gegen Porfirio Díaz auf. Kurze Zeit darauf mobilisierte Emiliano Zapata12 im Südwesten des Landes eine bürgerlich-indigene Guerilla, und zur gleichen Zeit führte Francisco »Pancho« Villa seine bewaffneten Gruppen im Norden des Landes gegen die Regierung an. Schließlich dankte Díaz 1911 ab und Madero übernahm das Amt des Präsidenten. Zapata, der anfangs Madero unterstützte, sah sich in dessen Legislatur-periode um seine Ideale betrogen, da Madero zwar »Gewerkschaftsund Pressefreiheit« ansatzweise einführte und somit teilweise zur Demokratisierung des Landes beitrug, aber sich »zu wenig der Landbevölkerung« widmete und die Landreform nicht umsetzte, wofür Zapata und die bäuerlich-indigenen Bevölkerungsteile kämpften.13 Francisco I. Madero wurde 1913 von rechten Anhängern umgebracht und Carranza übernahm 1917 das höchste Amt Mexikos, woraufhin Zapata und Villa »zu den Waffen [griffen]«, da sie befürchteten, dass es zu einem Sieg des »reaktionären Mexikos« kommen könnte.14 In der Folge wurde Zapata 1919 von Carranzas Leuten in einen Hinterhalt gelockt und erschossen. Genauso erging es »Pancho« Villa vier Jahre später.15 In die Geschichte gingen beide als ′die Protagonisten′ der Revolution ein, und Emiliano Zapata wurde letztendlich insbesondere unter den Bauern sogar zur Legende und zum Mythos, dessen soziales Engagement und Forderung von »¡Tierra y Libertad!« - was heute mit dem Zapatismus verbindet – sich 1983 in der Gründung der Ejército Zapatista de Liberación Nacional wortwörtlich widerspiegelte und 1994 im Süden Mexikos – der ärmsten Region des Landes – in Chiapas16 einen Höhepunkt erleben sollte.

2 Das politisch dominierte und wirtschaftlich orientierte Mexiko

2.1 Der politische Staat

[...]


1 Kerkeling, Luz: ¡La lucha sigue! Der Kampf geht weiter!. 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage. Münster: UNRAST-Verlag, Januar 2006.

2 Auf Grund deutscher Assoziationen der Abkürzung der Organisation EZLN als feminin (die Partei/Organisation) werde ich im weiteren Verlauf den femininen dem maskulinen (und eigentlich korrekten) Genus vorziehen.

3 Ross, John: Mexiko. Das politische Reisebuch. Münster: UNRAST-Verlag, August 2004

4 Ross 2004: 34

5 Vgl. Kerkeling 2006

6 Kerkeling 2006

7 Kerkeling 2006: 64

8 Ross 2004: 33

9 Kerkeling 2006: 64

10 Ross 2004: 51f.

11 Vgl. Kerkeling 2006

12 siehe Abb. 1 (Anhang)

13 Kerkeling 2006: 15f.

14 Kerkeling 2006: 16

15 Kerkeling 2006: 15-17

16 siehe Karte 1 (Anhang)

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